Generalkarte der europäischen Türkei und des Königreiches Griechenland

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Autor: Heinrich Kiepert
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Titel: Generalkarte der europäischen Türkei und des Königreiches Griechenland, herausgegeben von Josef Ritter von Scheda, K. K. österr. Oberst. Wien 1869. Maßstab 1:864,000. 13 Bl.
Untertitel:
aus: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Fünfter Band. S. 269–283
Herausgeber: Wilhelm David Koner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1870
Verlag: Verlag von Dietrich Reimer
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Erscheinungsort: Berlin
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[269] 
Neuere Literatur.
Generalkarte der europäischen Türkei und des Königreiches Griechenland, herausgegeben von Josef Ritter von Scheda, K. K. österr. Oberst. Wien 1869. Maßstab 1:864,000. 13 Bl.

Während unter allen europäischen Staaten allein der osmanische an der im laufenden Jahrhundert so hoch vervollkommneten militärischen Vermessungs- und Kartirungsthätigkeit, ungeachtet mancher mit vieler Emphase in den Zeitungen herausgestrichenen, aber nie ausgeführten guten Vorsätze gänzlich unbetheiligt geblieben ist, hat auch das an einer genauen Kunde dieses Ländergebietes zunächst interessirte Oesterreich für supplementäre Recognoscirungen viel weniger gewirkt, als man hätte erwarten sollen, diese Aufgabe vielmehr in den ersten Decennien des Jahrhunderts französischen Kartographen überlassen und sich selbst (in der bekannten in Wien 1829 erschienenen Karte der Türkei vom Generalstabsofficier Weiß) mit einer höchst mangelhaften, nur in einzelnen Punkten veränderten, aber nicht verbesserten Copie der berufensten französischen Arbeit, der Karte des Colonel Lapie von 1825, begnügt. Der vorletzte orientalische Krieg von 1828–29, der zunächst wieder die Blicke des ganzen politischen und militärischen Europa auf den Orient wandte, aber außerhalb Griechenlands zu keinem direkten Einschreiten desselben führte, veranlaßte durch das Vordringen russischer Heere und Streifcorps bis ins Herz der sogenannten europäischen Türkei allerdings einen Fortschritt in jener Richtung: einzelne Routen und ganze zusammenhängende Landstriche wurden von russischen Officieren recognoscirt, aber eine unmittelbare Bereicherung des geographischen Wissens durch dieses schätzbare Material, wurde bekanntlich noch lange durch die in jenem Ostreiche herrschende Geheimnißkrämerei verhindert, deren Beseitigung erst im Jahre 1857 eine Veröffentlichung der schon 1834 im Stich vollendeten Karten (im Maßstabe 1:420,000) gestattete, daher dieselben natürlich auf alle bis vor kurzem veröffentlichten speciellen Karten der Türkei ohne Einfluß blieben. Der letzte Krieg im Orient, 1853–54, vertauschte die Rollen: Rußland als kriegführende Macht vom türkischen Gebiete ausgeschlossen, konnte seitdem nur in versteckterer Weise, durch friedlich reisende Emissäre seine unverdrossen verfolgte Aufgabe speciellerer Erkundigung des Landes fortsetzen (es ist dieß in umfangreicherer Weise im letzten Jahrzehnt vorzüglich in Bulgarien und Montenegro geschehen), von den Westmächten dagegen, deren Truppenkörper und Genieofficiere damals längere Zeit wenigstens einzelne Theile des türkischen Gebietes berührt haben, hat wieder nur Frankreich seine unter dem ersten Napoleon begonnene Wirksamkeit in geographischer [270] Richtung fortgesetzt[1] neben der die geringfügigen Erhebungen englischer und italienischer Officiere kaum der Erwähnung verdienen. Oesterreich, welches sich bekanntlich an jenem Conflict der westlichen und östlichen Interessen nur mittelbar, durch temporäre Besetzung der Donaufürstenthümer betheiligte, hat in Folge davon der für die Erdkunde bei weitem bedeutendsten Leistung auf diesem Gebiete sich unterzogen durch die vortrefflich ausgeführte, namentlich durch eine überaus klare und naturgetreue Terrainauffassung die älteren russischen Recognoscirungen gänzlich beseitigende Vermessung der Walachei, welcher nur zu unserem Bedauern bis jetzt noch immer nicht die längst projectirte östliche und westliche Fortsetzung, über Moldau und Serbien gefolgt ist. Auch sonst sind bekanntlich von österreichischen Officieren, nicht als Mitglieder einer vollständigen Vermessungsbrigade, sondern im Civilgewande des Reisenden neuerdings einzelne Theile des benachbarten Staates, besonders das von österreichischem Gebiete zum größten Theile umschlossene und mit demselben in so vielfachem Verkehr stehende Bosnien wiederholt durchforscht und bereits nicht unerhebliche Ergebnisse dieser Recognoscirungen der Oeffentlichkeit übergeben worden[2]; wenn dieselbe auch strengere Ansprüche nur unvollkommen befriedigen, so geben sie doch Zeugniß von der Wiederaufnahme einer Thätigkeit, die seit Prinz Eugens Zeiten fast in Vergessenheit gekommen schien: denn aus den Feldzügen dieses großen Strategen in Bosnien und Serbien stammen jene ersten, handschriftlich noch in Wien bewahrten Terrainskizzen, welche mit geringfügigen Zusätzen aus den späteren österreichischen Kriegen auf jenem Boden bis vor kurzem die wesentliche Grundlage der im Anfange dieses Jahrhunderts zu Wien veröffentlichten Riedl’schen Karte und damit der meisten neueren Karten hergegeben haben. Das k. k. militärisch geographische Institut in Wien war um so mehr [271] berufen, die Gewinnung und Verarbeitung neuer und besserer Materialien über diese Gebiete zu erstreben, als es vom Anfange seiner Wirksamkeit an, sich nicht durch die zufälligen Grenzlinien des Staates eingeschränkt gefunden, sondern über dieselben hinaus auch anderwärts, z. B. in Italien eine die geographische Wissenschaft und den gemeinen Nutzen höchlich fördernde Thätigkeit entfaltet hat. So umfaßt denn schon die von Herrn v. Scheda, der bekanntlich schon seit einer Reihe von Jahren die eigentliche Seele jener Anstalt ist, herausgegebene wegen des Reichthums ihres Inhalts, wie wegen ihrer trefflichen technischen Ausführung geschätzte Karte der österreichischen Monarchie in 20 Blatt (Maßstab 1:576,000) und noch mehr die neuerdings erfolgte Erweiterung derselben zu einer Karte von ganz Central-Europa in 48 Blatt namhafte Theile der südöstlichen Nachbarländer und zwar in gleichmäßig detaillirter Ausführung nicht nur des hydrographischen Netzes, sondern auch der Orographie, wie die aus wirklichen Aufnahmekarten reducirten Ländergebiete der Culturstaaten. Das auf diese Weise hergestellte Kartenbild mag dem Laien, den die scheinbar so detaillirte Darstellung von Gebieten, die noch halb außer der europäischen Civilisation liegen, erfreut, schön und zweckmäßig erscheinen: dem kritischen Beschauer aber muß schon bei flüchtiger Betrachtung bei aller Schönheit des Stiches der Abstand zwischen dem charakteristisch naturwahr (wenn auch meist mit etwas sehr scharfer Accentuirung) ausgeführten Terrain des Bereiches der Aufnahme – Oesterreich und Walachei – und der manierirten fast einförmig grauen größtentheils ausdruckslosen Terraindarstellung der Nachbarländer auffallen und bei eingehender Prüfung erheben sich noch viel schwerere Bedenken. Höchstens für die Moldau, die zwar von den Oesterreichern bis jetzt noch nicht neu vermessen ist, für die aber die ältere russische Aufnahme, wenn sie auch heutigen Ansprüchen durchaus nicht mehr genügt, eine für den Maßstab der Redaction allenfalls ausreichende Grundlage darbot und deren Berg- und Hügelland mit dem Territorium diesseit der Grenzlinie so unauflöslich zusammenhängt, konnte man sich das angewendete Verfahren einer geschickten Uebersetzung in die normale Terrainmanier der Karte wohl gefallen lassen. Für Serbien und Bosnien dagegen, welche wenigstens gegen Norden das breite Stromthal der Donau und Save scharf genug von dem Bereiche der genauen Kartirung scheidet, während freilich nach Dalmatien hin die jetzige Grenze ein physisch und ethnographisch zusammengehöriges Gebiet störend durchschneidet, wäre der Uebergang zu einer leichten Andeutung der Hauptformen des Terrains, die den Mangel detaillirter Grundlagen der Zeichnung sofort hätte ins Auge springen lassen, ja selbst gänzlicher Verzicht auf jede Terraindarstellung dem