Erklärung (Die Gartenlaube 1863/9)

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Textdaten
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Autor: F. St-e
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Titel: Erklärung
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aus: Die Gartenlaube
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[144] Erklärung. In dem zum Theil launig gehaltenen Artikel über den zoologischen Garten in Dresden (siehe Gartenl. 1862, Nr. 44) heißt es unter Anderm: daß sich das Kameel dadurch von dem Baier unterscheide, weil es größern Durst als dieser zu ertragen vermöge. Dieser ebenso wohlfeile, wie harmlose Scherz hat bei einigen baierischen Staatsbürgern eine so hohe Entrüstung hervorgerufen, daß man sich gemüßigt gesehen, derselben in öffentlichen Blättern Ausdruck zu geben. Hierauf ist zu erwidern: daß kein einsichtsvoller Patriot sein Volk für beleidigt erachten wird, sobald eine Schwäche desselben – und eine Tugend kann man die große baierische Bierliebe doch wohl kaum nennen – gegeißelt wird, zumal wenn es auf so harmlose Weise geschieht, wie in dem betreffenden Artikel. Ja es ist sogar eine Pflicht der Presse, ein Volk auf seine Schwächen und Leidenschaften aufmerksam zu machen, geschehe dies nun in ernsterer oder scherzhafter Form. Bei den Münchner „Fliegenden Blättern“ z. B. ist die harmlose Geißelung der baierischen Bierseligkeit, so zu sagen, zum stehenden Artikel geworden. Wer entsinnt sich nicht der zahlreichen dicken Bäuche, die alle jene übergroße Bierliebhaberei versinnbildlichen. Selbst in politischen Dingen, wenn Baiernland ein Wort mit redet, wie oft findet man als charakteristisches Merkmal das Biertöpfchen auf seinem Haupte! aber kein Verständiger wird hierin eine Beleidigung des so trefflichen baierischen Volksstammes erkennen, der auf der andern Seite auch wieder manchen Vorzug darbietet, auf welchen andere deutsche Bruderstämme verzichten müssen. Es handelt sich, wie gesagt, lediglich um eine Schattenseite, die ihrer Natur nach Scherz und Satire von selbst herausfordert.

(F. St-e, der Verf. d. betr. Art.)