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Eisbootfahrt

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Textdaten
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Autor: M. V.
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Titel: Eisbootfahrt
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 7, S. 197, 227
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Benutzung eines Eiskahns zur Postbeförderung zwischen den norddeutschen Halligen und dem Festland
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[197]

Eine Fahrt mit dem Eisboot.
Nach einer Photographie von Otto Koch in Husum.

[227] Eisbootfahrt. (Zu dem Bilde S. 197.) Der Winter ist ein unbequemer Gast für die Bewohner der Inseln an der Westküste von Schleswig-Holstein; mit starren Eismassen bedeckt er die „Watten“, jene Untiefen zwischen den Inseln und der Küste, und hemmt so den Verkehr mit dem Festland. Tagelang kommt wohl weder Brief noch Zeitung herüber. Wenn es aber irgend geht, so wird trotz aller Hindernisse der Versuch gemacht, die Postsendungen von der Küste herüberzubringen und die eigenen fortzubefördern. Unser Bild auf S. 197 kann veranschaulichen, wie das geschieht; es stellt eine Scene aus dem Posttransport zwischen der Insel Nordstrand und der Stadt Husum dar. Das Eisboot mit dem hinten aufgeschnallten Postsack hat Nordstrand verlassen und sucht nun, über die Eisfläche hingezogen, seinen Weg in der Richtung gegen das Dorf Schobüll, das nördlich von Husum auf einer ins Meer vorspringenden Landzunge gelegen ist. Von dort her sollen, wie zwischen Husum und Nordstrand telegraphisch vereinbart worden ist, die Poststücke von Husum dem Boote eine Strecke weit über das Eis entgegengebracht werden, und der Führer des Bootes sieht nun mit seinem Fernrohr nach den Trägern aus, die von Schobüll her sich zeigen müssen. Immer weiter dringt das Boot vor, das auf drei eisenbeschlagenen, glatten, nach vorn und hinten abgerundeten Kielen wie ein Schlitten vorwärtsgleitet und mit seinem hochstehenden Schnabel leicht auf übereinandergethürmte Eisschollen hinaufgezogen werden kann. Endlich erreichen die vier Männer den „Wattstrom“, die vom Eis nicht bedeckte Fläche; sie lassen das Fahrzeug ins Wasser hinab, besteigen es und schieben es nun mit langen Stangen vorwärts, indem sie zugleich heranschwimmende Eisblöcke mit den Eishaken fernhalten. Drüben am andern Ufer des Eisfelds begrüßen sie mit einem freundlichen „Gode Dag“ die Husumer Postträger, die sich bereits dort eingefunden haben und durch Zeichen aus dem Nebelhorn des Bootsführers schon von weitem über die einzuschlagende Richtung verständigt worden sind. Man tauscht nun einige Festlands- und Inselneuigkeiten aus, die Postbeutel werden gewechselt und das Boot kehrt zur Insel zurück.

Nicht immer geht diese Postbeförderung glatt vor sich; das Eisboot kann im Wattstrom durch Eisschollen bedroht oder durch eine starke Strömung des Wassers von seiner Richtung abgedrängt werden, oder dichter Nebel macht das gegenseitige Zusammentreffen unmöglich, obgleich man sich mit Hilfe des Kompasses und durch fortgesetzte Signale mit dem Nebelhorn zusammenzufinden sucht. In solchen Fällen heißt es, das beschwerliche Werk am andern Tag von neuem in Angriff nehmen, und sie thun es unverdrossen, die wackeren Stephansjünger der Nordseeinseln. M. V.