jetzt vorliegenden irreführenden Phantasiebilde vorzuziehen gewesen. Durch Autopsie zu einer maßgebenden Kritik berufene Kenner dieses Landes, wie die verdienten Forscher A. Boué und F. Kanitz in Wien haben wiederholt ihr scharfes Urtheil über diese Theile der Scheda’schen Karte ausgesprochen, und der Herr Verfasser selbst konnte auf Befragen, worauf denn diese scheinbar so speciell ausgeführte Terraindarstellung, namentlich Serbiens, beruhe? – nur einige ältere handschriftliche Skizzen in den Wiener Sammlungen und die auf das gegebene hydrographische Netz als Grundlage angewiesene Phantasie des Zeichners namhaft machen. Nun weiß man ja durch abschreckende Beispiele genug, zu welchen [272] Ungeheuerlichkeiten naturwidriger Terraingestaltungen jene seit Buache’s Vorgang früher besonders bei den Franzosen beliebte Manier der willkührlichen Zeichnung einer Bergkette auf jeder Wasserscheide geführt hat: ist nun auch das Resultat in den betreffenden Sectionen der Scheda’schen Karte von Oesterreich (No. 13, 14, 18, 19), Dank der umsichtigen Oberleitung und der vorgeschrittenen Ausbildung der Arbeitskräfte weniger abnorm ausgefallen, so zeigt es doch hinreichend, daß der Terrainzeichner selbst die wenigen über diese Gebiete vorhandenen Terrainbeschreibungen von Augenzeugen (z. B. eines O. v. Pirch, Berghauptmann v. Herder, A. Boué, F. Kanitz u. a.) ganz unberücksichtigt gelassen, wahrscheinlich gar nicht gekannt hat. Wie konnten sonst so hervorragende Züge in der Oberflächengestaltung Serbiens, wie die mächtigen Pyramiden des Rtanj und des Ozren (falsch Gozren in Scheda’s Karte) östlich der Morawa, der hohe Rücken des Kopaonik an der Südgrenze des Landes, die niedrigeren, aber durch ihre Vereinzelung auffallenden zu beiden Seiten der West-Morawa sich gegenüberstehenden Bergkegel des Kablar und Owtschar, der Hochgipfel von Rudnik im Centrum Serbiens, der Rücken des Cer (falsch bei S. Oracer) in der nordwestlichen Ecke, und im nördlichen Bosnien beispielsweise die ein weites flaches Hügelland schroff überragenden Felsgipfel des Krnjo-brdo und der Kozaratz-Planina ohne alle Markirung in dem eintönigen Grau langgestreckter Ketten verschwimmen, während anderseits oft das niedrigste Hügelland, die flachsten Höhenrücken (z. B. südlich von Belgrad und Požarevac), oder die einförmigsten Plateaus (z. B. an der Ostgrenze Serbiens gegen Widin) zu wahren Hochgebirgen übertrieben erscheinen, die breite Thalebene der bosnischen Spretscha ganz von Bergstrichen erfüllt ist. Aber noch bedenklicher ist, daß eben dies Flußnetz, auf dessen Configuration hauptsächlich die Terrainzeichnung Serbiens begründet[WS 1] ist, sehr geringe Autorität hat und in wesentlichen Punkten durch zuverlässige Zeugnisse als unrichtig erwiesen wird. Herr v. Scheda hat nämlich die hauptsächlich auf den Recognoscirungen russischer Officiere aus den Jahren 1828 ff. beruhende russische Karte von 1834 (ohne Terrainausführung) als maßgebend angenommen und ihr ganzes Netz von Ortspositionen, Wegen und Flußläufen im verkleinerten Maßstabe, fast unverändert, nämlich nur an die von österreichischer Seite her genauer festgelegte Donaulinie angepaßt, in seine Karte übertragen lassen. Diese sogenannte Aufnahme ist aber eine ihrer Natur nach höchst flüchtige, nur auf der Combination einer Anzahl von Routiers beruhende und keineswegs das ganze darin enthaltene Gebiet mit gleicher Genauigkeit darstellende Arbeit, in welcher ziemlich bedeutende Theile offenbar, um eine scheinbare Vollständigkeit zu erreichen, nur nach vagen Erkundigungen eingetragen sind, daher oft in Beziehung auf Richtungen und Distanzen, Ortslagen und Zusammenhang der Flußläufe mit den oben angeführten Berichten von zuverlässigen Augenzeugen und mit neueren im Lande selbst entworfenen Karten in direktem Widerspruche stehen. Allerdings sind leider alle diese sonst vorhandenen Materialien keineswegs ausreichend zur Herstellung eines annähernd richtigen Kartenbildes, aber indem sie sich häufig in ihren Abweichungen von der russischen Karte begegnen, geben sie für dieselbe wenigstens der Kritik einen Maßstab und erlauben doch, – allerdings mit mühseliger Arbeit der Combination – eine große Reihe von Ortslagen und Terrainverhältnissen viel genauer [273] als in der russischen Karte geschehen ist, zu bestimmen. Hätte der Zeichner von Serbien in der Scheda’schen Karte die angeführten Reiseberichte von Pirch, Boué, Viquesnel, v. Herder, Denton, Kanitz u. a. gelesen, hätte er die allerdings theilweise rohen und unvollkommenen, aber doch aus genauerer Landeskenntniß hervorgegangenen und in vielen Punkten durch jene Berichte bestätigten in Belgrad erschienenen Karten, die des ganzen Landes von Milenkowitj (1852) und die in der Zeitschrift Glasnik enthaltenen Specialkarten einzelner Kreise (Požarevatz von Medovitj 1850, Kraina von Ptschelar 1856, Užice von Obradowitj 1858, Knjaževatz von Markowitj 1866) verglichen, so mußte er sich überzeugen, daß die russische Karte nicht so viel Vertrauen verdiente, um unverändert copirt und mit Phantasieterrain ausgefüllt zu werden[3]. Am unzuverlässigsten und völlig unentwirrbar bei durchgehendem Widerspruch zu den serbischen Karten und den wenigen veröffentlichten Routiers zeigt sich in derselben der offenbar nur aus ganz flüchtigen Notizen und Erkundigungen combinirte südwestlichste Theil Serbiens gegen die bosnische Grenze hin, namentlich der ganze Kreis Užice; diese Partie ist, wie es mit unvollständig erkundeten Gegenden zumal weniger geübten Kartographen durch Ueberschätzung der Distanzen ohne hinreichende Berücksichtigung der Terrainbeschaffenheit leicht passirt, im Entwurf der Russen um ein bedeutendes zu groß ausgefallen und damit der die Grenze zwischen Bosnien und Serbien bildende Lauf der Drina, an welchem die russische Karte abbricht, zu weit nach Westen und besonders nach Südwesten verschoben. Gleichwohl ist in der Scheda’schen Karte diese irrige westliche Verrückung gegen das russische Original noch um etwa 1/8 Grad vermehrt, offenbar im Vertrauen auf die absolute Zuverlässigkeit der von russischen Officieren bei derselben Gelegenheit gemachten und von Struve berechneten astronomischen Beobachtungen, obwohl dieser Astronom selbst mehrere der in Serbien bestimmten Längen, darunter namentlich die des westlichsten Beobachtungspunktes, Swoidrug an der Drina, als um etwa 1/6 Grad unsicher bezeichnet hat. Es war also kein Grund, in Widerspruch mit itinerarischen Angaben, die der österreichische Kartograph ignorirt, das unsichere Resultat jener Berechnung (nach meiner Erfahrung in Folge von Combination aller erreichbaren Elemente scheint es um wenigstens ¼ Grad falsch zu sein) als maßgebend zu betrachten und den ganzen Drinalauf bis zu dem einzigen völlig feststehenden Punkte seiner Mündung in die Save in eine falsche Hauptrichtung (SSW.–NNO. statt SN.) zu verzerren, unter mannigfacher Entstellung seiner Details, indem gegen alle vorhandenen Distanzangaben der obere Lauf auffallend in die Länge gezogen, der untere zwischen Zwornik und der Mündung dagegen ungebührlich verkürzt worden ist: Fehler, die von einem die Mühsal der Prüfung und Combination aller vorhandenen Quellen nicht scheuenden Arbeiter wohl hätten können vermieden werden, [274] und die nunmehr auch auf die Verzerrung des sich westlich anschließenden Nachbarlandes in der Scheda’schen Karte weiter gewirkt haben. Denn da die Lage des Centralpunktes aller bosnischen Routen, Serajewo, wenn auch leider bis jetzt nicht durch direkte Beobachtung fixirt, doch durch Construction und Vergleichung der nach den nächstgelegenen österreichischen Grenzpunkten in N., NW. und SW. führenden Wegelinien annähernd genau hat fixirt werden können, so bleibt nunmehr für das ganze zwischen dieser Hauptstadt und der serbischen Grenze oder der Drina liegende Terrain in Scheda’s Construction nicht der genügende Raum, und es erscheint dasselbe unter willkührlicher Krümmung der einmal an ein gewisses Maß gebundenen Wegelinien auf etwa zwei Drittheile seiner wirklichen Breite zusammengedrängt, – ein Nothbehelf, der natürlich auch auf die Verunstaltung des hydrographischen Netzes der oberen Drina und ihrer Nebenflüsse die schlimmsten Folgen gehabt hat.

