Erinnerungen aus meinem Leben/Bischof Willibrord und seine eucharistischen Bestrebungen

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von: Willibrord Benzler
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Bischof Willibrord und seine eucharistischen Bestrebungen

Man wird nicht fehlgehen, wenn man den Internationalen Eucharistischen Kongreß von Metz als den Glanz- und Höhepunkt des Wirkens Bischof Willibrords bezeichnet. Von die­sem Höhepunkte führen aber so viele Linien in die Zeit vorher und nachher, daß man jenem Priester nicht Unrecht geben kann, der seine bischöfliche Regierung kurzweg eine eucharistische nannte.

In seiner glaubensstarken, glühenden Liebe zur heiligen Eucha­ristie, diesem Geheimnis der Geheimnisse, ging der Oberhirte seinen Gläubigen mit leuchtendem Beispiele voran, vor allem seinen Prie­stern. Das Herz des Priesters sollte in erster Linie von dieser Liebe entzündet werden; dann mußte sich dieses Feuer sicher auch den Gläubigen mitteilen. Deshalb stellte Bischof Willibrord schon auf der zweiten Diözesansynode im Jahre 1903 den eucharistischen Heiland den Priestern als Vorbild vor die Seele. Beim gleichen Anlaß sprach er im Jahre 1906 über die Feier der heiligen Messe, bei der der Priester zum zweiten Christus wird. Im Jahre 1911 be­tonte der Bischof auf der Synode, daß die glaubensvolle Verehrung der heiligen Eucharistie das wirksamste Mittel sei zur religiösen Er­neuerung; der Priester müsse darin den anderen voranleuchten, dann bleibe seiner Hirtenarbeit ein schöner Erfolg beschieden. Als viele seiner jungen Priester und Kleriker zum Heeresdienste eingezogen waren, sandte er ihnen in die Gefahren des Militärlebens als besten Schutz zwei Schreiben im Jahre 1917 und 1918, worin er sie er­mahnte, in der heiligen Eucharistie Licht, Kraft, Trost und Aneiferung zum Guten zu suchen.

Als Pius X. im Dezember 1905 als schönstes Weihnachtsgeschenk für die katholische Christenheit das Dekret über die öftere und tägliche heilige Kommunion veröffentlichte, empfand Bi­schof Willibrord darüber die größte Freude (s. S. 114). Er machte [179] es gewissermaßen von da an zum Leitstern seiner bischöflichen Wirksamkeit. Am 10. Juni 1906 teilte er das Dekret in einem Rund­schreiben an seine Geistlichkeit mit und empfahl dessen Ausführung aufs wärmste.

Noch im gleichen Jahre kamen Verhandlungen zum Abschluß, die seiner Bischofsstadt für das Jahr 1907 die Ehre des Internatio­nalen Eucharistischen Kongresses sicherten. Die Seele dieses Kongresses sollte, das war dem Bischof von Anfang an klar, gerade das päpstliche Dekret über die häufige heilige Kommunion sein. Die weiteren und näheren Vorbereitungen auf den Kongreß waren alle von diesem Zentralgedanken beherrscht.

Am 21. November 1906 kündete der Bischof in einem Schreiben an die Geistlichen voll Freude an, welch hohe Ehre seiner Bischofs­stadt für den 6.–11. August des folgenden Jahres zugedacht sei. Er ermahnte die Priester, freudig die Mühen der Vorbereitung auf sich zu nehmen. Auch sollten die Arbeiten für die Pastoralkon­ferenzen des Jahres 1907 sich alle auf das hochheilige Geheimnis der Eucharistie beziehen, damit sich der Klerus für diese Tage vor­bereite. Eine viergliederige Kommission, an deren Spitze der an­gesehene Redakteur des Lorrain, Ehrenkanonikus H. Collin[1], ein ausgezeichneter Organisator, als Generalsekretär stand, leistete nach den Weisungen des Bischofs die Riesenarbeit der Vorbereitung des Kongresses.

