Guarapo

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Textdaten
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Autor: Friedrich Gerstäcker
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Titel: Guarapo
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 36, S. 575
Herausgeber: Ernst Keil
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1863
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[575] Guarapo. In den südlichen Ländern, wo das Zuckerrohr gedeiht, besonders in Südamerika, Neu-Granada, Ecuador und Peru, bereiten die dortigen Einwohner aus dem Saft des Rohres ein ganz vorzügliches Getränk, das ich schon einmal in meinem „Achtzehn Monate in Südamerika“ genau beschrieben habe. Da aber dieses Buch doch nicht in Jedermanns Händen ist und die Zeit heranrückt, wo unsere deutschen Zuckerpflanzer – die Herren von der Runkelrübe – ihren Zuckersaft gewinnen, so möchte ich die Bereitung desselben hier noch einmal mittheilen. Möglich doch, daß sich ein oder der andere Besitzer einer Zuckerfabrik veranlaßt findet, einen ähnlichen Versuch mit dem Zuckersaft der Rübe zu machen, der aller Wahrscheinlichkeit nach das nämliche Resultat liefern wird.

Das dortige Getränk, Guarapo genannt, hat einen weinsäuerlichen, außerordentlich angenehmen Geschmack, und ich will hier die Bereitung, wie sie in jenen Ländern stattfindet, genau angegeben. Eine Quantität Zuckersaft, gleichviel wie groß und sich natürlich nach den Gefäßen richtend, wird eingekocht, nachdem man zuvor ein Viertheil Wasser dazu gesetzt hat. Beim Kochen muß es gut und viel abgeschäumt werden. Ist das Ganze bis auf die ursprüngliche Quantität Saft (ehe das Viertheil Wasser hinzugethan wurde) eingekocht, so läßt man es abkühlen und gießt es dann in ein irdenes oder hölzernes Gefäß zum Gähren. Das Gefäß wird leicht zugedeckt.

In dem dortigen heißen Klima bedarf der Guarapo drei Tage, bis er seinen Gährungsproceß durchgemacht hat – und ist das Gefäß, in das man ihn schüttet, ein neues, so daß es noch keine Säure angenommen hat, auch wohl noch etwas länger. Hier in Deutschland müßte das freilich erst Alles ausprobirt werden. Süß, mit einem leichten, angenehmen, säuerlichen Geschmack bleibt er dort etwa drei Tage, nachher wird er mehr herbe. Uebrigens berauscht er auch, wenn man zuviel davon trinkt. Die Gefäße, die man dort benutzt, um den Guarapo gähren zu lassen, sind entweder große irdene Urnen bis zu 4 Fuß Höhe, auf die dann blos ein Deckel gelegt wird, oder auch hölzerne, ausgehauene Tröge.

Das ist die ganze einfache Bereitungsart des Guarapo aus Zuckerrohrsaft, und da der Saft der Runkelrübe genau dieselben Eigenschaften hat, nur vielleicht nicht so zuckerhaltig ist, so weiß ich nicht, weshalb man nicht ein eben so gutes Getränk daraus bereiten sollte. Möglich ist nur, daß es hier nicht nöthig würde, soviel Wasser zuzusetzen, wie bei dem Zuckerrohrsafte – vielleicht nur ein Achtel, vielleicht gar keins, um durch das Einkochen das überflüssige Wasser zu entfernen. Jedenfalls müßten das einige Versuche herausstellen, die man je mit verschiedenen kleinen Quantitäten machen könnte.

Ein anderes Lieblingsgetränk der Peruaner ist die sogenannte Mais-Chicha, deren Bereitung aber etwas schwieriger erscheint und in Deutschland schwerlich Nachahmer finden wird. Die Maiskörner werden nämlich von unbeschäftigten Personen (in Peru meist von älteren, achtbaren Frauen) gekaut und dann sorgfältig in einen gemeinschaftlichen Topf gespuckt. Das Ganze wird dann mit Wasser übergossen und, wenn es ausgegohren hat, mit Leidenschaft getrunken. Die Mais-Chicha hat einen herben, bei heißem Wetter aber sehr kühlenden Geschmack, und ich selber habe sie, ehe ich zufällig mit ihrer Bereitungsart bekannt wurde, häufig getrunken. Später aber versagte ich mir diesen Genuß.

Fr. Gerstäcker.