Allgemeines Deutsches Kommersbuch:77

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Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
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[152]

     2. Es haben viel fröhliche Menschen lang vor uns gelebt und
gelacht; den Ruhenden unter dem Grabe |: sei freundlich der Becher ge=
bracht! :|

     3. Es werden viel fröhliche Menschen lang nach uns des Lebens
sich freun, uns Ruhenden unter dem Rasen den Becher der Fröhlich=
keit weihn.

     4. Wir sitzen so traulich beisammen und haben uns alle so lieb,
wir heitern einander das Leben; ach, wenn es doch immer so blieb!

     5. Doch weil es nicht immer so bleibet, so haltet die Freundschaft
recht fest; wer weiß denn, wie bald uns zerstreuet das Schicksal nach
Ost und nach West!

     6. Und sind wir auch fern voneinander, so bleiben die Herzen doch
nah, und alle, ja alle wird’s freuen, wenn einem was Gutes geschah.

     7. Und kommen wir wieder zusammen auf wechselnder Lebensbahn,
so knüpfen ans fröhliche Ende den fröhlichen Anfang wir an.

A. v. Kotzebue. 1802.


          162.     Lied.

     Singw.: Auf, singet und trinket ec.

     1. Es klingen die Lieder, es winkt uns die Lust, und Fröhlichkeit
wieder durchziehet die Brust. Genießet das schnelle, vergängliche Glück;
es eilt wie die Welle und kehrt nicht zurück.

     2. Laßt vorwärts uns dringen, wo Hohes sich zeigt; uns tragen
die Schwingen der Jugend so leicht. Es zeigt sich dem Streben manch
herrliches Ziel; es giebt ja im Leben des Schönen so viel.

     3. Wir bleiben verbunden, ob nah oder weit, in traurigen Stunden,
in fröhlicher Zeit. Ob Lust uns erfreue, ob Schmerz uns bedroht,
wir bleiben in Treue vereint bis zum Tod.

     4. Stoßt an in der Runde, daß freudig es klingt, genießet die
Stunde, die Rosen euch bringt, und singet es wieder und wieder aufs
neu: Wir alle sind Brüder und bleiben uns treu!

R. v. Wilpert.


          163.     Jägers Lust.     (III. 179.)

     Feurig. Nach Konradin Kreutzer.

     1. Es le=be, was auf Er=den stolziert in grü=ner Tracht: die
Wälder und die Felder, die Jäger und die Jagd! Wie
[153] lu=stig ist’s im Grünen, wenn’s hel=le Jagdhorn schallt, wenn
Hirsch und Re=he springen, wenn’s blitzt und dampft und knallt.

Vom Anfang bis „Schluß“.

     2. Es lebe, was auf Erden stolziert in grüner Tracht: die Wälder
und die Felder, die Jäger und die Jagd! Im Walde bin ich König;
der Wald ist Gottes Haus, da weht sein starker Odem lebendig ein
und aus.

     3. Es lebe, was auf Erden stolziert in grüner Tracht: die Wälder
und die Felder, die Jäger und die Jagd! Ein Wildschütz will ich
bleiben, so lang die Tannen grün; mein Mädchen will ich küssen, so
lang die Lippen glühn.

     4. Es lebe, was auf Erden stolziert in grüner Tracht: die Wälder
und die Felder, die Jäger und die Jagd! Komm, Kind, mit mir zu
wohnen im freien Waldrevier, von immergrünen Zweigen bau ich ein
Hüttchen dir!

     5. Es lebe, was auf Erden stolziert in grüner Tracht: die Wälder
und die Felder, die Jäger und die Jagd! Dann steig ich nimmer
wieder ins graue Dorf hinab; im Walde will ich leben, im Wald
grabt mir mein Grab!

Wilh. Müller. 1822.


          164.     Den Frauen.

     Walther von der Vogelweide nachgesungen
     Singw.: Stimmt an mit hellem hohen Klang ec.

     1. Euch, deutschen Frauen keusch und rein, euch soll mein Lied er=
klingen! |: Und schaut ihr heitern Blickes drein, ist reich belohnt mein
Singen. :|

     2. Der Lande hab ich viel gesehn, hat manche mir gefallen; doch
was mir Liebes auch geschehn, euch lob ich mir vor allen.

     3. Was mag so hold und züchtig sein und was so schön zu schauen,
als zwischen Donau, Elb und Rhein die blonden deutschen Frauen?

     4. Wer Treu und Tugend nirgends fand auf weitem Erdenrunde,
der komm zu uns ins deutsche Land, daß ihm das Herz gesunde.

Edwin Bormann.