Fünf preußische Feldherren

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Autor: unbekannt
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Titel: Fünf preußische Feldherren
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aus: Die Gartenlaube, Heft 30, S. 475–477
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1866
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: 5 Feldherren des Deutschen Kriegs
Kronprinz Friedrich Wilhelm, v. Moltke, v. Steinmetz, Vogel v. Falckenstein und Herwarth v. Bittenfeld
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Fünf preußische Feldherren.


Wenn im preußischen Heere nicht „jeder Soldat den Marschallsstab im Tornister trägt“, wie der erste Napoleon dies von seinen Armeen rühmte, so ist auch die Schule eine andere, welche in unserer Zeit, und namentlich in Deutschland, Feldherren zu erziehen hatte. Für den Bändiger der französischen Revolution und den Kaiser eines Soldatenreichs war der Krieg zum Lebensberuf, zum – Geschäft geworden. Die Armeen zogen von einem Feldzug in den andern, der Friede war eine Ausnahme im damaligen Staatsleben, und eben darum konnte der Krieg die französische Feldherrnschule sein.

Preußen, das fünfzig Jahre lang keine Kriege führte, mußte sich die Schule für soldatische und feldherrliche Tüchtigkeit selbst schaffen, und dies that es vollkommen angemessen der nationalen Eigenthümlichkeit, den geschichtlichen Erinnerungen und der hohen Culturstufe seines Volks. Es erstrebte nämlich eine möglichst kriegswissenschaftliche Ausbildung des Officiercorps, eine möglichst vollendete Dressur der Mannschaft mit der Pflege eines echt soldatischen Geistes, und fügte alle Dem eine gewissenhafte Beachtung jeder neuen Erfindung und Verbesserung der Waffe hinzu. Aber noch Eines zeichnet die preußische Armee vor allen übrigen europäischen Truppen aus und verdient eine besondere Hervorhebung: das ist der Bürgergeist, der bei der Zusammensetzung des preußischen Heeres aus allen Elementen der männlichen Staatsbevölkerung unzertrennlich mit ihm verbunden ist und der sich durchweg als liberal documentirt hat und jeden Standesvorzug von vornherein ausschließt. Der Einfluß der Bildung und Intelligenz, die in diesem Heere wie in keinem andern vertreten ist, auf die gesammte Masse unter den Fahnen wird Jedem fühlbar, der mit dem einzelnen Mann eine Unterhaltung eingeht; sichtbar ist er aber geworden in der Art der Kämpfe und Siege, die von jedem Einzelnen, neben der Zuversicht auf die Tüchtigkeit seiner Führung und dem Vertrauen auf die Vortrefflichkeit seiner Waffe, das Selbstgefühl des Mannes forderte, welcher weiß, wofür er kämpft, und die Fähigkeit, in den Geist der Führung einzugehen.

Von den Feldherren, welche die preußischen Armeen bis jetzt geführt, hat den Jüngsten derselben das Waffenglück in wahrhaft auffallender Weise bevorzugt. Bekanntlich war es der Kronprinz, dem in der Schlacht bei Königgrätz die Rolle Blücher’s bei Waterloo zufiel. An der Spitze der zweiten Armee gab er der bis dahin schwankenden Schlacht die Entscheidung. Der Glanz dieses Siegs wird dem Mann einst auf den Thron folgen, und dies verleiht ihm eine besondere Bedeutung für die Zukunft. Der Kronprinz, Friedrich Wilhelm, am 18. October 1831 geboren, ist eine hohe Gestalt, blond, von intelligenten und sanften Zügen und edler Einfachheit der Manieren. Zu seiner militärischen Ausbildung hat er kriegerische Erfahrungen im letzten Dänenkriege zu sammeln Gelegenheit gehabt.

Chef des Generalstabs des gesammten preußischen Heeres ist der Generallieutenant Freiherr von Moltke. Von dänischer Familie, trat er vor mehr als vierzig Jahren in preußische Dienste, ward früh dem Generalstab zugetheilt und wohnte 1839 gemeinsam mit dem Freiherrn von Vincke-Olbendorf dem Krieg zwischen der Türkei und Aegypten (unter Mehemed Ali) und namentlich der Schlacht bei Nisib bei. Ihm wird das Verdienst des großartigen Operationsplans zugeschrieben, dessen energische Durchführung den Kriegszug in Böhmen zu einem großen Siegeszug

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Die Gartenlaube (1866) b 476.jpg

Preußische Heerführer.

