Eine romantische Elen-Jagd auf Ceylon

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Titel: Eine romantische Elen-Jagd auf Ceylon
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 48, S. 664
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
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Erscheinungsdatum: 1857
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[664] Eine romantische Elen-Jagd auf Ceylon. Die interessantesten Elenjagden fand ich in der Gebirgslandschaft, welche der M’Donald, einer der reißendsten Flüsse, durchströmt. Er fällt 300 Fuß hoch perpendiculär hinab und ergießt sich brausend zwischen ungeheuren Felsblöcken, welche von den steilen, aus Gneis bestehenden Ufern in sein Bett hinabgerollt sind. Dort liegen sie wild übereinander gethürmt und bilden zuweilen große feuchte Höhlen, über welche der Strom dahinschießt. Wer in dessen Wirbel geräth, Mensch oder Thier, ist dem sichern Untergange verfallen. –

Diese Gebirgsgegend ist voll von Elen’s und ich hatte für einige Zeit mein Zelt in derselben aufgeschlagen. –

Eines Morgens, es war ein schöner Maitag, ging ich mit meiner Meute aus, und es währte nicht lange, so spürte sie einen prächtigen, starken Bock auf. Dieser floh aber rasch aus der Ebene in’s Gebirge und ich verlor mit meinen Gefährten die Spur. Wir klommen indessen muthig durch die Berge weiter und nach einer Meile Weges hörte ich den Anschlag der Hunde und sah den Bock geradeswegs nach dem Ufer zueilen. Ich sammelte die anderen Hunde, sie griffen muthig aus und stellten in nicht langer Frist den Bock auf einer mit Gras bewachsenen Plattform, 300 Schritt von dem Ufer, wo er sich ihrer auf’s Muthigste zu erwehren suchte. Als ich näher kam, mußte ich ihm meine Bewunderung zollen. Er hatte das prächtigste Gehörn, das ich je bei einem Elen gesehen, war dreizehn Faust hoch, seine Mähne sträubte sich und seine Nüstern waren vor Kampflust weit aufgebläht. Als er meiner ansichtig wurde, maß er mich mit seinen Blicken, wandte sich um und stob, von den Hunden verfolgt, dem Ufer zu. Ich folgte ihm, so rasch ich konnte, und sah ihn alsbald über einem Wasserfalle von einigen 80 Fuß, ungefähr 150 Schritt von dem großen Wasserfalle von 300 Fuß, stillstehn.

Es war ein großartiger Anblick. Unten brauste der Strom, die Hunde klafften um den Bock, der nicht mehr zurückkonnte, dieser aber kannte das Terrain von Jugend auf, und begann von Fels zu Fels zu springen, um das gegenüberliegende Ufer zu gewinnen. Dort versah er sich jedoch in dem Landungsplatze, das Ufer war zu steil, er konnte nicht festen Fuß fassen und ward den Strom hinabgetrieben. Die Hunde hatten sich bis dahin gescheut, ihm zu folgen. Da stürzten sich zu meinem Schrecken „Bran“ und „Lucifer“ in den Strom und sprangen von Fels zu Fels dem Elen nach, verschwanden aber bald darauf in dem Strudel. Der starke Bock konnte sich dem Strome entgegenstemmen, die Hunde wurden dagegen fortgerissen. Nur noch fünfzehn Fuß waren sie von dem Rande des Falles entfernt, und ich fürchtete jeden Augenblick, sie hinabgerissen zu sehen. Es waren meine beiden Lieblingshunde, und ich konnte mich nicht enthalten, ihnen ermuthigende Worte zuzurufen, obwohl ich mir sagen mußte, daß es ihnen unmöglich sein würde, sie vor dem Brausen des Stromes zu hören. Sie kannten ihre Gefahr, und arbeiteten mit aller Kraft ihr zu entgehn, da verbarg sie dicht vor dem Fall ein Haufen Gras meinen Augen. Ich hielt sie für verloren und stieß einen Schrei des Entsetzens aus – da – hurrah! – kamen sie wieder zum Vorschein. Das Gras hatte sie gerettet, sie hatten Fuß gefaßt und arbeiteten sich nach dem Ufer hin.

