Frankfurter Reichslandfriede

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Textdaten
Autor: Friedrich III.
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Titel: Frankfurter Reichslandfriede
Untertitel:
aus: Quellensammlung zur Geschichte der Deutschen Reichsverfassung in Mittelalter und Neuzeit / bearb. von Karl Zeumer, S. 273-276.
Herausgeber: Karl Zeumer
Auflage: Zweite vermehrte Auflage
Entstehungsdatum: 17. März 1486
Erscheinungsdatum: 1913
Verlag: Verlag von J.C.B. Mohr (Paul Siebeck)
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Erscheinungsort: Tübingen
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Quelle: Digitalisat des Deutschen Rechtswörterbuches
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[273]
Nr. 171. Frankfurter Reichslandfriede. — 1486, März 17.

Nach Minutoli, Das Kaiserliche Buch des Markgrafen Albrecht Achilles, Berlin 1850, S. 269ff. unter Berücksichtigung der Mitteilungen von Friedrich W a g n e r , Ztschr. für preußische Geschichte und Landeskunde, Bd. XVIII, S. 338 ff. — Ergänzung des Titels aus NS. d. RA. Bd. I, S. 275.

Wir Friedrich von Gottes gnaden Röm. keyser zu allen ziten merer des richs, zu Hungern, Dalmatien, Croatien etc. könig, herzog zu Oesterrich, zu Steier, zu Kernten und zu Krayn, herr uf der windischer Mark und zu Portenaw, graf zu Habspurg, zu Tirol, zu Pfyrt und zu Kyburg, marggraf zu Burgau und landgraf im Elsas entpieten allen und iglichen unsern und des heil. reichs churfürsten, fürsten, geistlichen und weltlichen, prälaten, graven, freyen, herren, rittern, knechten, hauptleuten, vizthümern, vogten, pflegern, verweßern, amptleuten, schultheissen, burgermeistern, richtern, reten, bürgern und gemeinen, und sunst allen andern unsern und des reichs unterthanen und getreuen, in was wirden, staats oder wesens die sein, den dieser unser keyserlicher brive oder abeschrifft davon zu sehen oder zu leßen fürkömmt oder gezeigt würdet, unser gnade vnd alles guts. So wir betrachten, daß aller welt nichts löblichers, nichts fruchtbarlichers, dann fride und einmuttigkeit gesein mag, dardurch alles gute, auch ere und gewalte, erstlich von cleynen und schwachen anfengen erwachsen, und wiederum alle hohe stände der welt durch trennung und uneinigkeit von wirden zu unêrn, von freyem wesen zu dienstbarkeit kommen, daß wir nicht ohn schmerzen unsers gemüts anregen und euch erinnern, wie in kurtz verlaufen jahren cristenliche keyserthum, königreich, fürstenthümer und lande, die in fordern zeiten die wirde des Römischen reichs gehabt, cristenlichen und löblichen regirt, und numals dem lesterüchen türckischen volck unterworfen sein. Darzu erscheinen vor augen die scheden heimischer krieg und aufrüre, die wir so vil mehr geflißen seyn, mit des almechtigen und ewer aller hilf, nach unserm vermögen abzuwenden, als die zu diesen zeiten dem heiligen reiche und teutscher nation versehenlicher zu beswerung und andern, die yre gemüthe gegen uns und dem reiche gescherfft haben, zu fürderung und gelegenheit irs fürnemens kommen möchten, dogegen wir aber stathaftige were ohne heimischen bestentlichen frieden nicht wissen furzunemen, und dorum aufrüre, krieg und gezenck im reiche zu verhalten und statlichen widerstand aufzubringen, haben wir mit des durchleuchtigen fürsten, Maximilian, Röm. königs, unsers lieben sones, und auch unser churfürsten, fürsten und fürsten bottschafften rate und der graven, herren und ander, in merglicher zale hie versammelt, anruffen, einen gemeinen bestentlichen frieden durch das ganz Römische reiche teutscher nation fürgenommen und die nechst kommenden zehen [274] jar lang zu wehren gemacht, machen, orden und sezen den auch aus Röm. keys. macht hiemit nachgemelter forme in craft dies briefs.

