Hamburgische Kirchengeschichte/Drittes Buch

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[120]
Drittes Buch.
Adalberts Thaten erwägt das dritte der Bücher des Werkes.


l. Erzbischof Adalbert saß auf seinem Stuhle1045? neunundzwanzig [1] Jahre lang. Den Hirtenstab bekam er vom Kaiser Heinrich (III.), dem Sohne Conrads (II.), der seit dem Cäsar Augustus der neunzigste der römischen Imperatoren auf dem Throne war, die abgerechnet, welche zugleich mit anderen zusammen regierten. Das erzbischöfliche Pallium empfing er, wie seine Vorgänger, durch Gesandte von dem obenerwähnten Papste Benedict der, wie ich gefunden habe, in der Reihe der römischen Oberpriester seit den Aposteln der hundertsiebenundvierzigste war. Seine Ordination fand Statt zu Aachen, in Gegenwart des Kaisers mit den Fürsten, und indem zwölf Bischöfe [121] dastanden und ihm die Hand auflegten.[2] Die so verliehene Fülle des Segens stellte er oftmals denen, die ihn verfluchten, entgegen, indem er lächelnd sagte, ihn, der von Anbeginn und zugleich von so vielen Patriarchen der Kirche so feierlich gesegnet sei, könne niemand verfluchen.[3]

Obwohl es nun schwer ist, von dieses Mannes Thaten und Charakter in würdiger Weise zu schreiben, so zwingt mich doch, dieselben zu schildern, der dringende Umstand, daß ich versprochen habe, die Entwicklung dieses Wertes bis zu den Tagen Deines Amtsantrittes fortzuführen, ehrwürdiger Erzbischof Liemar. Wenn ich also auch aus Thorheit und Tollkühnheit mich auf dies Meer hinausgewagt habe, so glaube ich jetzt doch nicht unweise zu handeln, wenn ich wieder dem Ufer zueile. Für die Landung an diesem Ufer aber sehe ich mir Unerfahrenem kaum einen Hafen offen stehn. So voll ist alles von den Klippen des Neides und den Untiefen der Verkleinerungssucht, daß man, was du lobst, als einen Gegenstand deiner Schmeichelei durchhechelt, den Tadel aber, den du über Vergehungen aussprichst, als aus Böswilligkeit entsprungen darstellt.

Da jedoch jener merkwürdige Mann mit jeglicher Art des Lobes gepriesen werden kann, weil er edel von Geburt, weil er schön von Gestalt, weil er weise, beredt, keusch und mäßig war; - so vereinte er also alle diese Vorzüge in sich; allein er besaß außerdem noch andere, die dem Menschen von außen zuzufließen pflegen, daß er nämlich reich ist und glücklich, daß er Ruhm erwirbt und Macht; auch diese Vorzüge standen ihm im Ueberflusse zu Gebote. Außerdem bewies er in Betreff der Heidenmission, welches der vornehmste Beruf der Hammaburger Kirche ist, eine Thätigkeit, wie nie einer vor ihm. Ebenso hatte er in der feierlichen Ausübung gottesdienstlicher Handlungen, in der Ehrerbietung gegen den apostolischen Stuhl, in der Treue gegen den Staat, nicht minder in der Sorge für seinen Sprengel kaum [122] Seinesgleichen, oder einen, der in seinem Amte als Seelenhirt in irgend einer Beziehuug sich wachsamer zeigen konnte, als er, wäre er nur beharrlich so geblieben. Denn nachdem er im Anfange sich so erwiesen hatte, erschien er gegen das Ende seines Lebens minder gut. Zu dieser Abnahme seiner Tüchtigkeit aber brachte den nicht hinreichend vorsichtigen Mann sowohl die eigene Nachlässigkeit, als der Antrieb fremder Bosheit. Davon wird seiner Zeit weiter die Rede sein. Weil ich aber alle Handlungen dieses Mannes schwerlich gut, vollständig und der Reihe nach schildern könnte, so wünsche ich, indem ich die vorzüglichsten seiner Thaten den Hauptsachen nach berühre, im Schmerze des Mitgefühles bis zur Schilderung des Mißgeschickes zu gelangen, von dem die angesehene, reiche Diöcese von Hammaburg und Bremen so heimgesucht ist, daß Hammaburg von den Heiden verwüstet, Bremen aber von den Scheinchristen zerstückelt wurde.

So will ich denn meine Erzählung so beginnen, daß sofort aus seinem Charakter alles gefolgert werden kann.

2. Er war nämlich ein Mann von sehr vornehmer Abkunft; seine erste Würde war die eines Propstes zu Halberstadt; sein Geist war scharfsichtig und mit einem reichen Vorrath von Fähigkeiten versehen. In geistlichen wie in weltlichen Angelegenheiten von großer Klugheit, hatte er ein berühmt starkes Gedächtniß für die Festhaltung dessen, was er von Andern vernahm, oder durch wissenschaftliche Studien sich sammelte, und eine außerordentliche Beredsamkeit, dasselbe vorzutragen. Ferner war er ausgezeichnet durch Schönheit des Körpers und dabei ein Freund der Keuschheit. Seine Freigebigkeit aber war der Art, daß er, während er selbst es für unwürdig hielt, zu bitten, und während er im Empfangen langsam war und sich dadurch gedemüthigt fühlte, dagegen bereitwillig und freudig oft auch denen reiche Gaben gewährte, die nicht darum baten. Seine Demuth erscheint in einem zweideutigen Lichte, da er sie allein gegen die Knechte Gottes, die Armen und die Pilger erwies, und zwar in dem [123] Grade, daß er oft vor dem Schlafengehen dreißig und mehr Bettlern selbst niederkniend die Füße wusch, wogegen er sich vor den Großen dieser Welt und vor Seinesgleichen zu keinerlei Art von Demuthsbezeugung verstand. Vielmehr entbrannte er mitunter gegen sie von solchem Eifer, daß er, die Einen der Ausschweifung, die Andern der Habsucht, Manche auch des Unglaubens zeihend, durchaus keinen verschonte, der ihm eine Rüge zu verdienen schien. Da nun so viele Tugenden zu einem Kranze vereinigt waren, so hätte ein Mann, wie er, wohl glückselig sein und genannt werden können, wäre nur nicht ein Fehler im Wege gewesen, dessen Häßlichkeit allen Glanz, in dem der Erzbischof sonst strahlte, verdunkelte; dies war die Eitelkeit, die vertraute Hausmagd der Reichen. Diese machte den sonst so klugen Mann so verhaßt, daß Manche sagten, auch das sehr viele Gute, welches er that, thue er nur um zeitlichen Ruhmes willen. Allein die so sprechen, mögen sich doch hüten, ihn nicht ohne Grund zu verurtheilen, denn sie müssen doch wissen, daß in zweifelhaften Fällen kein entschiedenes Urtheil abgegeben werden darf, und das Wort bedenken: „Worin du einen Andern richtest, verdammst du dich selbst.“ (Röm. 2, 1.)

Uns aber, die wir mit diesem Manne zusammengelebt und sein tägliches Leben beobachtet haben, ist es bekannt, daß er als Mensch zwar Einiges der Welt zu Ehren that, dagegen aber Vieles als ein guter Mensch, von wahrer Gottesfurcht getrieben. Und obwohl seine Freigebigkeit gegen Alle das Maaß überschritt, so habe ich doch gefunden, daß er auch aus dem Beweggrunde freigebig war, weil er, um die Kirche zu bereichern, manche durch Gefälligkeiten zu gewinnen suchte, wie z. B. Könige und deren nächste Rathgeber; wogegen er andere, die seiner Kirche in irgend einer Weise zu schaden schienen, mit dem bittersten Hasse verfolgte, wie z. B. unsere Herzoge und manche Bischöfe. Oftmals haben wir ihn erklären hören, zum Frommen der Kirche opfere er sich und seine Verwandten auf; „denn“, sagte er, „in dem [124] Grade werde ich niemandes schonen, weder meiner selbst, noch der Brüder, noch des Geldes, noch der Kirche selbst, damit mein Bisthum endlich einmal vom Joche befreiet und den übrigen gleich gemacht werde.“ Dieses alles aber wird besser im Zusammenhange der Erzählung selbst vorgelegt werden, damit Verständige einsehen, wie sehr gezwungener und keineswegs leichtsinniger, sondern vielmehr lobenswerter Weise er manches gethan hat, worin er denen, die nichts davon verstehen, sich unweise, ja unsinnig benommen zu haben scheint.

1045. 3. Im ersten Jahre nach seiner Ordination, nachdem er als Erzbischof feierlich inthronisirt war, vollzog er die festliche Grundlegung der Kirche zu Bremen. Da er nun sahe, daß das ungeheure Wert des neu begonnenen Tempelbaues die größten Kräfte erforderte, so ließ er, allzu rasch entschlossen, sofort die von seinen Vorgängern angelegte Stadtmauer als etwas minder wichtiges abtragen und die Steine für die Kirche verwenden. Damals wurde auch der stattliche Thurm, der, wie gesagt, mit sieben Kammern versehen war, völlig abgetragen. Was soll ich aber vom Kloster sagen, welches, aus behauenen Steinen erbauet, durch seine Schönheit das Auge des Beschauers ergötzte? Auch dies ließ der Erzbischof ohne Verzug niederreißen, indem er nämlich bald ein anderes, schöneres wiederherstellen wollte. Denn er hatte, wie er uns selbst, als wir ihn darum fragten, eröffnete, im Sinne, das Refectorium, den Schlafsaal, den Keller und die Werkstätten der Brüder alle von Steinen ausführen zu lassen, wenn Zeit und Gelegenheit sich darböten. Indem er nun sich rühmte, er habe dazu alles im Ueberfluß bei der Hand, klagte er nur (wenn ich das mit Erlaubniß der Brüder sagen darf) darüber, daß es ihm an Geistlichen und an Steinen fehle. Indeß glühet das Werk[4], die Mauer der Kirche erhob sich. Die Form derselben hatte Alebrand vorher nach dem Muster der Kölner zu gestalten begonnen[5], er selbst aber beschloß, [125] sie nach dem Vorbilde des Doms von Benevent ausführen zu lassen.[6]

4. Im siebenten Jahre seit dem Beginne des Baues ward1051. endlich das Gebäude von vorn gerichtet und der Hauptaltar des Sanctuariums der heil. Maria zu Ehren geweihet.[7] Den zweiten Altar auf dem westlichen Chore beabsichtigte er dem heil. Petrus zu widmen, in dessen Namen die alte Kirche, wie zu lesen ist, erbauet war.

Da sich darauf dem Erzbischofe viele Hindernisse in den Weg stellten, so blieb der Bau bis in sein vierundzwanzigstes Amtsjahr[8] unvollendet, in welchem Jahre auch ich, sehr unwürdiges Mitglied der Kirche Gottes, nach Bremen kam. Damals wurden erst die Wände des Gotteshauses geweißt und die westliche Crypta dem heil. Andreas gewidmet.

5. Weil der große Gottesmann seine Kirche und sein Bisthum, welches seines Vorgängers Adaldag Klugheit frei gemacht hatte, durch die ungerechte Uebermacht der Herzoge wiederum heimgesucht sah, so versuchte er mit aller Anstrengung seiner Kräfte der Kirche die frühere Freiheit wieder zu erringen[9], so daß weder ein Herzog, noch ein Graf, noch irgend eine Gerichtsperson irgend ein Recht oder irgend eine Gewalt in seinem Bisthume zu üben haben sollte[10]. Dies konnte natürlich nicht ohne ein Haß erregendes Verfahren geschehen, indem die ob ihrer Schlechtigkeit gestraften Fürsten mehr und mehr ergrimmten. So soll Herzog Bernhard, indem er den Erzbischof wegen seiner hohen Geburt und Weisheit als gefährlich beargwohnte, oft geäußert haben, er sei gleichsam als ein Kundschafter in dieses [126] Land eingesetzt, der den Auswärtigen und dem Kaiser die Schwächen des Landes verrathen werde, und darum werde, so lange er, der Herzog, oder nur noch einer seiner Söhne lebten, der Bischof in seinem Bisthume nie einen frohen Tag haben. Dies Wort drang tiefer in des Bischofs Herz, als irgend jemand vermuthet hatte. Darum machte er von der Zeit an, von Grimm und Furcht getrieben, voll Eifers Entwürfe und Vorbereitungen, und hatte nichts anderes im Sinne, als was dem Herzoge und den Seinen nicht zum Vortheile gereichen würde. Indem er indeß vorläufig den Schmerz seiner Seele verhehlte, nahm er, weil er auf keinem anderen Wege Rath sah, seine ganze Zuflucht zur helfenden Macht des kaiserlichen Hofes, und schonte weder seiner selbst, noch der Seinigen, noch auch des Bisthumes selbst, um den Kaiser und die Hofleute zu gewinnen, damit er nur sein Ziel, die Befreiung der Kirche, erreiche. In Folge dessen zeigte sich Adalbert als ein Mann, der so vielen Mühwaltungen am Hofe sich unterzog, an so vielen Heereszügen nach allen Ländern freiwillig mit den Seinigen im Schweiße seines Angesichts theilnahm, daß der Kaiser, voll Bewunderung der unermüdlichen Ausdauer Adalberts, ihn in allen öffentlichen Angelegenheiten zu seinem ersten und vorzüglichsten Rathgeber ersah.

6. Der Feldzüge aber, welche der Erzbischof nach Ungern, Sclavanien[11], Italien und Flandern[12] mit dem Kaiser unternahm, sind viele. Während nun jeder einzelne derselben mit großen Unkosten für das Bisthum und mit schweren Belästigungen der Famllie verknüpft war, so werde ich nur zweier Erwähnung thun, nämlich des italienischen, welcher der erste, und des ungrischen, welcher der letzte war; dieser zu gedenken fühle ich mich gedrungen, weil sie vor den übrigen am meisten hervortreten und weil beide für uns unglücklich abliefen. Von dem ungrischen also werde ich am Ende [13] reden; jetzt gehen wir an den italischen. [127] 7. König Heinrich (III.) ward, nachdem er die Aufstände der Ungern mit Gewalt oder Güte gedämpft hatte,[14] durch die Noth der Kirche, wie es heißt, nach Rom gezogen,[15] auf welchem 1046. Zuge er unter den andern Großen des Reichs auch unseren Erzbischof zum Begleiter hatte. Nachdem nun daselbst die drei Schismatiker Benedikt (IX.), Gratian[16] und Silvester (III.) abgesetzt waren, sollte Adalbert zum Papste erwählt werden, allein er stellte für sich seinen Amtsgenossen Clemens (II.). Von SCH. 61. diesem wurde König Heinrich am Tage der Geburt des Herrn bekrönt und zum Kaiser und Mehrer des Reiches erklärt.

8. Darnach soll unser Erzbischof den von Italien heimkehrenden Kaiser nach Bremen eingeladen haben, unter dem Vorgeben, als sollte Heinrich III. Lismona besuchen oder den König der Dänen zur Unterredung auffordern, in Wahrheit aber, um die Treue der Herzoge zu erproben. Der Kaiser nun, der zu 1048. Bremen mit königlichem Gepränge, wie sich's gebührte, empfangen wurde, schenkte den Brüdern einen Hof, Namens Balga[17]) der Kirche aber diejenige Grafschaft Frieslands,[18] die vorher Gotafrid[19] gehabt hatte.

Von da kam der Kaiser nach Lismona, und ward bald nachher vom Grafen Thiadmar,[20] wie es heißt, hinterlistig überfallen und umzingelt, durch unseres Erzbischofs Vorsorge aber geschützt. Als deshalb der genannte Graf vom Kaiser vor's Gericht geladen wurde, und sich durch einen Zweikampf reinigen wollte, wurde er von seinem eigenen Vasallen Namens Arnold getödtet.[21] Dieser aber ward einige Tage nachher dafür selbst [128] von Thietmars Sohn gefangen genommen und starb, an den Beinen aufgehängt, zwischen zwei Hunden; und darum ließ dann wiederum diesen der Kaiser greifen und bestrafte ihn mit ewiger Verbannung.[22] Von der Zeit an aber verfolgten Thietmars Bruder, der Herzog und dessen Söhne, wegen seines Todes auf das bitterste dem Erzbischof zürnend, ihn selbst und seine Kirche und die Angehörigen derselben mit tödlichem Hasse, und auch wenn ein scheinbarer Friede zuweilen beide Parteien ausgesöhnt zu haben schien, so hörten doch die Anhänger des Herzogs, eingedenk des alten Hasses, den ihre Väter gegen die Kirche ausgeübt hatten, nicht auf, die Unseren anzufeinden, indem sie sie auf alle Weise bedrängten. Mache dich auf, Gott, und führe aus deine Sache; gedenke an die Schmach deiner Knechte! (Psalm 74, 22.)

9. Der Metropolitan dagegen wetteiferte in guten Bestrebungen und kaufte, weil die Tage bös waren, die Zeit durch Wohlthaten aus, und machte Frieden mit den Herzogen.

Darnach aber widmete er seinem Sprengel seine Sorgfalt und hielt es für etwas großes und seiner würdiges, überall ein Denkmal seines Ruhmes zu hinterlassen. Und gleich zuerst verwarf er, die goldene Mittelmäßigkeit[23] seiner Vorgänger gar gering achtend, das Alte, indem er im Sinne hatte, alles von Grund aus neu zu gestalten.

Indem er also mit großer Anstrengung des Geistes und mit bedeutendem Kostenaufwande dahin arbeitete, Bremen anderen Städten gleich zu machen, bildete er sofort aus den Gütern, die er selbst erworben hatte, zwei Propsteien, die eine dem heil. Willehad zu Ehren, wo dessen Körper entweder ruht oder wohin er versetzt ist, die andere dem heil. Stephan gewidmet, dessen Diener zu sein er sich oftmals rühmte. Diese beiden Propsteien [129] stiftete er gleich anfangs, aber er schuf späterhin auch noch andere, nämlich eine dritte zu Bremen, St. Paulus gewidmet, von Gütern, die dem Hospitale gehörten; eine vierte zu Liastimona, von dem Landsitze dieses Hofes; eine fünfte beabsichtigte er, sollte zu Stade und eine sechste jenseits der Elbe aus dem Sollonberg[24] entstehen. Eine siebente begann er zu Aspice,[25] einem Orte, der in Wald und Gebirg belegen, zur Mindener Diöcese gehört. Die achte Propstei ist die Gozzicaner Abtei am Salaflusse, welche die Verwandten des Erzbischofs gründeten.[26]

10. Er begann auch noch sehr viele andere Bauten an verschiedenen Orten, von denen aber die meisten noch zu seinen Lebzeiten wieder verfielen, während er mit den Staatsangelegenheiten beschäftigt war; wie z. B. jenes steinerne Hans in Aspice, welches, als er selbst zugegen war, plötzlich zusammenstürzte. Von den übrigen ergiebt sich, daß sie durch die Raubgier oder Nachlässigkeit der Pröpste verschwunden sind, welche der Erzbischof mitunter, wenn ihre Betrügereien herauskamen, scharf züchtigte. Und in dieser Beziehung kann man sehen, daß die Nichtswürdigkeit derer, denen er mehr, als billig war, Vertrauen schenkte, die Absichten des Erzbischofs oft vom guten Wege abgelenkt hat.

Für die inneren Angelegenheiten nun sorgte Adalbert von Anfang an auf eine tüchtige und löbliche Weise; was aber im Auslande in Bezug auf die Heidenmission geschah, das wird die nachfolgende Darstellung in kurzem entwickeln.

11. Der Metropolitan schickte, sowie er das Bisthum angetreten hatte, an die Könige des Nordens Gesandte, um deren Freundschaft sich zu erbitten. Auch verbreitete er Ermahnungsschreiben [130] durch ganz Dännemark und Nortmannien und Schweden und bis an die Grenzen der Erde, indem er die Bischöfe und Priester, die in jenen Gegenden lebten, aufforderte, die Kirchen unseres Herrn Jesu Christi treu zu bewachen und sich unerschrocken der Bekehrung der Heiden hinzugeben.