Der Bischof selbst suchte alle seine Diözesanen für dieses groß­artige Schauspiel des christlichen Glaubens zu erwärmen. Deshalb widmete er den Fastenhirtenbrief des Jahres 1907 ganz dem kommenden Eucharistischen Kongreß. Er sagt darin über die heilige Eucharistie: »Dieses hochheilige Sakrament ist notwendigerweise der Mittelpunkt unserer heiligen Religion; es muß auch der Mittel­punkt sein, um den das Leben eines jeden Christen sich bewegt. Je mehr Christus im Tabernakel der Gegenstand der Liebe und Ver­ehrung [180] des gläubigen Volkes ist, um so mehr blüht und gedeiht das christliche Leben, um so mehr ist das Heil der Seelen gesichert.« Er verspricht sich viel von diesem Kongreß: »Wir glauben Uns nicht zu täuschen, wenn Wir hoffen, daß der Lohn für Unsere Bemü­hungen darin bestehen wird, daß in Euren Herzen die Gesinnungen des Glaubens, der Liebe und der Dankbarkeit gegen den im heilig­sten Sakramente gegenwärtigen Heiland kräftig belebt werden, und daß so das ganze christliche Leben unter Euch einen neuen Auf­schwung nehme.« Für den glücklichen Verlauf des Kongresses schrieb der Bischof bestimmte Gebete vor, z. B. sollten die Kinder vor dem Religionsunterricht jedesmal ein besonderes Ave Maria beten. Später verfügte er noch, daß in allen Kirchen der Diözese während des ganzen Monates August an den Sonntagen über das heiligste Altarsakrament gepredigt werde.

Das Interesse der Diözesanen wuchs, als Bischof Willibrord am 19. Juli das herrliche Schreiben veröffentlichen konnte, durch das Pius X. den Kardinal Vinzenz Vanutelli zu seinem Legaten für den Kongreß bestimmte. Darin heißt es: »In der Eucharistie findet sich in Wahrheit der Mittelpunkt des christlichen Lebens und sozu­sagen die Seele der Kirche. Je größer die Liebe ist, die das katho­lische Volk ihr entgegenbringt, desto reichlicher wird es am Leben Christi Anteil haben, desto mehr den Fortschritt der christlichen Religion sichern für jede einzelne Seele, wie für die ganze Gesell­schaft«. Deshalb begrüßte es auch der Papst, daß als Zentralgedanke für den Kongreß die öftere heilige Kommunion bestimmt wurde.

Der Kongreß verlief so schön, daß man nur eine Stimme des Lobes darüber hören konnte (s. S. 114 f.). Zwei Kardinäle, fünf Erz­bischöfe, zwanzig Bischöfe, dreizehn Äbte, dreitausend Priester nahmen daran teil.

Am 24. August 1907 konnte der Bischof in einem Hirtenschreiben dankbaren Herzens berichten, Gott habe den Kongreß mit seinem besonderen Segen begleitet. Wir lassen hier einige Worte des Bischofs folgen:

[181] »Die Zahl der Teilnehmer war eine ungemein große; die verschiedensten Länder hatten ihre Vertreter gesandt, und eine nie gesehene Anzahl von Bischöfen und Prälaten waren zum Kongresse erschienen. Der heilige Vater selber führte in der Person seines Legaten auf demselben den Vorsitz. Glänzend waren die gottes­dienstlichen Feiern in unserer einzig schönen Kathedrale, die des Morgens von verschiedenen Bischöfen zelebrierten Pontifikal-Hoch­ämter, sowie die Predigten und Segensandachten am Abend. Für die Verhandlungen des Kongresses reichten die Räumlichkeiten bei weitem nicht aus, so groß war der Zudrang zu denselben. Es war ein wahrer Genuß, die ausgezeichneten Redner zu hören, die so hinreißend von der Herrlichkeit des allerheiligsten Sakramentes, von der Liebe und Menschenfreundlichkeit unseres Gottes zu sprechen wußten. Ganz besondern Eindruck machten die begeisterten Reden jener hervorragenden Männer aus dem Laienstande, die, mitten im bürgerlichen und politischen Leben stehend, freimütig ihrer katho­lischen Überzeugung Ausdruck gaben und durch die Glaubens­innigkeit ihrer Worte die Herzen der Zuhörer tief bewegten. War es nicht ergreifend, aus Laienmunde die Bedeutung der heiligen Eucharistie gerade für die Männerwelt so beredt feiern zu hören? Gewiß, die goldenen Worte, die auf dem Kongresse gesprochen worden sind, sie werden nicht verloren sein, sondern Saatkörnern gleichen, die, in die Herzen gestreut, aufgehen und hundertfältige Frucht bringen werden. Den Glanzpunkt des Kongresses, Ihr alle wißt es, bildete die Schlußprozession mit dem allerheiligsten Sakra­mente. Mit innigster Rührung erfüllte es Unser Herz, als der göttliche Erlöser im Sakramente seiner Liebe wieder einmal die Schwelle unserer Kathedrale überschritt und nun durch die Straßen der Stadt einen wahren Triumphzug feierte. Und als dann der Kardinal-Legat, umgeben von den Bischöfen und Prälaten, von der Höhe der Espla­nade aus die unabsehbare Menge und das ganze Lothringerland mit dem heiligsten Sakramente segnete, da stahlen sich Freudentränen ins Auge, und wohl kein Herz blieb ungerührt«.

