Eines Negers Klage

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Joachim Ringelnatz
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Eines Negers Klage
Untertitel:
aus: Reisebriefe eines Artisten, S. 41, 42
Herausgeber:
Auflage: 5.–9. Tausend
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1928 (EA 1927)
Verlag: Ernst Rowohlt
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[41]
EINES NEGERS KLAGE


Ich bin in Sachsen als Neger geboren,
Zickzackbeinig und unehelich.
Meine Eltern habe ich schon früh verloren.
Beide haben mich sehr viel geschlagen,

5
Aber niemand bedauerte mich.

Aber das hat nichts zu sagen.

In der Schule war ich sehr borniert.
Später ging mir’s immer besser.
Denn da wurde ich als Feuerfresser

10
Nach Bilbao engagiert.


Darauf war ich jahrelang Reklame
Für den besten Schuhputz auf der Welt.
Und dann hat mich eine reiche Dame
Bei dem Oberkutscher angestellt.

15
Aber diese Stellung werde

Ich verlassen, weiß nur noch nicht, wann
Weil ich, wie die Dame meinte, Pferde
Nicht von Eseln unterscheiden kann.

Aber das hat nichts zu sagen,

20
Denn ich merke, was die Dame meint,

Und ich habe schon so viel ertragen,
Und ich habe oft für mich geweint.

[42]
Und am liebsten ginge ich nach Sachsen,

Wo die Menschen immer anders sind.

25
Denn ich bin dort einmal aufgewachsen.

Und ich hieß damals das Negerkind.