Magnus beherrschte damals zwei Reiche, das der Dänen nämlich und das der Nortmannen, Jacob aber hatte noch das Scepter in Schweden. Von ihm und von Herzog Tuph unterstützt, vertrieb Suein den Magnus aus Dännemark. Als dieser darauf den Krieg wieder begann, kam er auf der Flotte um.[27] SCH. 62. Suein besaß nun zwei Reiche und soll eine Flotte ausgerüstet haben, um England seiner Herrschaft zu unterwerfen. Allein der sehr fromme König Edward, der, da er sein Reich in Gerechtigkeit regierte, auch bei dieser Gelegenheit den Frieden vorzog, bot dem Sieger einen Tribut an, indem er ihn [wie oben [28] gesagt ist], zu seinem Nachfolger im Reiche bestellte. Und da nun der junge König Suein über drei Reiche nach seinem Gutdünken verfügte, so vergaß er bald im Fortgange seines Glückes des himmlischen Königs und führte eine Blutsverwandtin aus Schweden als Gemahlin heim.[29] Das mißfiel aber dem Herrn Erzbischof gar sehr, und er machte dem rasenden Könige durch seine Gesandten ob seines Verbrechens die schreckbarsten Vorwürfe, und drohete zuletzt, ihn, wofern er nicht wieder zur Vernunft käme, mit dem Schwerte des Bannes treffen zu müssen. Da gerieth jener in Wuth und drohte die ganze Hamburger [131] Diöcese zu verheeren und zerstören zu wollen. Unser Erzbischof aber ließ, durch diese Drohungen nicht geschreckt, nicht ab mit Zurechtweisungen und dringenden Vorstellungen. bis endlich der dänische Tyrann, durch einen Brief des Papstes bewogen, sich beugte und seiner Muhme einen Scheidebrief gab. Doch aber lieh auch dann der König den Ermahnungen der Priester kein Ohr, sondern bald nachdem er seine Muhme entlassen hatte, legte er sich andere und wieder andere Ehefrauen und Beischläferinnen zu, und darum erweckte ihm der Herr viele Feinde ringsumher, wie er es dem Salomo mit seinen eigenen Knechten gemacht hatte. (1 Kön. 11, 11-14).

12. Ein gewisser Harold,[30] ein Bruder des Königs und Märtyrers Olaph, verließ noch während dieser lebte, das Vaterland. Er ging als Verbannter nach Constantinopel, wo er des Kaisers Lehnsmann ward und als solcher viele Kriege zur See gegen die Saracenen und zu Lande gegen die Scythen führte und durch seine Tapferkeit berühmt und gar reich an Schätzen SCH. 63. wurde. Als er aber, nachdem sein Bruder gestorben war, wieder heimgerufen ward, fand er seinen Stiefbruder Suein auf dem SCH. 64. Throne. In dessen Hände sich ergebend, soll er dem Sieger den Eid der Treue geleistet haben, worauf er das väterliche Reich als Herzog zu Lehn empfing. Als er aber bald darauf zu den Seinigen kam und wahrnahm, daß die Nortmannen ihm treu waren, so verheerte er, leicht zum Aufstande überredet, alle [132] Küstenlande der Dänen mit Feuer und Schwert. Damals wurde auch die Kirche zu Arhusin eingeäschert und die zu Sliaswig geplündert. König Suein aber ergriff die Flucht. Zwischen SCH. 65. Harold und Suein war die Fehde ihr Lebelang.

13. Zugleich trennten sich damals die Angeln von der Herrschaft der Dänen. Die Urheber des Aufstandes waren Gudwins Söhne, welche, wie wir oben[31] gesagt haben, die Söhne der Vaterschwester des Königs der Dänen waren und deren Schwester König Eduard heimgeführt hatte. Diese nämlich machten eine Verschwörung und erschlugen von den Brüdern König Sueins, welche in England Herzoge waren, den einen, Bern, auf der Stelle, den andern, Osbern, aber verwiesen sie samt allen den Seinigen aus dem Lande. Und darauf hielten sie England in ihrer Gewalt, während Eduard blos mit dem Leben und dem leeren Titel eines Königs sich begnügte.

14. Nachdem diese Begebenheiten sich daselbst ereignet hatten, wanderte der sehr christliche König der Schweden, Jacob, aus der Zeitlichkeit hinweg und ihm folgte sein Bruder Emund [Gamul], ein sehr schlechter Mann. Er war nämlich der Sohn [133] einer Beischläferin Olaphs und kümmerte sich, obwohl er getauft war, nicht viel um unsere Religion; bei sich hatte er einen gewissen ungesetzlichen Bischof Namens Osmund,[32] den vormals Sigafrid, der Bischof der Nortmannen, der Schule zu Bremen zum Unterrichte übergeben hatte. Späterhin aber begab sich derselbe, der erhaltenen Wohlthaten uneingedenk, nach Rom zur Ordination, ward aber dort zurückgewiesen, und reiste nun an vielen Orten in der Irre umher und erlangte so zuletzt die Weihe von einem Erzbischofe Polaniens. Darauf kam er nach Schweden, und rühmte sich, er sei vom Papst zum Erzbischof über jene Lande bestellt. Als aber unser Erzbischof seine Gesandten an den König Gamul sandte, fanden sie daselbst eben jenen Herumtreiber Osmund, der wie ein Erzbischof das Kreuz vor sich hertragen ließ. Auch hörten sie, daß er die erst neubekehrten Heiden durch eine verkehrte Unterweisnng in unserem Glauben verdorben habe. Er nun, durch ihre Erscheinung in Schrecken gesetzt, bewog das Volk und den König durch seine gewöhnlichen Kunstgriffe, die Gesandten zurückzuweisen, weil sie keine apostolische Beglaubigung hätten. Sie gingen aber fröhlich von des Rathes Angesichte, daß sie würdig gewesen waren um Jesu Namens willen Schmach zu leiden. (Apostelgesch. 5, 41.) Diese Gesandten aber waren Brüder der Bremer Kirche, deren vornehmster Adalward der Aeltere war, einst Decan unseres Klosters, damals aber für das Volk der Schweden[33] zum Bischof bestellt. Von SCH. 66. dieses Mannes Verdiensten könnte man Vieles sagen, wenn wir nicht zu anderen Gegenständen hineilen müßten.

Den nun aber auf diese Weise von den Schweden zurückgewiesenen Gesandten soll, ich weiß nicht, ob ein Neffe oder ein [134] Stiefsohn des Königs das Geleit gegeben und sich mit Thränen flehentlich ihnen zur Fürbitte empfohlen haben. Sein Name war Stinkil. Er allein brachte, von Barmherzigkeit gegen die Brüder ergriffen, denselben Geschenke dar und brachte sie durch die schwedischen Berglande wohlbehalten zu der sehr frommen SCH. 67. Königin Gunhild [oder Giuthe], die, vom Könige der Dänen wegen ihrer Blutsverwandtschaft mit ihm geschieden, auf ihren Gütern jenseits Dännemarks sich aufhielt, indem sie Gastlichkeit übte und Almosen gab und anderen Werten der Frömmigkeit oblag. Sie empfing die Gesandten mit außerordentlichen Ehren als Boten Gottes und überschickte durch sie dem Erzbischofe große Gastgeschenke.

15. Indeß folgte den Schweden, die ihren Bischof zurückgewiesen hatten, die göttliche Rache. Zuerst nämlich kam ein Sohn des Königs, Namens Anund, den der Vater ausgesandt hatte, sein Reich zu erweitern, als er in die Heimat der Weiber gelangte, die, wie ich denke, Amazonen waren, samt seinem Heere durch Gift um, welches jene in die Quellen mischten. Darnach suchte außer anderen Plagen eine solche Dürre und ein so schwerer Miswachs die Schweden heim, daß sie Gesandte an den Erzbischof schickten und ihren Bischof wiederverlangten, indem sie Buße für das Vergangene und die Treue ihres Volkes gelobten. Darüber demnach hocherfreut, gab der Erzbischof der verlangenden Heerde den willigen Hirten. Als dieser darauf nach Schweden kam, wurde er von Allen mit so reger Empfänglichkeit aufgenommen, daß er das ganze Volk der Wirmilaner[34] Christo gewann und auch Wunderthaten unter dem Volke verrichtet haben soll.

Zur selbigen Zeit starb der Schwedenkönig Emund, nach welchem sein Neffe Stinkel, dessen wir oben gedacht haben, in [135] der Regierung folgte. Dieser war unserem Heren Jesu Christo getreu und von seiner Frömmigkeit gaben alle unsere Brüder Zeugniß, welche jene Lande besucht hatten.

Indem der Herr Erzbischof Adalbert diese seiner Zeit vorgefallenen, die Schweden angehenden Begebenheiten in einem, seiner Weise einsprechenden, großartigen Vortrage ausführlich schilderte, verfehlte er zugleich nicht auch einer Erscheinung des Bischofs Adalward mit zu gedenken, der ihn ermahnte, er möge doch nicht säumen, aufzubrechen zur Verkündigung des Evangelii. SCH. 68.

16. Auch in Nortmannien wurden damals, als König Harald in seiner Grausamkeit alle Tyrannen an Wuth übertraf, große Thaten verrichtet. Viele Kirchen wurden von diesem zerstört, viele Christen unter Todesqualen hingemordet. Er war ein mächtiger Mann und berühmt durch seine Siege. Er hatte zuvor in Griechenland und in den Gebieten Scythiens den Barbaren viele Schlachten geliefert.[35] Als er aber nach Hause zurückkam, ließ er nie ab vom Kampfe, er, der Blitz des Nordens, allen Inseln der Dänen eine Schicksalsgeißel.[36] Er plünderte alle Küstenlande der Sclaven aus, er unterwarf seiner Herrschaft die Orchadischen Inseln, er dehnte seine blutgetränkte Gewalt bis über Island aus. So vielen Nationen gebietend, war er wegen seiner Habsucht und Grausamkeit allen verhaßt. Denn er war Zauberkünften ergeben, der Elende, nicht bedenkend, daß [136] sein so frommer Bruder dergleichen Ungeheuer gänzlich aus dem Reiche vertilgt hatte[37], indem er für die Annahme des christlichen Glaubens bis auf's Blut stritt. Welche Verdienste dieser König sich erworben, davon zeugen alle die Wunder, die täglich am Grabe desselben in der Stadt Trondemnis geschehen. Diese sah jener von Gott so ganz verlassene Harald, und durchaus nicht davon ergriffen, scharrte er sogar die Opfergaben und die Schätze, welche in eifrigster Frömmigkeit von den Gläubigen am Grabe des Bruders zusammengebracht waren, mit krummer Diebeshand zusammen und vertheilte sie unter seine Krieger. Aus diesen Gründen von göttlichem Eifer entzündet, sandte der Erzbischof seine Abgeordneten an den König, und schalt ihn in seinem Sendschreiben ob seiner tyrannischen Anmaßungen, vermahnte ihn aber besonders über die Opfergaben, welche nicht zu weltlichem Nutzen verwandt werden dürften, und wegen seiner Bischöfe, welche nämlich Harald in Gallien und in England hatte ordiniren lassen, indem er ihn, von dem sie doch in Vollmacht des apostolischen Stuhles dem Rechte nach ordinirt werden mußten, bei Seite gesetzt hatte. Ueber diese Ermahnungen in GrimmSCH. 69. gerathend, wies der Tyrann die Gesandten des Erzbischofs mit Verachtung fort, indem er ausrief, er wisse nichts von einem Erzbischof und kenne keinen andern Machthaber in Norwegen, als nur den Harold. Auch that und sprach er noch manches Andere, was seinen Hochmuth mit sehr nahem Falle bedrohete.[38] Denn auch Papst Alexander sandte sofort an denselben König einen Brief, worin er ihn anwies, sowohl er selbst als seine [137] Bischöfe müßten dem Vicar des apostolischen Stuhles die gebührende Unterwürfigkeit und Ehrfurcht erweisen. SCH. 70.

17. Nachdem diese Begebenheiten in Nortmannien sich ereignet hatten, war der Erzbischof eifrig darauf bedacht, sich mit dem Könige der Dänen wieder zu versöhnen, den er vorher durch die Ehescheidung von seiner Muhme beleidigt hatte. Denn er wußte, wenn er einen solchen Mann an sich knüpfte, so würde er zu allem, was er sonst im Sinne führte, einen leichteren Zugang haben. Bald also kam er, indem die Gunst, in der er durch seine Freigebigkeit bei allen stand, ihm zum Mittel diente, nach Sliaswig, wo er leicht zur Bekanntschaft und Wiederaussöhnung mit dem stolzen Könige gelangte und danach durch Geschenke und Gastmähler der erzbischöflichen Macht vor den königlichen Schätzen den Vorrang zu erringen wetteiferte. Zuletzt ward, wie es unter den Barbaren Sitte ist, zur Bestätigung des geschlossenen Bündnisses ein acht Tage hindurch wechselseitig angestellter Festschmaus gehalten. Hier wurde über viele kirchliche Angelegenheiten verfügt, über den Frieden der Christen, über die [138] Bekehrung der Heiden ward hier Rath gepflogen. So kehrte der Erzbischof mit freudigem Herzen heim und bewog den Kaiser[39], daß er den König der Dänen nach Sachsen hinberief, worauf beide sich einander ewige Freundschaft schworen. Von diesem Bunde hatte unsere Kirche großen Gewinn und die Mission unter den nördlichen Nationen nahm durch Mitwirkung König Suein's in glücklichem Zuwachse fortwährend zu.

18. Jenseits der Elbe aber und in Sclavanien wurden unsere Angelegenheiten noch mit großem Glücke geführt. Godescalk nämlich, dessen wir oben (II, 75) gedacht haben, ein Mann, der wegen seiner Klugheit und Tapferkeit zu preisen war, bezwang, nachdem er eine Tochter des Königs der Dänen zur Gemahlin erhalten hatte, die Sclaven so, daß sie ihn als ihren König ehrten, indem sie ihm Tribut zahlten, um Frieden baten und Unterwerfung gelobten.

Unter diesen Zeitverhältnissen hatte unser Hammaburg Frieden und Sclavanien war voll von Priestern und Kirchen.

Godescalk also, ein frommer und gottesfürchtiger Mann, und ein vertrauter Freund des Erzbischofs, ehrte Hammaburg wie eine Mutter. Er pflegte sie häufig zu besuchen, um seine Gelübde zu lösen. Im diesseitigen Sclavanien erhob sich nie ein mächtigerer, nie ein ihm an Eifer vergleichbarer Verbreiter der christlichen Religion. Denn er hatte die Absicht, wenn ihm ein längeres Leben zu Theil würde, alle Heiden zum Christenthume zu zwingen, und er bekehrte ungefähr den dritten Theil derjenigen, welche unter seinem Großväter [Mistiwoi] in's SCH. 71. Heidenthum zurückgefallen waren. [139] 19. So übten alle die Sclavenvölker, welche zur Hammaburger Diöcese gehören, unter diesem Fürsten voll Andacht den christlichen Glauben; nämlich die Waigrer und Obodriten und Reregen und Polabingen, ebenso die Linogen, die Warnaben, die Chizzinen und die Circipanen bis an den Panefluß, den die Urkunden unserer Kirche Pene nennen.SCH. 72. Die Provinzen waren bereits voll von Kirchen, die Kirchen voll von Priestern, die Priester aber handelten frei in allem, was sich auf den Gottesdienst bezog. Als ihr Diener[40] soll der Fürst Gotescalk, von so großem Eifer für die Religion entbrannt gewesen sein, daß er, seines Standes uneingedenk, oftmals in der Kirche eine Ermahnungsrede an das Volk hielt, indem er das, was von den Bischöfen oder Priestern in bildlich dunkler Weise geredet wurde, selbst durch sclavanische Ausdrücke verständlicher zu machen strebte. Unbegränzt war die Zahl derer, die täglich bekehrt wurden, so daß man um Priester zu bekommen, in alle Provinzen Boten sandte. Damals wurden auch in den einzelnen Städten Stifte gegründet, in denen fromme Männer ein kanonisches Leben zusammen führten, ebenso auch Mönche und Nonnen, wie das die bezeugen, welche in Leubice, Aldinburg, Lontium, Razzispurg[41], und in anderen Städten die Klöster gesehen haben. In Mecklenburg[42] aber, welches eine berühmte Stadt der Obodriten ist, waren, wie sie berichten, drei Vereine von solchen, die Gott dienten.

20. Der Erzbischof wünschte dem Fürsten Glück zu der jungen Anpflanzung der Kirchen und sandte ihm weise Männer zu aus der Zahl seiner Bischöfe und Presbyter, welche die im [140] Christenthume noch unerfahrenen Völker in demselben befestigen möchten. Er ordinirte aber für Aldinbnrg nach dem Tode Abhelins den Mönch Ezzo; den Johannes Scotus setzte er in Mecklenburg ein; in Razzisburg, bestimmte er, sollte ein gewisser Aristo sein, der ans Jerusalem kam[43], und andere anderswo.

Außerdem lud er, als er selbst nach Hammaburg kam, eben jenen Fürsten Gotescalk zur Unterredung ein, indem er ihn dringend ermahnte, daß er die um Christi willen übernommene Arbeit beharrlich zu Ende bringen möchte, wobei er ihm verhieß, daß ihm in allem der Sieg zur Seite stehen und daß er zuletzt, wenn er um Christi Namen auch Widerwärtiges erdulde, selig werde; denn viel seien der Belohnungen, die für ihn ob der Bekehrung der Heiden im Himmel bereit lägen, viele Kronen würden ihm aus der Rettung aller von ihm dem Himmelreiche gewonnenen hervorgehen.

Mit denselben Worten und zu demselben Streben ermahnte der Metropolitan den König der Dänen, der zu ihm, als er an der Egdora sich aufhielt, gar oft kam, und alles, was der Erzbischof aus der Schrift anführte, sorgfältig sich bemerkte und im Gedächtniß behielt, nur daß er in Betreff der Völlerei und der Weiber - Laster, die jenen Völkern angeboren sind - nicht zu überzeugen war; in allem anderen gehorchte der König dem Erzbischof willig und gern.SCH. 73.

21. Um dieselbe Zeit wurden in Sclavanien sehr große [141] Dinge ausgeführt, die den Nachkommen zu Ehren Gottes nicht verschwiegen werden dürfen, weil Gott, deß die Rache ist, sich erhoben hat und vergolten den Hoffärtigen, was sie verdienten. (Psalm 94, 12.)

Also, während viele Stämme der Winuler ob ihrer Tapferkeit berühmt sind, so sind doch nur vier unter ihnen, die von ihnen Wilzen, von uns Leutizen genannt werden, unter denen ein Wettstreit um den Vorrang und die Obermacht stattfindet. Das sind nämlich die Chizzinen und die Circipanen, welche diesseits des Paneflusses wohnen, die Tholosanten und die Retherer, welche jenseits der Pane angesiedelt sind.[44] Und als der Zwist zu offenem Kriege wurde, wurden die Tholosanten und Retherer, obwohl sie die Chizzinen zur Hilfe hatten, doch von den Circipanen besiegt. Wiederum ward dann der Kampf erneuert und die Rederer wurden aufgerieben; dennoch ward er noch zum dritten Male versucht und die Circipanen gingen auch jetzt als Sieger hervor. Darauf aber riefen jene, die besiegt waren, den Fürsten Godescalk und den Herzog Bernhard und den König der Dänen zur Hülfe herbei und brachten diese über ihre Feinde, und unterhielten sieben Wochen lang ein ungeheures Heer dieser drei Herscher, während die Circipanen mannhaft gegenankämpften. Viele Tausend Heiden fielen auf beiden Seiten, noch mehr derselben wurden in die Gefangenschaft abgeführt. Endlich erlangten die Circipanen Frieden, indem sie den Fürsten 15,000 Pfund Silber boten. Die Unseren kehrten triumphirend heim; vom Christenthume aber war gar nicht die Rede. Die Sieger waren nur auf Beute bedacht.

Das ist die Tapferkeit der Circipanen, welche zum Hammaburger Bisthume gehören. Ein angesehener Mann von den Nordelbingern hat mir erzählt, dies und anderes sei in Wahrheit also geschehen. [142] 22. Auch habe ich, als der höchst wahrhafte König der Dänen diese Gegenstände gesprächsweise erläuterte, gehört, daß die Sclavenvölker ohne Zweifel schon längst vorher hätten zum Christenthume bekehrt werden können, wenn die Habsucht der Sachsen dem nicht im Wege gestanden hätte; „denn, sagte er, diesen steht der Sinn mehr nach der Zahlung der Steuern, als nach der Bekehrung der Heiden.“ Und die Elenden bedenkenSCH. 74. nicht, welcher Strafen sie sich durch ihre Gier schuldig gemacht haben, da sie zuerst in Sclavanien das Christenthum aus Habsucht störten, dann die Unterworfenen durch ihre Grausamkeit zum Aufstande zwangen und nun das Seelenheil derer, die zum Glauben kommen würden, unbeachtet lassen, weil sie von ihnen nichts weiter verlangen, als Geld. Darum sehen wir nach Gottes gerechtem Gerichte auch jene mächtig werden über uns, indem diese durch Gottes Zulassung zu dem Ende verstockt sind, auf daß durch sie unsere Ungerechtigkeit gezüchtigt werde. Denn in Wahrheit, wie wir, so lange wir sündigen, uns von den Feinden überwunden sehen, so werden wir, sobald wir uns bekehren, über unsere Feinde Sieger sein, und wenn wir von diesen nur den Glauben forderten, so würden wir gewiß den Frieden haben und hätten zugleich auch das Heil jener Völker begründet.

