Göttliche Komödie (Streckfuß 1876)/Vorwort

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Vorwort.


Die Streckfuß’sche Uebersetzung der göttl. Komödie behauptet neben allen neueren Reim-Uebertragungen dieses Werkes – von den blos metrischen ganz abgesehen – heute noch in ihrer Totalität jenen unvergänglichen Reiz schwungvoller, poetischer Frische, sprachlicher Eleganz und populärer Verständlichkeit, wodurch sie seit Jahrzehnten sich eingebürgert hat. Dieselbe durch eine unabweisbare, zeitgemäße Berichtigung im Einzelnen der Gegenwart zu erhalten, nachdem vor nunmehr über dreißig Jahren der längstverstorbene Verfasser die letzte Hand daran gelegt hat, ist die nächste Absicht vorliegender Ausgabe. Maßgebender und im Collisionsfall entscheidender Grundsatz für diese durchgehende Revision war dem Herausgeber die Herstellung der texttreuen Genauigkeit und Zuverlässigkeit, welche Streckfuß, abgesehen von offenbaren Irrthümern und einzelnen undeutlichen Wendungen, oftmals allzusehr hintangesetzt hat. Ohne irgend einen gewichtigen Grund dieser Art ist nichts geschehen. Mußten nun auch von diesem Standpunkte aus fast auf jeder Seite einzelne Worte oder Verse geändert, ja oft, unvermeidlicher Weise, ganze längere Stellen mehr oder weniger neu übersetzt werden *)[1], so war ich doch nach Kräften bemüht, dies im Geiste des ersten Uebersetzers zu thun; und indem ich die versuchte Lösung einer ebenso mühsamen als schwierigen Aufgabe freundlicher Beurtheilung anheimgebe, glaube ich wenigstens sagen zu können, daß dem ursprünglichen Gesammtcharakter des Meisterwerks kein Abbruch geschehen ist.

Wesentlich anders dagegen gestaltete sich das Verhältniß bei den Anmerkungen. Zwar blieb es auch hier der weitere, leitende Gedanke, die anfängliche Anlage und Bestimmung derselben, als eines, unter dem Text fortlaufenden, [4] für weitere Kreise berechneten, möglichst bündigen, übersichtlichen und leicht verständlichen Commentar’s durchaus beizubehalten. Aber unzweifelhaft war, daß das von Streckfuß Gebotene selbst, wenigstens nach dem heutigen Standpunkt der Forschung, keineswegs mehr jenem Zwecke genüge, da es im Einzelnen vielfach unvollständig und veraltet ist, im Ganzen aber einer eigentlichen Gesammtauffassung und Gedankenentwicklung des Gedichts völlig entbehrt. So hat man denn in der, nach diesen Gesichtspunkten „gänzlich umgearbeiteten Erklärung“ in der Hauptsache eine neue, selbständige und einheitliche Arbeit des Herausgebers, welche sich ebenfalls mit der revidirten Uebersetzung zu einem einheitlichen Ganzen zusammenschließt. Stehen geblieben ist von Einzel-Anmerkungen nur, was für richtig oder unentscheidbar gehalten oder corrigirt werden konnte. Ich hatte mich hierin an den ausdrücklichen Plan der Verlagshandlung zu halten, während ich meinestheils leichter alles neu geschrieben hätte. Man wird aber an den [ ], in welche alles Neue gestellt ist, erkennen, daß schon von der zweiten Hälfte des Fegefeuers an, vollends im Paradies wenig mehr stehen bleiben konnte. – Der, nunmehr durch größere, unter sich zusammenhängende Anmerkungen und Excurse fortgeleiteten Gedankenentwicklung liegen die Anschauungen meiner früheren Einleitungsschrift (S. 7) zu Grunde; in den zahllosen historischen Notizen habe ich mich, soweit sie außer Bereich meiner Studien lagen, meist an Philalethes angeschlossen. Auf eine besondere Einleitung mußte verzichtet werden; das Wesentliche ist an Ort und Stelle, besonders zu Hölle 1, Paradies 17, 50 bemerkt und wird vielleicht so desto eher gelesen. Ebenfalls eine neue Zugabe, auch gegenüber andern Ausgaben, sind Gesangüberschriften zur leichteren Orientierung. – Möchte ich einigermaßen den rechten Weg getroffen haben, um allen Freunden hoher Poesie, auch Theologen, den, immer noch zu wenig gelesenen, unsterblichen Dichter und Denker näher zu bringen!

Essingen, (Württemberg) Aug. 1876.

Dr. Pfleiderer, Pfarrer.




  1. *) Z. B. Hölle 11, 61 ff.; 27, 7–21. 28, 88 ff. Fgf. 4, 10 ff.; 15, 16 ff.; 16, 73–81; 20, 91–96, 21, 40 ff.; 33, 34 ff.; Parad. 17, 82–93; 18, 16 ff.; 109 ff. 20, 52 ff.; 76 ff.; 23, 89, 33, 31 ff.