Diese so eben gerügten Fehler wenigstens sind vermieden in der Recognoscirungskarte des Hauptmanns Rośkiewicz, auf die man sich in diesem Punkte umsomehr wird verlassen können, als ihr Autor das Wegedreieck Serajewo – Wischegrad – Zwornik selbst zurückgelegt hat, in welchem er die ostwestlichen Dimensionen (Serajewo – Zwornik, SW.–NO., und Serajewo – Wischegrad, WNW.–OSO., richtiger als bei Scheda NW. – SO.) um die Hälfte länger, die nordsüdliche zwischen Zwornik und Wischegrad (längs des Drina-Thales) um ¼ kürzer als Herr v. Scheda bestimmt, ein Resultat, welches mit allen sonst über diese Routen vorhandenen Angaben sehr wohl übereinstimmt. Im Jahre 1864, als die Construction der R.’schen Karte vollendet vorlag und dem militärisch geographischen Institute in Wien zum Stich übergeben werden konnte, war die Darstellung Bosniens in v. Scheda’s Karte von Oesterreich bereits vollendet, auch die die nördliche Hälfte enthaltende Sect. XIII bereits gedruckt und ausgegeben, Sect. XVIII mit der südlichen Hälfte im Stich schon soweit vorgerückt, daß ohne ein allzuschweres Opfer an Mühe, Zeit und Kosten eben nur noch nothdürftige Verbesserungen daran vorzunehmen, nicht das Ganze umzuarbeiten rathlich schien[4]; bei einer neuen Arbeit dagegen (die große Karte der Türkei war damals noch im Stadium der Zeichnung) durfte man wohl eine vollständigere Berücksichtigung der, zumal durch Thätigkeit eines österreichischen Officiers, neu gewonnenen Daten erwarten.

Wie soll man es sich nun erklären, wenn in der neuen Karte Rośkiewicz’s Routen, als die relativ genauesten unter den publicirten (wenn sie auch noch viel zu wünschen übrig lassen) nicht etwa der Construction zu Grunde gelegt, sondern nur nebenbei als Füllwerk benutzt sind, während die ganze ältere Construction mit noch zahlreicheren Fehlern[5] außer den eben gerügten Verzerrungen [275] unverändert beibehalten ist? ist es bloße Bequemlichkeit der Hülfsarbeiter und fand der von anderweitiger Berufsthätigkeit vielfach in Anspruch genommene Herausgeber nicht die nöthige Muße, diese allerdings viel Zeit und Mühe kostende grundlegende Arbeit selbst durchzuführen? oder blieb er von der Brauchbarkeit seiner früher einmal mit unvollständigerem Material durchgeführten Arbeit so fest überzeugt, daß er sich der Mühe einer gründlichen Reform überhoben glaubte, wie sie doch eigentlich jede kartographische Arbeit über ein solches Gebiet ohne gesicherte Ortspositionen nach jeder neuen Erhebung an Ort und Stelle voraussetzt? Darüber sähe man gern eine Aufklärung durch irgend eine schriftliche Erläuterung, deren Beigabe zu ähnlichen Werken in der That eine Pflicht gegen das wissenschaftliche Publikum ist. In Ermangelung einer solchen bleibt dem Kritiker nur übrig, den im Titel genannten Autor für solche Unterlassungssünden verantwortlich zu machen, die er mit seinem Namen ebensogut zu vertreten hat, wenn sie von seinen die Zeichnung ausführenden Gehülfen begangen sind[6].