23. Während in solcher Weise unsere Kirche sich in Betreff der Heidenmission thätig erwies, sorgte der Metropolitan Adalbert, noch voll guten Strebens, wachsam und eifrig dafür, daß er nicht durch Nachlässigkeit von seiner Seite das Hirtenamt gering zu achten schiene, nämlich in der Sorge für alle Kirchen, deren der Apostel sich rühmt. (2 Kor. 11, 21 ff.) Demnach benahm er sich daheim und in der Fremde gleich hervorragend, so, daß er, der den Reichen gleichstand und größer war als die [143] Großen, dennoch auch ein Vater der Waisen zu sein und den Wittwen Recht zu schaffen (5 Mos. 10, 18) bemüht war, indem er für alle in der Art Sorge trug, daß er auch die Bedürfnisse der Geringsten auf das eifrigste wahrzunehmen stets bei der Hand war. Und auch als er später, mit weltlichen Geschäften überlastet, in Bezug auf die geistlichen nothwendig ermatten mußte, verharrte er allein in der Heidenmission in voller Ausübung seines Amtes ohne Klage, und den Anforderungen, welche die Verhältnisse der Zeit und die Denkweise der Menschen an ihn machten, völlig entsprechend. So leutselig, so freigebig, so gastfrei, so in gleichem Grade nach geistlichem wie nach weltlichem Ruhme begierig erwies er sich, daß das kleine Bremen, durch sein Verdienst weit und breit wie nur Rom selbst bekannt, von allen Weltgegenden her andächtige Besucher heranströmen sah, zumal von den Völkern des Nordens. Unter diesen kamen aus äußerster Ferne Gesandte der Isländer, der Grönländer und der Orchaden mit der Bitte, er möchte doch Prediger dorthin senden; was er auch that.

24. In jenen Tagen verließ Wal, der Bischof der Dänen,[45] diese Welt. Den Sprengel desselben theilte König Suein in vier Bisthümer und setzte, indem der Metropolitan seine Bestätigung dazu gab, in jedes derselben einen seiner Bischöfe ein.[46] Damals schickte unser Erzbischof auch nach Schweden,[47] Norwegen und auf die Inseln des Meeres Arbeiter zur Ernte des Herrn. Von der Bestellung der Einzelnen derselben wird am Ende dieses Werkes ausführlicher die Rede sein.[48]

25. Während er also für den ganzen Sprengel auf das eifrigste Sorge trug, hatte er doch an der Metropolis Hammaburg seine besondere Freude, indem er sie die fruchtbare Mutter der Völker nannte, welcher die Pflicht aller Ehrerbietung in vollem Maße gezollt werden müsse, wobei er erklärte, derselben [144] müsse um so größere Tröstung und Hülfe zu Theil werden, je größer das Unheil, je näher der Feind sei, von denen sie heimgesucht werde, und da sie ja schon so lange Zeiten hindurch von den Angriffen der Feinde gleichwie ein Sieb durchlöchert werde.[49] Oft hatte er nun daran gedacht, sobald die Zeitverhältnisse es erlaubten, die Hammaburger Herrschaft zugleich zu befestigen und zu zieren, und ein gegen die Einfälle der Barbaren dienliches Bauwerk zu unternehmen, an welchem sowohl das Volk als die Kirche der Nordelbinger eine beständige Schutzwehr haben sollten. Da nämlich die Provinz der Sturmaren, in der Hammaburg gelegen ist, sich ganz in die Ebene verliert, so ist an der Seite, wo sie das Gebiet der Sclaven berührt, weder ein Berg noch ein Fluß vorhanden, woher den Einwohnern Schutz kommen könnte, abgesehen davon, daß hin und wieder Waldungen vorkommen, durch deren Schlupfwinkel gedeckt die Feinde oft in unerwarteten Ausfällen plötzlich hervorbrechen, und die Unseren, die sich sicher glauben und an nichts weniger als an dergleichen denken, entweder erschlagen, oder sie - was diesen schwerer fällt als der Tod - als Gefangene hinwegführen. Nur ein Berg ragt in jener Gegend hervor an der Elbe; er dehnt sich mit langhingestrecktem Rücken nach Abend zu aus; die Eingeborenen nennen ihn Sollonberg.[50] Diesen hielt der Bischof für geeignet, darauf eine feste Burg anzulegen zum Schutze des Volkes, und sofort befahl er, den Wald, welcher den Scheitel des Berges bedeckte, auszuroden und den Platz frei zu machen. So hatte er also mit vielen Unkosten und mit dem Schweiße gar mancher Menschen die Erfüllung seines Wunsches erlangt und machte nun den rauhen Berg bewohnbar. Daselbst gründete er eine SCH. 75. Propstei und beabsichtigte eine Vereinigung von [145] Gott Dienenden dort zu bilden, eine Vereinigung, die aber bald in eine Räuberbande sich verwandelte. Denn von dieser Burg aus begannen etliche von unseren Landsleuten die Umherwohnenden, welche sie zu schützen bestellt waren, zu plündern und zu verfolgen. Deshalb ward der Ort nachher durch eine plötzliche Erhebung der Eingeborenen zerstört, das Volk der Nordelbinger aber excommunicirt. Ich habe für gewiß erfahren, daß dies zu Gunsten des Herzogs geschehen sei, der in gewohnter Weise die glücklichen Unternehmungen der Kirche beneidete.

26. Denn auch der Herzog gründete damals, indem er die alte Veste Hammaburg verließ, eine neue Burg[51] für sich und die Seinen zwischen dem Elbstrome und dem Flusse, welcher Alstra genannt wird. So wurden, wie die Herzen, auch die Wohnsitze beider getrennt, und der Herzog bewohnte die Neustadt, der Erzbischof aber die Altstadt. Und in der That liebte der geistliche Herr diesen Ort wie alle seine Vorgänger, darum weil es von jeher die Mutterkirche aller Völker des Nordens und das Haupt seines Sprengels gewesen war. Und darum zog er es vor, so lange noch jenseits der Elbe Friede war, beinahe alle Oster- und Pfingstfeste und auch alle Muttergottesfeste daselbst zu feiern, wozu er aus allen geistlichen Körperschaften eine sehr große Menge von Geistlichen versammelte, insbesondere von solchen, welche durch eine schöne Stimme die Gemeinde einzunehmen vermochten, und da er damals einen vollzähligen Kreis von Kirchendienern hatte, ließ er alle gottesdienstlichen Handlungen mit großer Sorgfalt und Erhebung und auch mit vielem äußeren Glanze ausführen. Diesem äußerem Glanze war er nämlich selbst so sehr ergeben, daß er die kirchlichen SCH. 76. Mysterien schon nicht mehr nach lateinischer Weise verwalten [146] wollte, sondern indem er sich aus, ich weiß nicht welchen Brauch der Römer oder Griechen stützte, befahl er während dreier Messen denen er beiwohnte, zwölf Officien abzusingen; denn er wollte alles groß haben, alles bewundernswerth, alles prachtvoll, so in geistlichen wie in weltlichen Dingen, und darum soll er auch an dem Rauche der Specereien sich ergötzt haben und an dem Blitzen der Lichter und an dem Donnern der laut ertönenden Stimmen. Dies alles entnahm er von dem Lesen des Alten Testamentes, nach welchem die Herrlichkeit des Herrn sich auf dem Berge Sinai offenbarte. (2 Mos. 24, 16.17.) Noch viel anderes pflegte er zu thun, was den Leuten unserer Tage und den Unwissenden seltsam vorkam, während er jedoch nichts ohne das Ansehn der Schrift that, da er nämlich schon damals im Sinne hatte, seiner Kirche durch Reichthum und Ehre vor allen übrigen den Vorrang zu verschaffen, sobald er den Papst und den König seinen Wünschen geneigt gemacht hätte. Diese also beeilte er sich auf alle Weise zu gewinnen.

27. Um diese Zeit gründete Kaiser Heinrich,[52] die ungeheuren Schätze des Reiches benutzend, Goslar in Sachsen, welches er, wie es heißt, aus einer kleinen Mühle oder einer Jägerhütte formend, mit gutem Glücke schnell zu der so großen Stadt, als welche es uns jetzt sich darstellt, erhob. In derselben bauete er auch für sich einen Palast und stiftete daselbst zwei Klöster zu Ehren Gottes des Allmächtigen, deren eines er unserem Erzbischof zur Leitung und Aufsicht übergab, darum weil derselbe ihm in allen Dingen ein unzertrennlicher Gefährte und Mitarbeiter war. Damals ward ihm auch die Aussicht auf den Erwerb oder den Empfang der Grafschaften, Abteien und Güter eröffnet, die wir späterhin zu großer Gefahr für die Kirche erkauft haben, nämlich die Klöster von Lauressa und Corbeja,[53] [147] die Grafschaften Bernhards[54] und Ekibrects[55], endlich die Güter Sincicum[56], Plisna[57], Groningon[58], Dispargum[59] und Lismona[60] Als nun der Metropolitan diese Besitzungen unter bereits zweifelhaften Umständen sich angeeignet hatte, da vermeinte er, wie es treffend von von Xerxes heißt, über das Meer wandeln und über das Land hin schiffen[61], kurz alles, was er wollte, leicht vollenden zu können.

28. Insbesondere stützte er sich dabei auf den Umstand, daß der so mächtige Papst Leo (IX.) zur Abhülfe der Bedürfnisse der Kirche nach Deutschland gekommen war; denn von diesem wußte er, daß er ihm aus alter Freundschaft nichts abschlagen werde, was irgend Jemandem rechtmäßiger Weise gewährt werden könne.

29. Damals wurde die berühmte Generalsynode zu Mainz gehalten unter Vorsitz des apostolischen Herrn und des Kaisers Heinrich (III.), unter Mitwirkung der Bischöfe Bardo von Mainz, Eberhard von Trier, Heriman von Köln, Adalbert von Hamburg, Engilhard von Magdeburg und den übrigen Kirchenhäuptern der Provinzen. Auf diesem Concil wurde ein Bischof von Speier, Sibico, welcher der Verführung einer Ehefrau angeklagt war, vermittelst der Abendmahlsprobe gerechtfertigt. Ferner ward daselbst Vieles zum Frommen der Kirche verordnet; besonders aber ward die Ketzerei der Simonie sammt den verruchten Priesterehen durch die eigenhändigen Unterschriften sämmtlicher Mitglieder der Synode für immer verdammt. Davon schwieg denn auch unser Erzbischof als er nach Haus kam [148] keineswegs, wie sich das erweisen läßt. Wegen der Weiber thatSCH. 77. er denselben Ausspruch, welchen sein Vorgänger, der berühmte Alebrand, und schon vorher Libentius auszuführen begonnen hatten, daß dieselben nämlich aus dem Kirchenbezirke und der Stadt hinausgeschafft werden sollten, damit nicht die Nachbarschaft der Buhlerinnen mit ihren losen Reden keusche Blicke verletzen möchte.

Dirse Synode fand statt im Jahre 1051, d. h. im siebenten Jahre des Erzbischofs[62]. Damals wurde auch der größere Altar auf dem Chor zu Ehren der Mutter Gottes eingeweiht[63].

30. Dieser Synode hätte ich schon darum gedacht, weil Herr Adalbert in jener Zeit, wo so berühmte Männer in der Kirche waren, kraft seiner Weisheit und Tugenden beinahe Alle übertraf. Für so groß hielt ihn der Papst, für einen solchen Mann der Kaiser, daß ohne seinen Beirath in öffentlichen Angelegenheiten nichts geschah. Darum wollte selbst auf Heerfahrten, wo doch der Geistliche kaum seinen Platz findet, der Kaisers dieses Mannes nicht entbehren, dessen unüberwindlichen Verstand er oft in Bezwingung der Feinde erprobt hatte. Das empfand der höchst listige Führer der Italer, Bonifaz[64], ebenso Godafrid[65]), Otto[66], Balduin[67] und die Uebrigen, die, das Reich mit Empörungen erfüllend, den Kaiser in lästigem Wetteifer ermüden zu wollen schienen, endlich aber, gedemüthigt, sich rühmten, nur Adalberts Klugheit habe sie beugen können. [149] 31. Was soll ich reden von den barbarischen Völkern der Ungern und Dänen, ebenso der Sclaven oder der Nortmannen, die der Kaiser öfter durch Klugheit überwand als durch Krieg, indem er auf Ermahnen und Betrieb unseres Erzbischofs die berühmte Regel lernte:

Schone des Feindes, der liegt, den trotzenden schmett're darnieder[68]. Zu dieser Fülle unseres Glücks kam noch das Ereigniß hinzu, daß der sehr tapfere Kaiser der Griechen, Monomachos[69] und Heinrich von Frankreich[70], indem sie unserem Kaiser Geschenke übersandten, dem Erzbischof ob seiner Weisheit und Treue und er durch seinen Rath glücklich geführten Staatsgeschäfte Glück wünschten, worauf er in seinem Antwortschreiben an den Constantinopolitaner es sich unter anderem zum Ruhme anrechnete von den griechischen Kaisern abzustammen, indem Theophanu und der sehr tapfere Otto die Urheber seines Geschlechtes wären, und daher sei es nicht zu verwundern, wenn er die Griechen liebe, denen er auch in Sitten und Gebräuchen nachahmen wolle; was er auch that. Aehnliche Briefe übersandte er auch dem Kömige von Frankreich und Anderen.

32. Der Metropolitan also, der über diese Erfolge aufgeblasen war und den Papst sammt dem Kaiser seinen Wünschen geneigt sah, arbeitete mit großem Eifer darauf hin, in Hammaburg ein Patriarchat zu errichten. Auf diesen Plan ward er zuerst durch den dringenden Umstand hingeleitet, daß der König der Dänen, da das Christentum sich bereits bis an die äußersten Gränzen der Erde ausgebreitet hatte, in seinem Reiche ein Erzbisthum gestiftet zu sehen verlangte. Die Errichtung desselben nun war vermöge der Bestätigung von Seiten des apostolischen Stuhles in Uebereinstimmung mit den kanonischen Ordnungen beinahe schon beschlossen; nur der Ausspruch unseres Erzbischofs ward noch erwartet. Dieser aber versprach, wenngleich mit [150] Widerstreben, seine Einwilligung hiezu geben zu wollen, wofern ihm und seiner Kirche von Rom aus urkundlich die Patriarchenwürde verliehen werde. Diesem Patriarchate aber beabsichtigte er die zwölf Bisthümer unterzuordnen, die er vermöge der Eintheilung seines Erzbisthums bilden wollte, nebst den Suffraganbischöfen, welche in Dännemark und unter den übrigen Völkern von unserer Kirche gehalten werden, so daß der erste Bischof zu Palmen[71] am Egdoreflusse sein sollte, der zweite zu Heliganstade[72], der dritte in Razzispurg, der vierte in Aldinburg, der fünfte in Michilinburg, der sechste in Stade, der siebente in Lismona, der achte in Wildishusin[73], der neunte in Bremen, der zehnte in Ferde, der elfte in Ramsola, der zwölfte in Friesland. Denn daß er das Ferder Bisthum mit Leichtigkeit erlangen könne, dessen rühmte er sich nicht selten.

33. Während darauf von beiden Seiten die Sache in die Länge gezogen wurde, starb1054. der heilige Papst Leo (IX.), und in demselben Jahre verschied der sehr tapfere Kaiser Heinrich (III.).1056. Der Tod beider fiel in's zwölfte Jahr des Erzbischofs[74]. Durch das Abscheiden derselben ward nicht nur die Kirche in Verwirrung gesetzt, sondern auch der Staat schien zu Ende zu gehend

Daher ward von der Zeit an unsere Kirche von jeglichem Ungemach befallen, während unser Oberhirt nur den Geschäften des Hofes oblag.

Zur Lenkung des Reiches gelangten durch die Erbfolge ein Weib und ein Kind, zu großem Nachtheile für das Gemeinwesen. Denn die Fürsten, welche es unwürdig fanden, daß sie durch weibliche Gewalt eingeschränkt oder durch eines Kindes Herrschaft regiert werden sollten, errangen zuerst ihre alte Freiheit wieder, um nicht unter dem Joche der Knechtschaft zu bleiben; dann begannen sie einen Wettstreit mit einander, wer unter ihnen [151] der mächtigste wäre, und endlich nahmen sie mit Keckheit die Waffen und versuchten ihren Herrn und König abzusetzen. Dies alles aber ist leichter mit Augen zu sehen, als mit der Feder zu beschreiben.

Als endlich die Aufstände dem Frieden Platz gemacht hatten, wurden die Erzbischöfe Adalbert und Anno[75] zu Cousuln[76] erklärt und von ihrer Berathung hing fortan die Leitung des Ganzen ab. Obwohl nun beide kluge Männer waren und sehr tüchtig in der Fürsorge für den Staat, so zeigte sich doch, daß der Eine dem Andern an Glück und Wirksamkeit weit vorauseilte. [Daher währte diese zum Schein geschlossene Genossenschaft der beiden Bischöfe nur eine mäßige Zeit lang, und obwohl die Reden beider Frieden zu künden schienen, so stritten doch ihre Herzen mit einander in tödlichem Hasse. Der Erzbischof von Bremen freilich ergriff eine um so gerechtere Sache, als er mehr zum Mitleiden geneigt war und erklärte, man müsse seinem Könige und Herrn bis zum Tode Treue bewahren. Der Kölner aber, ein Mann von wildem Sinne, ward selbst des Treubruchs gegen den König beschuldigt. Zudem war er in allen Verschwörungen, die seiner Zeit angestiftet wurden, beständig der Mittelsmann.]

34. Denn der Kölner, den man der Habsucht zieh, legte alles, was er daheim wie am Hofe zusammenscharren konnte, zur Ausschmückung seiner Kirche an, und diese, die schon vorher groß war, machte er so sehr zur größten, daß sie bereits über allen Vergleich mit irgend einer Kirche im Reiche erhaben war. Auch beförderte er seine Verwandten und Freunde und Capellane, indem er sie alle mit den höchsten Ehrenstellen überhäufte, damit diese wiederum Anderen, Schwächeren zu Hülfe kämen. Unter diesen waren die vornehmsten der leibliche Bruder des Erzbischofs, Wezel, Erzbischof[77] von Magdeburg[78], und ihre Vetter, Burkard, Bischof von Halberstadt [79], ingleichen Cuono, für Trier erwählt, [152] aber durch den Neid der Geistlichkeit mit der Märtyrerkrone geschmückt, bevor er inthronisirt war[80]. Ferner Eilbert, Bischof von Minden[81], und Willehelm von Utrecht[82]. Außerdem wurden in Italien der Patriarch von Aquileja[83] und der Bischof von Parma[84] und Andere, welche herzuzählen zu weit führen würde, durch Anno’s Gunst und Bemühungen erhöhet, und wetteiferten auch in dem Bestreben, ihrem Gönner in seinen Unternehmungen Hülfe und Ansehn zu gewähren. Manches Treffliche ist dennoch von diesem Manne in geistlicher, wie in weltlicher Beziehung ausgeführt worden und zu unserer Kunde gekommen.

35. Unser Metropolit jedoch, der nach irdischem Ruhme und Ansehn strebte, hielt es für unwürdig, einen der Seinigen zu befördern, obwohl er viele Dürftige unter sein Gefolge aufnahm; er meinte nämlich, es sei ein Schimpf für ihn, wenn der König oder einer der Großen den Seinigen Wohlthaten erwiese, „die ich“, sagte er, „eben so gut und besser selbst belohnen kann.“ Darum kamen sehr wenige von den Seinigen mit seiner Bewilligung zur Bischofswürde, viele aber wurden, wenn sie nur das Wort geschickt zu brauchen und gewandte Diener abzugeben verstanden, mit ungeheuren Reichthümern überhäuft. So kam es, daß er um des Ruhmes der Welt willen Menschen verschiedener Gattung und allerlei Künste kundig, besonders aber Schmeichler, in seinen Umgang aufnahm.[85] Die lästige MengeSCH. 78. [153] derselben schleppte er am Hofe und durch das Bisthum und wohin ihn sein Weg führte, mit sich einher, indem er versicherte, daß er die zahlreiche Schaar der ihm folgenden nicht beschwerlich, sondern vielmehr gar sehr ergötzlich finde.[86] Das Geld aber, welches er von den Seinen empfing, oder von Freunden, oder auch von denen, welche die Pfalz besuchten, oder die der königlichen Majestät zur Strafe verfallen waren, dieses Geld, wie gesagt, wenn es gleich sehr viel war, vertheilte er ohne Verzug unter verrufene Personen und Gaukler, Aerzte und Schauspieler und andere Leute derselben Art, indem er nämlich unkluger Weise meinte, die Gunst solcher Menschen werde es bewirken, daß er allein am Hofe gefalle und vor allen zum Hausmeier erhoben werde, und daß auf diese Weise das Ziel erreicht werden könne, welches er für die Förderung seiner Kirche vor Augen hatte. Indem er überdies alle Männer, die in Sachsen oder anderen Gegenden berühmt und ausgezeichnet waren, zu seinen Vasallen machte, indem er Vielen gab, was er hatte, den Uebrigen versprach, was er nicht hatte, erkaufte er den leeren Klang eitelen Ruhmes mit großem Schaden an Leib und Seele, und des Erzbischofs Sitten, in dieser Weise von Anfang an verderbt, wurden im Laufe der Zeiten und am Ende immer schlimmer.

