Elektrische Kraft Hertz:013

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Heinrich Hertz: Untersuchungen über die Ausbreitung der elektrischen Kraft
Seite 13
<< Zurück Vorwärts >>
De Elektrische Kraft Hertz 013.jpg
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.


[13]

1. Einleitende Uebersicht.


lieber unbekannte Fehlerquellen in den Versuchen zuzugeben, als an der behaupteten Verschiedenheit festzuhalten. Ist es die von vielen Seiten hervorgehobene Abweichung des Ergebnisses von der Theorie? Gewiss nicht; die Theorie war mir auch damals bekannt und dieselbe muss sich den Versuchen unterordnen. Ist es der hierauf bezügliche Versuch Herrn Lecher’s?[1] Bei aller Anerkennung der grossen Verdienste Herrn Lechers um dies Gebiet muss ich diese Frage doch verneinen. Herr Lecher setzt bei der Ausnutzung seines Versuchs die Richtigkeit der Rechnung, damit in gewissem Sinne die Richtigkeit der Theorie voraus.[2] Dann sind es also die Resultate der Herren Sarasin und de la Rive,[3] welche die Versuche genau wiederholten mit einem der Theorie vollständig entsprechendem Ergebniss? In gewissem Sinne ja, in anderm Sinne nein. Die Genfer Physiker arbeiteten in einem viel kleineren Raume als ich selber; die grösste ihnen zu Gebote stehende Entfernung betrug nur 10 Meter und selbst auf diese Entfernung hin konnten die Wellen sich nicht völlig frei entwickeln. Ihr Spiegel war nur 2,8 m hoch. Die Sorgfalt der Beobachtung kann die Ungunst der räumlichen Verhältnisse nicht compensiren. In meinen Versuchen hatten die Wellen doch immerhin einen völlig freien Spielraum von etwa 15 m. Mein Spiegel war 4 m hoch. Läge also die Entscheidung einzig und allein bei den Versuchen, so könnte ich denjenigen der Herren Sarasin und de la Rive kein grösseres Gewicht als meinen eigenen beilegen und insofern also nein.[4] Aber die Genfer Versuche zeigen jedenfalls, dass sich die von mir ausgeführten Messungen nicht Überall bestätigen; sie zeigen, dass vor andern reflectirenden Wänden und in andern Räumen die Erscheinungen quantitativ anders ausfallen und dass die Wellenlängen unter Umständen auch die von der Theorie ge-


  1. E. Lecher. Eine Studie über elektrische Resonanzerscheinungen. Wied. Ann. 41. 850.
  2. Die gleiche Bemerkung gilt auch für die ganz neuerdings erschienene Arbeit des Herrn Blondlot, C. R. 113. 628. [Vergl. Anmerkg. 15 am Schluss des Buches.]
  3. E. Sarasin u. L. de la Rive, Comptes rendues 112. 658.
  4. In einem Raum von nicht näher angegebenen Dimensionen fand Herr Trouton die Wellenlänge meines primären Leiters in der Luft ebenso wie ich zu etwa 10 m. Nature 39. 391.