Epistel an * * *

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Susanne von Bandemer
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Epistel an * * *
Untertitel:
aus: Neue vermischte Gedichte, S. 106–109
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1802
Verlag: Vorlage:none
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[106]

Epistel an ***.


Freund! den ein guter Gott zum Trost mir zugesandt,
Als ich an der Verzweiflung Rand
Nur Schmerzen fühlte, die, von Furien erzeuget,
Mein Mund umsonst verschweiget. –

5
Ha, sahst du, Edler! nicht die Zähren glühend fließen,

Die mir der Liebe Hochverrath erpreßt?
Noch lange werd’ ich sie vergießen,
Da Freund und Freundinn mich verläßt,
Da selbst die heilig süße Bande,

10
Die Herz an Herz geknüpft, zerreißt,

Und – Menschheit, deinem Werth zur Schande –
List und Betrug, durchdachte Klugheit, heißt.

[107]

Warum ward mir allein das Loos bey diesem Herzen –
Das in der Liebe nur sein beßres Daseyn fühlt –

15
Daß es, verkannt, zerfleischt von namenlosen Schmerzen,

Die schöne Truggestalt für echte Wahrheit hielt?
Ach! lebt und webt ich nicht im Manne meiner Wahl?
Sah ich nicht jede Tugend keimen, wachsen, blühen
In seinem Herzen, nach dem Ideal

20
Das ich mir selber schuf, den Knoten fest zu ziehen?

Und schnell zerstört der Bosheit Natterngift
Die schöne Schöpfung meiner Liebe.
Beschämt entsag’ ich jetzt auf ewig ihrem Triebe,
Da mich der Falschheit Schlangengeißel trifft.

25
Sie ist’s nicht werth, was man hier Liebe nennet,

[108]

Der Qualen, die ein treues Herz durchglüht;
Der beßre Mensch allein verstehet, ehrt und kennet
Die Himmlische, die uns der niedern Erd’ entzieht:
Die uns – ach, über uns, und eine Welt erhebet;

30
Nur den Geliebten denket, fühlt und sieht;

Und in dem Urquell aller Liebe lebet,
Wo Wahrheit ewig thront und jede Täuschung flieht.

So sey’s. – Ein beßres Glück schenkt mir mein Genius – –
Seit jenem schönen Augenblicke,

35
Wo ich dich, Theurer! sah; und seligen Genuß

Verspricht die Freundschaft mir. – O du, von dem Geschicke
Mir zugeführter Freund!
Komm zu mir mit dem Chor der holden Pierinnen,

[109]

Den sanften Tugenden; verein’t

40
Und froh umschwebt von allen Charitinnen,

Die dich zu ihrem Freund und Liebling ausersehn!
Und lehre mich, in süßen Göttertönen,
Mich mit mir selber auszusöhnen.
Dann ist die Welt mir wieder schön.