36. Damals also, als er, durch die großen Ehren, die ihm am Hofe widerfuhren, aufgeblasen, seinem armen Sprengel bereits zu einer kaum erträglichen Last geworden war, kam er nach Bremen, begleitet, wie gewöhnlich, von einer außerordentlichen Menge Bewaffneter, um Volk und Land mit neuen Auflagen zu beschweren. Und damals wurden jene Burgen errichtet, welche unsere Herzoge am meisten in Zorn setzten; jetzt fehlte [154] ihm nämlich der Eifer, den er früher gehabt hatte, heilige Stifte zu gründen. Wunderbar nämlich war des Mannes Sinn, Unthätigkeit konnte er nicht ertragen, niemals ermüdete er, obwohl doch so große Arbeiten daheim wie draußen ihn in Anspruch nahmen. Denn nachdem unser armes Bisthum vordem durch die so großen Kosten seiner Heerfahrten und durch die außerordentlichen Bemühungen um die Gunst des gierigen Hofes oftmals in Noth gerathen war, wurde es jetzt ohne Erbarmen durch Erbauung von Propsteien und Burgen in’s Verderben gestürzt. [Er ließ sogar auf dürrem Boden Gärten und Weinpflanzungen anlegen, und obwohl er so in nutzlosem Streben gar manches umsonst versuchte, war er doch stets darauf bedacht, denen, die seinen Plänen dienten, ihre Arbeit auf eine großartige Weise zu lohnen.] Also kämpfte des Mannes hoher Sinn mit der Natur des Vaterlandes, und was er irgendwo Ausgezeichnetes kennen lernte, das wollte er gleich auch selbst besitzen. Wie ich nun sorgfältig und lange den Ursachen dieser Krankheit nachforschte, so habe ich gefunden, daß der sonst so weise Mann von jenem weltlichem Ruhme, den er allzu werth hielt, zu dieser Verweichlichung des Charakters verleitet wurde, weil er, im Glücke irdischen Besitzes zum Hochmuthe sich erhebend, in der Erlangung von Ruhm kein Maaß kannte, im Unglücke dagegen mehr als recht war, niedergebeugt, dem Zorne oder dem Kummer die Zügel schießen ließ. Darum überschritt er sowohl im Guten, wenn er an fremden Leiden Antheil nahm, als auch im Bösen, wenn er zürnte, in beiden Stücken das Maaß.

37. Dafür dient mir als Beweis, daß er in seiner Zorneswuth manche mit eigener Hand so schlug, daß Blut darnach floß, wie er es mit seinem Propste[87] und Anderen machte. In seinem Mitleiden aber, welches jedoch in diesem Falle besser Schenklust genannt wird, war er so verschwenderisch, daß er, da ihm ein Pfund Silbers nicht mehr galt als ein Pfennig, oft an [155] Leute aus dem Mittelstande hundert Pfund Silbers verschleudern ließ, an angesehenere aber noch mehr. Daher kam es, daß er, so oft er im Zorne war, von allen wie ein Löwe geflohen wurde, wenn er aber wieder besänftigt war, sich wie ein Lamm hätscheln ließ. Sehr schnell aber konnten ihn die Seinigen oder Fremde durch Lobpreisungen vom Zorne zur Heiterkeit umstimmen, und dann begann er, indem er gar nicht mehr derselbe Mensch zu sein schien, der er doch noch eben vorher gewesen war, dem Lobredner zuzulächeln. Diese Gelegenheit habe ich oft die Schmeichler benutzen sehen, die aus verschiedenen Weltgegenden in sein Gemach wie in einen Pfuhl zusammengeströmt waren, und die nach seiner Ansicht den Fürsten zur Erlangung der äußeren Ehre nothwendig waren. Sobald nur einer am Hofe oder mit dem Könige sehr bekannt wurde, so würdigte er denselben seines näheren Umganges, die Uebrigen entließ er mit Geschenken. Dadurch verlockte er auch ehrenwerthe Männer und die im Priesterstande hervorragten, aus ehrgeizigem Trachten nach seinem Umgange zu diesem so schimpflichen Schmeichlerdienst. Zuletzt sahen wir den, der nicht schmeicheln konnte oder vielleicht auch nicht wollte, wie einen Narren und Einfältigen vom erzbischöflichen Palaste ausgeschlossen, grade als wenn man sagen wollten

     Meide den Hof doch
     Wer sich fromm will bewahren.[88]
Und: Denunciant wird genannt wer Wahrheit redet.[89]

Endlich gewannen bei uns die Lügner in dem Grade die Oberhand, daß man denen, welche die Wahrheit sprachen, nicht glaubte, auch wenn sie ihre Aussage beschworen. Von solchen Leuten also war das Haus des Bischofs voll.

38. Dazu kamen noch täglich andere Schmeichler, Schmarotzer, Traumdeuter und Neuigkeitsträger hinzu, die das, was sie selbst erfanden, und wovon sie glaubten, daß es uns gefallen werde, als ihnen von Engeln offenbart ausposaunten, indem sie bereits [156] öffentlich prophezeiten, der Patriarch (denn so ließ er sich nennen) von Hammaburg werde bald Papst sein, seine Nebenbuhler müßten vom Hofe vertrieben werden, er selbst aber werde allein und lange Zeit hindurch das Reich regieren und so alt werden, daß er länger als funfzig Jahre lang Erzbischof bleiben und daß endlich durch diesen Mann für die Welt goldene Zeiten erscheinen würden. Und diese Dinge hielt Adalbert, obwohl sie ja nur von Schmeichlern und aus Gewinnsucht verheißen wurden, doch, wie wenn sie vom Himmel herunter erschallt wären, alle für wahr, indem er daraus hinwies, daß nach der Schrift gewisse Anzeichen zukünftiger Dinge den Menschen verliehen seien, nämlich entweder in Träumen, oder in Zeichendeutungen, oder in gangbaren Alltagssprüchen, oder in ungewöhnlichen Naturerscheinungen. Daher soll er die Gewohnheit angenommen haben, sich beim Schlafengehen an Märchen zu ergötzen; nach dem Erwachen an Träumen; so oft er aber eine Reise begann, an Zeichendeutungen. Mitunter schlief er auch den ganzen Tag über, die Nacht hindurch aber blieb er wach, indem er entweder Würfel spielte oder bei Tische saß. So oft er nun zur Mahlzeit ging, befahl er, den Gästen alles zur Fröhlichkeit und zum Ueberflusse darzubieten, er selbst dagegen stand oft, ohne etwas gegessen zu haben, wieder vom Tische auf. Indem er aber beständig Männer bereit hielt, deren Amt es war, die ankommenden Gäste zu empfangen, war er gar sehr darauf bedacht, daß sie auf ihn selbst nicht viel Rücksichten zu nehmen brauchten. Er rühmte nämlich die Gastfreundlichkeit als eine der größten Tugenden, welche, während sie göttlichen Lohnes nicht entbehre, oft auch schon unter den Menschen den größten Ruhm bringe. Beim Mahle aber fand er nicht sowohl an Speise und Trank, als an Witzreden oder an den Geschichten der Könige, oder an überraschenden Aussprüchen der Weltweisen Genuß. War er aber allein zu Hause, was selten der Fall war, daß er nämlich für sich, ohne Gäste oder königliche Gesandte speiste, dann brachte er die Zeit mit Märchen oder [157] Traumdeutungen, stets aber mit anständigen Gesprächen hin. Selten ließ er Saitenspieler zu, nur mitunter hielt er sie für notwendig, um Kummer und Sorgen zu erleichtern. Pantomimen aber, die mit unanständigen Körperbewegungen den großen Haufen zu ergötzen pflegen, verwies er gänzlich aus seiner Gegenwart. Nur die Aerzte waren beständig bei ihm, Andere konnten nur mit Mühe Zutritt zu ihm erlangen, wenn nicht eine sehr wichtige Angelegenheit es erheischte, daß einige Laien ihm vorgeführt wurden. Daher kam es auch, daß wir die Thür seines Schlafgemaches, die zuerst jedem Unbekannten und Fremden offen stand, späterhin mit einer solchen Sorgfalt gehütet sahen, daß Gesandte, die wegen wichtiger Angelegenheiten kamen, und Männer, die eine hohe Stellung in der Welt inne hatten, bisweilen eine ganze Woche lang sehr wider Willen vor der Thür warten mußten.

39. Außerdem war er gewohnt, während der Mahlzeit sich über hochgestellte Männer aufzuhalten, indem er an den einen ihre Habsucht, an den anderen ihre Thorheiten rügte, vielen aber ihre geringe Abkunft zum Vorwurf machte. Alle jedoch schalt er ob ihrer Treulosigkeit, deshalb, weil sie undankbar seien gegen den König, der sie vom Koth erhöhet habe[90], gegen den König, den er allein unter allen aus Liebe zum Reiche, weil es recht sei, nicht weil er seinen Vortheil dabei habe, zu schützen scheine. Zum Beweise dafür diene, daß jene wie gemeine Leute fremdes Gut raubten, er aber, wie es einem Edelmanne zieme, das Seine mit vollen Händen weggebe; das sei das offenbarste Zeichen des Adels. Solche heillose Augriffe machte er auf jedermann und schonte durchaus niemandes, wenn er sich nur über alle erheben konnte. So wurde denn um es kurz zu sagen jener Mann, weil er nichts weiter liebte, als den Ruhm der Welt, allmählich so schlecht, daß er fast alle Tugenden verlor, die er anfangs besessen hatte. Denn solche Züge, wie wir oben angeführt haben, und sehr viele andere der Art, fallen in die Zeit, wo ihn sein [158] Aberglauben, seine Prahlerei, oder vielmehr seine Nachlässigkeit in großen Verruf brachten und ihm von jedermann, insbesondere aber von den Großen Haß zuzogen.

40. Unter diesen waren sowohl seine als unserer Kirche schlimmste Feinde Herzog Bernhard und seine Söhne, deren Neid, Haß, Nachstellungen, Beschimpfungen und Verläumdungen den Erzbischof in alle die Aergernisse, deren wir oben gedachten, jählings hineinstürzten und ihn wie von Sinnen brachten, da es schien, als ob er geringer sei als sie, und vor ihnen zurückweichen müsse. Jedoch gab er mitunter als Geistlicher aus Pflichtgefühl nach, indem er den Neid durch Wohlthaten zu besiegen und Böses mit Gutem zu vergelten trachtete. Als er es aber auf alle Weise umsonst versucht hatte, das schlecht verknüpfte Freundschaftsband mit den Herzogen wieder fest zu machen, so rief er zuletzt, von den Quälereien seiner Verfolger überwältigt und von dem Schmerze über seine Leiden verwundet, gar oft mit Elias aus. „Herr, mein Gott, sie haben deine Altäre zerbrochen und deine Propheten mit dem Schwert erwürgt, und ich bin allein überblieben, und sie stehen darnach, daß sie mir mein Leben nehmen.“ (1 Kön. 19, 10.) Wie unverdient übrigens unser Erzbischof solche Leiden erduldete, dafür genügt es einen Beweis zu geben, aus dem zu ersehen ist, daß die mit seinen Neidern aufrecht erhaltene Freundschaft ohne Werth war.

41. Der Herzog zog, von Habsucht getrieben, weil die Friesen den schuldigen Tribut nicht zahlten, nach Friesland, begleitet vom Erzbischof, der nur darum mitreiste, weil er das mit dem Herzoge zerfallene Volk mit demselben wieder aussöhnen wollte. Als nun aber der Herzog, gierig nach dem Mammon, die ganze verfallene Zinssumme unverkürzt verlangte und selbst mit siebenhundert Mark Silbers sich durchaus nicht begnügen lassen wollte, da ergriff eine gewalitge Wuth das wilde Volk, und sie [159] - stürzeten hin zum Schwert in den Kampf um die Freiheit.[91] Viele der Unseren wurden daselbst erschlagen, andere retteten sich durch die Flucht, die Lager des Herzogs und des Erzbischofs wurden geplündert, große Summen vom Kirchenvermögen gingen dort verloren. Dennoch nützte uns die in der Gefahr erprobte Freundestreue beim Herzoge und bei den Seinen nichts, daß sie nicht nach wie vor begierig gewesen wären die Kirche zu verfolgen. Darum soll der Herzog, was kommen würde, vorauswissend, oft seufzend geäußert haben, seine Söhne seien vom Geschicke zur Zerstörung der Kirche von Bremen bestimmt. [Er hatte nämlich im Traume aus dem Innern seines Hauses zuerst Bären und Eber, dann Hirsche und zuletzt Hasen nach der Kirche hineilen sehen, und nun sagte er: „Bären und Eber waren unsere Eltern, mit Zähnen, d. h. mit Tapferkeit bewaffnet; die Hirsche sind wir, ich und mein Bruder, nur mit Hörnern geschmückt; die Hasen aber sind unsere Söhne, nur mittelmäßig an Tapferkeit und furchtsam; diese werden, so fürchte ich, die Kirche angreifen und dadurch der Rache Gottes sich aussetzen[92].“] Darum ermahnte er sie, indem er sie bei der Furcht Gottes beschwor, daß sie doch gegen die Kirche und deren Hirten nichts Gottloses im Schilde führen möchten; beide, ihn und sie, zu kränken, bringe Gefahr, weil ihre Beleidigung Christus selbst treffe. Indeß nur tauben Ohren hinterließ er solche Gebote. Nun aber wollen wir sehen, wie die Strafe den Sündern auf dem Fuße folgt.

42. Im siebenzehnten Jahre unseres Erzbischofs starb Herzog Bernhard von Sachsen,[93] der seit der Zeit des älteren Libentius schon vierzig Jahre hindurch die Angelegenheiten der Sclaven [160] und der Nordelbinger und die unsrigen voll Rüstigkeit verwaltete. Nach seinem Tode erhielten seine Söhne Ordolf und Heriman die Erbschaft ihres Vaters, zur bösen Vorbedeutung für die Bremer Kirche. Denn diese, eingedenk des alten Hasses, den ihre Väter, wenngleich insgeheim, gegen eben diese Kirche ausgeübt hatten, meinten, jetzt müßten sie an dem Erzbischof und allen Angehörigen der Kirche offenbar Rache zu nehmen. Zuerst nun, noch bei Lebzeiten des Vaters, verheerte Herzog Ordulf, von einer feindlichen Schaar umgeben, das Bremer Bisthum in Friesland und ließ die Leute der Kirche blenden, ließ auch andere, die als Gesandte des Friedens wegen an ihn geschickt waren, öffentlich züchtigen und kahl scheeren; kurz er kränkte, plünderte, mißhandelte und mißachtete die Kirche und deren Angehörige auf alle Weise. Obwohl nun der Erzbischof, über diese Frevelthaten, wie natürlich, in geistlichem Eifer entbrennend, die Verächter der Kirche mit dem Schwerte des Bannes schlug, so erlangte er doch, als er seine Klage an den Hof brachte, nichts anderes, als Verhöhnung. Denn auch der König, das Kind, diente zuerst, wie man sagt, unseren Grafen nur zum Gespötte. Darum fügte sich der Erzbischof in die Verhältnisse und nahm, wie es heißt, nur um die mit einander gegen ihn verschworenen Brüder von einander zu trennen, den Grafen Heriman zu seinem Vasallen an. Dessen Dienste benutzend, brach er damals als Erzieher des Königs und Erster des Raths zum Feldzuge nach Ungern auf, indem er den Erzbischof von Köln zur Wahrnehmung der Reichsangelegenheiten zurückließ. Nachdem aber Salomo, den Belo vertrieben hatte, wieder in sein Reich eingesetzt war[94], kehrte unser Erzbischof mit dem königlichen Kinde als Sieger von Ungern zurück.1063

43. Darauf gerieth Graf Heriman, der ein großes Lehen zu erhalten hoffte und trachtete, weil der Bischof ihm dasselbe [161] nicht verleihen wollte, alsbald in Wuth, zog mit einem zahlreichen Heere gegen Bremen aus und plünderte daselbst alles, was ihm unter die Hände kam; nur die Kirche verschonte er. Die Rinderheerden, die Pferde wurden eine Beute der Feinde. Ebenso durch das ganze Bisthum hinwüthend, ließ der Graf die Leute der Kirche arm und nackt zurück. Damals wurden auch alle Festen, die der Erzbischof in Voraussicht der Zukunft nach verschiedenen Richtungen hin erbaut hatte, bis auf den Grund zerstört.

44. Der Erzbischof hatte damals die erste Stelle am Hofe. Als man nun die Klage desselben vernahm, ward der Graf kraft eines Urtheils des Hofgerichts in die Verbannung geschickt, nach einem Jahre aber durch des Königs Gnade wieder freigesprochen. Darauf aber kamen derselbe Graf Heriman und sein Bruder, Herzog Ordulf, zur Entschädigung der Kirche und brachten für ihr Vergehen funfzig Hufen dar und das Land blieb nun einige Tage ruhig.

Damals übersandte auch der König, voll Mitleidens mit der Verwüstung der Kirche von Bremen, derselben zum Troste an hundert Weihgewande nebst Silbergeräthen und Büchern und goldgeschmückten Candelabern und Rauchfässern. [Folgendes sind die Geschenke, die der König zum Wiederaufbau Hamburgs schickte: drei goldene Kelche, zehn Pfund an Gold enthaltend, ein silbernes Salzgefäß, ein silbernes, vergoldetes Schild, ein mit goldenen Buchstaben geschriebener Psalter, Rauchgefäße und Candelaber von Silber, neun königliche Dorsalien, fünfunddreißig Meßgewänder, dreißig Chorröcke, vierzehn Dalmatiken und Scapuliere und vieles andere, und ein Meßbuch, dessen Einband neun Pfund Gold schwer sein mochte.]

Damals sollen auch die Klöster Corbeja und Lauressa, um welche der Erzbischof lange angelegentlichst sich bemüht hatte, der Kirche zu Hammaburg urkundlich übergeben sein. Zur selben Zeit kam auch das langersehnte Lismona unter die Botmäßigkeit [162] der Kirche[95], ein Hof, welcher etwa siebenhundert Hufen enthält und die Küstenstriche von Hadeln als seine Herrschaft zu eigen hat. Um diese Besitzung vollständig nach jeder Seite frei zu machen, soll der Erzbischof der Königin Agnes[96] neun Pfund Goldes erlegt haben, weil sie jene Einkünfte für einen Theil ihres Witthums erklärte. [Fünfzig Herrenhöfe hatte der Erzbischof, deren größter, Walde[97], Lebensmittel für einen Monat liefern mußte, Ambergon[98] aber, der kleinste, für vierzehn Tage. So groß war der Reichthum dieses Bischofs.]