[182] »Katholisches Lothringen, du darfst stolz darauf sein, bei dieser feierlichen Gelegenheit so glänzend deinen Glauben bekannt und deinem Erlöser einen so herrlichen Triumph bereitet zu haben! Unser Herz strömt über vor Freude und Dank! Dank dem allgütigen Gotte, der solche Feste uns beschieden, Dank aber auch allen denen, die durch ihr Gebet oder ihre Arbeit zur würdigen Feier derselben so wirksam beigetragen haben!«

Kardinal Vanutelli hatte nicht Unrecht, wenn er in seiner Schluß­ansprache am 10. August von dem Kongreß sagte, er gehöre zu den bemerkenswertesten Ereignissen in der Geschichte der heiligen Eucharistie. Der Heilige Vater zeigte sich über den glänzenden Ver­lauf des Kongresses sehr befriedigt und äußerte sich in einem Breve an den Bischof am 15. August 1908: »Sollte der häufige Empfang der heiligen Kommunion die einzige Frucht des Metzer Kongresses sein, so wäre diese Uns überaus erwünscht, da sie ja alle anderen Früchte in sich schließt. Denn hier fließt die Quelle der wahren Gottesliebe, der echten Frömmigkeit und der vollkommenen Ein­tracht des Herzens. Von hier strömt der menschlichen Schwachheit Stärke zu, hier haben wir die Vorbedingung für das ganze christliche Leben.«

Bischof Willibrord hatte mit dem Internationalen Eucharistischen Kongreß einen schönen Erfolg erzielt. Die Herzen seiner Diöze­sanen waren warm geworden, die Zahl der heiligen Kommunionen nahm ganz bedeutend zu. Der Oberhirte ruhte aber nicht; er wollte auf dem gewonnenen Fundamente weiterbauen. Es sollte mit diesem Kongreß für die Diözese eine neue eucharistische Ära be­ginnen, wie er auf der Synode von 1908 sagte. Sooft sich ihm Ge­legenheit bot, suchte er von da an bei seinen Diözesanen den Eifer für die öftere heilige Kommunion zu steigern. Am 20. Dezember des Jahres 1907 richtete er ein eigenes Rundschreiben an alle Klosterfrauen seiner Diözese und mahnte sie mit begeisternden Worten zum täglichen Empfange des Lebensbrotes; sie sollten in ihrem Wirkungskreise [183] zu eifrigen Aposteln der öfteren Kommunion werden. Der Fastenhirtenbrief des Jahres 1908 brachte dann eine volkstümliche Erklärung des päpstlichen Dekretes über die öftere und tägliche heilige Kommunion und eine gründliche Widerlegung der gegen diese heilsame Übung erhobenen Einwände. Darin schreibt der Bischof unter anderem: »Wir werden nicht ablassen, Unsere inbrün­stigen Gebete zu Gott emporzusenden, auf daß er Unserer teuren Diözese die große Gnade der häufigen Kommunion mehr und mehr zu verleihen sich würdige. Einen größeren Trost könnte es für Uns nicht geben, als diese Unsere Bitte gewährt zu sehen; freudig woll­ten Wir dann am Ende Unserer irdischen Laufbahn mit dem greisen Simeon ausrufen: Nun entlässest Du, o Herr, Deinen Diener in Frie­den, denn meine Augen haben das Heil gesehen, das Du Deinem Volke bereitet hast - in dem oftmaligen Empfange Deines hoch­heiligen Fleisches und Blutes.«

