Friedrichs I. Rettung aus Weiber- und Pfaffenlist

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Autor: Maximilian von Ring
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Titel: Friedrichs I. Rettung aus Weiber- und Pfaffenlist
Untertitel:
aus: Badisches Sagen-Buch II, S. 492–494
Herausgeber: August Schnezler
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1846
Verlag: Creuzbauer und Kasper
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Erscheinungsort: Karlsruhe
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Friedrichs I. Rettung aus Weiber- und Pfaffenlist.

Ludwig dem III., dem Pfalzgrafen, folgten seine beiden Söhne, Ludwig IV. und Friedrich I., einander sehr ungleich an geistiger Kraft, in der Regierung; die eigene Schwäche fühlend, theilte der Aeltere dieselbe gern mit dem Bruder. Die [493] Besitzungen des Pfalzgrafen dehnten sich in dieser Zeit schon bis an die Voghesen; unter andern hatten sie einen Antheil an den Vesten der Grafen von Lützelburg (la petite Pierre), die jedoch diese Rechte streitig machten. Die Feindschaft vermehrte wohl die von Friedrich I. verlassene Schwester des Grafen, Eleonore, seitdem Klara Dettin von Augsburg, das schöne Hoffräulein, ihn an den Münchner Hof gefesselt. Die Lützelsteiner suchten zuletzt den Pfalzgrafen Ludwig gegen seinen Bruder mit Mißtrauen zu erfüllen und zum Werkzeug ihrer Rache zu machen. Kemnat, Friedrichs Erzieher und Biograph, hat uns die Geschichte der schwarzen Hinterlist erzählt, welche das Verderben seines Zöglings herbeiführen sollte.

Schon hatten die feilen westphälischen Gerichte, durch den Einfluß der Grafen von Lützelstein gewonnen, das Todesurtheil über den der Ketzerei angeklagten Friedrich gesprochen, und zur Vollziehung desselben waren zwei fremde Ritter an des Pfalzgrafen Hof nach Heidelberg gekommen, die binnen kurzer Zeit sich des Zutrauens Ludwigs bemächtigten, ohne jedoch ihn zur Mitwirkung an ihrem Vorhaben bestimmen zu können. Da nahmen sie zu nächtlichem Trug und Blendwerk ihre Zuflucht; mit ihnen traten Eleonore und der Beichtvater des Pfalzgrafen in den Bund. In der Mitternachtstunde erschien die heilige Jungfrau in dem Schlafgemache Ludwigs, und rief ihn zur Bestrafung seines Bruders Friedrich, der die alleinig wahre Kirche verschmähe und, durch Ehrgeiz verleitet, im Begriff sey, an ihm selbst zum Verbrecher zu werden; sie selbst (die heil. Jungfrau) habe den Fürsten der Hölle in der Burg angetroffen, mit dem der ruchlose Verräther in enger Verbindung stehe. Durch ihre himmlische Macht bezwungen, läge nun aber der böse Feind gefesselt draußen in dem Vorsaale. Noch zweifelte Ludwig, als plötzlich das Ungeheuer brüllend in das Schlafgemach drang, und, sich vor die Heilige hinwälzend, sich von ihr demüthig ihren Fuß auf den Nacken setzen ließ. Der Schrecken brachte den Pfalzgrafen um die Besinnung, und als er wieder zu sich kam, fand er sich in den Armen jener beiden Ritter, welche in düster glänzender Rüstung an seinem Lager standen. Ihrem Zureden folgte er endlich in des Bruders Schlafgemach. Hier war indessen [494] der Betrug schon zur Hälfte gelöst. Kemnat hatte die Entwürfe der Lützelsteiner ausgekundschaftet, die nächtlichen Zusammenkünfte Eleonorens mit dem Mönch und den fremden Rittern in dem Augustinerkloster hatten seinen Verdacht aufgeregt und ihn bewogen, seinen Zögling zu bitten, Vorsichtsmaßregen zu treffen. Zwei seiner Hofjunker, ein Gemmingen und ein Geispitzheim, hielten abwechselnd bei ihm die Nachtwache. Als die Unthat verübt werden sollte, war die Reihe der Wache an dem Erstern. Der muthige Ritter blieb unerschrocken, als der Mönsch, nachdem er seine Rolle als Satan ausgespielt hatte, noch in der ganzen Hülle desselben in Friedrichs Zimmer trat, vermuthlich um die Ausführung des Unternommenen zu sichern. Gemmingen, verwundert über diese Teufelserscheinung, zieht das Schwert, dringt auf das Ungeheuer ein, erkennt sogleich an dem gezückten Dolche den gedungenen Mörder und stößt ihn nieder. In diesem Augenblick erscheinen auch die beiden Ritter, den bebenden Ludwig mit sich führend. Kaum aber sehen sie, was indessen vorgefallen, und daß ihr Plan gescheitert ist, so ergreifen sie die Flucht. Am Morgen nach dieser Nacht war auch Eleonore verschwunden.

So war Friedrich I. gerettet; Ludwig IV. aber, auf den diese Begebenheit geisteszerrüttend gewirkt hatte, starb bald darauf, nachdem er seinem Bruder die Vormundschaft über seinen noch unmündigen Sohn übertragen. Friedrich, später der teutsche Achilles, oder der Siegreiche genannt, herrschte nun allein über die Pfalz, und die Zeit seiner Regierung (1450–1476) bildet die glänzendste Periode jenes Landes.

(Siehe Max v. Ring’s „Malerische Ansichten der Ritterburgen Teutschlands.“ II. Abtheilung, Seite 67.)