Kronprinz Friedrich Wilhelm.      v. Moltke.           v. Steinmetz.
     Vogel v. Falckenstein. Herwarth v. Bittenfeld.

machte. Es ist dabei bemerkenswerth, daß der Plan des Ganzen nicht blos selbstverständlich dem Generalstabe der einzelnen Corps mitgetheilt, sondern theilweis mit dem Beirath und Einverständniß jedes einzelnen Generalstabs aufgestellt wird, daß aber dann die einzelnen Corps nach ihrem eigenen Ermessen für die Lösung ihrer Aufgabe zu sorgen haben. Wie groß aber auch die Freiheit für die einzelnen Bewegungen sein mag, so geschehen sie immer nur von Gliedern eines Organismus, dessen Gehirn im Generalstab liegt. Daraus mögen die Leser selbst die Wichtigkeit der Stellung des Mannes ermessen, dessen Portrait ihnen vorliegt.

Von den Armeecorpsführern ist zuerst in diesem Kriege der Name des Generals von Steinmetz ein vom Volksjubel gefeierter geworden, weil an ihn sich die erste Siegesnachricht aus Böhmen knüpfte. Die blutigen Gefechte bei Nachod und Skalitz sammt [477] dem zweiten, diesmal siegreichen Gefecht bei Trautenau sind unter seiner Führung geschlagen worden. In Steinmetz sehen wir einen grauen Kämpfer der Befreiungskriege, den das eiserne Kreuz schmückt. Später war er Commandeur des Düsseldorfer Garde-Landwehr-Bataillons, führte, nach dem Berliner Barrikadenkampfe, zwei Bataillone des zweiten Infanterie-Regiments nach Schleswig und in der Schlacht bei Schleswig, überwachte dann die preußische Nationalversammlung in Brandenburg und war zuletzt Commandeur des Berliner Cadettenhauses. Nach seinen Siegen an der Grenze Böhmens bildete das von ihm befehligte fünfte Armeecorps das Reservecorps in der Königgrätzer Schlacht und ist mit diesem nach Mähren und Oesterreich vorgerückt.

Zu den Feldherren der böhmischen Siege gehört auch der General Herwarth von Bittenfeld, der Chef des achten Armeecorps, das erst Sachsen besetzte, dann bei Münchengrätz zuerst im Feuer stand und gemeinsam mit der ersten Armee des Prinzen Friedrich Karl bei Gitschin den blutigen Sieg errang. Auch dieser Feldherr gehört zu den Veteranen des Befreiungskriegs und hat fünfzig Jahre später in einem zweiten Befreiungskrieg, im Sturm auf Alsen, noch den alten, jugendkräftigen und doch ruhigen und besonnenen Geist bewährt.

Auf dem rechten Flügel der großen preußischen Heeresstellung, die jetzt von den Karpathen bis an den Rhein reicht, hat vor Allen der Chef des siebenten Armeecorps, General Vogel von Falckenstein, sich ausgezeichnet. Sein Zug von Hessen aus zwischen die Armeen Baierns und des Bundes hinein, deren jede der seinigen überlegen war, und nach blutigen Gefechten bei Lohr und Aschaffenburg nach Frankfurt gehört zu den kühnsten Unternehmungen, die je gelungen sind, und wird einst eines der interessantesten Blätter dieses an sich so traurigen Kriegs füllen. Vogel von Falckenstein trat 1813 als freiwilliger Jäger in die preußische Armee. Man erzählt, daß er damals seiner Mutter davongelaufen und so schwächlich gewesen sei, daß man ihm kaum habe eine Büchse anvertrauen wollen. Dennoch war er schon im December desselben Jahres Lieutenant und führte bei Montmirail, als alle Officiere kampfunfähig geworden waren, allein das Bataillon und erhielt das eiserne Kreuz. Auch er stand im Berliner Barrikadenkampf; 1864 ward er Chef des Generalstabs von Wrangel und 1866 General der Infanterie. Sein Antheil an den gegenwärtigen Kämpfen ist bekannt; die vollständige Sicherung des rechten Flügels des preußischen Heeres an der Mainlinie ist sein Werk.