Elektrische Kraft Hertz:140

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Heinrich Hertz: Untersuchungen über die Ausbreitung der elektrischen Kraft
Seite 140
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8. Ueber elektrodynamische Wellen im Luftraume.


in B und D aber Bäuche der elektrischen Welle erkannt zu haben. Im anderen Sinne dürfen wir indess auch B und D als Knotenpunkte bezeichnen. Es sind nämlich diese Punkte die Knoten einer stehenden Welle magnetischer Kraft, welche nach der Theorie die elektrische Welle begleitet und um ¼ Wellenlänge gegen dieselbe verschoben ist. Durch den Versuch können wir diese Aussage in folgender Weise erläutern. Wir stellen unseren Kreis wieder in die Schwingungsebene ein, bringen aber jetzt die Funkenstrecke in den höchsten Punkt. In dieser Lage vermöchte die elektrische Kraft, wenn sie homogen im ganzen Bereiche des secundären Kreises wäre, keine Funken hervorzurufen. Sie bringt eine Wirkung nur dadurch hervor, dass sie verschieden gross in den verschiedenen Theilen des Kreises ist, und dass ihr um den Kreis genommenes Integral nicht verschwindet. Dies Integral ist proportional der Zahl der magnetischen Kraftlinien, welche durch den Kreis hin und her schwanken. Insofern dürfen wir sagen, dass die Funken in dieser Lage die magnetische Kraft, welche senkrecht auf der Ebene des Kreises steht, messen.[1] Wir finden nun aber in dieser Lage in der Nähe der Wand lebhafte Funken, welche schnell abnehmen, in B verschwinden, wieder wachsen bis C, dann wieder abnehmen bis zu einem deutlichen Minimum in D, um bei weiterer Annäherung an die primäre Schwingung dauernd zu wachsen. Tragen wir die Stärke dieser Funken als Ordinaten mit positivem und negativem Vorzeichen auf, so erhalten wir nahezu die punktirte Linie unserer Figur, welche uns dann richtig die magnetische Welle darstellt. Die von uns zuerst beschriebene Erscheinung können wir auch erklären als hervorgehend aus dem Zusammenwirken der elektrischen und der magnetischen Kraft. Erstere kehrt ihr Zeichen um in den Punkten A und C, letztere in den Punkten B und D; in jedem dieser Punkte kehrt also der eine Theil der Wirkung das Zeichen um, während der andere das Zeichen bewahrt; so kehrt demnach die resultirende Wirkung (wie das Product) ihr Zeichen nach jedem jener Punkte um. Selbstredend unterscheidet sich diese Erklärung nicht dem Sinne, sondern nur der Ausdrucksweise nach von der zuerst gegebenen.


  1. [Siehe Anmerkung 18 am Schluss des Buches].