Die mehrerwähnte aus den Jahren 1828–29 herrührende russische Karte umfaßt außer den Donaufürstenthümern von unmittelbar türkischem Gebiet in Europa bekanntlich die ganze Osthälfte von der Linie Nisch-Saloniki an, davon aber nur die den eigentlichen Kriegsschauplatz enthaltenden östlichen Theile in der Nähe des schwarzen Meeres, westlich etwa durch die Linie Rustschuk – Adrianopel – Rodosto begrenzt, und bis in die Nähe von Constantinopel in zusammenhängender Darstellung des Areals, während sie für den größeren Rest nur vereinzelte Routiers zwischen den Hauptorten giebt, vermuthlich größtentheils von russischen Officieren in flüchtiger Bereisung gemacht, natürlich von sehr ungleichem Werthe und in ihrer Verknüpfung manchen Unsicherheiten unterworfen. [276] Es wäre daher zu wünschen gewesen, daß dieses ganze von den Russen verarbeitete Material nicht ohne weiteres (mit der sehr geringfügigen Ausnahme des Strymonlaufes) als direkte Grundlage der neuen Karte angenommen, sondern in kritischer Combination mit allen anderen vorhandenen guten Quellen wäre verwerthet worden; statt dessen sehen wir diese (natürlich mit Ausnahme der ja ebenfalls durch militärische Aufnahme gewonnenen französischen Marschrouten von 1854) nur zur Ausfüllung benutzt und daher häufig dem weit weniger zuverlässigen russischen Material untergeordnet, oder wo sie demselben zu widersprechen schienen, einfach ignorirt. So hätte Viquesnel’s Karte der Rhodope nicht allein zur willkommnen Ausfüllung des bis zu ihrem Erscheinen (1854) leeren Raumes zwischen Maritza- und Strymon-Thal und der ägäischen Küste dienen, sondern auch für das Nestus-Thal oberhalb Nevrekop (nicht Negrokop, wie Herr S. den Russen zu Liebe schreibt) als maßgebend statt des ganz unrichtigen russischen Routiers benutzt werden sollen; so ist H. Barth’s Route von Rustschuk nach Saloniki (1862), eine, was die Zeichnung betrifft, auf vorzüglich genauen Beobachtungen beruhende Arbeit, zwar in ihrem nördlichsten und südlichsten Theile benutzt worden, gerade da aber, wo sie es vorzugsweise verdiente als Grundlage zu dienen: von Turnow durch den Balkan[7] nach Filibe und westlich weiter über Samakow nach Dubnitza, ganz ignorirt und damit die Gelegenheit versäumt worden, die Gegend am Südabhange des Balkan um Kalofer und Karlowa (welches Herr v. S. mit einem bereits durch Herrn Prof. v. Hochstetter gerügten Versehen auf die Nordseite des Gebirges setzt) und die Linie von da nach Filibe richtiger niederzulegen.

Das kleine montenegrinische Gebiet erscheint (unter Verwerfung der im Jahre 1863 von der internationalen Grenzbestimmungs-Commission entworfenen und zu Wien selbst im militärisch geographischen Institute veröffentlichten, aber, wie sich jetzt herausstellt, ganz unzuverlässigen Karte) nach neuem Material niedergelegt, – nach welchem? das würde Referent nicht errathen, wenn ihm nicht ebenso wie Herrn v. Scheda die Gunst des k. russischen Generalstabs, der eine detaillirte Karte in großem Maßstabe 1860–66 durch Capitain Bykow hat aufnehmen lassen, eine photographische Copie derselben zu dankbarer Benutzung (natürlich ebenfalls nur in kleinem Maßstabe bis eine speciellere Publikation in St. Petersburg erfolgen wird) hätte zukommen lassen.

Für das Stromgebiet des Drin und des Wardar, welches bis vor kurzem zu den am wenigsten erforschten und am mangelhaftesten dargestellten Theilen der Türkei gehörte (das heutige Nordalbanien und die Westhälfte Macedoniens umfassend), war dem Verfasser die Arbeit leicht gemacht, indem er hier nur die gründliche Verarbeitung des älteren und des neugewonnenen Materials, welche unterzeichneter Referent vorzüglich auf Grund der von Herrn v. Hahn an Ort und Stelle gemachten Erhebungen und der noch unpublicirten Tagebücher von H. Barth’s [277] letzter Reise (von 1865) ausgeführt hat, verkleinert zu copiren brauchte. Habe ich auch Herrn v. Scheda auf das bevorstehende Erscheinen dieser Arbeit in den Denkschriften der k. Wiener Akademie aufmerksam gemacht (welches aus hier nicht zu erörternden Ursachen sich ungewöhnlich verzögert hat), so kann ich doch den Wunsch nicht unterdrücken, daß diese Benutzung meiner Karte nach einem uncorrigirten Probeabdruck (dieß ergiebt sich aus manchen kleinen, nur mir bemerkbaren Anzeichen), den wohl die den Stich ausführende k. k. Hof- und Staatsdruckerei an das k. k. militärisch geographische Institut überlassen haben mag, nicht zu einer Veröffentlichung der reducirten Copie vor der Veröffentlichung des Originals geführt hätte, – ein Umstand, der natürlich auch die k. Akademie nicht hat gleichgültig lassen können, – daß wenigstens die Entlehnung des Gesammtresultats einer ebenso mühsamen und zeitraubenden wie undankbaren Arbeit, die Referent nur als Ehrensache übernommen hatte, in irgend einer Weise öffentlich wäre anerkannt worden[8].

Wie rein mechanisch übrigens die Benutzung dieser Karte bei der Reduction, ohne Zurückgehen auf den Text, erfolgt ist, beweist ein auffallendes Beispiel. Um die in der früheren Reise des Herrn v. Hahn (von 1858) mitgetheilten, aber in den beigegebenen Kartenskizzen des Majors Zach nur sehr unvollkommen dargestellten Details über die Gegend zwischen Skoplje und Prischtina besser zu verwerthen und wenigstens deren wichtigsten und am meisten entstellten Theil zu rectificiren, habe ich der neuen Karte eine etwas weitere nördliche Ausdehnung gegeben, als streng genommen die Erstreckung der neuen Routiers forderte; so [278] daß u. a. ein in Herrn Zach’s Skizze ganz ausgelassenes Nebenthal der Sitnitza, das des Südarms der obern Drenitza, westlich von Prischtina, noch mit aufgenommen wurde. Dieses, mit dem meine Karte oben abbricht, ist nun auch richtig in Herrn von Scheda’s Karte übergegangen, der nördliche Hauptarm desselben Thales aber, so wie das dem weißen Drin zugehende Parallelthal der untern Drenitza sind weggeblieben, da dieselben nur in dem Texte des Herrn von Hahn, nicht aber in der Zach’schen Skizze erscheinen!

Wie wenig überhaupt schriftliche Mittheilungen benutzt worden sind, beweist auch die Zähigkeit, womit der, auf der Autorität Dr. A. Boué’s, aber wahrscheinlich nur in Folge eines Misverständnisses beruhende, von Herrn von Hahn ausdrücklich als nicht existirend bezeichnete Gebirgsname Kurbetzka Planina (Sect. VI) festgehalten wird; ebenso erscheint auf derselben Section nahe der Serbischen Grenze aus den alten Karten (die mich früher auch einmal geäfft hatten) wieder die nicht vorhandene Stadt Isnebol, d. i. die türkische Form des 10 bis 12 Meilen südlicher an der richtigen Stelle nochmals eingetragenen slavischen Gebirgs- und Distriktnamens Snegpolje und die ebenfalls nicht vorhandene Stadt Pirsnik; Irrthümer, welche Herr F. Kanitz bereits 1868 in den Abhandlungen der Wiener Akademie berichtigt hat.