Drei Jahre nach dem großen Internationalen Eucharistischen Kongreß sollte Metz der Schauplatz eines Diözesankongresses werden. Was dort im großen geschah, sollte sich nun in kleinerem Maßstabe wiederholen. Über diesen seinen Plan berichtete der Bischof zunächst in einem Rundschreiben an seine Geistlichkeit vom 14. März 1910. Der neue Kongreß, so hieß es darin, sollte zur Kon­trolle darüber werden, ob die Beschlüsse des Internationalen Kongresses in der Diözese auch durchgeführt worden seien. Deshalb sollten zunächst die Erzpriester an der Hand der Fragebogen, die alle Pfarrer auszufüllen hatten, einen allgemeinen Bericht zusammen­stellen; daraus sollte ein Generalbericht für den Diözesankongreß vorbereitet werden. Die Fragen, welche die Pfarrer beantworten mußten, bezogen sich auf die Vorbereitung der Kinder zur ersten heiligen Kommunion, auf die öftere Kommunion der Jugend, auf die Zahl der vorgeschriebenen Kommunionen in Jugendvereinen, auf die Fortschritte in der Zahl der öfteren Kommunionen gegenüber 1907 bei der Jugend, bei den Erwachsenen und ähnliches. Ebenso [184] wurden genaue Angaben eingefordert über den Stand der euchari­stischen Bewegung in den Erziehungs- und Unterrichtsanstalten.

Am 1. Mai 1910 legte der Bischof seinen Gläubigen das Programm des Diözesankongresses in einem eigenem Hirtenbriefe vor. Die Früchte des Internationalen Kongresses seien, so äußert er sich darin, segensreich gewesen; die Andacht zum allerheiligsten Sakramente des Altares habe in der Diözese einen neuen Aufschwung genommen, in den Städten wie auf dem Lande werde die heilige Kommunion erfreulicherweise öfter empfangen. Dieser Eifer dürfe nicht erschlaffen. Die segensreiche Bewegung müsse alle erfassen, sie müsse bis in die entlegenste Pfarrgemeinde dringen, sie solle alle Herzen erfüllen mit neuer, glühender Liebe zu Jesus im heiligsten Sakramente. Dazu soll der Eucharistische Diözesankongreß am 8. und 9. Juni beitragen. Sein besonderer Zweck solle sein, die Jünglinge für die öftere heilige Kommunion zu begeistern. Nach dem Kongreß mußte in jeder Pfarrgemeinde der Diözese ein feier­licher Gottesdienst mit Predigt stattfinden, um allen Gläubigen die Wohltaten dieses Kongresses zugänglich zu machen.

Der 8. und 9. Juni ließen wirklich die Freuden des Kongresses von 1907 wieder aufleben. Die Feier nahm einen stimmungsvollen Anfang mit der Versammlung der Metzer Kinder im Dome und einer sakramentalen Prozession. Im Laufe des Nachmittages wurden dann in vier Sektionen Beratungen gehalten über die eucharistischen Studien in der Diözese, über eucharistische Bezirksfeste, über die häufige Kommunion der Jugend im allgemeinen und besonders in Erziehungs- und Unterrichtsanstalten. Abends acht Uhr wurde in der Kathedrale eine deutsche Predigt mit Segen für die Jünglinge gehalten. Daran schloß sich in zwei Kirchen die nächtliche An­betung der Männer und Jünglinge, die um Mitternacht durch ein Hochamt unterbrochen wurde. Am 9. Juni war in der Frühe in allen Kirchen der Stadt Generalkommunion. Nach dem Pontifikalamt mit päpstlichem Segen fand die Generalversammlung statt, auf der der Oberhirte in feuriger Ansprache feststellte, daß der Internationale [185] Kongreß kein Strohfeuer gewesen war, und alle Anwe­senden aufforderte, durch Wort und Beispiel Apostel der Eucharistie zu werden. Der allgemeine Bericht, der hierauf erstattet wurde, gab ein erfreuliches Bild vom Fortschritt der eucharistischen Bewegung: in manchen Pfarreien hatten die heiligen Kommunionen um dreißig, vierzig Prozent zugenommen, in anderen sich verdoppelt, ja ver­dreifacht. Am Nachmittag fand noch eine Frauen- und eine Lehrerversammlung statt, letztere von vier- bis fünfhundert Professoren und Lehrern besucht. Abends acht Uhr versammelten sich wieder die Jünglinge zu einer französischen Predigt in der Kathedrale.

