Allgemeines Deutsches Kommersbuch:310

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Schauenburg:
Allgemeines Deutsches Kommersbuch
Seite 618, 619
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val=le=ral=le=ra! vi=val=le=ral=le=ral=le=ral=le=ral=le=ra.

     2. Drohend schwang er seine Hippe, drohend sprach das Furcht=
gerippe: Fort, du teurer Bacchusknecht! fort, du hast genug gezecht!
Hop, hop, ec.

     3. Lieber Tod, sprach ich mit Thränen, solltest du nach mir dich
sehnen? Sieh, da stehet Wein für dich! Lieber Tod, verschone mich!

     4. Lächelnd greift er nach dem Glase, lächelnd macht er’s auf der
Base, auf der Pest Gesundheit leer, lächelnd setzt er’s wieder her.

     5. Fröhlich glaub’ ich mich befreiet, als er schnell sein Drohn er=
neuet: Narre, für dein Gläschen Wein denkst du, spricht er, los zu sein!

     6. Tod, bat ich, ich möcht auf Erden gern ein Mediziner werden;
lass mich, ich verspreche dir meine Kranken halb dafür!

     7. Gut, wenn das ist, magst du leben, ruft er, nur sei mir er=
geben; lebe, bis du satt geküßt und des Trinkens müde bist!

     8. O wie schön klingt dies den Ohren! Tod, du hast mich neu
geboren! Dieses Glas voll Rebensaft, Tod, auf gute Brüderschaft!

     8. Ewig muß ich also leben! ewig denn, beim Gott der Reben!
ewig soll mich Lieb und Wein, ewig Wein und Lieb erfreun!

Lessing. Vor 1747.


          688.     Der Klügere giebt nach.

     Singw.: O Tannenbaum ec.

     1. Gott grüß dir, Bruder Straubinger, freut mich, daß ich dir
sehe. Es ist dir wohl nicht unbekannt, daß ich aus Halle gehe. Der
Meister und Frau Meisterin, da konnt ich just nicht klagen, doch mit
die Aquademici konnt ich mir nicht vertragen.

     2. Jüngst kauft ich auf dem Jahrmarkt mich ein schwarz=rot=golden
Bandel; da hängt ich meine Sackuhr an, daß sie nicht kunnte fallen,
da kam ein Studio wie ein Gaul, als wollt er mir schier hetzen, schlug
mich die Sackuhr um das Maul, das Band riß er in Fetzen.

     3. Jüngst bin ich auf dem Faulenpelz mit meinem Schatz gewesen;
da nannten sie mir Knotenpelz und ihr ’nen flotten Besen. Und als
ich an zu tanzen fing, da scharrten sie mit den Füßen, der Senius
steckt ein Bein herfür, daß ich hab fallen müssen.

     4. Einst saßen wir beim Apfelbrei wohl unsrer zwölf beisammen
und sangen manch flott’s Lied dabei, als sechs Studenten kamen; die
setzten sich an unsern Tisch und wollten uns vertreiben, sie rauchten
auch so pommerisch, daß man nicht konnt verbleiben.

     5. Jüngst ging ich auf die Promenad mit meinem Schatz spazieren,
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ein Studio angerannt: „Herr Geißbock, woll’ns erlauben!“ riß mich
das Mädel aus die Hand und führt es in der Lauben.

     6. Und wiederum ein andersmal, des Nachts um halber zweie,
stand ich vor ihrer Kammerthür und schwur ihr ewge Treue. Da sah
ein Studio oben raus, und eh ich’s konnt verspüren, goß er den Nacht=
topf auf mir aus; da stank ich zum Krepieren.

     7. Nun reis ich über Zürich nach Bern, um dort ganz zu ver=
bleiben, und sollt das Mädchen schwanger wer’n, Herr Bruder wird
mir’s schreiben. Da müßt ich doch ein Esel sein, ein Kerl, als wie
ein Rinde, wenn ich der Vater sollte sein von das Studentenkinde.


          689.     Bedenklichkeiten.     (II. 190.)

     Munter. Spanische Weise.

     1. Grad aus dem Wirtshaus nun komm ich her=aus, Straße, wie
     Rech=ter Hand, lin=ker Hand, bei=des ver=tauscht, Straße, ich

wun=der=lich siehst du mir aus!
mer=ke wohl, du bist           berauscht! La la la

la la la la la la la la la la la la la la la la la la la.

     2. Was für ein schief Gesicht, Mond, machst denn du? Ein Auge
hat er auf, eins hat er zu! Du wirst betrunken sein, das seh ich hell;
schäme dich, schäme dich, alter Gesell!

     3. Und die Laternen erst, was muß ich sehn! die können alle nicht
grade mehr stehn, wackeln und fackeln die Kreuz und die Quer,
scheinen betrunken mir allesamt schwer.

     4. Alles im Stürmen rings, großes und klein; wag ich darunter
mich nüchtern allein? Das scheint bedenklich mir, ein Wagestück! Da
geh ich lieber ins Wirtshaus zurück.

H. v Mühler. Um 1840.