Zur Ermittelung, nach welcher von verschiedenen, in den letzten Decennien über Griechenland (mit Einschluß von Thessalien und Süd-Epirus) veröffentlichten Karten diese Theile der Scheda’schen Karte reducirt seien, hat mir Zeit und Lust gefehlt, doch wird die Quelle, die sich ja für das Königreich nur auf die bekannte große französische Aufnahme stützen kann, und nur durch die später eingeführte Nomenclatur der Demen davon unterscheidet, keineswegs eine sehr neue sein, da darin Korinth noch auf der alten, seit dem zerstörenden Erdbeben von 1858 verlassenen Stelle liegt und Nea-Mintzela am Golfe von Volo noch den seit der Revolution wieder abgeschafften Namen Amaliopolis führt, auch L. Heuzey’s Carte du mont Olympe (Paris 1860), darin nicht benutzt ist; es muß eine französische sein, da sonst dem Bearbeiter nicht der Fehler passirt wäre, französische Ausdrücke als integrirende Theile von Namen (wie Kalyvia de Kuvara, de Chassia in Attika u. dgl.) ruhig beizubehalten.

Der durch die Ausdehnung der ganzen Karte nach Süden über die Insel Kreta, nach Osten über den Bosporus bedingte äußere Rahmen schließt natürlich auch einen beträchtlichen Theil Kleinasiens ein, welches die X. und XIII. Section größtentheils, und zwar in gleicher Ausführung wie Europa, erfüllt. Wenn dieser Theil der Karte gegenüber ihrem Hauptzwecke, die europäischen Provinzen der Türkei darzustellen, auch als nebensächlich betrachtet werden darf, so wäre es doch kein unbilliges Verlangen, wenn man auch hier eine Berücksichtigung der wichtigeren neueren Erforschungsreisen, wenigstens ihrer schon vorhandenen kartographischen Darstellungen – denn Durcharbeiten schriftlichen Materials dürfen wir schon unserem Autor nicht zutrauen – erwartete und nicht eine einfache, um ein geringes (etwa um 1/7) vergrößerte Reproduction meiner alten und schon mehr als halb veralteten Karte in 6 Blatt vom Jahre 1844! Aber in der That, alle neueren Leistungen auf diesem Gebiete und meine eigenen, schon einen Theil derselben (wenn auch in noch kleinerem Maßstabe, Klein-Asien in 2 Blatt, 1854, 1:1,500,000) combinirenden Bearbeitungen, also namentlich Wrontschenko’s [279] russisch abgefaßte Karte (in gleichem Maßstabe, wie die Scheda’sche) P. v. Tschihatscheff’s und Sperling’s von mir bearbeitete und herausgegebene Itinerare, Lebas, Perrot’s, Newton’s Specialkarten ihrer Routen u. s. w. sind für den Bearbeiter dieser Partie einfach nicht vorhanden gewesen. Der Standpunkt der Kartographie ist für ihn hier seit einem Vierteljahrhundert unverändert stehen geblieben!

Es ist kaum zu vermeiden, in einer Karte, die in ihrer Zusammensetzung klassische Länder von so eminent historischem und archäologischem Interesse umfaßt, in den Benennungen der natürlichen Formen (zumal Flüsse und Gebirge in gegenwärtigem Volksgebrauch zum Theil mehrfach wiederkehrende schwer unterscheidbare Benennungen tragen) so wie der wichtigeren bis in’s Alterthum hinaufreichenden Städte und Städteruinen, auf die klassischen Namen Rücksicht zu nehmen und es pflegt dieß mit mehr oder weniger Urtheil, resp. Glück ziemlich in allen Karten dieser Länderräume zu geschehen. Hier aber einmal mit besonderem Unglück, so daß eine gänzliche Nichtberücksichtigung der historischen Namen der Karte mehr zur Empfehlung gereicht hätte, als dieses bunte Durcheinander von richtigen und falschen, von aufgenommenen unwichtigen Nebensachen und fehlenden Hauptnamen, ohne alle Consequenz, ja mit verschiedenster Behandlung der unmittelbar an einander stoßenden Sectionen[9].

Die ganze Nomenclatur und die damit zusammenhängende, bei einer Karte eines so vielsprachigen Landes besonders wichtige philologische Thätigkeit der Transcription der in den verschiedenen Dialekten mit verschiedenen Alphabeten [280] geschriebenen Namen in ein einheitliches System ist überhaupt eine der schwächsten Seiten der ganzen Arbeit. Wenn auf österreichischem Gebiete, innerhalb dessen die verschiedenen von Herrn v. Scheda herausgegebenen Karten sich durch eine anerkennungswürdige Correctheit der Schreibweise auszeichnen, die strikte Befolgung der in den verschiedenen Kronländern officiell angenommenen Orthographien genügte, so war die Aufgabe jenseit der Grenze in der bunten Mischung von slawischen, rumänischen, albanesischen, griechischen, türkischen Nomenclaturen eine unendlich schwierigere und ohne einige, wenn auch nur elementare Kenntniß der genannten Sprachen (wie sie dem Herausgeber offenbar nicht zu Gebote steht) geradezu hoffnungslose. So ist es ihm denn nicht geglückt, in dem ganzen benutzten Material die Schreibart auf die von ihm mit Rücksicht auf die vorherrschende Masse slawischer Bevölkerung angenommene neuere südslawische (zunächst kroatische und tschechische) Orthographie zurückzuführen; während er demzufolge auch in türkischen und albanesischen Namen s und z für den scharfen und weichen Zischlaut, š und ž für den gequetschten (sch und franz. j), c für deutsches z oder tz, č für tsch beibehält, hat er sich durch v. Hahn’s Transcriptionsweise für den ganzen Umfang von dessen Karte verleiten lassen, z für den deutschen Laut, also sein c, c dagegen (durch Mißverständniß von Hahn’s unpassender Schreibweise mit ç) für den weichen Laut, sein z anzuwenden, hat er ebenso aus meiner Karte Kleinasiens, aus Blau’s Routier in Bosnien die der deutschen Aussprache entsprechenden, der slawischen direkt widersprechenden Umschreibungen beibehalten; ja in Griechenland hat er für die beiden grundverschiedenen Laute z (weiches s) und ts (=tz) in Widerspruch mit seinem System einfaches z gleichmäßig durchgeführt. Größer wird nun noch die Verwirrung für einen sehr bedeutenden Theil der Karte durch die Benutzung der in russischer Schrift abgefaßten Original-Materialien, in deren – mitunter durch Undeutlichkeit des Stiches etwas schwierigen – Entzifferung derjenige, welcher die Namen für Herrn v. Scheda’s Karte umschrieben hat, theils wegen der Aehnlichkeit mancher russischer Buchstaben mit einander, theils aus Unkenntniß mancher wirklich darzustellenden Laute und der Transcriptionsart, welche die Russen zu deren Bezeichnung anzuwenden pflegen, kein sonderliches Glück gehabt hat. In der Umschreibung so häufig wiederkehrender türkischer Worte, wie kjučjuk, bjujuk für kütschük, böjük (d. i klein, groß), wie geok für gjök (blau), wie gadži, gisar, magale für Hadschi (Pilger, in der Bedeutung wie unser Sankt), Hissar (Schloß), Mahalle (Dorftheil), behält er die russischen Buchstaben nach ihrem ihm bekannten Laute einfach bei, weil er nicht weiß, daß die Russen sich dieser Bezeichnungen zum Ausdruck der ihnen fehlenden Umlaute ö, ü und des h zu bedienen pflegen; wenn er aber regelmäßig edi, eni, statt jedi (sieben), jeni (neu), dagegen jeski statt eski (alt) schreibt, so hat er die ähnlichen russischen Zeichen für e und je nicht unterscheiden können; während das Russische den Laut r bekanntlich durch die Form unseres p bezeichnet, hat er umgekehrt in Worten, die in der russischen Karte deutlich mit п, d. i. p, geschrieben sind, dafür r gelesen, und demgemäß das türkische tepe (Hügel, Gipfel) in tere entstellt (Kara-Tere bei Midia am schwarzen Meere Sect. VII, Mal-Tere am Bosporus Sect. X u. a.): noch ärger ist fast die Verwechselung des [281] russischen Г (d. i. G), das in der Cursivform unserm cursiven T gleicht, aber von der russischen Form des T (ш) sich hinreichend unterscheidet; so lesen wir auf Sect. VI (dreimal in der Umgebung von Nissa) und IX (viermal am obern Rande rechts) das russische (und allgemein slawische, namentlich hier bulgarische) Wort Gora (Berg, Gebirge), Plural Gory, in Tora, Tori verschrieben[10]. Doch fallen immer diese und ähnliche Fehler kaum so sehr ins Gewicht, um die Brauchbarkeit der Karte zu verringern, als die überaus große Menge der Stichfehler, welche die erforderliche Sorgfalt der Correctur um so mehr vermissen lassen, als sie sich auch in Namen finden, deren größere Schrift Fehler leichter und schneller erkennen läßt[11].