Am 26. Juli 1910 berichtete der Bischof in einem Hirtenbrief über den erfreulichen Verlauf des Eucharistischen Diösesankongresses und über dessen Wünsche und Beschlüsse. Um das eucharistische Programm bei der Jugend durchzuführen, brauche der Oberhirte die Mitwirkung der christlichen Eltern. Davon hänge soviel ab: »Die ersten Eindrücke, welche das Kind empfängt, prägen sich der Seele am tiefsten ein und sind fürs ganze Leben von nachhaltigster Wir­kung. Wenn also die Mutter es sich angelegen sein läßt, ihr Kind frühzeitig Jesus im allerheiligsten Sakramente kennen und lieben zu lehren, so legt sie damit eine Saat ins zarte Herz, die im späteren Leben die schönsten Früchte bringen wird. Recht bald möge die christliche Mutter das Kind zur Kirche führen, ihm dort das Taber­nakel zeigen, wo Jesus wohnt, das ewige Licht, welches Jesu Nähe verkündet; sie lehre es, die Hände falten und Jesus im allerheiligsten Sakramente anbeten. Auch auf die heilige Kommunion mögen die Eitern das Kind bei Zeiten hinweisen und nach und nach ein wahres Verlangen nach derselben in seinem Herzen erwecken. Besonders möge dies der Fall sein in dem Jahre, welches der ersten heiligen Kommunion vorausgeht. Häufig mögen da die Eltern das Kind er­innern an den schönsten Tag seines Lebens, dem es entgegengeht, es ermuntern, durch gutes Betragen, durch frommes Gebet und öfteren Besuch des heiligsten Sakramentes sich immer besser auf die große Gnade vorzubereiten, die es erwartet.

[186] Auch an die Jünglinge richtet dann der Bischof im gleichen Hirten­schreiben die herzliche Ermahnung, öfter zur heiligen Kommunion zu gehen. Er spricht hierauf mit dem Kongreß den Wunsch aus, daß in jeder Pfarrei ein eucharistisches Triduum und abwechslungs­weise an verschiedenen Orten eigene eucharistische Bezirksfeste abgehalten werden. Zum Schlusse empfiehlt der Bischof die Andacht zum göttlichen Herzen Jesu. »Als vorzüglichstes Mittel, die Gläubigen häufiger zum heiligen Tische zu führen, hat sich nach allen Berichten, die aus Anlaß des Eucharistischen Diözesankon­gresses an Uns gelangt sind, die Andacht zum göttlichen Herzen Jesu erwiesen. Es war Uns ein besonderer Trost, zu erfahren, daß überall in der Diözese der erste Freitag im Monat zu Ehren des gött­lichen Herzens gefeiert und besonders auch durch den Empfang der heiligen Kommunion ausgezeichnet wird. Wir wünschen sehr, daß diese so gottgefällige Andacht zum heiligsten Herzen Jesu in allen Pfarreien eifrige Pflege finde und ihre reichen Segnungen in immer weitere Kreise trage. Dies ist auch, Wir sind dessen gewiß, der Wunsch Unserer hochwürdigen Geistlichkeit, die mit Freuden alles aufbieten wird, um die Herrschaft des göttlichen Herzens Jesu über die Seelen immer mehr auszubreiten. In demselben Maße aber, in dem die Liebe zum heiligsten Herzen des Erlösers unter dem christ­lichen Volke zunimmt, wird auch der Empfang der heiligen Kommunion ein immer häufigerer werden«.

Der Bischof hatte die Freude zu sehen, wie die Verehrung des göttlichen Herzens Jesu am ersten Freitag des Monats sich in seiner Diözese immer mehr ausbreitete. Am 22. Oktober 1915 schrieb ihm der Pfarrer einer kleinen Grenzgemeinde, er habe seit Kriegsbeginn die Herz-Jesu-Freitage eingeführt und habe jetzt jedes­mal hundertfünfzig heilige Kommunionen. Diese Zahl nehme zu, wenn die »Bayern« an diesem Tage frei seien. Diese Soldaten gäben der Pfarrgemeinde ein schönes Beispiel des christlichen Lebens, sie kämen so fleißig zum Gottesdienst, zu den heiligen Sakramenten und zum Rosenkranzgebete.