1. Also, daß von zeit diser verkindigung nyemands, von was wirden, stands oder wesens der sey, den andern bevehden, bekriegen, berauben, fahen, überziehen, belegern, noch auch einich sloß, stette, merckte, bevestigung, dörfere, höfe oder weyler absteigen oder ohne des andern willen mit gewaltsamer täte oder frevelich innemen oder geverlich mit brande oder in andere weg dermaßen beschedigen solle, auch nymans solchen tätern mit rate, hilf oder in keiner andern weiße keinen beystant oder fürschube thun, auch sie nit herbergen, haußen, ezen oder trencken, enthalten oder gedulten, sundern wer zu dem andern zu sprechen vermeint, der soll solchs suchen und thun an den enden und gerichten, do die sachen ordentlich hingehören oder zu außtregen verteidigt sein. Und darauf haben wir alle offene vehde und verwahrung durch das ganze reich aufgehept und abgethan, heben die auch hiemit auf und thun die abe, aus römischer keyserl. machtvollkommenheit, in und mit crafft diß briefes, und ob ymand, von was wirden oder stands der oder die weren, darüber, wie vorgemelt, handeln oder zu handeln untersteen, oder auch in vordem vehden beharren, und die nicht unverzogenlich abstellen, den bevehdeten sein abstellen verkünden würden, dieselben sollen mit der tate, von recht zusamt andern penen, in unser und des heil. reichs acht gefallen sein, die wir auch hiemit in unser und des heil. reichs acht erkennen und erkleren, also, daß ir leibe und gute allermenniglich erlaubt, und niemand daran freveln oder verhandeln soll oder mag. Auch alle verschreibung, pflicht und püntniß, ihnen zusteend, und darauf sie vordrung oder zuspruch zu ynen haben möchten, sollen gegen denjenen, die ihnen verhafft weren, abe und todt, auch die lehen, so vil der uberfarer der gebrauchte, den lehenherrn verfallen, und sie dieselben lehen oder denselben teil, so lang und der friedbrecher lebt, ihme oder andern lehens erben zu leyhen, oder den seinen teyl des abnüze volgen zu lassen nicht schuldig sein.

2. Und op fursten, grafen, herren, ritterschaft oder städte oder die yren wider diesen frieden beschedigt würden, und die täter nit offenbar, sunder ymant, der verdacht wer, so solten und möchten der fürste, dem oder des mannen, grafen, herren, ritterschafft, underthanen oder verwandten schade gescheen were, den oder dieselben beschreiben und für sich vertagen, entschuldigung mit den eyden von demselben zu nemen; weren aber die beschedigten gemelter maßen keinem fursten gewandt, so möchten sie die verdachten fordern vor den landsfürsten, dem dieselben verdachten gewand oder am nechsten gesessen weren, solch entschuldigung zu thun mit dem eydt, wie nechst gemelt, und ob der oder die verdachten sich der entschuldigung in einichen weg widerten, so solten sie der beschedigung und fridbruchs schuldig gehalten und afftermal gegen ine laut dies gebots mögen gehandelt werden, doch so solt derselbe fürste, dem oder denselben ungeverlich sicher geleit zuschreiben, abe und zu solchem tage, biß wider in yre gewarsame für sie und alle diejenen, die sie mit inen zu solchem tag brechten, ungeverlich. Und ob man die tags brive ihnen nit möchte zu handen bringen, so soll man die an zweyen oder dreyen enden aufslagen, do man die verdachten zu zeiten gesehen, oder da sie zuversichtiglich handel oder wesen hetten.

3. Op auch wider diesen frieden und unser gebot yemand beraubt oder zugriffe bescheen würden, so sollen alle diejenen, die des zu frischer tate ermanet, oder sunst innen werden, mit macht nacheylen und mit fleißigen ernst gegen solchen beschedigern handeln und fürnemen, dieselben zu handen zu bringen.

4. Es solle auch solche täter und fridbrecher nymand hausen, herbergen, essen, trencken, enthalten, fürschube thun, in seiner oberkeit, eigenthum oder gepieten gedulden, sunder dieselben annemen und zu ynen mit dem ernst von amptswegen richten, und auch auf menniglichs clag rechts ungeseumt von ynen helfen, darwider sie nicht schüzen, schirmen oder fürtragen solle einiche tröstung, Sicherheit oder geleit, wenn sie des alles ausserhalb verwilligung des widerteils unemphenglich sein und nit geniessen [275] sollen, in keinen weg; wann wir in allen tröstungen, sicberbeiten, Vorworten und geleiten, von wem die gegeben werden, solchen fridbruch wollen ußgenommen und darinnen nit begriffen haben.

5. Und op die täter und uberfarer dits frids enthalt oder bevestigung oder sonst dermassen fürschube und gunst hetten, also daß stattlicher hilf gegen ine not were, so soll von unsern wegen durch unsern cammerrichter den beschedigten auf ir ansuchen unverzogenlich hilf getan und gebotsbrive on beswerung an churfürsten, fürsten, graven, herren, ritterschafft und stette gegeben werden, in der allerbesten form nach nottdurft, denselben beschedigten gegen den uberfarern in alle wege hilf und beystand zu thun mit leuten und zeugen, und op es not sein würd zum veltzuge, die fridbrecher und die pleze, do sie yre behausung oder enthalt hätten, zu nötigen, zu strafen und zu stören.

