Friedrich Schneider und die Sängerin

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Textdaten
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Autor: unbekannt
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Titel: Friedrich Schneider und die Sängerin
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 18, S. 214
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[214] Friedrich Schneider und die Sängerin. Als der unlängst verstorbene Kapellmeister Schneider in Dessau, der rühmlichst bekannte Componist des „Weltgerichts“, auch Musikdirektor des Stadttheaters in Leipzig war, wurde in einer Probe die erste Sängerin von der epidemischen Krankheit der „Künstlerlaune“ befallen, und sagte, als die Stelle an eine ihrer Arien kam, vornehm und befehlend: „Die lasse ich weg; die liegt mir zu hoch!“ – Schneider, dessen derbes Wesen hinlänglich bekannt ist, entgegnete ruhig: „Sie liegt Ihnen nicht zu hoch. und Sie werden sie singen!“ – „Ich werde sie nicht singen und Sie können mich nicht zwingen!“ rief die Dame gereizt. – „Da haben Sie recht,“ sagte Schneider mit „kannibalischer“ Ruhe; „ich kann Sie nicht zwingen, die Arie zu singen, aber Sie können mich und das Orchester eben so wenig zwingen, sie nicht zu spielen, und ich gebe Ihnen das Wort, die Arie wird gespielt, mit dem Singen können Sie es dann nach Belieben halten.“ – Die Dame ließ es darauf ankommen und probirte die Arie nicht, wenigstens nicht in der Probe, wahrscheinlich aber desto fleißiger zu Hause; denn als die Aufführung der Oper erfolgte und das Orchester die Introduktion der Arie spielte, trat die Sängerin, welche der Situation nach die Scene nicht verlassen konnte, unter sichtlichem Zeichen der Aufregung vor, sang die Arie mit mehr Gefühl und Leidenschaft, als es ohne den verbissenen Aerger der Fall gewesen sein würde, und erntete den reichlichsten Applaus. – In dem gleich darauf folgenden Zwischenakt trat Schneider zu der einherstolzirenden Sängerin und sagte mit ironischer Betonung: „Nun, wer hatte Recht? Können Sie die Arie singen oder nicht?“