[187] Noch einmal kam Bischof Willibrord auf den Eucharistischen Diözesankongreß zu sprechen, als er am 2. Februar in einem eigenen Schreiben den katholischen Jünglingen von Metz und den Vororten für den Eifer dankte, den sie damals an den Tag gelegt haben. Sie seien die Hoffnung der Zukunft; in zehn, fünfzehn Jahren werden sie die Träger des katholischen Lebens in Metz sein. Er hoffe zuversichtlich, daß sie dieser Aufgabe einst gewachsen sein werden und lade sie alle zu Exerzitien ein, die in der ersten Fastenwoche in der Kirche Notre Dame für sie abgehalten würden. Für den guten Erfolg dieser Exerzitien sollen an drei Sonntagen vorher in den Kirchen von Metz gemeinsame Gebete verrichtet werden.

Papst Pius X. war es ernst mit seinem Programm, alles in Christus zu erneuern. Schon die zarte Jugend wollte er aus den lebendigen Quellen dieser Erneuerung trinken lassen. Deshalb schrieb er am 8. August 1910 durch ein Dekret der Sakramentenkongregation vor, daß die Kinder zur heiligen Kommunion zugelassen werden sollen, sobald sie zum Alter der Unterscheidung gekommen und in den allernotwendigsten christlichen Wahrheiten unterrichtet seien. Mit Freuden griff Bischof Willibrord diese Bestimmung des Heiligen Vaters auf. Alsbald legte er den Leitern der Erziehungsanstalten, Pensionate und Waisenhäuser nahe, die frühe Kommunion der Kinder durchzuführen, da dies in ihren Verhältnissen am leichtesten möglich sei. Am 18. Januar 1911 veröffentlichte der Oberhirte eine praktische Instruktion über dieses Dekret, über die Privatkommunion beim Eintritt des freien Vernunftgebrauches, und über die gemeinsame feierliche Kommunion mit dem zwölften Jahre. Er bestimmte, daß diese Instruktion samt dem Dekrete jährlich am vierten Fastensonntag auf der Kanzel vorgelesen werden solle.

Der Bischof hielt diese Bestimmung des Heiligen Vaters für so wichtig, daß er sie zum Gegenstand des Fastenhirtenbriefes des Jahres 1911 machte. Darin heißt es, die Lebensgemeinschaft mit unserem Herrn Jesus Christus sei der Gradmesser des christlichen [188] Lebens. Das gelte für alle, auch für die Kinder, die der göttliche Herr der Kirche ganz besonders in sein Herz geschlossen habe. Dann fährt er weiter: »Daher befiehlt der oberste Hirt der Kirche und Stellvertreter Jesu Christi, auch die jungen Christen sobald als möglich durch das eucharistische Mahl in die innigste Lebens­gemeinschaft mit Jesus Christus einzuführen. Er hält es nicht für richtig, damit zu warten, bis sich die erwachenden Leidenschaften und ungeordneten Gewohnheiten zwischen Jesus Christus und die Kindesseele drängen. Er will die jungen Seelen vielmehr von früh an für die Teilnahme an seinem gnadenreichen Leben empfänglich machen« ...

»Ihr selbst habt es in der Hand, diesen Zeitpunkt recht früh ein­treten zu lassen. Die Vorbereitung auf den Augenblick, wo sie zu Jesus geführt werden sollen, liegt nicht allein den Geistlichen ob; Ihr selbst habt daran den größten Anteil. Während jene in Unterricht und Anleitung auf Verstand und Herz wirken sollen, sollt Ihr das ganze Leben Eurer Kinder so leiten und beeinflussen, daß sie würdig werden, in die enge Lebensgemeinschaft mit Jesus Christus ein­zutreten, die das himmlische Brot bewirkt. Die Eindrücke, die den Kindern im ersten Erwachen des Geisteslebens eingeprägt werden, bilden den Boden, auf dem sich das zarte Verhältnis zwischen Jesus Christus und ihnen entwickeln muß. Eure häusliche Erziehung, die Belehrung aus Eurem Munde, Euer Beispiel und Vorbild werden die Aufgabe der Seelsorger vorbereiten« ...

»Die Eucharistischen Kongresse zu Metz im Jahre 1907 und zu Köln im Jahre 1909 haben der ganzen Welt von neuem gezeigt, wie tief alle Stände und Kreise des katholischen Volkes, und besonders auch unsere katholische Männerwelt, von der eucharistischen Bewegung, von der glühenden treuen Liebe zum Heilande im allerheiligsten Sakramente ergriffen sind. Diese Eure begeisterte Liebe zum Hei­land im allerheiligsten Sakrament bahnt auch, so hoffen Wir, der freudigen Ausführuug des Dekrets über die Erstkommunion der Kinder überall den Weg«.