45. Unsere Kirche konnte reich sein, unser Erzbischof brauchte den von Köln oder Mainz in keiner Beziehung um ihren Glanz und Prunk zu beneiden. Nur der Bischof von Würzburg war der Einzige, der in seinem Bisthum, wie man sagt, keine andere Gewalt neben sich hat, da er selbst sämmtliche Grafenämter seiner Diöcese inne hat, und deshalb auch das Herzogthum des Landes in seinen Händen hat. Darum war unser Erzbischof, getrieben von dem Wunsche, es ihm gleich zu thun, Willens, alle Grafenämter, mit denen irgend eine Gerichtsbarkeit in seinem Sprengel verknüpft war, in die Gewalt seiner Kirche zu bringen. Deshalb erlangte er zuerst vom Kaiser jenes höchste Grafenamt in Friesland, nämlich die Grafengewalt über Fivelgoe, welche vorher Herzog Gotafrid gehabt hatte und jetzt Ekibert[99]. Die Einkünfte von demselben sollen tausend Mark Silbers betragen, wovon Ekibert zweihundert zahlt und Vasall der Kirche ist. Der Erzbischof aber behauptete diese Grafenherrschaft zehn Jahre lang bis zur Zeit seiner Vertreibung. Ein zweites Grafenamt war das des Uto, welches sich durch den ganzen Bremer Sprengel zerstreut verbreitet, zumeist aber um die Elbe herum[100]. Dafür verlieh der Erzbischof dem Uto unter dem Namen einer Bede so viel von den Gütern der Kirche, als auf einen jährlichen [163] Ertrag von tausend Pfund Silbers geschätzt wird, während jedenfalls mi einer so großen Geldsumme der Kirche alljährlich ein größerer Nutzen geschafft werden kann, wofern es uns nicht, um Weltruhm zu erlangen, genügt, darum arm zu sein, um viele Reiche zu unseren Untertanen zu haben. Die dritte Grafschaft lag in Friesland, unserem Sprengel nahe, Namens Emisgoe[101]. Die Ansprüche unserer Kirche auf dieselbe vertheidigend, ward Gotescalk vom Grafen Bernhard erschlagen. Für sie gelobte unser Erzbischof dem Könige tausend Pfund Silbers erlegen zu wollen. Da er aber diese Summe Geldes nicht leicht aufbringen konnte, so ließ er (o des Schmerzes!) Kreuze, Altäre, Kronen und andere Zierrathen der Kirche wegnehmen, und beeilte sich durch Veräußerung dieser Gegenstände den unglückseligen Vertrag zu vollziehen. Er rühmte sich aber, er werde die Kirche bald aus einer silbernen zu einer goldenen machen und alles Weggenommene zehnfältig wieder ersetzen, in derselben Verfahrungsweise, wie er auch schon früher bei der Niederreißung des Klosters sich gezeigt hatte. [O welch ein Kirchenraub! Zwei Kreuze, mit Gold und Gemmen geschmückt, ein Hochaltar und ein Kelch, beide von rothem Golde glänzend und mit edelen Steinen besetzt, wurden zerbrochen. Sie hielten zwanzig Mark Goldes; Frau Emma hatte sie mit mehren anderen Geschenken der Bremer Kirche dargebracht. Der Goldschmidt, der jene Dinge eingeschmolzen hatte, erzählte, er sei zu seinem großen Leidwesen zu dieser kirchenschänderischen That gezwungen worden, jene Kreuze zu zerbrechen, und versicherte gewissen Leuten insgeheim, es sei ihm beim Schlagen des Hammers vorgekommen, als vernähme er die Stimme eines klagenden Kindes.] Damals also und aus solche Weise ward der Schatz der Bremischen Kirche, der von den Altvordern und zu seiner eigenen Zeit mit der größten Anstrengung und mit großer Hingabe von Seiten der Glänbigen gesammelt war, in einer einzigen beklagenswerthen [164] klagenswerthen Stunde für gar nichts fortgegeben. Und doch kam durch dieses Geld kaum die Hälfte der Schuld zusammen. Die von den heiligen Kreuzen abgenommenen Edelsteine sollen von gewissen Leuten, wie wir gehört haben, an Buhlerinnen verschenkt sein.

46. Mich schaudert, ich gestehe es, alles zu veröffentlichen, wie es geschehen ist, darum weil dies der Anfang der Leidenstage war und weil schwere Ahndung darauf erfolgt ist. Von jener Zeit also neigte sich unser Glück seinem Falle zu, und uns und der Kirche ging alles zuwider, so daß unser Bischof und seine Anhänger von jedermann wie Ketzer ausgezischt wurden. Er aber achtete die allgemeine Stimme gering, und indem er zugleich die Besorgung seiner eigenen Angelegenheiten versäumte, widmete er sich ganz und mit Leidenschaft dem Hofe, und trachtete ungestüm nach Ruhm, indem er, wie er selbst erzählte, aus dem Grunde nach dem Vorrange in der Leitung der Reichsangelegenheiten strebte, weil er es nicht ertragen konnte, seinen König und Herrn gefangen in den Händen derer zu sehen, die ihn umherschleppten. Und schon hatte er das Consulat erreicht, schon besaß er, indem seine Nebenbuhler bei Seite geschoben waren, allein die Burg des Capitols, jedoch nicht ohne dem Neide ausgesetzt zu sein, welcher stets dem Ruhme nachfolgt. Damals aber soll unser Metropolit, entschlossen, während seines Consulats das goldene Zeitalter wiederum zu erneuern, daran gedacht haben, aus dem Reiche Gottes alle die auszutilgen, die Ungerechtigkeit üben, zumal aber die, welche wider den König ihre Hände erhoben oder Kirchen geplündert zu haben schienen. Da nun aber von dem Bewußtsein dieses Verbrechens beinahe alle Bischöfe und Fürsten des Reiches berührt wurden, so verschworen sie sich in einmütigem Hasse mit einander in der Absicht, daß er [allein] untergehen sollte, damit die Anderen nicht in Gefahr kämen. 1066.Darum versammelten sie sich alle [mit einander] zu Tribur[102], [165] wo der König selbst gegenwärtig war, und vertrieben unsern Erzbischof als einen Zauberer und Verführer vom Hofe. So sehr war seine Hand wider jedermann und jedermanns Hand wider ihn (Mos. 16, 12), daß der Streit zuletzt mit Blutvergießen endete.

47. Als nun unsere Herzoge vernahmen, daß der Erzbischof aus dem Stande der Senatoren ausgestoßen war, dachten sie hocherfreut, nun sei auch für sie die Zeit der Rache gekommen, nun könnten sie ihn ganz aus seinem Bisthume hinausstoßen, indem sie sagten[103]: „Rein ab, rein ab mit ihm bis auf seinen Boden und lasset uns ihn aus dem Lande der Lebendigen ausrotten!“ Daher die vielen Anfeindungen und Beschimpfungen, welche der Erzbischof, der damals, wo er am sichersten war, zu Bremen sich aufhielt, von ihnen zu leiden hatte, indem ihn seine Feinde gleichwie umlagert und umzingelt hielten. Und obwohl das ganze herzogliche Haus mit dem Hirten und der Kirche, mit der Gemeinde und dem Heiligthume ihren Spott trieben, so wüthete doch Magnus heftiger als Alle, indem er sich rühmte, ihm endlich sei es vorbehalten, die rebellische Kirche zu bezwingen.

48. Magnus also, der Sohn des Herzogs, sammelte eine Bande von Räubern und unternahm es, nicht so die Kirche zu bekämpfen wie seine Väter, sondern er trachtete, indem er den Hirten der Kirche selbst verfolgte, darnach, den Bischof, um so den langen Streit zu enden, entweder an seinen Gliedern zu verstümmeln oder völlig zu tödten. Allein es fehlte auch jenem nicht an Schlauheit sich zu hüten; bei seinen Vasallen fand er freilich durchaus keine Hülfe.

1066.Damals aber entfloh der Erzbischof, von Herzog Magnus[104] bedrängt, heimlich in der Nacht nach Goslar, wo er sich ein halbes Jahr ruhig auf seinem Gute bei Loctuna[105] aufhielt. [166] Sein Hoflager und sein Hausrath wurden von den Feinden geplündert.

Von solchen Bedrängnissen umstrickt, schloß er ein zwar schmachvolles, aber doch durch die Noth erzwungenes Bündniß mit dem Tyrannen, in Folge dessen der, welcher sein Feind war, sein Vasall wurde, indem der Erzbischof ihm von den Gütern der Kirche tausend und mehr Hufen zu Lehn übertrug, jedoch mit der Bedingung, daß die Grafenthümer in Friesland, deren eines Bernhard und deren anderes Ekibert gegen den Willen des Erzbischofs behaupteten, von Magnus ohne irgend einen Hinterhalt für die Kirche wiedererkämpft und derselben wieder zugewiesen würden.

Dem zufolge ward das ganze Bremer Bisthum in drei Theile eingetheilt und zwar so, daß, während den einen Theil Udo, den anderen Magnns hatte, dem Bischof selbst kaum ein Drittheil übrig blieb, und als er auch den noch hinterher unter Eberhard[106] und andere Schmeichler des Königs vertheilte, behielt er für sich fast nichts übrig. Denn sowohl die Höfe des Erzbischofs, als auch die Zehnten der Kirchen, von denen die Geistlichen, die Wittwen und die Armen unterhalten werden sollten,SCH. 79. kamen nun sämtlich den Laien zu Nutzen, so daß bis auf den heutigen Tag Buhlerinnen mit Räubern vom Kirchengute schwelgen, indem sie ihr Gespött haben über den Bischof und über alle Diener des Altars. Mit diesen so großen Schenkungen hatte also, wie heutzutage zu sehen ist, der Erzbischof von Udo und Magnus nichts anderes erreicht, als daß er nicht aus seinem Bisthume vertrieben wurde; von den Anderen aber erlangte er [167] keine andere Leistung von Dienstpflicht, als nur den Titel eines Lehnsherrn.

49. 1066.Dies war das erste Unheil, welches uns in der Bremer Diöcese betraf; allein auch jenseits der Elbe langte die mächtige Rache an; denn Fürst Gotescalk ward damals von den Heiden erschlagen, die er zum Christenthume zu bekehren persönlich bemüht war. Und in der That hatte der für alle Zeiten unvergeßliche Mann einen großen Theil Sclavaniens zum göttlichen Glauben bekehrt, allein weil noch nicht alle war die Missethat der Amoriter (1 Mos. 15, 16) und nicht gekommen die Zeit, sich ihrer zu erbarmen, so mußte Aergerniß kommen (Matth. 18, 7), auf daß die, so rechtschaffen waren, offenbar würden (1 Kor. 11, 19). Es litt aber unser Machabäus in der Stadt Leontia[107], am 7. Juni nebst dem Priester Yppo, der auf dem Altare hingeopfert wurde, und vielen anderen Geistlichen und Laien, welche um Christi willen verschiedene Todesqualen erduldeten. Der Mönch Ansver und mit ihm Andere wurden zu Razzisburg gesteinigt. Ihr Leiden fällt auf den 15. Juli.SCH. 80.

50. 1066.Der greise Bischof Johannes ward in der Stadt Magnopolis mit anderen Christen als Gefangener zum Triumphe aufbewahrt. Derselbe nun ward, weil er Christum bekannte, mit Schlägen mißhandelt, darauf durch die einzelnen Städte der Sclaven zur Verhöhnung umhergeführt und, weil er vom Namen Christi nicht abwendig zu machen war, so wurden ihm Hände und Füße abgehauen und der Körper auf die Straße hinausgeworfen, das Haupt aber ward ihm abgeschnitten und die Heiden pflanzten es wie ein Siegeszeichen auf einen Spieß und opferten [168] es ihrem Gotte Redigast. Dies geschah in der Hauptstadt der Sclaven, Rethre, am 10. November (1066).

SCH. 81. Die Tochter des Königs der Dänen ward zu Michilenburg, der Stadt der Obodriten, gefunden und samt ihren Frauen [lange mit Schlägen gezüchtigt und dann] nackend fortgeschickt. Denn sie hatte, wie wir oben erzählt haben, Fürst Gotescalk zur Frau gehabt und mit ihr auch einen Sohn, Heinrich gezeugt. Eine Andere aber hatte ihm den Butue geboren. Beide waren den Sclaven zum großen Verderben bestimmt.

Jene nun, die also siegreich waren, verheerten die ganze Landschaft Hammaburg mit Feuer und Schwert. Die Sturmarn wurden beinahe alle entweder erschlagen oder gefangen hinweggeführt, die Veste Hammaburg von Grund auf zerstört und zur Verhöhnung unsers Erlösers selbst die Kreuze von den Heiden verstümmelt. Also ward an uns erfüllet die Prophezeiung (Psalm 79, 1), welche sagt: „Herr, es sind Heiden in dein Erbe gefallen, die haben deinen heiligen Tempel verunreinigt“ u. s. w.; prophetische Klageworte, welche über die Zerstörung Jerusalems erschallen. Der Urheber jener Verheerung soll Blusso gewesen sein, der eine Schwester Godescalks zum Weibe hatte; er starb als er nach Hause zurückkehrte, auch selbst eines gewaltthätigen Todes.SCH. 82.

So fielen alle Sclaven, indem sie sich allesamt mit einander verschworen, wieder in’s Heidenthum zurück, nachdem sie die, [169] welche im Glauben verharren wollten, erschlagen hatten. UnserSCH. 83. Herzog Ordulf kämpfte in den zwölf Jahren, um welche er seinen Vater überlebte[108], oftmals vergebens gegen die Sclaven und konnte nie den Sieg erreichen, ward vielmehr von den Heiden so oft besiegt, daß er auch den Seinen zum Gespötte ward.

Die Vertreibung des Erzbischofs also[109] und der Tod Gotescalks ereigneten sich beide ungefähr in demselben Jahre, nämlich im zweiundzwanzigsten Amtsjahre Adalberts. Und, irre ich mich nicht, so zeigte uns diese Leiden, die uns treffen sollten, jener furchtbare Komet an, der in eben diesem Jahre um die Ostertage erschien[110].

51. Um dieselbe Zeit ereignete sich jenes denkwürdige Blutbad in England, dessen Größe und der Umstand, daß England vor Alters den Dänen unterthan war, es uns unerläßlich macht, diese Ereignisse mindestens der Hauptsache nach zu berühren.

Nach dem Tode Eduards, des sehr heiligen Königs der Engländer[111], bemächtigte sich, indem die Fürsten um den Thron stritten, Harold, ein Herzog der Engländer, ein verbrecherischer Mann, des Scepters. Als aber sein Bruder, Namens Tofti, vernahm, daß ihm dasselbe entrissen sei, holte er Harold[112], den König der Nordmannen, und den König der Schotten zur HülfeSCH. 84. herbei. Es wurden aber sowohl Tosti selbst, als auch der König [170] von Irland und Harold samt ihrem ganzen Heere vom Könige der Engländer erschlagen[113]. Kaum aber waren, wie man sagt, acht Tage vergangen, so brachte plötzlich Willehelm, der wegen seiner unehelichen Geburt den Beinamen des Bastards führte, von Frankreich nach England hinüberschiffend, dem ermüdeten Sieger den Krieg. In diesem wurden die Engländer, nachdem sie zuerst gesiegt hatten, dann aber von den Nordmannen besiegt waren, völlig zu Boden geworfen. Damals fielen Harold und nach ihm von den Engländern ungefähr 100,000 Mann. Der sieggekrönte Bastard vertrieb, Gott zu rächen, den die Engländer beleidigt hatten, beinahe alle Geistlichen und Mönche, welche ohne eine bestimmte Regel lebten. Nachdem er so alle Gegenstände der Aergerniß entfernt hatte, bestellte er den weisen Lanfrank zum Lehrer der Kirche[114], durch dessen Eifer sowohl vorher in Frankreich, als nachher in England Viele zu einem gottesfürchtigen Wandel gebracht wurden.

52. In Schweden starb um diese Zeit der sehr christliche König Stinkel. Darnach kämpften um den Thron die beiden Herics und in dieser Schlacht sollen sämtliche Gewaltigen der Schweden gefallen sein. Denn auch die beiden Könige kamen dabei um.SCH. 85. Da nun hiemit das ganze Königsgeschlecht erloschen war, so wurde sowohl der Zustand des Reiches verändert, als auch das Christenthum gar sehr gestört. Die Bischöfe, welche der Metropolit dorthin bestimmte, blieben aus Furcht vor Verfolgungen daheim. Der Bischof von Schonen allein sorgte für [171] die Kirchen der Gothen, und Gniph, ein schwedischer Statthalter, befestigte das Volk im Christenthum.

53. Zu jener Zeit war unter den Barbaren hochberühmt Suein, der König der Dänen, der die Könige der Nortmannen, Olaph und Magnus[115],SCH. 86. und 87. mit großer Tapferkeit bezwang. Zwischen Suein und dem Bastarde herrschte fortwährend Streit um England[116], obwohl unser Erzbischof, durch Willehelms Geschenke bewogen, unter den beiden Königen Frieden zu stiften sich bemühte. Das Christenthum ward von jenem Suein weit und breit unter den auswärtigen Nationen ausgebreitet, und dieser Fürst zeichnete sich durch viele Tugenden aus; nur Ueppigkeit war seine schwache Seite. Als ich in der letzten Zeit des Erzbischofs nach Bremen kam, beschloß ich, da ich von dieses Königs Weisheit hörte, bald mich zu ihm zu begeben. Er empfing mich denn auch seiner Gewohnheit nach auf das gütigste, und ich habe den Stoss dieses Büchleins zum großen Theile aus seinem Munde gesammelt. Denn er war ein wissenschaftlich gebildeter Mann und gegen Fremde sehr freigebig und sorgte selbst für die Aussendung der Prediger, die unter der Zahl seiner Geistlichen sich fanden, nach ganz Schweden, Nortmannien und den in jenen Gegenden gelegenen Inseln. Durch König Sueins wahrhaftige und gar liebliche Erzählung habe ich erfahren, daß zu seiner Zeit viele von den barbarischen Nationen zum Christenthume bekehrt wurden, und daß Manche selbst in Schweden sowohl als in Norwegen die Märtyrerkrone erlangten. „Zu diesen“, so sagte er, „gehörte ein gewisser Heric, ein Fremder. Dieser erwarb, im oberen [172] Schweden das Evangelium verkündigend, die Siegespalme der Märtyrer, indem er enthauptet wurde. Ein Anderer, Namens Alfward, lebte in heiligem Wandel lange in der Verborgenheit unter den Nortmannen, konnte aber doch nicht ganz unentdeckt bleiben; er ward nämlich, als er einen Feind beschützen wollte, von seinen Freunden erschlagen. An dem Orte, wo diese beiden ruhen, werden noch heutzutage dem Volke durch Heilungen viele Wunder offenbart.“ - Ich habe also, wie gesagt, alles, was ich von den Barbaren bereits erzählt habe, oder noch erzählen werde, aus dem Munde jenes Mannes vernommen.

54. Indeß hatte unser Erzbischof, nachdem er, wie man sagt, durch die Eifersucht des Kölner Bischofs vom Hofe vertrieben war, seinen Sitz zu Bremen wie ein für sich lebender, ruhiger Privatmann. Und hätte er doch nur in eben dem Grade der Ruhe des Gemüthes sich erfreuet, wie er von ermüdender Anstrengung des Körpers frei war! Wohl ihm, sage ich, wenn er, zufrieden mit den Hausgütern unserer Kirche und mit den altererbten Reichthümern seiner Eltern, den unglückseligen Hof entweder niemals gesehen, oder selten besucht hätte. Liest man doch auch von anderen großen Männern, daß sie, den Ruhm [der Welt] verschmähend, den königlichen Hof wie eine andere Art von Götzendienst flohen, indem sie nämlich der Meinung waren, daß man zu dieser philosophischen Ruhe eines in der Einsamkeit geführten Lebens aus dem Sturme der Welt und dem Getümmel des königlichen Palastes gleichwie in den Hasen und den stillen Genuß des Seelenfriedens gelangen müsse. Unser Erzbischof aber eilte auf dem entgegengesetzten Wege einher, indem er es für eines weisen Mannes Pflicht hielt, zum Heile seiner Kirche sich nicht nur den Mühen des Hofes zu unterziehen, sondern auch, wenn's noth wäre, selbst Gefahr und Tod zu bestehen. Darum besuchte er nach meiner Meinung in der ersten Zeit seines Wirkens den Hof, um seine Kirche emporzubringen, am Ende seines Lebens aber, als er alles, was er gehabt, verloren [173] oder vielmehr verschleudert hatte, da arbeitete er daran, sein Bisthum frei zu machen, und in dieser Hinsicht heischte, wie ihn zu jenem sein Streben nach Ruhm trieb, in eben dem Grade das Letztere von ihm die Noth der Kirche, welche von dem Neide der Herzoge dieses Landes von jeher angefeindet und nunmehr bereits auf ein Nichts heruntergebracht ist. Dieses Unglück seiner Zeit beweinte er selbst alltäglich unter bitteren Klagen, indem er dazu besondere Kirchenlieder verordnete, um sich damit an den Feinden der Kirche zu rächen.SCH. 88.

55. Dafür aber, daß er gegen seine Pfarrkinder sich so grausam bewies, da er sie doch vielmehr hätte lieben und für sie wie ein Hirt für seine Schafe hätte sorgen sollen, dafür gab er selbst einen gewichtigen Grund an, den ich aus seinem Munde vernommen habe; anderes ist mir von Anderen mitgetheilt.

Ein leiblicher Bruder des Erzbischofs, nämlich ein Pfalzgraf, Namens Dedus[117], wurde in demselben Jahre, in dem auch der Kaiser starb, von einem Priester seiner Diöcese ermordet.[118] Er war aber ein guter und gerechter Mann, der sowohl selbst nie irgend jemandem etwas zu Leide that, als auch nie zugab, daß sein Bruder jemanden verletzte. Das ward auch durch den Tod dieses denkwürdigen Mannes offenbar, da er noch sterbend die Umherstehenden beschwor, seines Mörders zu schonen. Dasselbe trug er auch seinem Bruder auf. Dieser erfüllte nun zwar seines Bruders Wünsche und ließ den Priester ungestraft von dannen ziehen; er hegte aber von der Zeit an Haß gegen alle Angehörigen der Kirche. [174] Auch nennt man als einen andern Zündstoff dieses Hasses den Vorfall, daß, als einst der Erzbischof einen aus dem Gesinde wegen übermüthigen Betragens hatte verhaften lassen, die übrigen, sofort in Wuth gerathend, bewaffnet in das Schlafgemach des Kirchenfürsten stürzten, um ihm selbst Gewalt anzuthun, und was sonst noch die Wuth den Ergrimmten eingab zu verüben, wenn der Verhaftete nicht losgegeben würde.

