Elias

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Textdaten
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Autor: Johann Gottfried Herder
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Titel: Elias
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aus: Zerstreute Blätter (Dritte Sammlung) S. 288-290
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Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1787
Verlag: Carl Wilhelm Ettinger
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Erscheinungsort: Gotha
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Quelle: ULB Düsseldorf und Commons
Kurzbeschreibung:
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Zerstreute Blaetter Band III 288.jpg
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[288]
Elias.


Feurigen Geistes war Elias und Feuerflamme war der Geist seines Prophetenamtes. Oft ließ er dieselbe niedersteigen vom Himmel und verzehrete im Eifer sein eigenes Leben.

Einst als er müd’ und matt zum Berge Horeb ging und in der dürren Wüste unter dem einsamen Wachholderbaum ruhte, da seufzete er: „es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele.“ Und ein Engel Gottes stärkte ihn, daß er zum Berge gelangte, wo Gott die Last seines Prophetenamts von seinen Schultern nahm und ihm befahl, einen andern an seine Stelle zu salben.

Und als mit dem gesalbten Elisa, Elias am Jordan ging: siehe da kam ein feuriger Wagen mit feurigen Rossen, und scheidete die beiden von einander, und Elias fuhr im Wetter gen Himmel.

[289] Die erste Gestalt, die ihm in jener Welt erschien, war Moses, sein Vorbild. „Du hast geeifert, sprach er, (indem er in die läuternden Flammen des Feuerwagens ihm seine Rechte reichte;) du hast geeifert mein Bruder, mit Feuereifer und hast viel erlitten von deinen Brüdern. Ich habe gelitten wie du; aber dennoch bat ich für ihr Leben und opferte meine Seele an ihrer Seelen statt. Indessen komm zum Throne des Richters, des Allerbarmers.“ Elias ging mit bebenden Schritten zur Wolke des Thrones.

„Was willt du hier, Elias?“ sprach die Stimme aus der Wolke; und Elias sprach: „Ich habe geeifert um Jehovah, den Gott Zebaoth, und war allein überblieben und sie standen mir nach dem Leben.“ Da ging ein Feuer aus der Wolke; aber der Herr war nicht im Feuer: und ein großer, starker, die Felsen zerreissender Wind ging vor Elias her; aber der Herr war nicht im Winde. Und nach dem Feuer und Winde kam [290] ein sanftes, stilles Sausen, in welchem Jehovah war. Durchdrungen fühlte der Prophet sein Innerstes, daß schnell die Flamme seines Geistes wie Morgenröthe stralte. „Ruhe, sprach die Stimme, und erquicke dich hier: denn der Herr ist barmherzig und freundlich. Oft sollt du niedersteigen zu den Menschen und sie sanfter belehren, und liebreich erretten und trösten.“

Seitdem besucht Elias die Menschen oft, aber in einem andern, als seinem ehemaligen Feuergeiste. Unsichtbar oder in fremder Gestalt mischet er sich in das Gespräch derer, die nach Weisheit forschen und vereinigt ihre Seelen. In häuslichen Geschäften kehret er das Herz der Väter zu den Kindern und das Herz der Kinder zu den Vätern; er errettet aus Gefahren, antwortet dem Betenden und erquicket und tröstet. In der Person Johannes ging er als Morgenstern vor der ausgehenden Sonne her und stärkete den Sohn der Liebe selbst auf jenem heiligen entzückenden Berge.