Hamburger wollen keinen Schimpf leiden

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
<<< >>>
Autor: Otto Beneke
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Hamburger wollen keinen Schimpf leiden
Untertitel:
aus: Hamburgische Geschichten und Sagen, S. 150–152
Herausgeber:
Auflage: 2. unveränderte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1854
Verlag: Perthes-Besser & Mauke
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Hamburg
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Google, Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[150]
61. Hamburger wollen keinen Schimpf leiden.
(1478.)

Um die Zeit, da Hamburg längst eine freie und mächtige Stadt war, die größte wohl nach Lübeck unter den Hansestädten, gab’s oftmals Händel zwischen unsern Bürgern und den Holsteinern. Denn die Hamburger waren just nicht demüthig, sondern mußten, was sie vorstellten, und wenn sie auf Reisen in fremden Städten Gutes sahen, so war doch Alles bei ihnen viel besser, was sich gelegentlich noch jetzt zutragen kann. Die Holsteiner aber wurmte es, daß Hamburg aus einem Städtlein ihrer Grafen eine so mächtige, reiche und freie Stadt geworden war, und wenn unsre Bürger auf die vollen Säckel schlugen, daß es klang, und als die großen Hansen einherstolzirten, dann gab’s böses Blut hie und dort.

Nun war dazumal das Brauwerk ein Hauptgewerbe in Hamburg, und das schöne Bier wurde ausgeführt in alle Welt und hatte der Stadt Ruhm und Reichthum mitbegründen helfen, darum das Brauwerk von Rath und Bürgerschaft wie ein Augapfel allzeit sorglich bewacht wurde. So wohlhabend [151] nun auch das Gewerk war, so steckten in den 531 Brauhäusern der Stadt doch manche fremde Capitalien, wie das in aller Welt so ist, daß Hauseigenthümer zum Bauen und Bessern andrer Leute Geld gegen Zins aufnehmen und in ihr Erbe einschreiben lassen. Da nun, wegen des Reichthums der Brauer, alles Capital, was in Brauerben war, am sichersten geachtet wurde, so hatten manche Holsteiner, zumal viele vom Adel, nicht unbeträchtliche Summen dort angelegt, nicht grade, um den Hamburgern einen Dienst zu thun, sondern weil sie selbst dabei am besten fuhren.

Da nun dies ruchtbar wurde, begannen die Holsteiner in aller Weise unsre Bürger zu hänseln; foppten sie als Großprahler, die doch arme Schlucker wären, weil ohne Holsteinisches Capital das Hamburgische Brauwerk und damit der ganze Wohlstand der Stadt nicht bestehen könne; welche Beschimpfung unsre Bürger gewaltig wurmte.

Da nun E. E. Rath solches erfuhr, nahm er sich der Bürger gerechten Unmuth billig zu Herzen und sann auf Abhülfe. Und weil zu selbiger Zeit auch der König von Dänemark in einigen Anschreiben nicht eben fein darauf anspielte, daß sein Holsteinischer Adel mit Capital und Renten in Hamburg wohl possessionirt sei, so schlug das dem Faß den Boden aus. Darum ließ der Rath die Aeltesten der Brauerbrüderschaft fordern, imgleichen auch die vornehmsten unter den erbgesessenen Bürgern, und beredete mit denselben die Mittel und Wege, den Schimpf von dieser guten Stadt abzuwälzen, durch schleunige Auszahlung aller schuldigen Capitalien und Ablösung der verschriebenen Renten. Und die Bürger, die keine Brauhäuser hatten, also eigentlich bei dem ganzen Handel unbetheiligt waren, erklärten sich gern bereit zu Ehren der Vaterstadt ein Opfer zu bringen, um nur den unleidlichen Schimpf, als könne Hamburg ohne der Holsten-Junker [152] Geld nicht bestehen, mit Stumpf und Stiel auszurotten. So kam die Sache leichtlich zu Stande. Was die Brauer und Brauhaus-Eigenthümer nicht aus eignen Mitteln gleich zusammenbringen konnten, das legten ihre guten Mitbürger hinzu, und vom gemeinen Gut der Stadt wurde der Rest aufgebracht; und als nun sämmtliche Capitalien, Gülten und Renten der Holsteiner auf- und losgekündigt, und dann bei Heller und Pfennig auf einem Brett ausbezahlt wurden, womit allen ihren ferneren Großsprechereien das Thor verschlossen war, da staunte König, Adel und Landschaft über der Hamburger Reichthum und Macht, noch mehr aber über ihre einmüthige Großherzigkeit zur Ehre der Vaterstadt.

Anmerkungen

[381] Handschriftl. Chronik von Beckendorp. Nach Archival-Notizen scheint diese Erzählung mehr Geschichte als Sage zu sein.