Der dritte Grund war, daß der Bischof, um sein Vermögen zu schonen, ein ganzes Jahr, ja oft zwei Jahre lang verreist war. Wenn er nun nach langer Zeit in sein Bisthum zurückkam und mit seinen Knechten und Verwaltern Rechnung zu machen anfing, so fand er, daß alles Gut und alle Einkünfte nicht minder verschwendet waren, als wenn er zu Hause geblieben wäre. Denn diese Art Menschen sind, wie Salust (Jugurtha Kap. 91) sie treffend beschreibt, wankelmüthig und treulos und weder durch Güte, noch durch Schrecken im Zaume zu halten.

Zudem verabscheute der Erzbischof die Völlerei im Trinken, welches Laster jenen Völkern eigenthümlich ist, an jenen so sehr, daß er oft den Spruch auf sie anzuwenden pflegte: „welchen der Bauch ihr Gott ist.“ (Philipper 3, 19.) Denn Zank und Hader, Widerreden und Lästerungen und alle größeren Verbrechen, die sie sonst noch in der Trunkenheit begehen, achten sie am andern Tage für eitel Scherz.

Auch klagte er, daß selbst bis zu seiner Zeit noch viele in den Irrsalen der Heiden befangen seien, so daß sie den Freitag durch Fleischessen befleckten, daß sie die heiligen Abende und die Feste der Heiligen und die verehrungswürdige Fastenzeit durch Schlemmerei und Buhlerei entweiheten, daß sie Meineide für nichts rechneten, Blutvergießen für rühmlich hielten. Ingleichen werden Ehebruch, Blutschänderei und andere der Natur widerstreitende Handlungen unreiner Lust kaum von einem von ihnen für schuldvoll erachtet. Die Meisten haben zwei, drei, ja unzählbare Frauen neben einander. Ebenso essen sie von gefallenem [175] Vieh und genießen Blut und Ersticktes und Fleisch der Zugthiere, ohne es für unerlaubt zu halten.

Das Letzte endlich, worüber der Erzbischof besonders Schmerz empfand, war die Scheelsucht, welche, die Angehörigen seiner Diöcese gegen Fremde hegen, und daß sie dem Herzoge sogar treuer waren als ihm oder seiner Kirche.

Indem also der Metropolit diese und andere Vergehungen des Volkes gar oft in der Kirche in rednerischem Vortrage rügte und verbot, spotteten jene der väterlichen Mahnung und ließen sich nicht dazu bringen und bewegen, den Priestern oder den Kirchen Gottes irgend Ehrfurcht zu erweisen.

Aus diesen Gründen urtheilte der Erzbischof, daß sie als ein Volk mit so hartem Nacken weder Schonung noch Vertrauen verdienten, indem er sagte: „Man muß ihnen Zäume und Gebiß in’s Maul legen (Psalm 32, 9) und: „Ich will ihre Sünde mit der Ruthe heimsuchen“ (Psalm 89, 33) u. a. m. Darum ließ er, wenn sich eine Gelegenheit bot, sobald einer von ihnen einen Verstoß machte, ihn sofort in Fesseln legen oder ihn all seiner Güter berauben, indem er lachend versicherte, Trübsal des Körpers sei der Seele nützlich, Verlust an Gütern sei Reinigung von Vergehungen. Daher kam es, daß die Vorsteher der Verwaltung, die er selbst zu seinen Stellvertretern eingesetzt hatte, in Beraubung und Bedrückung der Unterthanen jedes Maaß überschritten. Und so ward erfüllet die Weissagung, welche verkündet: „Ich war nur ein wenig zornig, sie aber halfen zum Verderben, spricht der Herr.“ (Sacharja 1, 15.)

56. Damals also, als der Erzbischof zu Bremen sich aufhielt, lebte er, da ihm nichts anderes übrig blieb, vom Raube der Armen und von den Gütern frommer Stiftungen. Die Großpropstei des Bisthums verwaltete einer seiner Dienstleute, ein gewisser Suidger[119] Da dieser, nachdem er die Güter der [176] Brüder verschleudert hatte, wegen Ermordung eines Diaconus abgesetzt, dann aber wieder in sein Amt eingesetzt war, und nun nichts mehr hatte, was er den Brüdern oder seinem Herrn zur Mahlzeit vorsetzen konnte, da entfloh er, von Gewissensangst ergriffen, dem Zorne des Erzbischofs, und so wurde die Propstei, indem sie in die Gewalt des Bischofs kam, durch Vicarien, die nur ihren eignen Vortheil suchten, damals auf eine klägliche Weise geplündert. Aehnliches geschah sämtlichen Stiftungen: während der Erzbischof auf die Pröpste ergrimmt war, diese aber gegen das Volk wütheten, wurden alle Güter der Kirche verschwendet.

Von diesem Verderben blieb allein frei das Hospital, welches, ursprünglich vom heiligen Ansgar begründet, darnach durch die Sorgfalt der nachfolgenden Väter der Kirche bis in die letzten Zeiten des Herrn Adalbert unangetastet und wohlbehalten blieb. Damals aber wurde unser Vicedominus, als ein treuer und kluger Verwalter, mit der Obhut über die Almosen der Armen beauftragt. Nun wage ich nicht zu sagen, welch eine große Sünde es ist, die Armen um das Ihrige zu betrügen, was einige kanonische Gesetze Kirchenraub, andere Menschenmord nennen; nur soviel ist mit Erlaubniß aller Brüder zu sagen vergönnt, daß in allen den sieben Jahren, die der Erzbischof nachher[120] noch lebte, aus jenem so berühmten und reichen Hospital der Kirche zu Bremen gar kein Almosen verabreicht ist. Dies aber erscheint namentlich auch darum als etwas beklagenswerthes, ja unmenschliches, weil damals noch dazu eine Zeit der Hungersnoth hereinbrach und auf den Straßen überall viele Arme todt gefunden wurden.

Während also unser Oberhirt nur auf den Hof seinen Sinn richtete, verheerten seine sehr frommen Stellvertreter den Schafstall ihres Herrn und hausten im Bisthume wie Wölfe, indem sie nur da Schonung übten, wo sie nichts zu nehmen fanden.

[177] 57. Damals konnte man zu Bremen ein thränenreiches Trauerspiel sehen durch die Bedrängnisse, denen Bürger, Lehnsleute und Diener, ja, was noch schlimmer war, selbst Geistliche und Nonnen ausgesetzt waren. Denen nun, die strafbar waren, geschah, wie mir scheint, schon recht, daß sie gezüchtigt wurden, den Anderen aber nicht also. Erstens nämlich befahl man einem Reichen, der ohne Schuld war, um ihn schuldig erscheinen zu lassen, etwas kaum mögliches; unterließ er nun dies auszuführen, oder machte er die Unmöglichkeit der Ausführung geltend, so ward er sogleich seines ganzen Vermögens beraubt, und wagte er dann noch zu murren, so warf man ihn ins Gefängniß. Da sah man nun viele mit Geißeln züchtigen, viele in Fesseln schlagen, viele aus dem Hause stoßen, sehr viele aber in die Verbannung abführen. Und, wie es zu den Zeiten geschah, als Sulla im Bürgerkriege den Sieg erlangt hatte[121], so verurtheilte auch hier gar oft einer von den Großen, obwohl ohne Wissen des Erzbischofs, dennoch, als geschähe es aus Befehl desselben, einen, gegen den er selbst einen persönlichen Haß hegte. Ferner aber mußten wir, damit weder irgend ein Stand noch Geschlecht von so großem Frevel unberührt bliebe, es erleben, daß selbst arme Weiblein ihres Goldes und ihrer Kleider beraubt wurden, und daß die, welche eine so verruchte Beute davontrugen, bei den Priestern und Bischöfen zu suchen waren. Ferner habe ich in Betreff derer, denen ihre Habe weggenommen war, oder die allzu hart von dem Geldeintreiber bedrückt wurden, erfahren, daß manche aus allzu heftigem Schmerze in Wahnsinn verfielen, andere aber, die vorher reich gewesen waren, von Thür zu Thür betteln gingen. Und da die Nachsuchung nach Beute alle Unterthanen des Bischofs traf, so überging sie auch die Kaufleute nicht, welche aus allen Theilen der Erde Bremen mit den gangbaren Waaren besuchten; alle diese brachte das fluchwürdige Erpressungswesen der Stellvertreter des Erzbischofs oft so weit, [178] daß sie nackt und blos wieder davonreisten. Das erscheint denn als der Grund, warum die Stadt an Bürgern, der Markt aber an Waaren bis auf den heutigen Tag Mangel leidet, zumal da, wenn noch etwas unangetastet geblieben war, dies die Knechte des Herzogs bis auf das Letzte hinwegnahmen. Und dies alles, welches häufig schon vorher und bei Anwesenheit des Erzbischofs geschehen war, wurde während seiner Abwesenheit und nach der Zeit seiner Vertreibung ganz unerträglich.

58. Nachdem also von Seiten unseres Metropoliten viele Mühe und eine Menge reicher Geschenke umsonst verschwendet waren, so erlangte derselbe doch endlich drei Jahre nach seiner Vertreibung[122] wieder die Erfüllung seines Wunsches und wurde in seinen alten Rang am Hofe wieder eingesetzt,1071. und bald erhielt er, da sein Glück stieg, die Oberleitung der öffentlichen Angelegenheiten, nämlich das Vicedominat[123], nachdem er schon sieben Mal Consul gewesen war[124]. Als er nun aber eine solche Amtsstellung erreicht hatte, in welcher er die Größe seines Geistes zeigen konnte, da überlegte er, daß er den Fürsten gegenüber vorsichtig verfahren müsse, um sie nicht wie früher zu beleidigen. Daher strebte er zuerst darnach, sich wieder mit dem Bischof von Köln auszusöhnen, dann mit den Anderen, gegen die er sich, oder vielmehr die sich gegen ihn vergangen zu haben schienen. Darnach war er, da nunmehr die Hindernisse beseitigt waren, nicht müßig zu Gunsten seiner Kirche, für deren Erhebung er sowohl durch Umtriebe bei Hofe, als auch durch Geldverschwendung in jeder Weise sich anstrengte. Damals erwarb er Plisna, Duspurc, Groningon und Sincicum[125]. Wildashusin, eine in der Nähe von Bremen gelegene Propstei, hatte er beinahe in Händen, sowie Roseveldon, die zunächst an Hammaburc grenzende. Uebrigens gedachte er, wenn er länger am Leben [179] bliebe, auch das Fardener Bisthum unserer Metropolis zu unterwerfen. Zuletzt arbeitete er offenbar dahin, in Hammaburc ein Patriarchat zu gründen, und hatte andere große und unglaubliche Dinge im Sinne, von denen oben (Kap. 32) viel geredet ist.

59. Den Ruhm des Erzbischofs vergrößerte noch der Umstand, daß in dem Jahre seines Consulats jene berühmte Unterredung des Kaisers mit dem Könige der Dänen zur Schmach des Herzogs stattfand zu Luniburc, wo man sich, indem man sein Bündniß schloß, gegenseitig Kriegshülfe gegen die Sachsen gelobte.

In demselben Jahre ward auch jene erste Verschwörung gegen den König unterdrückt, in Folge deren die Herzoge Otto und Magnus, nachdem Sachsen ein Jahr lang verheert war, sich endlich auf den Rath des Erzbischofs der Gewalt des Königs ergaben. Der König verlieh darauf Otto’s Herzogthum dem Welp[126], und unser Erzbischof erhielt die Güter der Kirche wieder, die bis dahin Magnus gehabt hatte.

60. So befand sich also Adalbert wieder in der glänzendsten Lage. Obwohl er nun von Beschwerden des Körpers heimgesucht wurde, so wollte er sich doch den öffentlichen Angelegenheiten nicht entziehen, sondern er ließ sich vom Rhein bis zur Donau und von da wieder nach Sachsen neben dem Könige in der Sänfte tragen. Manche sagen, es sei ihm durch ein Versprechen des Königs die Aussicht eröffnet, daß ihm am nächsten Osterfeste in der zu Utrecht stattfindenden Fürstenversammlung alles bestätigt werden solle, was wegen Lauressa und Corbeia und sonst noch seine Seele wünschte. Andere behaupten, der Erzbischof sei durch listige Ausflüchte vom Könige hingehalten, damit er nämlich, auf Lauressa verzichtend, dafür überall im Reiche, wo er nur wollte, doppelt so viel als Geschenk für seine Kirche annehmen möchte: er aber blieb hartnäckig und antwortete, er wolle nichts anderes; endlich aber, als seine Anstrengungen [180] vereitelt waren, sank er zu Boden und verlor zugleich das Leben und Lauressa, sammt den übrigen Gütern der Kirche.

61. Gar zahlreich waren die Zeichen oder Vorbedeutungen seines nahen Todes, und zwar so schrecklich und ungewöhnlich, daß sie uns, und, wie es schien, den Erzbischof selbst beängstigten, und so außerordentlich und offenbar, daß jeder, der sein unruhiges Wesen und seine unbeständige Gesundheit sorgfältiger beobachtete, ohne Bedenken erklärte, sein Ende sei gekommen. Es erschien nämlich das Benehmen dieses Mannes, obwohl es auch sonst schon immer von der Gewohnheit anderer Menschen abwich, zuletzt gegen sein Ende hin als ein unmenschliches, unerträgliches und ihm selbst nicht mehr ähnliches, besonders seit dem Tage seiner Vertreibung und der Verheerung seiner Diöcese, welche damit verbunden war. [Seit jenem Tage ließ er sich von Scham, Zorn und Schmerz mehr, als es einem weisen Manne ziemte, beherrschen und wurde, weil er kein Mittel fand die Güter seiner Kirche wiederzuerlangen, aus allzu großem Kummer über die vielfältigen Bedrängnisse, ich wage nicht zu sagen, wahnsinnig, war aber doch seines Verstandes nicht mehr mächtig.][127] Darum konnten von den Handlungen, die er von da an verrichtete, manche von Irrsinn und Wahnwitz zu zeugen scheinen, so daß selbst der wahnsinnige Orest geschworen hätte, sie seien eines Wahnsinnigen Werke.[128] Dahin gehört z. B., daß er, wie wir oben erzählt haben, die ganze Nacht hindurch wachte, den Tag aber mit Schlafen hinbrachte. Ebenso, daß er, indem er sich vom Anhören der Wahrheit abwandte, zu Fabeln und Träumen sich hinwandte. Ferner, daß er, nicht mehr denkend an die Almosen der Armen, alles, was er erlangen konnte, unter die Reichen und zumal unter Schmeichler vertheilte. Ingleichen daß er, als er nach Verschwendung der Kirchengüter nichts mehr übrig hatte, von der Beraubung der Nothleidenden [181] lebte und von dem, was den frommen Stiftungen gesetzmäßig zukam. Nicht minder, daß er aus einer Propstei eine Pachtung und aus einem Hospital eine Propstei machte, und somit dem nicht unähnlich war, der Einreißt nur um zu bau’n und Eckiges tauschet mit Rundem.[129]

Auch daß er, außerordentlich leicht zum Zorne gereizt, einige mit eigener Hand blutrünstig schlug[130] und viele mit Schmähreden so schimpfte, daß er eben so sehr sich selbst, als sie verunehrte. Auf diese Weise [ward er gegen sein Ende hin ein ganz anderer Mensch, als er früher gewesen war, und verlor ganz seinen früheren Werth, so daß weder er selbst, noch sonst jemand wußte, was er wollte, oder nicht wollte. Uebrigens war seine Beredsamkeit bis an sein Ende so groß, daß, wenn man ihn predigen hörte, man sich leicht überredete, er thue alles mit vollem Verstande und großer Würde.][131]

62. Da diese verderbliche Umwandelung oder Verirrung und offenbare Verschlechterung des hochberühmten Mannes von der fliegenden Fama durch die einzelnen Lande des Erdkreises verbreitet wurde, so kam sein leiblicher Bruder, der ausgezeichnete Pfalzgraf Friedrich, nach Lismona, wie ich mich erinnere, um den Bruder zurechtzuweisen. Vergebens aber mahnte er ihn an das, was zu seiner Ehre und zu seinem Heile diente, und ging schweren Herzens wieder fort, indem er dem NotebaldSCH. 89. und Seinesgleichen die Schuld gab, welche nämlich durch ihre bösen Künste den erlauchten Mann verstrickt und ihn durch ihre Rathschläge um den Verstand gebracht hätten. So jener. Wir aber haben es erlebt, daß der Erzbischof persönlich in solchen Verruf kam, daß man von ihm sagte, er sei Zauberkünsten ergeben gewesen; ein Verbrechen, von dem er, dazu rufe ich Jesus und die Engel [182] und alle Heiligen zu Zeugen! völlig frei und unberührt gewesen ist, zumal da er häufig den Ausspruch that, daß Zauberer und Wahrsager und dergleichen Menschen mit dem Tode bestraft werden müßten. Weil aber geschrieben stehet: „Bei den Heiligen bist du heilig und bei den Verkehrten bist du verkehrt“ (Psalm 18, V. 26 u. 27), so glaube ich, daß er entweder durch die Bosheit derer, die er für treu hielt, oder durch die Anfeindungen seiner Widersacher, die seine Kirche angriffen, zuerst aus der Haltung der Geradheit gefallen und dann ganz darnieder gesunken sei. Zuletzt ward auch durch die wilde Umwandelung seines Wesens seine Kraft gebrochen, und da er wie ein von den Wogen überströmtes Schiff zugleich auch von außen her von den Stürmen des Mißgeschickes erschüttert wurde, so begann er auch am Körper schwach zu werden. Und während er nun mit Hülfe der Aerzte seine Gesundheit wieder zu erlangen trachtete, verfiel er bald durch die vielfach versuchten Heilmittel in ein noch schwereres Siechthum, so daß er halbtodt dalag und man alle Hoffnung der Genesung aufgab.SCH. 90. [Damals that er auch, als er zu Hofe reiste, einen schweren Fall vom Pferde.] Da ward sein Herz von Reue getroffen und er weinete bitterlich mit dem Ezechia (2 Kön. 20, 3), und als er nun Gott Besserung seines Lebens gelobte, da ward er (siehe da die gewohnte Barmherzigkeit Christi!) sofort wieder besser, lebte noch volle drei Jahre und erfüllete noch vieles, wenn auch nicht alles, was er versprochen hatte.

63. In jenen Tagen kam herbei ein gewisses Weib, das hatte den Geist des Phitho[132]. Diese verkündete vor allem Volk öffentlich, der Erzbischof werde in Zeit von zwei Jahren ein schnelles [183] Ende nehmen, wenn er sich nicht etwa bekehre. Eben dasselbe bezeugten die Aerzte. Allein es waren um den Erzbischof andere Lügenpropheten, die weit anderes verhießen und mehr Glauben fanden. Diese nämlich prophezeiten, er werde so lange leben, bis er alle seine Feinde zum Schemel seiner Füße legete (Ps. 110, 1), und auf diese Schwäche des Körpers werde dann große Gesundheit und glückliches Gedeihen aller Dinge folgen. Am meisten vertrauet mit ihm war Rotebald, der dem Erzbischofe zwar häufig wirklich richtig wahrsagte, ihn aber mit einem und zwar dem letzten Worte, welchem er Glauben schenkte, täuschte. Wir sahen damals in Bremen Kreuze Thränen schwitzen, wir sahen Schweine und Hunde die Kirche entweihen, so daß man sie selbst vom Fuße des Altars kaum vertreiben konnte. Wir hörten in den Vorstädten unseres Wohnortes heerdenweise heulende Wölfe in schrecklichem Wettstreite mit den Uhu’s ringen. Und obwohl Träume vom Erzbischof sehr sorgfältig beachtet wurden, so erklärten doch Alle vergeblich, diese Zeichen bezögen sich auf ihn. Die Todten redeten nie in so vertrautem Umgange zu den Lebenden. Alles deutete hin auf des Bischofs Tod. Denn auch Hammaburg ward in demselben Jahre, worin der Metropolit starb, angezündet und zweimal verheert.1072. Die siegenden Heiden hatten fortan ganz Nordalbingien in ihrer Gewalt, und nachdem die Krieger erschlagen oder als Gefangene hinweggeführt waren, wurde die Provinz zu einer Einöde gemacht, so daß man sagen könnte, mit dem Ende des guten Hirten sei auch der Friede den Landen genommen.