6. Und als viel reisige und fußknecht sein, der eins teils gantz kein herrschafft haben, auch etliche dinsts verpflicht, darinnen sie sich wesenlich doch nicht halten, sundern in landen yren vorteil und reuterey nachreuten, orden, sezen und wollen wir, daß hinfür solch reysige und fußknecht in dem heiligen reiche nit sollen geduldet oder aufenthalten, sundern, wo man die betreten mag, so sollen sie angenommen, hertelich befraget und um yre mißhandelung mit ernst gestraft und aufs wenigst ihre haab und gut angenommen, gebeut und sie mit eyden und burgschafften nach notdurft verbunden werden.

7. Und op geistliche personen, des wir uns ye nit versehen, wider disen unsern friden und geböte handeln würden, so sollen die prelaten, die one mittel ordenlichen gerichttzwang gegen ine haben, sie uf ansuchen des beschedigten ungeseumt daran halten, kerung und wandel der scheden zu thun, auch sie hertlich um die uberfarung strafen; und op dieselben seumig würden, so sezen wir sie hiermit auss unser und des reichs gnade und schirme, wolten sie auch als irrer diß fridens in ihrer widerwertigkeit nicht versprechen oder verdettigen in keinem wege.

8. Es soll auch wider disen friden nyemand mit verschreibungen, pflichten oder in einiche ander weg verbunden werden, wann wir solichs alles aus crafft unser keyserl. oberkeit crafftloß und unbündig erkennen und ercleren; und ob ymand auf sein verschreibung zu pfenden vermeint, op die in mangel der bezahlung im das zugeb, der soll doch zuvor die pfandung vier wochen seinen schuldigern offenlich verkündigen, domit solichs fürkomen und anfrure verhalten werde.

9. Und darauf emphelen wir allen und ydcn obgeschriben euch, auch hiemit aus Römischer keyserlicher macht bey den eyden und pflichten, die ir uns von des reichs wegen insunderheyt getan, und bey der gehorsame, ir alle uns als Römischen keyser verwand seit, und bey verlust aller gnade, privilegien und recht, so ir von uns und dem heiligen reich oder andern habt, ernstlich vestiglich gebietende, daß ir diesen obgeschrieben fride und unser gebote mit allen puncten, artickeln und inhalt, stete und vest halten, auch durch ewer fürstenthum, graveschafften, herrschafften, gepiete und was ewer iglicher in regierung und bevehle hat, mit ewern amtleuten, vizthumen, pflegern, stadthaldern, wie die namen haben, auch ewern underthanen zu halten und zu vollnziehen, ernstlich schaffet und bestellent, daran nit seumet noch dawider trachtent oder tut heimlich oder öffentlich in kein weisse, alle vorgemelte, zusamt andern penen des gemeinen reichs recht, unser königlichen reformation und unser sweren ungnade zu vermeiden.

10. Wir sezen auch hindan alle und igliche gnade, privilegia, freyheit, herkommen, püntniß und pflicht, von uns oder unsern vorfarn am reiche oder andern hievor außgangen und verfast, in dem und die in eyniche weise wider diesen unsern friden gesein oder thun möchten, mit was worten, clauseln, meynungen die gesetzt oder gepflicht weren, die wir auch aus Römischer keyserl. machtvollkommenheit hiemit hindan sezen, und wollen, dass sich nymand, von was wirden, stands oder weßens der sey, [276] wider diesen fride und gepote durch solch gnade und freyheit, herkommen oder püntniß schüzen, schirmen oder verantworten solle und möge in kein weisse.

11. Und soll diser fride und gebote dem gemeinen unsern und des reichs recht und andern geboten, vormahls ußgangen, nit abbrechen, sundern das meren, und auf stund ydermann nach diser Verkündigung den zu halten schuldig, und derselbig auch uns an unser keyserl. oberkeit dem abe und zusetzen, auch yederman an seiner oberkeit und gerechtigkeit unschedlich sein.

Hierbey sind geweßt unser lieben andechtigen neven, oheimen, schwägere und getreuen, kurfürsten, fürsten und fürsten botschafften, graven, herren, ritterschaft und der stett sendboten in treffenlicher anzale. Mit urkund dißs briefs besigelt mit unserm keyserl. majest. anhangenden insigel. Geben zu Franckfurth am siebenzehenden tag des monden Martii, nach Cristi gepurt vierzehenhundert und im sechs und achzigsten, unser reich des Römischen im sechs und vierzigsten und des keyserthums im vier und dreyßigsten und des Hungerischen im acht und zwenzigsten jaren.