Inzwischen war die ganze Meute wie toll in’s Wasser gesprungen und verfolgte den Bock, der klug die seichten Stellen wählend zu entkommen suchte. Ich dachte, meine sämmtlichen Hunde würden darauf gehen, wenn sie von den Stromwirbeln gepackt und auseinandergesprengt wurden, nachdem sie zuerst einem Schwarm Eulen geglichen hatten. Die arme „Phrenzy“ kam auch dem Abgrunde zu nahe, wurde hinabgerissen und ich sah sie nie wieder.

Es war eine furchtbar aufregende Jagd. Ich kletterte den Abhang hinunter und kam grade zurecht, um den Bock wie eine Katze auf einen hervorragenden Felsen des gegenüberliegenden Ufers springen zu sehn. Zwei Hunde waren ihm jedoch dicht auf den Fersen und ich hetzte die übrigen. Außer „Phrenzy“ waren noch alle vorhanden. Ich sprang nun auch von Fels zu Fels und kam glücklich über den Strom, mit Händen und Füßen klimmend, nach dem entgegengesetzten Ufer. Es war 60 Fuß hoch, schwer zu erklimmen, dicht bei dem Fall, und ich hörte und sah nichts mehr von dem Bock und den Hunden. So mächtig war das Brausen des Falles, den ich jetzt gerade unter mir erblickte! Nachdem ich vorwärts gedrungen, hörte ich endlich wieder den Anschlag der Hunde und sah den Bock auf einer hundert Fuß hoben Plattform stehn. Sie bildete den Gipfel einer Klippe, und Elen und Hunde konnten nicht weiter. Den engen Weg zum Hinabsteigen hielten die Hunde besetzt, und wollte er durch die Meute brechen, so stürzte ein halbes Dutzend mit ihm binab. Ich stieg auf die Plattform hinab. Sie war nur zwanzig Fuß in’s Gevierte groß, und unter ihr gähnte ein 300 Fuß tiefer Abgrund. Der erste Absatz war zwar nur 70 Fuß hoch, auf diesen folgte aber Klippe auf Klippe bis zum Fluß.

Die Scenerie war prächtig. Da stand der noch jetzt gleich muthige Bock. sich weder vor Hunden noch vor Menschen fürchtend, trotzig mit dem Schicksal ringend. Ich mochte nicht auf ihn anlegen, weil er im Fallen die Hunde mit sich hinabgerissen haben würde. Diese sahen die ihnen drohende Gefahr, und kamen von Zeit zu Zeit zu mir, um dem Bock Zeit zu lassen, sich nach einem bessern Boden zu flüchten. Plötzlich entschied er jedoch die Frage nach seinem Willen. Ich rief die Hunde an, ihn so anzugreifen, daß er von der Klippe fortgetrieben wurde; er hielt sie jedoch mit seinem Gehörn und seinen Vorderfüßen von sich fern, trieb dann angreifend die Meute zurück, ging wieder nach dem Abgrunde vor, sah hinab und stürzte plötzlich zu meinem wie der Hunde Erstaunen hinunter. Ich hörte einen hellen Krach, dann brauste das Wasser wie zuvor. Die Hunde sahen über die Klippe und bellten furchterfüllt und verzweiflungsvoll. Das Wild war ihnen entgangen.

Auf einem Umweg von ungefähr einer halben Meile kamen wir an den Fuß der Klippe, von welcher der Bock hinabgesprungen war. Er war verendet, denn er hatte sämmtliche Knochen gebrochen. Ihn von da fortzuschaffen, war unmöglich. Ich schnitt daher nur seinen Kopf ab und bewahrte sein Gehörn, welches das schönste meiner Sammlung bildet.