Vierzehn Tage vor seinem Ende zu Goslar darniederliegend, wollte er seiner Gewohnheit nach sich weder der Arzneitränke noch der Aderlässe bedienen. Daher ward er denn von einem sehr schweren Ruhranfall ergriffen und bis auf die Knochen abgemagert; und doch führte er auch da noch, seines Seelenheiles gänzlich uneingedenk, Staatsgeschäfte bis in seine letzte Sterbestunde. Es waren da der Erzbischof Wecil von Magdeburg [184] und andere seiner geistlichen Brüder und baten um Einlaß; allein er, ich weiß nicht wie von ihnen beleidigt, befahl sie von seiner Thür auszuschließen, indem er sagte, er sei wegen der Unreinigkeit seiner Krankheit nicht werth von irgend jemandem gesehen zu werden. Allein dem Könige ward der Zutritt gewährt, den Kranken zu besuchen, den er so sehr und bis zum Tode liebte. Indem er ihn nun an seine Treue und an seine langen Dienste mahnte, empfahl er ihm mit vielen Seufzen seine Kirche und die Güter der Kirche.

64. Indeß war erschienen der Tag des Endes, verwandt dem ägyptischen Dunkel, an dem der große Kirchenfürst Adalbert von der nahen Botschaft des bitteren Todes betroffen wurde. Auch merkte er selbst sowohl an der Abnahme seiner Kräfte als an den vorbedeutenden Dingen, daß die Auflösung seines Körpers nahe sei. Da aber die Aerzte sich scheuten, ihm die Wahrheit anzuzeigen und Notebald allein ihm das Leben verhieß,SCH. 91. so lag der weise Mann schwankend zwischen Lebenshoffnung und Todesfurcht und seiner selbst vergessen da. Ach, er bedachte nicht, daß der Tag des Herrn wird kommen wie ein Dieb in der Nacht und dann, wenn sie werden sagen: Es ist Friede, es hat keine Gefahr, so wird sie das Verderben schnell überfallen (1 Thess. 5 2. 3) und andere Worte des Evangelii, womit dasselbe uns zur Wachsamkeit ermahnt. Ihr wisset, spricht es (Matth. 25, 13), weder Tag noch Stunde. Hier fällt mir der Ausspruch eines Heiligen ein, den ich nicht ohne Thränen an dieser Stelle einschalten kann. „Schon wird, spricht er, der Sünder getroffen, schon wird er ohne Buße davon zu gehen gezwungen, so daß er sterbend seiner selbst vergißt, er, der, so lange er lebte, Gottes [185] vergaß.“ Auf diese Weise hauchte jener glorreiche Metropolit, während er noch auf das zeitliche Leben hoffte, am Mittage des sechsten Wochentages, zu der Zeit, wo die Seinigen zu Tische saßen, allein im Todeskampfe verlassen daliegend, seinen Geist aus: Und mit Seufzern entflieht unwillig der Geist in den Abgrund.[133]

Ach, wie gern möchte ich von einem so großen Manne, der auch mich liebte und in seinem Leben so berühmt war, Besseres schreiben! Aber ich fürchte mich, weil geschrieben stehet: „Wehe denen, die Böses gut und Gutes böses heißen“ (Jesaia 5, 20), und: „Verderben mögen die, die Weißes machen aus Schwarzem.“SCH. 92. (Juvenal. 3, 30.) Und es scheint mir gefährlich, einem solchen Manne, der während seines Lebens durch Schmeichler zu Grunde gerichtet wurde, auch nach seinem Tode durch Wort oder Schrift schmeicheln zu sollen. Indeß behaupten Manche, als er so allein da gelegen habe, hätten sich doch einige Augenzeugen dort befunden, in deren Gegenwart er für alles Aergerniß, das er durch seine Thaten gegeben, in seinen letzten Augenblicken bittere Reue empfunden habe, indem er weinend und jammernd bekannte, er habe seine Tage umsonst verlebt, und jetzt erst einsah, wie klein, wie erbärmlich unseres Staubes Ruhm ist; denn alles Fleisch ist Heu und alle seine Güte ist wie eine Blume auf dem Felde. (Jesaia 40, 6.)

65. O trügerisches Glück des menschlichen Lebens! o fliehenswerther Ehrgeiz! Was nützen dir, ehrwürdiger Vater Adalbert, jetzt jene Dinge, die du beständig geliebt hast, der Ruhm der Welt, die Menge des Volks, der hohe Adelsrang? Allein liegst [186] du ja da in deinem hohen Palaste, ganz verlassen von allen den Deinigen. Wo sind denn nun die Aerzte, die Schmeichler und Gaukler, welche dir beipflichteten in den Wünschen deiner Seele, welche schworen, du würdest von dieser Krankheit genesen, welche berechneten, du würdest bis in das höchste Greisenalter leben? Alle waren, wie ich sehe, Genossen deines Tisches und zogen sich zurück am Tage der Versuchung. Nur die Armen blieben dir und die Pilger, die Wittwen und die Waisen, und alle Bedrückten; diese bekennen, daß sie durch deinen Tod in Verlassenheit gerathen sind. Und mit ihnen kann auch ich der Wahrheit gemäß versichern, daß dir, o Adalbert, keiner fortan gleichkommen wird in der Milde und Freigebigkeit gegen die Wanderer, in der Beschützung der heiligen Kirchen und in der Achtung aller Geistlichen, und darin, daß er die Räubereien der Uebermächtigen und die Anmaßungen der Uebermüthigen so, wie du, verfolgt; endlich darin, daß er in der klugen Anordnung geistlicher wie weltlicher Angelegenheiten jeglichem Rathe so bereitwillig, wie du sich zugeneigt hätte. Wenn aber in deinem Benehmen etwas Tadel zu verdienen schien, so rührte das mehr von der Nichtswürdigkeit derer her, denen du mehr, als recht war, glaubtest, oder derer, welche dir der Wahrheit wegen feind waren. Denn diese, welche deinen löblichen Charakter durch ihre Ranke verschlechterten, hatten ihn zuletzt aus einem guten in einen bösen umgewandelt; und darum müssen wir Gott den Allgütigen anflehen, daß er dir vergebe nach der Größe seiner Barmherzigkeit und dich versetze in die ewige Seligkeit durch die Verdienste aller seiner Heiligen,SCH. 93. deren Schutze du dich voll Andacht beständig anempfohlen hast. [187] 66. Es starb aber unser hochberühmter Metropolit Adalbert am 16. März, in der zehnten Römerzinszahl, d. h. im Jahre unseres Herrn Jesu Christi 1072, im elften des Papstes Alexander, im siebenzehnten König Heinrichs IV.

Außer Büchern und Reliquien der Heiligen und Weihgewändern ward in seinen Truhen fast nichts gefunden. Dies alles aber empfing der König, und nahm nebst den Urkunden der Kirche auch eine Hand des heiligen Apostels Jacobus an sich. Diese hatte der Erzbischof, als er in Italien war, von Vitalis, einem Bischof von Venetien, bekommen[134].

67. Die Leiche des Erzbischofs also wurde unter großer Bestürzung des ganzen Reiches von Goslar nach Bremen getragen, und am zehnten Tage, d. h. am Tage der Verkündigung Mariä, unter entsprechendem Zulaufe des Volks inmitten des Chors der neuen Kirche, die er selbst erbauet hatte, bestattet; obwohl man versichert, er habe vordem häufig gebeten, man möchte ihn in der Mutterkirche Hammaburg beerdigen, welche er, wie seine Vorgänger, fortwährend jeglicher Liebeserweisung für würdig hielt. Denn dort hielt er sich, als er noch lebte, meist den ganzen Sommer auf und beging dort die großen Feste mit vieler Pracht. Dort vollzog er öfters zu den gehörigen Zeiten die Beförderungen zu den kirchlichen Weihen mit einer durchaus würdevollen Sorgfalt. Dort pflegte er Zeit und Ort zu bestimmen, wo er von unseren Herzogen oder den zunächst wohnenden Sclavenstämmen oder von anderen Gesandten der Völker des Nordens Besuche empfangen wollte. Denn soviel Ehre erwies er der zerstörten Stadt, soviel Liebe hegte er zu ihr, der erschöpften Mutter, daß er sagte, an ihr sei erfüllet die Weissagung der Schrift, welche spricht: „Rühme, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst; denn die Einsame hat mehr Kinder, als die den Mann hat.“ (Jesaia 54, 1.)

68. Man sagt, er sei erst drei Tage vor seinem Tode bettlägerig [188] geworden, so daß er nicht habe vom Lager aufstehen können. Denn so groß war des Mannes Seelenstärke, daß er selbst bei der größten Körperschwäche sich nie von jemandem wollte unterstützen lassen und nie ein Wort des Schmerzes laut werden ließ. Und als er, in den letzten Zügen daliegend, bereits fühlte, daß die Stunde seiner Abberufung nahe war, da wiederholte er mit häufigen Seufzern die Worte: „Ach, ich Unglücklicher und Elender, der ich so große Geschenke vergeblich verschwendete! Ich hätte ja glücklich werden können, wenn ich das, was ich zu meinem Schmerze um weltlichen Ruhmes willen verschleudert habe, unter die Armen vertheilt hätte. Jetzt aber nehme ich den, dessen Auge in die Tiefen des Abgrunds hineinschaut, zum Zeugen, daß alles Streben meines Herzens auf die Erhebung meiner Kirche ging. Und obwohl nun diese, sei es, weil meine Schuld es verlangte, oder weil der Haß meiner Feinde überwog, gar sehr heruntergekommen zu sein scheint, so sind doch mehr als 2000 Hufen vorhanden, die ich so glücklich war aus meinem Erbgute oder durch meine Bemühungen den Gütern der Kirche hinzufügen zu können.“ Aus diesen Worten des verständigen Mannes ist zu ersehen, daß er, wenn er in manchen Stücken als Mensch fehlte, doch auch als guter Mensch über seine Irrthümer häufig Reue empfand. [Dafür habe ich als Einen Beleg den Umstand anzuführen, daß er im Anfange seines Auftretens, da er ein sehr stolzer Mann war, durch seine Anmaßung sich viele Menschen zu Feinden machte. Daher sagte er auch zum Ruhme seines Adels ein Wort, welches er besser nicht gesagt hätte, nämlich alle Bischöfe, die vor ihm den erzbischöflichen Stuhl inne gehabt hätten, seien dunkler und unedler Abkunft gewesen, er allein rage hervor durch die Ansprüche sowohl der Geburt als des Reichthums; demnach sei er werth, einen größeren Stuhl, ja selbst den apostolischen Sitz einzunehmen. Da er so nicht selten prahlte, so soll ihn ein gewaltiges Gesicht erschüttert haben, welches ich seiner Bedeutung wegen, wie ich [189] es auf zuverlässige Weise erfahren habe, hier mitzutheilen nicht verfehle. Er sah sich also plötzlich um Mitternacht in die Versammlung der Kirche versetzt, in dem Augenblicke, wo die Messe feierlich begangen werden sollte, indem seine vierzehn Amtsvorgänger der Reihe nach dastanden, so daß Alebrand, welcher der nächste vor ihm gewesen war, die Mysterien vollzog, die bei der Messe Statt zu finden pflegen. Und als, nachdem das Evangelium verlesen war, der Priester Gottes sich der Gemeinde zuwandte, um die Geschenke der Opfernden in Empfang zu nehmen, und nun so zu dem Herrn Adalbert gelangte, der die letzte Stelle auf dem Chore einnahm, da sah er ihn mit strafendem Blicke an, und wies seine Opfergabe zurück mit den Worten: „Du vornehmer und hochgeborner Mann kannst mit den geringen Leuten nichts gemein haben!“ und ging mit diesen Worten hinweg. Wirklich bereute er von der Stunde an die Worte, die er so unvorsichtig gesprochen hatte, bezeugte die höchste Achtung vor allen seinen Vorgängern und erklärte sich mit vielen Seufzern der Genossenschaft so heiliger Männer für unwürdig. Daher traf er auch bald nachher die Verfügung, daß an allen Jahrestagen seiner Vorgänger von den Renten des Hofes Bromstede[135] den Brüdern und den Armen die vollständigsten Mahlzeiten gereicht wurden[136], was vordem von keinem Bischofe geleistet zu werden pflegte.] Denn er hinterließ auch noch viele andere Zeichen seiner Reue und Bekehrung, unter denen das Erwähnung verdient, daß er nach der Plünderung seiner Kirche oder dem Tage seiner Vertreibung in den fünf Jahren, die er von da an noch verlebte, niemals der Bäder sich bediente, niemals fröhlich erschien, selten sich öffentlich oder beim Gastmahle zeigte, außer wenn er an den Hof ging oder wenn ein Festtag es erforderte. O wie oft haben wir sein Antlitz von Kummer getrübt gesehen, wenn er der Plünderung seiner Kirche sich erinnerte oder die Plünderer selbst zu Gesicht bekam! Am Feiertage der Geburt [190] des Herrn, als Herzog Magnus gegenwärtig und eine Menge von Gästen versammelt war, ließen nach Beendigung des Schmauses die fröhlichen Genossen ihrer Gewohnheit nach Ausrufe des Beifalls erschallen; dies aber mißfiel dem Erzbischofe nicht wenig, und indem er unsern anwesenden Brüdern zuwinkte, befahl er dem Cantor die Antiphone: „Den Hymnus singet uns“, anzustimmen. Und als dann die Laien wieder zu lärmen begannen, ließ er singen: „Wir harreten des Friedens und er kam nicht.“ Zum dritten Male aber, als sie noch immer zu den Bechern brüllten, ergrimmte er sehr und befahl die Tafel aufzuheben, indem er mit lauter Stimme sprach: „Herr, wende unser Gefängniß“, worauf der Chor antwortete: „wie die Wasser gegen Mittag.“ (Psalm 126, 4.) So schloß er sich denn, indem wir hinterher folgten, in den Betsaal ein und weinte bitterlich. „Ich werde“, sprach er, „nicht eher aufhören zu weinen, als bis der gerechte Richter voll Stärke und Langmuth meine oder vielmehr seine Kirche wieder befreien wird, seine Kirche, die er, weil ihr Hirt in Verachtung ist, elendiglich von Wölfen zerreißen siehet. Erfüllet ist der Wunsch derer, welche sprachen: Wir wollen die Häuser Gottes einnehmen (Psalm 83, 13) und alle Feste Gottes von der Erde verschwinden und aufhören lassen und sie ausrotten, daß sie kein Volk seien, daß des Namens Israel nicht mehr gedacht werde! (Psalm 83, 5.) Erwecke dich, Herr, warum schläfst du? Wache auf und verstoße uns nicht so gar. (Psalm 44, 24.) Denn das Toben deiner Widerwärtigen wird je länger, je größer. (Psalm 74, 23.) Erbarme dich unser, denn sehr voll ist unsere Seele der Stolzen Spott. (Psalm 123, 3 und 4.) Denn sie verfolgen, den du geschlagen hast und vergrößern den Schmerz meiner Wunden.“ (Psalm 69, 27.) Solche und andere Klagen haben wir oft in jener Zeit der Reue von ihm vernommen, so daß er oft Mönch zu werden sich sehnte. Mitunter wünschte er auch, daß es ihm vergönnt sein möchte, in seinem Berufe als Missionar in Sclavanien oder in Schweden, [191] oder im fernen Island seinen Tod zu finden. Oft aber war seine Gesinnung so beschaffen, daß er unbedenklich Christum bekennend sein Haupt darbringen wollte. Uebrigens weiß es Gott, der alle Geheimnisse kennt, ob er vor seinem Antlitze besser war, als er vor den Menschen sich zeigte. Denn ein Mensch siehet, was vor Augen ist, der Herr aber siehet das Herz an. (1 Sam. 16, 7.)]

70. Verzeihe also, ich bitte dich, mein Leser, wenn ich, die wechselvolle Geschichte eines Mannes von so veränderlichem Charakter in wechselvoller Darstellung zusammenfassend, nicht kurz und klar zu sein vermochte, wie die Kunst es verlangt; habe ich mir doch alle Mühe gegeben, wahrhaft zu schreiben, in soweit mir Kenntniß und Urtheil in dieser Beziehung zu Gebote standen; obwohl ich manches verschweigend, zumal demjenigen zueilte, was im allgemeinen den Nachkommen wissenswerth, oder dessen Aufbewahrung besonders für die Hammaburger Kirche von Nutzen war. Schließlich bitte und beschwöre ich dich auf das dringendste, daß, wenn sich unter den Dingen, deren Ausführung wenig, deren Darstellung aber vielleicht noch weniger gelungen ist, etwas findet, das dem Zuhörer mißfällt, du doch, den Schriftsteller tadelnd, das fehlerhaft Gesagte verbessern und zugleich, während du den, der geschildert wird, schuldig befindest, durch diesen Fall eines weisen Mannes selbst zu größerer Vorsicht angeregt werden mögest, indem du dich selbst betrachtest, auf daß du nicht auch verdammet werdest.[137] [192]

Anhang.


[Fragen wir aber nach der Heidenmission der Kirche von Hammaburg, so hat der große Erzbischof Adalbert, obwohl er die wachsame Thätigkeit aller seiner Vorgänger auch in dieser Beziehung nicht verkannte, doch selbst in einer großartigeren Weise, als die anderen, die erzbischöfliche Macht weit und breit über die auswärtigen Nationen ausgedehnt. Darum ging er ernstlich damit um, selbst dieses Sendamt anzutreten, um zu sehen, ob er den noch nicht bekehrten Völkern zum Heile und den bereits bekehrten zur Vervollkommung verhelfen könnte. Als er sich zu dieser mühevollen Reise anschickte, begann er mit seinem gewöhnlichen Hochmuth zu prahlen: der erste Evangelist für die Heiden sei Ansgar gewesen, darnach sei Rimbert, und nachher Unni gekommen; er aber müsse notwendig der vierte sein, weil er gesehen habe, daß seine übrigen Amtsvorgänger nur durch die Suffragane, nicht persönlich einer solchen Last sich unterzogen hätten. Und da er schon den festen Willen hatte abzureisen, beschloß er sein Leben damit hinzubringen, daß er, die ganze Breite des Nordens bereisend, d. h. Dännemark, Schweden und Norwegen durchwandernd, von da zu den Orchaden und dem äußersten Lande der Erde, Island, gelangen könnte. Denn diese Völker wurden zu seiner Zeit und durch seine Bemühung zum christlichen Glauben bekehrt. Doch aber ward er vom wirklichen Antritte dieser Reise, die er bereits öffentlich betrieb, durch die Ermahnungen des sehr klugen Königs der Dänen in passender Weise abgebracht, welcher ihm nämlich vorstellte, barbarische Völker könnten leichter durch Leute, welche ihre Sprache redeten und deren Sitten den ihrigen ähnlich wären, als durch [193] ihnen unbekannte und ihrer volkstümlichen Weise ganz fremde Personen bekehrt werden; und daher brauche er nichts weiter zu thun, als durch seine Freigebigkeit und Leutseligkeit sich die Zuneigung und die Treue derjenigen zu erwerben, die er zur Predigt des Wortes Gottes unter den Heiden bereit und geeignet fände.

In Bezug auf diese Erinnerungen dem rechtgläubigen Könige beipflichtend, begann der Metropolit die Freigebigkeit, die er allen erwies, in noch viel höherem Grade gegen die Bischöfe der Heiden und die Gesandten der Könige des Ostens zu üben. Diese empfing, bewirthete und entließ er insgesamt mit solcher Freundlichkeit, daß alle ihn sogar mit Hintansetzung des Papstes als den Vater vieler Völker von selbst aufsuchten und ihm sehr große Geschenke darbrachten, um für die Gaben seinen Segen mit heim zu nehmen. Der Erzbischof bewies sich also in der Mission als ein solcher, wie sowohl die Zeit, als die Sitten, welche damals herrschten, es erforderten, so umgänglich, so freigebig, so gastfrei gegen jedermann, daß das kleine Bremen durch dieses Mannes Größe selbst der Stadt Rom an Ruhme gleichkam und man es von allen Gegenden der Erde her, besonders aber von Seiten der Völker des Nordens schaarenweise aufsuchte. Unter diesen waren als die fernsten die Isländer, die Grönländer und die Gesandten der Gothen und von den Orchaden gekommen, mit der Bitte, er möchte doch Prediger dorthin senden; was er auch sofort that. Denn auch nach Dännemark, Schweden und Norwegen und den Inseln des Meeres ordnete er viele Bischöfe ab. In Bezug auf diese pflegte auch er oft voll Freuden zu sagen: „Die Ernte ist groß, aber wenige sind der Arbeiter. Darum bittet den Herrn der Ernte, daß er Arbeiter in seine Ernte sende.“ (Ev. Matth. 9, 37. 38.)

