Eine innere Mission

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Titel: Eine innere Mission
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 14, S. 166
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[166] Eine innere Mission. Seit die speciell sogenannte innere Mission gewissermaßen zu einer Macht in unserm Culturleben geworden, konnten nicht alle für eine Fortbildung des Volkes begeisterte Gemüther sich mit der Art und Weise, wie der Zweck jener Mission verfolgt wird, einverstanden erklären. Sind doch die Missionen überhaupt vielfach nicht eben die hellste Seite unsrer Zeit, treten sie uns auch nicht immer in so greller Gestalt entgegen, wie, wenn wir lesen, daß der berühmte Chinesenapostel Gützlaff, der die Herzen und Börsen seiner andächtigen und frommen Zuhörer so geschickt zu öffnen gewußt, eine junge – steinreiche, d. h. pfundreiche Frau hinterlassen habe. Um so erquickender ist es, da und dort die Spuren einen stillen geräuschlosen Wirkens edler und bescheidener Menschenwesen zu begegnen. Verstehen wir unter innerer Mission jede Bestrebung, welche darauf hinausläuft, die Nebenmenschen zu belehren, zu erziehen, heranzubilden und in nützlichen Verrichtungen zu unterrichten, so haben wir von einer solchen in anerkennendster Weise zu berichten. In dem romantischen Oberhalbsteinthale Graubündens liegen die kleinen Ortschaften Suvognin, Tinigona und Lonters; die weibliche Jugend des Thales ist eine mit körperlichen und geistigen Kräften gesegnete. Dem Unterrichte von ungefähr 60 Mädchen aus diesen Dörfern in weiblichen häuslichen Arbeiten, im Stricken, Nähen etc. hat sich mit noch zwei Lehrerinnen das edle Fräulein Lina Latour unterzogen, der bereits die Sänger von Suvognin ihre Bildung verdanken. Auch eine angemessene Erziehung giebt sie ihren Schülerinnen, und zwar nicht nur ohne alle Bezahlung, sondern sie schafft auch noch die nöthigen Gegenstände für den Unterricht aus eignen Mitteln an und vertheilt sie unter die Mädchen. Dies nennen wir eine ächte Missionärin und Volksfreundin und die Früchte einer solchen Aussaat können nur gute sein und zur edlen Nacheiferung ermuntern. Es ist noch viel zu säen auf altem christlichen Boden, und tausende unserer nächsten Mitbrüder und Schwestern warten noch auf eine so ächt christliche Humanitätspriesterin. wie Lina Latour.