[189] Ihr könnt den unermeßlichen Segen nicht verkennen, den die frühe Vereinigung mit Jesus Christus für Eure Kinder bringt, wie günstig sie auf ihr Sinnen und Denken und Verhalten ihr ganzes Leben hindurch wirken muß. Ihr werdet ihren Seelen darum die kräftige Nahrung in ihrem Jugendleben nicht vorenthalten, werdet sie nicht verkümmern lassen wollen. Ihr werdet das Schlagwort unserer Zeit beachten, daß, wer die Jugend hat, die Zukunft hat, daß also, wenn Jesus Christus in ihr nicht frühzeitig Leben und Herrschaft gewinnt, andere Einflüsse sich ihrer Lebensrichtung bemächtigen werden, die Euch selbst hier schmerzliche Enttäuschungen und dort im Jenseits eine strenge Rechenschaft bringen werden. Wehret also dem Segen nicht, den Jesus Christus über Eure Kinder verbreiten will. Sein Stellvertreter hienieden zeigt Euch die zum Segen über sie ausge­streckte Hand des Herrn. Ehret seine Mahnung und erweiset Euch ganz besonders in dieser hochwichtigen Sache als treue katholische Christen ...«

In einem Schreiben an seinen Klerus vom 2. Juli 1911 konnte er mit Freuden feststellen, daß seine, d. h. des Heiligen Vaters Wünsche bereitwillige Herzen gefunden hatten. Im Jahre 1916 schärfte er am 28. Juni die Vorschrift der frühen Kinderkommunion noch ein­mal ein und erklärte, ein Pfarrer, der schuld sei, daß ein Kind, das zum Vernunftgebrauch gekommen, zur Osterzeit nicht zur heiligen Kommunion gehe, verfehle sich gegen eine strenge Pflicht.

Wie sehr es Bischof Willibrord am Herzen lag, sein eucharisti­sches Programm voll und ganz durchzuführen, zeigen auch eine Reihe von oberhirtlichen Erlassen und Bestimmungen nach dem Eucharistischen Diözesankongreß. So suchte der Fastenhirtenbrief des Jahres 1913 die Liebe zum Mittelpunkt des katho­lischen Gottesdienstes, zum heiligen Meßopfer, zu fördern.

Die auf dem Diözesankongreß angeregten Eucharistischen Bezirks­kongresse trugen wesentlich zur Vertiefung der Begeisterung für die heilige Eucharistie bei. Es wurde bestimmt, daß jährlich wenigstenstens [190] ein Kantonskongreß stattfinden solle. Leider machte der bald ausbrechende Weltkrieg diese von so schönem Erfolge begleiteten Veranstaltungen weiterhin unmöglich. Am 20. August 1913 rief der Bischof ein eigenes Zentralkomitee ins Leben, dessen Aufgabe es war, die eucharistische Bewegung in der Diözese zu erhalten und besonders für die Wiederkehr der Kantonskongresse zu sorgen.

Während der Kriegszeit ließ es Bischof Willibrord nicht bei dem Triduum und der Weihe an das göttliche Herz Jesu be­wenden, einer Feier, die nach dem Wunsche der Bischöfe in ganz Deutschland am 7., 8. und 9. Januar 1915 stattfand, er schrieb im Jahre 1916 für seine Diözese noch einmal eine feierliche dreitägige Andacht vor zur Vorbereitung auf das Herz-Jesu-Fest.

Auf den Wunsch Benedikts XV., daß alle Kinder des Erdkreises am 30. Juli 1916 die heilige Kommunion empfangen möchten, um von Gott die Gnade des Friedens zu erflehen, ging der Metzer Bischof mit Begeisterung ein. Er benützte diese Gelegenheit, um alle Diözesanen zu gemeinsamer heiliger Kommunion an diesem Tage zu ermuntern: »Welch herrliches Schauspiel wird es für die Engel des Himmels sein, wenn sie sehen, wie in unzähligen Gottes­häusern Scharen unschuldiger Kinder sich dem Tische des Herrn nahen und von ganzem Herzen um Frieden für die Welt bitten. Und gewiß, ein solch reines, durch die Vereinigung mit Christus gehei­ligtes Kindergebet wird der ewige Vater nicht verschmähen können. Allerdings, noch viel schöner wird das Schauspiel für die heiligen Engel und für Gott selber sein, wenn den lieben Kindern sich die Eltern zugesellen, um mit ihnen nach der Meinung des Heiligen Va­ters zu kommunizieren und zu beten. Unsere väterliche Mahnung ergeht darum an alle Gläubigen der Diözese, womöglich mit den Kindern am kommenden 30. Juli die heilige Kommunion zur Er­langung eines glücklichen Friedens zu empfangen. Diejenigen aber, welche am genannten Tage verhindert sein sollten, mögen die Kommunion nach der Meinung des Heiligen Vaters bald nachholen.«

