Geistesgegenwart eines Ladendiebes

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Textdaten
Autor: Walther Kabel
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Titel: Geistesgegenwart eines Ladendiebes
Untertitel:
aus: Das Buch für Alle, Illustrierte Familienzeitung, Jahrgang 1911, Siebentes Heft, Seite 165
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1911
Verlag: Union Deutsche Verlagsgesellschaft
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Erscheinungsort: Stuttgart
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Quelle: Commons
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[165] Geistesgegenwart eines Ladendiebes. – In den Laden eines Londoner Spitzenhändlers kam ein Herr und ließ sich allerlei Spitzen vorlegen, an denen er aber stets etwas auszusetzen hatte. Während er so die Vorräte durcheinander warf, wußte er mehrere Rollen kostbarer Spitzen unter seinem Mantel verschwinden zu lassen.

Doch der Händler hatte den Kunden scharf beobachtet und alles bemerkt. Als der wählerische Ladendieb dann, ohne auch nur eine Kleinigkeit erstanden zu haben, das Geschäft verlassen wollte, trat der Kaufmann ihm in den Weg und sagte ganz freundlich, um ihn nicht geradezu des Diebstahls zu beschuldigen: „Mein Herr, so billig kann ich Ihnen aber die Brüsseler Spitzen wirklich nicht lassen!“

Ohne die Fassung zu verlieren, zog der also Entlarvte die Spitzen hervor, legte sie auf den Ladentisch zurück und meinte: „So? Nun – da haben Sie sie zurück. Für einen höheren Preis kann ich sie nicht gebrauchen!“

Sprach’s und verschwand.

W. K.