Epistel an den Geheimenrath von Diez

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Susanne von Bandemer
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Epistel an den Geheimenrath von Diez
Untertitel:
aus: Neue vermischte Gedichte, S. 57–60
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1802
Verlag: Vorlage:none
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Berlin
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[57]

Epistel an den Geheimenrath von Diez.


Leicht aufgescheucht vom kurzen Morgenschlummer,
Blickt’ ich halb schüchtern um mich her:
Und schämte mich, daß noch der böse Dämon Kummer
Verrätherisch die Ruhe mir geraubt. – Ach! Er,

5
Der mit gestähltem Herzen

Der Stoa Lehrer ist, Er lehrte mich die Schmerzen,
In ihrer allerstärksten Wuth
Mit Possidonius erhabnem Heldenmuth
Verachten. Nur der Mann nach meinem Ideal,

10
Das itzt realisirt vor meinen Augen schwebet,

[58]

Kann dieß; allein das Weib, aus schwächerm Stoff gewebet,
Fühlt, doppelt reizbar, jede Qual,
Die die Natur für sie bereitet,
Und die mein theurer Diez als Held und Mann bestreitet.

15
O, Freund der Wahrheit und Natur!

Die Praktik deiner Weisheitslehre
Macht dir und macht der Menschheit Ehre.
Die Göttinn unsrer Tage, die Kultur,
Die manches Gift uns Sterblichen bereitet,

20
Die nimmer müde wird, stets unsre Ruhe stört,

Den Thoren oft, den Weisen oft bethört,
Und, gleich dem Briareûs, mit hundert Händen streitet,
Ist nie das Opfer werth, das wir mit Sklavensinn
Der launenvollen Göttinn bringen.

25
Gewohnheit, heißt der Riese, der uns zähmt,

Der selbst die Kraft der ersten Seele lähmt,

[59]

Um sie ins Joch der Kunst zu zwingen:
Drum wünsch’ ich mich, so wahr ich bin!
Oft nach der Pelew-Insel hin, [1]

30
Und träume mich in jenem guten Lande,

Gott weiß, wie glücklich, und in welchem bessern Stande.

Wohl dem, dem noch ein Traum das matte Herz erquickt:
Mag man denn immerhin zum Nichtgenuß erwachen;
Ein nur erträumtes Lachen

35
Ist einem Blümchen gleich, das man am Wege pflückt.


Du wirst dein edles Herz an mannichfachen Freuden,
Mein Diez, in dem Genuß der reizenden Natur,
Auf deiner ländlich schönen Flur
Wie Cicero im Tusculanum weiden,

[60]

40
Wo dir das Horn der Amalthea rinnt;

Ich aber werde mich im Geist des Glücks erfreuen,
Das dir Philosophie und Menschlichkeit verleihen,
Die deines Hauses Laren sind.



  1. Relation des Iles Pelew du Capitaine Henri Wilson. 1788.