[191] Den letzten Fastenhirtenbrief, den Bischof Willibrord an seine Gläubigen richten konnte, im Jahre 1919, benützte er, um seinen eucharistischen Bestrebungen gleichsam den Schlußstein einzufügen. Einem Wunsch Benedikts XV. entsprechend forderte er darin seine Diözesanen auf, alle Familien einzeln dem göttlichen Erlöserherzen zu weihen. Es solle das eine bleibende, dankbare Erinnerung sein an die Gnade des Friedens. Zwar sei schon durch die von Leo XIII. vorgeschriebene allgemeine Weihe die Oberherrschaft des Herzens Jesu über die Menschen zum Aus­druck gekommen. Allein »die Wirkung einer so allgemeinen Weihe bleibt doch vielfach nur eine oberflächliche, sie dringt nicht durch und erfaßt die einzelnen nicht, wie es nötig ist. Wenn die Herr­schaft des göttlichen Herzens über die Menschheit wirklich gesichert und gefestigt werden soll, dann muß jede einzelne Familie die Weihe an das Herz Jesu vollziehen und ernstlich durchführen; jede Familie muß ein kleines Königtum des göttlichen Herzens werden. Denn aus der Familie wachsen die Völker hervor; aus der Vereini­gung vieler Familien entstehen die Staaten. Somit hängt vom guten oder schlechten Zustande der Familie auch die gute oder schlechte Be­schaffenheit der Völker und ihrer Einrichtungen ab. Nur durch die Familie wird das Herz-Jesu über die Menschheit herrschen.«

»Von diesem Gedanken durchdrungen hat unser heiliger Vater Benedikt XV. die Weihe der katholischen Familien an das göttliche Herz immer wieder aufs neue empfohlen.« ...

Diese besondere Familienweihe bringe segensreiche Wirkungen hervor: »Da, wo das Herz Jesu den Vorsitz führt als König und Mittelpunkt aller Herzen, können keine Entzweiungen und Streitig­keiten herrschen, in seinem Herzen fühlen sich alle als ein Herz und eine Seele. Wo das ganze Haus dem Herzen Jesu verbunden ist, da verbindet das Herz Jesu alle Herzen, hält die ganze Familie fest zu­sammen, in ihm sind alle vereint, mögen sie räumlich auch noch so weit getrennt sein« ...

[192] Es war einer der großen, leitenden Gedanken des Metzer Ober­hirten, seinen Gläubigen mehr und mehr die Reichtümer und Segnungen des heiligsten Altarsakramentes zu erschließen. Diese seine Bestrebungen trugen schöne Früchte. Wenn Zahlen reden dürfen, so können hier Zahlen zu schlagenden Beweisen werden für die Hirtenerfolge Bischof Willibrords. Seit dem Internationalen Eucharistischen Kongreß mehrte sich die Zahl der jährlichen hei­ligen Kommunionen in der Diözese mit jedem Jahr. Waren es 1908 zwei Millionen einhundertfünfundachtzigtausend heilige Kommu­nionen, so im Jahre 1910 dreieinhalb Millionen, 1911 stieg die Zahl auf vier Millionen einhundertsechsundvierzigtausend, 1912 auf vier Millionen fünfhundertsiebzigtausend, 1913 auf fast fünf Millionen. Wie Bischof Pelt in seinem ersten Hirtenbrief sagte, nahm die Zahl der heiligen Kommunionen in der Zeit von 1907-1914 um das vier bis fünffache zu. Einen erfreulicheren Erfolg seiner oberhirt­lichen Wirksamkeit hätte sich Bischof Willibrord kaum wünschen können. Wieviel Sorgen des Bischofs, wieviel Mühen der Priester, wieviel guter Wille der Gläubigen, wieviel Nutzen der Seelen liegt in diesen Zahlen verborgen!


  1. Gestorben am 30. November 1921, vergleiche über ihn in der Zeitschrift »Die Heimat« 1 (1921) 181/5.