Elektrische Kraft Hertz:206

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Heinrich Hertz: Untersuchungen über die Ausbreitung der elektrischen Kraft
Seite 206
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12. Ueber mechanische Wirkungen elektrischer Drahtwellen.


der in diesen Bahnen umlaufenden Ströme betrachten. Der in dem Reif inducirte Strom muss im Inneren des Reifes beständig den Einfluss der inducirenden Strömung aufheben, also dieser in jedem Augenblicke entgegengerichtet sein, demnach von ihr abgestossen werden.

     Alle weiteren Bewegungserscheinungen, welche man an dem aufgehängten Reif wahrnimmt, fügen sich ohne Zwang der gegebenen Erklärung. Complicationen treten unter Umständen ein. Belassen wir zum Beispiel die Anordnung in dem Zustande, welchen Fig. 39 uns angiebt, entfernen dabei aber den Reif von dem Knoten bb′ gegen den Bauch der Schwingung hin, so nimmt die Abstossung sehr schnell ab, wird in einiger Entfernung Null und geht dann in eine Anziehung über, welche bis zur Erreichung des Wellenbauches zunimmt. In einem besonderen Falle betrug zum Beispiel die Abstossung bei bb′ 20 Scalentheile, verschwand in einer Entfernung von 95 cm vom Ende und ging in eine Anziehung über, deren Maximalwerth durch 44 Scalentheile gemessen wurde. Offenbar erklärt sich dieser Verlauf nicht aus dem Verhalten der magnetischen Kraft allein, sondern aus dem Zusammentreffen derselben mit der elektrischen Kraft, von welchen die letztere bei c, die erstere bei bb′ bedeutend überwiegt. Wir können diese Vermuthung bestätigen und den Verlauf der magnetischen Schwingung verfolgen, indem wir die elektrische Kraft eliminiren. Zu dem Ende stellen wir parallel den Drähten ab und a′b′ zwei weitere, aber nur etwa 20 cm lange Drähte in solcher Lage auf, dass dieselben symmetrisch zu den Drähten ab und a′b′ in Bezug auf die Ruhelage des Reifes liegen, wie es die punktirten Linien a1b1 und a1b1′ der Fig. 40 angeben. Wir verbinden ab mit a1b1 und a′b′ mit a1b1′. Hierdurch ist offenbar die elektrische Wirkung fast aufgehoben, die magnetische nur wenig beeinträchtigt. In der That beobachten wir nunmehr in allen Entfernungen eine Abstossung des beweglichen Ringes von den festen Drähten. Diese Abstossung nimmt von den Enden der Schwingung gegen ihre Mitte hin beständig ab und erreicht dort ein Minimum, in dem erwähnten Beispiel ein solches von 4 Scalentheilen. Wäre die elektrische Schwingung eine reine Sinusschwingung, so müsste in ihrem Bauche die magnetische Kraft verschwinden; schon aus der Vertheilung der elektrischen Kraft sahen wir, dass diese ein-