Auch die Terrainzeichnung der Karte läßt vielerlei zu wünschen übrig, was nur theilweise der Unvollkommenheit der Kreidemanier, in den meisten Fällen dem Mangel an Urtheil und Studium seitens des oder der Zeichner zur Last fällt. [282] Schon nach dem Terrain des innerhalb der Sect. VIII fallenden beträchtlichen Stückes von Unter-Italien wird jeder Kenner der hier dargestellten Naturformen dieses Urtheil bestätigen. Da ist das allerdings 2000 Fuß hohe aber auf seinem Rücken flache Plateau um die Quellen des Ofanto zu einem wilden Hochgebirge ausgearbeitet, welches den um einen Grad südlicher gelegenen 7000 Fuß hohen Monte Pollino in Schatten stellt. Da ist der selbst vom Adriatischen Meere her vereinzelt sichtbare, die ganze Umgegend überragende Vulkankegel des Vultur bei Melfi unter Weglassung des Namens zu einem flachen Hügelrücken verwischt. Ebenso verflacht sind auf demselben Blatte östlich vom Adria die wilden Felsmassen der Akrokeraunien mit dem über 6000 Fuß hohen Gipfel Tschika. In Morea (Sect. XII) würde niemand den Ziria als höchsten Gipfel der Halbinsel; den Parnaß als den höchsten des hier zur Darstellung kommenden Theiles von Nordgriechenland erkennen. Auf Zante steht zwar der Name Skopo, aber der entsprechende Berg, der höchste der Insel, fehlt ebensowohl, wie auf Sect. IX im südlichen Macedonien der Paik, auch wird man mit Mühe auf diesem Blatte den Olymp, Athos und Tomor als dominirende Hochgipfel herausfinden: dagegen würde einen Sprachkenner schon der Name der Kondovunia („niedrigen Berge“) an der epirotischen Küste abgehalten haben, sie so schwarz, wie wir sie hier sehen, zu zeichnen. Viel zu flach gehalten sind wieder die wilden Felslandschaften von Suli und an den Pässen der Wjosa, der Abhang des Mitschikeli gegen den See von Janina. Auf Sect. VII erscheinen umgekehrt die nördlichen Vorhügel der Rhodope gegen das Maritza-Thal und des Balkan gegen die Donau um ein beträchtliches zu dunkel gehalten. Am südlichen Arm des Donau-Deltas auf Sect. IV fehlt die nicht hohe, aber die flache Gegend auffallend markirende Gruppe der „Fünf Spitzen“, türkisch Beschtepe, welcher Name zu weit westlich gerückt ist, während er in die Nähe der beiden gleichnamigen Dörfer (in der Karte falsch Bestipe) gehört. In Serbien und Bosnien finden sich auch wieder die oben an der Zeichnung dieser Länder in der großen Karte von Oesterreich gerügten Mängel.

Was endlich die in die Karte eingetragenen Grenzlinien innerhalb des türkischen Gebietes betrifft, so sind sie offenbar älteren Karten entlehnt und zeigen die Umrisse der Administrativ-Eintheilung einer – für den schnellen Wechsel derartiger Einrichtungen im Oriente – längst vergangenen Zeit, entsprechen aber nicht im mindesten der jetzigen Eintheilung, welche der des Türkischen kundige allerdings aus dem jährlich in Constantinopel erscheinenden Staatskalender (sâlnâme) kennen lernen kann, aber freilich nur in den allgemeinsten Umrissen, ohne das für Karten so großen Maßstabes zur annähernd genauen Eintragung erforderliche Detail, daher ich mich auch stets mit Eintragung der betreffenden Angaben in Uebersichtskarten kleineren Maßstabes begnügt habe.

Der als 13. Section der Karte beigegebene Plan von Constantinopel mit nächster Umgebung ist eine Reduction des nach eigenen Vermessungen im Jahre 1866 von dem Ingenieur C. Stolpe in Berlin herausgegebenen, mit Hinzufügung eines Theiles der nördlichen Nachbarschaft aus dem älteren Plane des Herrn v. [283] Moltke, ohne Angabe der Quelle, welche zu nennen in diesem Falle wohl ebenfalls passend gewesen wäre.

Im Ganzen können wir nur bedauern, daß der Herr Verfasser weder seine einflußreiche Stellung zu der für ihn mit Hülfe der ihm beigeordneten Officiere gewiß keine sonderlichen Schwierigkeiten bietenden Gewinnung neuer Beobachtungen an Ort und Stelle benutzt, noch auch nur das ihm in Wien bereits zu Gebote stehende literarische Material vollständig ausgebeutet hat; wir müssen vielmehr unser Urtheil dahin zusammenfassen, daß dieselbe nichts durch eigenthümliche Combination bisher unbekannter Thatsachen hervorragendes Neues bietet, und daß ihre Ausführung weder des hochverdienten Namens, den sie an der Spitze trägt, noch des hohen Preises von acht Thalern recht würdig erscheint.

