Einsamkeiten

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Textdaten
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Autor: Richard Dehmel
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Titel: Einsamkeiten
Untertitel:
aus: Aber die Liebe
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1893
Verlag: Dr. E. Albert & Co. Separat-Conto
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Erscheinungsort: München
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Quelle: Scans dieser Ausgabe auf Commons
S. 17-18
Kurzbeschreibung:
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[17] Einsamkeiten.

Nun still, mein Schritt, im stillen Nebelfeld;
hier rührt kein Leben mehr an meine Ruhe,
hier darf ich fühlen, daß ich einsam bin.
Kein Laut; kein Hauch; der bleiche Abend hält

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im dichten Mantel schwer die Luft gefangen.

So thut es wohl dem unbewegten Sinn.

Mein Herz nur hör’ich noch; doch kein Verlangen
nach Leben ist dies Klopfen. Lust und Schmerz
ruhn hinter mir versunken – gleich zwei Stürmen,

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die sich umarmen und im Wirbel sterben;

was störst du mich, mein allzu lautes Herz!

Sie haben Alle nie wie du gefühlt,
wie Du allein; nicht Freund, nicht Weib noch Kind;
sie sind auch einsam. Sieh, dort drüben

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müht sich ein grüner Schein im Nebelmeer,

ein Bahnlicht – sieh: so glimmst auch du im Trüben.
Hinaus, hinaus, wo keine Menschen sind!

Was wollt ihr noch? Weiter! auf jenen Hügel,
der grau zu Dunkel schwillt; Gesichter, weicht!

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sie folgen mir; o hätt’ich Flügel.

Und aus dem bleichen Feld tauchen die Sträucher
und sehen zu – der Hügel raucht:
wie feucht von Schweiß sich starr und breit
der Dunstalb an die Brust der Erde saugt.

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Gesichter, weicht! weicht! Seht mich keuchen!

Sie folgen mir. Oh Qual der Einsamkeit.

[18] Am Bahndamm niederzittr’ich in den Sand,
die glühende Stirne auf die nasse Schiene:
o käme jetzt das Eisenrad gerannt!

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Kalt frißt sich mir der blanke Strom ins Mark,

die Hände pressen wild den harten Reifen –
ich kann nicht mehr! Da – – horch: sei stark:

Gellend am Horizont ein hohles Pfeifen,
zwei Augen quellen stechend aus der matten

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Dunstferne, und – was will der Schatten,

was dunkelt dort der Erlenbusch?

Er löst sich, kommt; es reißt mich hoch,
er ist schon nah, ich will’s begreifen,
es nimmt Gestalt an, – Wahnsinn? Da:

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den Nebel teilt ein schwarzer Streifen,

mein wühlender Blick wird still und weit:
Jubel – stumm schüttelt mich ein Schrei:
Jubel, ein Mensch! – Oh Herz – o Einsamkeit –
und knatternd stampft der Dampfzug mir vorbei.