Explodierende Briefcouverts

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: K. R.
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Explodierende Briefcouverts
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 1, S. 16
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1867
Verlag: Verlag von Ernst Keil
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Gefährliche Spielerei
Blätter und Blüthen
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite


[16] Explodirende Briefcouverts. Eine neue, nicht eben ungefährliche Spielerei droht in diesem Augenblick wieder von Paris aus die ganze civilisirte (doch in dieser Beziehung unglaublich einfältige) Welt zu überschwemmen. Es ist ein sehr plumper Scherz, der in Folgendem besteht. In einer Gesellschaft wird Jemandem ein Brief überbracht mit der Aufschrift: „Eilig!“, „Per expreß“ und dergleichen und der Bitte um schleunige Antwort. Und wenn er nun schnell das Couvert aufreißt, so explodirt dasselbe „zum Vergnügen“ der damit noch unbekannten Gesellschaft, aber auch wohl zum Erschrecken kränklicher, nervenschwacher Damen. Die Erklärung liegt sehr einfach darin, daß das Couvert mit einer der in den Knallbonbons befindlichen ähnlichen Masse versehen ist, und die Idee ist deshalb eine sehr alltägliche, abgesehen davon, daß wohl in zahlreichen Fällen der Witz dadurch in’s Wasser fallen dürfte, daß der Empfänger den Brief mit Messer oder Scheere am Rande aufschneidet, anstatt ihn aufzureißen.

Viel geistreicher würde die Idee sich folgendermaßen verwirklichen: Eine liebende junge Dame, ein verliebter Geck oder sonst irgend ein neugieriges, leicht erregtes Menschenkind empfängt ein zierliches Briefchen, erbricht es mit zitternder Hand – und der feurige, sprühende Inhalt verwandelt im selben Moment den ganzen Brief in eine lodernde Flamme, aus der nichts zurückbleibt, als ein zierlich kräuselndes Rauchwölkchen und der süße Duft eines köstlichen Parfums. Die Theorie würde einfach in einem zarten, gleich dem bekannten „Düppelpapier“ nach Art der Schießbaumwolle präparirten Briefbogen liegen, welcher durch die ebenfalls explodirende Zündmasse der Oblate zur Flamme entfacht würde. Wir stellen die Ausführung dieser Idee den derartigen Fabrikanten anheim, machen sie zugleich aber dringend darauf aufmerksam, daß sie, um nicht gar schwere Verantwortung auf ihre Schultern zu laden, jetzt vor Allem dafür sorgen müssen, sämmtliche leichte Frauenkleiderstoffe zunächst das chemische Kunststück des Unverbrennlichmachens passiren zu lassen. Denn nicht blos die letztgedachten lodernden Liebes-Vexirbriefe, sondern auch die explodirenden Briefcouverts, die Teufelsthränen und andere dergleichen chemische Spielereien bedrohen unsere Frauenwelt in leichten, unpräparirten Kleidern nur zu sehr mit der grausigen Gefahr, lebendig verbrannt zu werden!
K. R.