H. Kiepert.

Anmerkungen

  1. Officielle Resultate dieser allerdings, im Vergleich mit den Arbeiten der Russen, auf schmale Räume beschränkt gebliebenen Recognoscirungen sind die schöne Specialkarte der Halbinsel von Gallipoli (thracische Chersonesus, 2 Bl. 1:50,000) und die Marschrouten-Karten durch das östliche Thracien und Bulgarien in dem Prachtwerke über den Krimkrieg (8 Bl. 1:200,000 und 1:400,000), sämmtlich verkleinert wiedergegeben in dem Atlas zu des verstorbenen A. Viquesnel unvollendet gebliebenen Werke: la Turquie d’Europe. Daß die damalige ernsthafte griechische Schilderhebung in Thessalien, deren Unterdrückung den schwachen türkischen Kräften mit Mühe gelang, nicht, wie es Anfangs den Anschein hatte, zu einer vorübergehenden Besetzung durch Truppen der Westmächte und somit indirekt zu einer die französische Karte von Griechenland fortsetzenden Landesaufnahme geführt hat, bleibt im Interesse der Geographie, dem sich hier das der Alterthumsforschung verbindet, so lange zu bedauern, bis einmal diese, nachgehends auf L. Napoleon’s Anordnung (für seine histoire de J. César, wegen des pharsalischen Feldzugs) nur theilweise, in Bezug auf die eigentliche thessalische Ebene ausgeführte Aufgabe, vollständiger gelöst sein wird.
  2. Außer den Broschüren und Karten der Hauptleute Schestak und G. Thömmel als Hauptwerk die Karte des Majors Rośkiewicz (4 Bl. 1:420,000, Wien 1867) von allerdings sehr ungleichartiger Ausführung und überreich an Fehlern, die sich bei sorgfältigerer Benutzung des vorhandenen Materials hätten vermeiden lassen, und brauchbar fast nur für die unmittelbare Umgebung der für die Länge der aufgewendeten Reisezeit nicht gerade zahlreichen Routen des Verfassers, über die derselbe nicht einmal durch irgend eine Signatur in der Karte selbst, aber glücklicherweise in seinem Buche über Bosnien Auskunft giebt.
  3. Wir sind begierig zu erfahren, wie sich zu den genannten, nur als erste Versuche Beachtung verdienenden Vorgängern, die neue Karte des Landes von Herrn Jowanowitj (leider immer noch nicht auf wirklicher Vermessung beruhend), verhalten wird, deren baldiges Erscheinen uns von Freunden in Belgrad angekündigt wird, nachdem eine andere viel umfangreichere und in Zeichnung schon vor längerer Zeit vollendete von Herrn Alexitj (Maßstab angeblich 1:168,000) aus uns unbekannten Gründen aufgegeben zu sein scheint.
  4. Nach mündlicher Mittheilung des Herrn v. Scheda im Juni 1865.
  5. z. B. die Distanz von Taschlidscha nach NO. zum Lim-Thale, bei Rośkiewicz ziemlich richtig auf 3 deutsche Meilen bestimmt, ist bei Scheda wieder auf 1¼ Meile zusammengedrängt und gänzlich von einer Bergkette erfüllt, während Blau bei seiner Reise im Jahre 1867 zu diesem Wegstücke 6 Stunden brauchte, in denen er zwei Parallelketten und ein dazwischen streichendes Längsthal kreuzte; – allerdings ist sein Bericht darüber noch nicht veröffentlicht, wohl aber der seines französischen Begleiters, M. Pricot de St. Marie (Bulletin de la Soc. [275] de Géogr. de Paris, 1868, Vol. 15) – doch dergleichen verstreutes Material zusammenzusuchen ist den militärischen Herren Kartographen meist zu umständlich.
  6. Auch abgesehen von evidenten Fehlern vermissen wir in dem bisher besprochenen Theile der Karte manches, was man wohl in einer die Jahrzahl 1869 tragenden Karte zu finden ein Recht hätte: offenbar hat der Bearbeiter nicht gewußt, daß es in Serbien seit länger als einem Jahrzehnt keine Stadt und Kreis Gurgusowatz (wie er ruhig beibehalten hat), mehr giebt, und daß dafür jetzt der Name Knjaževatz gebraucht wird, daß ebensolange ein großer Ort (975 Einw. im J. 1866) Arilje als Hauptort eines Distrikts im Kreise Užice existirt, der auf der alten russischen Karte, daher auch auf der seinigen ebensogut fehlt, wie der jetzt aufblühende Marktort Arandjelowatz (762 Einw.) im Kreise Kragujewatz u. a. m. So sind bekanntlich von den vor mehreren Jahren aus Serbien vertriebenen Türken mehrere, schon jetzt je 1500–2000 Seelen zählende Städte in Bosnien neu angelegt oder an bestehende Dörfer angebaut worden: Orahowo, Schamatz, Unter-Azizie (früher Brezowopolje) u. a., diese fehlen ebenfalls ganz oder sind nur ihrem älteren Zustande nach als Dörfer bezeichnet, obwohl sie sämmtlich im Angesicht der österreichischen Grenze nur durch die Sawe geschieden liegen, ja die durch den oberen Nebenfluß der Sawe, die Unna, in eine türkische und eine österreichische Hälfte geschiedene Stadt Kostainitza ist – wohl durch Versehen des Stechers – gänzlich ausgelassen, während in desselben Verfassers großer Karte von Oesterreich doch wenigstens die österreichische Hälfte angegeben ist. Ebenso ist das Dorf Kula westlich von Widin (statt dessen auf Sect. VI durch Stichfehler der Name Kida steht) durch Zuwanderung von Tataren und Tscherkessen seit einigen Jahren zu einer schon über 3000 Bewohner zählenden Stadt unter dem Namen Adlie erwachsen.
  7. Auch die specielleren Mittheilungen G. Lejean’s über die Umgebung von Turnow mit Karte im 15. Bande des Bulletin de la Soc. de Géogr. 1858 hat Herr v. Scheda nicht benutzt; ebensowenig, was in der That bei einem ihm so bequem zur Hand liegenden Material unbegreiflich erscheint, die in den Denkschriften der Wiener Akademie erschienene treffliche Arbeit über die Dobrudscha von Prof. Peters in Gratz.
  8. Ein ähnliches Schicksal ist einer mit der obigen eng zusammenhängenden Arbeit, die mir in den letzten Jahren den größten Theil meiner Zeit und unendliche Mühe gekostet hat, der noch unveröffentlichten Neubearbeitung meiner Karte der Europäischen Türkei in 4 Blatt, gleichzeitig widerfahren. Schon vor mehreren Jahren hatte ich, damals freilich nicht ahnend, wie lange die Vollendung des Kupferstichs, theils durch Schuld der Arbeiter, theils durch immer neu sich aufdringende Bereicherungen und Berichtigungen des Materials, sich hinausziehen würde, – also etwas vorzeitig die zuerst im Stich vorgerückten beiden südlichen Blätter, welche die größte Fülle neuer Thatsachen enthielten, vertraulich an Herrn Petermann in Gotha mitgetheilt; es war mir also natürlich etwas empfindlich, daß ihre Ausbeutung in der neuen Generalkarte der Europäischen Türkei im sogenannten Stieler’schen Atlas lange Zeit vor der Veröffentlichung meiner Original-Arbeit und selbst meiner im Stich allzu langsam fortschreitenden Generalkarte, ohne irgend einen Vermerk der erfolgten Benutzung unter das Publikum kam. Von eben dieser Karte nun läßt sich Herr Petermann durch Herrn Prof. v. Hochstetter bezeugen „er habe sie (auf seiner Reise im Sommer 1869) fast vollständig richtig gefunden und es sei ihm interessant zu wissen, welches Material bei ihrer Bearbeitung vorgelegen habe“ (Mitth. 1869. S. 470) und läßt durch Herrn v. Sydow eben dafür „sein bekanntes Combinationstalent“ rühmen (Mitth. 1870. S. 71) ohne diese Lobsprüche bei ihrem Abdruck in seiner Zeitschrift durch irgend eine den wahren Sachverhalt aufklärende Bemerkung zu begleiten. Es ist dies ein Fingerzeig, wie vorsichtig man in Mittheilungen solcher Art sein muß, um nicht selbst die Priorität und die Ehre der Autorschaft, die einzige Belohnung für aufgewendete Jahre mühseligster Arbeit, verbunden mit nie zu ersetzenden Geldopfern, stillschweigend einem Anderen zugeschrieben zu sehen. Die nordöstlichen Theile dieser Gothaischen Karte (Bosnien und Serbien) folgen übrigens unbedingt dem Scheda’schen Vorbilde und theilen deren oben gerügte Fehler, – ein Beweis, wie weit ihr Autor sich der Mühe einer kritischen Durcharbeitung des Materials überheben zu können glaubte.
  9. Nur ein paar Beispiele statt vieler: von allen peloponnesischen Flüssen haben nur vier wichtigere und zwei Bäche der Nordküste ihre antiken Namen, gerade der Hauptfluß Alpheus nicht, wohl aber sein Zufluß Erymanthus, während klassische Bergnamen ganz fehlen, die mächtigsten Bergketten, wie Erymanthus-Olenos und Taygetus-Pentedaktylon sogar überhaupt unbenannt geblieben sind. Umgekehrt führen auf derselben Sect. XII in Nordgriechenland die Berge fast nur klassische Namen (Parnassus mit der modernen Unform Lyskuia statt Liakura!) und in demselben Landestheile, aber auf der anstoßenden Sect. X fehlen so allbekannte Gebirgsnamen wie Oeta, Othrys, Pindus wieder völlig; der Hauptfluß des inneren Nordgriechenlands, der alte Cephissus, jetzt Mavroneri, bleibt gleichfalls ganz unbenannt. Von den Städten ist im heutigen Königreich nur eine oder die andere mit ihrem alten Namen bezeichnet, in Thessalien außer dem noch jetzt seinen alten Namen bewahrenden Larissa nur das sehr unsichere Elatea, aber weder Pherae noch Pharsalus, weder Trikka noch Demetrias; in Macedonien wieder keine der Hauptstädte: Edessa, Pella, Thessalonice, Cassandria, Amphipolis, Philippi, sondern außer Berrhoea (durch Stichfehler Beroca) und Neapolis nur die ganz unbedeutenden alten Wegestationen Hatera (unsicherer Lesart und Lage) und Drabescus und zwar beide durch größere Schrift markirt! In Thracien (Sect. X) finden wir nebeneinander Unformen wie Serrum zu einer Ortschaft (statt des alten Vorgebirges Serrhium), Rotestus statt Rhaedestus, Tucullus statt Tzurullus, und in Asien Agae, Gyme statt Aegae, Cyme u. dgl. – kurz Verwirrung überall, zu deren Aufhellung der Herr Verfasser beim Mangel eigenen Urtheils doch in Wien wohl einen befähigten Gelehrten leicht hätte finden können. Dazu noch sind die historischen Namen in keiner Weise für das Auge kenntlich gemacht, der Leser muß sie kennen, um zu wissen was damit gemeint sein soll, denn die einfache Nebenstellung in Parenthese genügt nicht, da ebenso häufig moderne Namen oder anderssprachige Nebenformen (z. B. slawische oder griechische neben türkischen oder umgekehrt) auf dieselbe Weise eingeschrieben sind.
  10. Daneben ist an anderen Stellen richtig Gora geschrieben, aber auch nicht ohne wunderliche Mißverständnisse: so bezeichnen die Bulgaren eine südliche niedrigere Nebenkette der Stara-Planina (des sogenannten Balkan) mit der allgemeinen Benennung Sredna-Gora oder -Planina (Mittelgebirge) und die russische Karte hat letzteres, und weil planina kein im russischen gebräuchliches Wort ist, vorn mit dem erklärenden Zusatz gory (Berge) aufgenommen; daraus ist nun in Sect. VII der Scheda’schen Karte eine Gorisred-Planina geworden, nach der denn freilich Herr v. Hochstetter im Juli 1869 an Ort und Stelle vergeblich hat fragen müssen. Aehnliche Mißverständnisse finden sich mehrere; so figurirt Sect. VI im Gebirge östlich von Sofia ein Ortsname Ukrip-Arnaut-Kolesu (so falsch statt Kalesi), dessen erstes Wort nichts ist, als die unverstandene Abkürzung des russischen Wortes Ukrjeplenje, d. i. Befestigung, Fort; ebenso dicht daneben, bei der mit dem Vulgärnamen „Trajansthor“ bezeichneten römischen Ruine ein Ort Drebnje-Vorala, durch Stichfehler statt des nicht verstandenen russischen drewnja-woróta, d. i. „antikes Thor“; so sind in Sect. X die sogenannten Prinzen-Inseln bei Constantinopel neben den meiner Karte von Kleinasien entlehnten neugriechischen und türkischen Benennungen mit dem Namen Princa bezeichnet, der in diesem Falle printza zu sprechen, aber nichts als der russische Genitiv des Wortes Prinz ist; so ist Sect. VI in der Benennung eines Dorfes nahe der Donau bei Tschernawoda: Bardasa ili Sirbin, das russische Wort für „oder“ (ili) offenbar für einen Theil des Namens gehalten worden, u. dergl. m. Auch daß die russischen Benennungen und Wortformen für die Flußarme und Inseln des Donau-Deltas, also in einem Gebiete, wo slavische Sprache nur vereinzelt vorkommt, daß statt der bulgarischen und serbischen Wörter für die in Dorfnamen so häufigen Ausdrücke „ober“ und „unter“ (gorni, dolni, resp. donji) die russischen werchny, nižny einfach beibehalten sind, müssen wir als unpassend bezeichnen.
  11. z. B. Sect. II im westlichen Bosnien Kozarak, statt Kozarac (spr. -ratz, vielleicht, wie Jaicze nach magyarischer Schreibart statt Jaice ein Fehler der Zeichnung) Prosaza st. -ra, Bikaj st. Bilaj, Sect. VI im östlichen Serbien Bažan st. Ražan, Cuprija (was deutsch tzuprija lauten würde) st. Ćuprija) zu sprechen tjuprija), und die Berge Tan st. Rtanj, Gorzen st. Ozren, Sect. X Ecke oben links Šimurdžina st. Gömürdžina, Sect. XIII asiatische Küste unten, Iassus Bay (richtig) unmittelbar neben der Beziehung der Stadtruine als Jassus, wogegen ebenda die Variante Keugezi B. (aus der englischen Seekarte) und Köidžes Liman (aus meiner Karte) dem Zeichner zur Last fällt. Dergleichen Fehler könnten, allerdings nur zum Ueberdruß der Leser, zu Hunderten nachgewiesen werden.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: begrründet