Ueber die glänzende Menge dieser Sendboten des Evangelii erfreuet, beschloß zuletzt der Erzbischof zum allerersten Male in Dännemark mit seinen Suffraganen eine Synode zu halten, [194] weil er dazu gelegene Zeit fand, und auch weil jenes Königreich mit Bischöfen zur Genüge, ja zum Ueberfluß versehen war, in dieser jungen Pflanzung aber manches notwendig verbessert werden mußte, wie z. B. der Uebelstand, daß die Bischöfe ihren Segen verkaufen und daß die Gemeinden die Zehnten nicht erlegen wollen und daß alle in Völlerei und Wollust über die Maaßen ausschweifen. In Bezug auf alle diese Maßregeln auf die Vollmacht des römischen Papstes gestützt und vom Könige der Dänen wirksame Hülfe erwartend, beabsichtigte er, wie das immer seine Art war, ein überaus großartiges Concil aller Bischöfe des Nordens anzustellen. Nur auf die überseeischen wartete man längere Zeit. Dieser Umstand hat bisher die Synode verzögert. Zur Beglaubigung dieser Darstellung liegen Briefe vor, die der Papst nach Dännemark an die der Synode sich widersetzenden Bischöfe richtete, und vom Erzbischof selbst an andere geschriebene. Zwei derselben hielt ich für nöthig hier in Abschrift mitzuteilen:

„Alexander, Bischof, Knecht der Knechte Gottes, allen in Dännemart eingesetzten Bischöfen, welche dem apostolischen Sitze und unserem Vicare gehorchen, Heil und apostolischen Segen.“

„Adalbert, der ehrwürdige Erzbischof von Hammaburg, unser Vicar, hat sich bei uns brieflich und durch Abgesandte schwer beklagt, daß ein gewisser Edbert, Bischof zu Farrien, bereits vieler Verbrechen beschuldigt, auf die drei Jahre nach einander an ihn ergangene Berufung zu seiner Synode, es beständig verschmäht habe zu kommen. Weil nun dies auf den Rath Einiger unter euch geschehen sein soll, so befehlen wir und gebieten aus apostolischer Machtvollkommenheit, daß ihr von solchem Rathe durchaus ablassen und ihn ermahnen sollet, zum Gerichte vor vorbesagtem unserem Bruder sich zu begeben, um nach angestellter Untersuchung dem kanonischen Rechte gemäß sein Urtheil zu empfangen.“ - Dann folgt ebendaselbst [195] noch anderes, wodurch jene ermahnt werden, dem Erzbischof zu gehorchen und ihm Unterwürfigkeit zu beweisen.

Ebenso stehe hier eine Abschrift eines anderen Briefes:

„Adalbert, Legat des heiligen römischen und apostolischen Stuhles, wie auch der gesammten Völker des Nordens Erzbischof und der Hammaburger Kirche unwürdiger Vorstand, dem Bischof W.[138] von Roskilde Heil.“

„Mit dankbarem Herzen hätte ich es vermerkt, wenn zu der Synode, die nach meiner Anordnung zu Sleswich begangen werden sollte, ihr euch eingefunden oder an eurer statt euren Abgesandten geschickt hättet. Indeß davon ein andermal. Jetzt will ich Eurer Brüderlichkeit nicht verhalten wissen, welche Beschwerde mir der Bischof Adalward gemacht hat, den ich in eurer Anwesenheit - ihr wohntet ja seiner Ordination bei - zum Bischof der Kirche von Sictona geweihet habe. Dieser nämlich hat, weil das barbarische Volk nicht wollte, daß er ihm vorstehen sollte, angefangen, der Kirche von Scara sich zu bemächtigen. Ich bitte also, daß ihr meinen Boten, der dorthin kommen wird, an den Bischof von Dalboe[139] weisen wollet.“

Das war es, was ich von der Synode sagen wollte, obwohl noch vieles andere vorliegt, was ich aber um Ueberdruß zu vermeiden weglasse.

Deren aber, die der Metropolit an die Heiden abordnete, sind mehrere, deren Sitze und Namen ich nach seiner eigenen Erzählung erfahren habe.

In Dännemart nämlich setzte er deren neun ein, den Ratolf[140] in der Stadt Sleswich, den Oddo in der Stadt Ripen, den Christian in der Stadt Arhusin, den Heribert in der Stadt Wibergh, den Mönch Magnus und den Albrich auf der Insel Wendila,[141] den Mönch Eilbert auf den Inseln Farria und Fiune, [196] den Willelm auf der Insel Seland, den Egino in dem Landen Scanien.

Für Schweden weihete er sechs, den Adalward und den Acelin[142], einen zweiten Adalward und den Tadich[143], sowie den Symeon[144] und den Mönch Johann[145]. SCH. 94.

Für Norwegen weihete er selbst nur zwei, den Tholf und den Seward[146]. - Uebrigens behielt er auch anderweitig ordinirte, wenn sie sich ihm unterwarfen, voll Barmherzigkeit bei sich und entließ sie beim Weggehen voll Freundlichkeit, wie den Meinhard[147], den Osmund[148], den Bernhard[149] und den Asgot[150] und viele andere. Außerdem setzte er einen gewissen Thurolf auf die Orchaden[151]. Dahin sandte er auch den in Scotien ordinirten Johann[152] und einen gewissen Adalbert, seinen Namensvetter [153]. Den Isleph sandte er nach der Insel Island[154]

Im Ganzen sind die von ihm ordinirten Bischöfe zwanzig an der Zahl, von denen drei mißriethen und außerhalb des Weinberges müßig[155] blieben, indem sie das Ihre suchten und nicht was Jesu Christi ist. (Phil. 2, 2l.) Jene alle hielt der glorreiche Erzbischof in gebührenden Ehren und ermunterte sie [197] durch Bitten und Belohnungen, den Barbaren das Wort Gottes zu predigen. So sahen wir ihn sehr oft von vier, fünf Bischöfen umringt, wie wir ihn denn selbst sagen hörten, ohne eine zahlreiche Umgebung könne er nicht sein[156]. Sobald er dieselben daher entlassen hatte, war er eben wegen seiner Einsamkeit verstimmter, als sonst. Nie aber wollte er mindestens ohne drei sein, und das waren am häufigsten Tangward von Brandenburg[157], ein weiser Mann, der auch vor Adalberts Erhebung zum Bischofe dessen Gefährte gewesen war; ferner Johannes[158], ein Bischof der Schotten, ein einfältiger und gottesfürchtiger Mann, der späterhin nach Sclavanien gesandt und dort mit dem Fürsten Gotescalk erschlagen wurde. Der dritte hieß Bovo, dessen Abkunft man so wenig kennt, wie den Ort seiner Ordination, der sich aber rühmte, aus Lust am Reisen drei Mal nach Jerusalem gekommen zu sein. Von da aber, so erzählte er, sei er von den Sarazenen nach Babylonien geschleppt und habe, als er endlich freigekommen sei, gar viele Länder der Welt durchwandert. Diese drei, finden wir berichtet, habe er, obgleich sie nicht seine Suffragane waren, weil sie keine eigene Sitze hatten, mit mehr als gewöhnlicher Güte behandelt. Dasselbe Bestreben der Zuvorkommenheit bewies er den päpstlichen Legaten. Die Gönnerschaft dieser Männer und das Zusammenleben mit ihnen galt ihm als höchster Grad der Freundschaft, indem er zugleich sich rühmte, Herren habe er nur zwei, nämlich den Papst und den König, deren Herrschaft von Rechtswegen alle Mächte der Welt und der Kirche unterlägen; diese aber fürchte und ehre er. Das zeigte sich an seiner Treue, die er beiden so vollständig bewahrte, daß er das apostolische Ansehn über alles setzte und strenge darauf hielt, daß dem apostolischen Stuhle die alten Ehrenvorrechte unverkürzt erhalten blieben und die Legaten desselben auf [198] das liebreichste aufgenommen wurden. Die kaiserliche Majestät aber, wie hoch er die schätzte, davon zeugt sein Bisthum, welchem zumal darum zerstört wurde, weil die Fürsten ihn weder durch Drohungen noch durch Schmeicheleien von der Treue gegen den König losreißen konnten. Denn furchtbar ist den Bösen die königliche Macht. Daher pflegen auch häufige Verschwörungen im Reiche Statt zu finden. An diesen wollte er jedoch nie auch nur mit einem Worte Theil nehmen. Zum Lohn für diese Treue ward er vom Könige als Hausmeier im Palast angestellt, und erwarb als Geschenke desselben viele Güter für die Bremer Kirche, wovon oben das Weitere besprochen ist. Vom Papste aber erhielt er das amtliche Vorrecht[159], daß der apostolische Herr alle seine Rechte auf ihn und seine Nachfolger übertrug, so daß er durch den ganzen Norden hin, wo es ihm gelegen schien, oft wider Willen der Könige, Bisthümer gründete und nach Belieben aus seiner Kapelle erwählte Bischöfe ordinirte. Da ich es aber bis hieher verschoben hatte, von den Ordinationen und Sitzen derselben zu reden, so scheint es mir jetzt nicht unpassend, zugleich auch von der Lage Dännemarks und der Natur der übrigen, jenseits desselben gelegenen Länder zu reden.]

Scholien

[127] Schol. 61. Papst Clemens (II) erneuerte (am 24. April 1047) unserer Hammaburger Kirche alle Privilegien, welche vor Zeiten vom römischen Stuhl ihr bewilligt waren.

[130] Schol. 62. Suein, von Mangnus besiegt, wich dem Geschicke und ward des Siegers Lehnsmann, indem er ihm den Eid der Treue schwor. Als er aber auf den Rath der Dänen doch den Krieg wieder anhob, wurde er wieder von Magnus überwunden. So kam er flüchtig zu Jacob, insbesondere von Schmerz erfüllt über die Verletzung der gelobten Treue.

[131] Schol. 63.Als Harold aus Griechenland zurückkam, vermählte er sich mit einer Tochter des Königs Gerzlef[160] von Ruzien. Eine zweite bekam Andreas, König der Ungarn; ein Sohn derselben war Salomon. Eine dritte führte der Frankenkönig Heinrich heim; sie gebar ihm den Philipp.

Schol. 64.Harold kämpfte gegen Suein mit Magnus, nach dessen Tode er jenes Lehnsmann wurde.

[132] Schol. 65. Knut nämlich, der König der Dänen gab, wie wir bereits vorher (II, 52) gesagt haben, seine Schwester, welche Graf Richard verstoßen hatte, seinem Feldherrn Ulf; ihre Söhne waren Herzog Bern und König Suein. Herzog Ulf vermählte seine Schwester mit Godwin, dem Herzoge der Angeln; sie gebar den Suein, den Tosti und den Harold, und jene Gude, welche König Eduard zur Gemahlin nahm. Darauf erschlug Suein, Godwins Sohn, Bern, den Sohn seines Oheims. Harold aber, der ein sehr tapferer Mann war, schlug dem Griph, König von Irland, das Haupt ab,[161] vertrieb den Dänenkönig Suein aus England und achtete seinen eigenen Schwager und Herrn, den König Eduard, für nichts. Es folgt die Rache Gottes und die Plage von Seiten der Nordmannen und die Zerstörung Englands.

[133] Schol. 66.Als er das Bremer Kloster verlassen hatte, verschwand der Gehorsam gegen die Klosterregel, so wie die Zucht und die Eintracht der Brüder, indem ungesetzliche Fevler alles in Verwirrnng brachten.

[134] Schol. 67.Verschieden von ihr war Gunhild. die Wittwe Anunds, auch die Gude, welche Thore tödtete.

[135] Schol. 68. Bischof Adalward kam, von König Harold eingeladen, nach Nordmannien, und bewirkte daselbst, daß der Leichnam eines Mannes, der sechzig Jahre vorher verstorben war und durchaus nicht verwesen konnte, sofort in Staub zerfiel, nachdem er dem Verstorbenen Absolution und Vergebung der Sünden ertheilt hatte. Dieser Mann war nämlich einst vom Erzbischof Libentius wegen Seeräuberei excommunicirt, wie dem Adalward durch ein Gesicht offenbart worden war.

[136] Schol. 69. König Harold entsandte von dem Tage an seine Bischöfe nach Gallien; auch nahm er viele auf, die aus England kamen. Einer derselben war Asgoth, den der Erzbischof auf seiner Heimreise von der Stadt der Apostel her verhaften, ihn aber, nachdem er den Eid der Treue geleistet, beschenkte und frei abreisen ließ.

[137] Schol. 70. Bischof Alexander, Knecht der Knechte Gottes, entbietet Harold, dem Könige der Nordmannen, Heil und apostolischen Segen.

Weil Ihr im Glauben noch roh und in der kirchlichen Zucht gewissermaßen erlahmt seid, so gebührt es Uns, denen die Leitung der ganzen Kirche anvertrauet ist, euch mit geistlichen Ermahnungen häufiger anzugehen. Weil aber wegen der Schwierigkeit der weiten Reise Wir dies persönlich auszuführen durchaus nicht im Stande sind, so wisset, daß Wir Adalbert, dem Erzbischof von Hammaburg, Unserem Vicar, dies alles fest anvertrauet haben. Besagter ehrwürdiger Erzbischof also und Unser Legat hat Uns in Briefen geklagt, daß die Bischöfe Eueres Landes entweder nicht geweihet, oder gegen die römischen Privilegien, die seiner Kirche und ihm ertheilt sind, für Geld in Anglien oder in Gallien auf die schlimmste Weise ordinirt sind. Daher ermahnen wir euch in Vollmacht der Apostel Petrus und Paulus, daß, wie Ihr dem apostolischen Stuhle Unterwürfigkeit und Ehrfurcht zu erweisen verpflichtet seid, also auch Ihr und Euere Bischöfe dem vorbedachten ehrwürdigen Erzbischofe, Unserem Vicar und Stellvertreter, dasselbe leistet. Und so weiter.

[138] Schol. 71. Es geht die Sage, daß damals zwei Mönche aus den böhmischen Wäldern nach der Stadt Rethre gekommen waren, wo sie, als sie das Wort Gottes öffentlich verkündigten, in der Volksversammlung der Heiden, wie sie selbst gewünscht hatte, erst unter verschiedenen Qualen dem Tode nahe gebracht und zuletzt um Christi willen enthauptet wurden. Ihre Namen sind zwar den Menschen unbekannt geblieben, sie stehen jedoch, wie wir in Wahrheit glauben, im Himmel angeschrieben.

[139] Schol. 72. An der Mündung des Flusses Peane liegt eine sehr große Stadt, welche Dimine (Demmin) heißt; daselbst ist die Gränze des Hammaburger Sprengels.

[140] Schol. 73. Der hochberühmte König der Dänen litt nur an Unenthaltsamkeit in Betreff der Weiber, jedoch, wie ich denke, nicht sowohl durch eigene Schuld, als vielmehr weil dies ein Laster seines Volkes überhaupt war. Jedoch entging auch diese Schlechtigkeit der Rache nicht, indem eine von seinen Beischläferinnen, Namens Thore, seine rechtmäßige Gemahlin, die Königin Gude, vergiftete. Und als König Suein den Sohn der Thore, Namens Magnus, nach Rom entsandte, um daselbst zum einstigen Könige geweiht zu werden, starb der unglückliche Knabe unterwegs und die gottlose Mutter gebar nach ihm keinen anderen Sohn wieder.

[142] Schol. 74.„Denn die Schrift sagt zu Pharao: Eben darum habe ich Dich erweckt, daß ich an Dir meine Macht erzeige, auf daß mein Name verkündigt werde in allen Landen. So erbarmet er sich nun welches er will und verstockt, welchen er will.“ (Röm. 9, 17. 18.)

[144] Schol. 75. Daselbst legte er das Haupt des heiligen Secundinus nieder, der einer der Heerführer der Legion der Thebäer sein soll, dessen Reliquien der Erzbischof in Italien empfing als ein Geschenk von einem Bischofe von Turin.

[145] Schol. 76. Schwer ist es, daß den lobenswerth Lebenden nicht die Begierde nach dem Lobe der Menschen verlocke. Papst Leo.

[148] Schol. 77. Oft habe ich unseren so frommen Erzbischof Adalbert, seine Geistlichen zur Wahrung der Enthaltsamkeit ermahnend, sagen hören: „Ich ermahne, ich bitte, ich befehle Euch, daß Ihr Euch losmachet von den heillosen Banden der Leiber, oder daß Ihr, Wenn Ihr zu dem, was die Sache Vollkommener ist, nicht gezwungen werden könnt, so wahret wenigstens das Band der Ehe in Ehrbarkeit, nach dem Sprichworte: „Wenn nicht keusch, doch klug.“

[152] Schol. 78. Unter diesen befand sich ein Eingewanderter, Paulus, ein zum Christenthume bekehrter Jude, der, nachdem er, ich weiß nicht ob aus Habsucht oder Wißbegier, nach Griechenland ausgewandert war, nach seiner Zurückkunft sich an unseren Erzbischof hängte, indem er sich rühmte, gar viele Künste zu verstehen, so daß er aus solchen, die nicht lesen könnten, in drei Jahren vollendete Weltweise und aus Kupfer rothes Gold machen könne. Leicht brachte er den Erzbischof dazu, alles zu glauben, was er ihm sagte, indem er zu all seinen Lügen noch die hinzufügte, daß er sehr bald dafür sorgen werde, daß in Hamburg eine Öffentliche Goldmünnze einberichtet werde, worauf dann statt der Denare Byzantiner ausgegeben werden würden.

[166] Schol. 79. Von dem ganzen bischöflichen Haushalt und Dienstwesen wurde dem Capellan täglich gesetzlicher Weise der Zehnte erlegt zur Verpflegung der Kranken und Armen und zur Bewirthung der Pilger. Der Capellan aber, der betrügerischer Weise vieles zu eigenem Nutzen zurückbehielt, ließ den Armen nichts zukommen.

[167] Schol. 80. Derselbige Ansver soll, als er zum Leiden kam, die Heiden angefleht haben, daß doch vorher seine Gefährten gesteinigt werden möchten, weil er fürchtete, sie möchten sonst wieder abfallen. Als nun aber diese die Märtyrerkrone erlangt hatten, da knieete er selbst hocherfreut wie einst Stephanus nieder. (Apostelgesch. 7, 59.)

[168] Schol. 81. Dieser Johannes hatte aus Lust zur Pilgerschaft Schottland verlassen und war nach Sachsen gekommen, wo ihn unser Erzbischof, wie er das gegen jedermann zu zeigen gewohnt war, gütig aufgenommen und ihn bald darauf zum Fürsten Godeskalk nach Selavanien gesandt hatte. Bei diesem hielt er sich damals lange Zeit auf und taufte, wie man erzählt, viele Tausende von Heiden.

Schol. 82. Gerade zur selbigen Zeit wurde Sliaswig, eine Stadt der überelbischen Sachsen, welche an der Gränze des dänischen Reiches liegt, ein sehr wohlhabender und volkreicher Ort, von den Heiden plötzlich überfallen und zerstört.

[169] Schol. 83. Dies ist der dritte Abfall der Sclaven, welche zuerst von Karl (dem Großen), dann von Otto (I.), und zuletzt damals vom Fürsten Godescalk zu Christen gemacht waren.

Schol. 84. Dieser Nordmannenkönig Harold hatte dreihundert Kriegschiffe, welche alle dort zurückblieben. Außerdem wurde noch eine Masse Goldes, welche Harold mit aus Griechenland gebracht hatte, dem Bastard durch diesen Glücksfall zu Theil. Es war aber das Gewicht des Goldes so groß, daß zwölf Jünglinge es kaum auf dem Nacken emporheben konnten.

[170] Schol. 85. Als die beiden Herics in der Schlacht gefallen waren, wurde Halzstein, ein Sohn des Königs Stenkel, auf den Thron erhoben. Als aber auch er bald nachher vertrieben war, ward Amunder aus Ruzzien hergerufen, und als auch der entfernt war, erwählten die Schweden einen gewissen Haquin[162].

[171] Schol. 86 und 87. Er heirathete die Mutter des jugendlichen Olav, der König der Nordmannen aber führte die Tochter des Dänenkönigs heim und so ward gegenseitig Friede geschlossen. Jene beiden waren Söhne Harolds.

[173] Schol. 88. Oftmals versicherte er auch mit Thränen, daß alle seine Vorgänger durch die Verfolgungssucht der Herzoge und durch die Bosheit der Gemeindeglieder des Sprengels wie im Feuer gekocht und gebraten seien. „Daher zweifle ich“, sagte er, „nicht daran, daß ich um der Wahrheit willen von ihnen mit der Märtyrerkrone geschmückt werden muß.“

[181] Schol. 89. Nothebald, ein Mann, der mit bösen Dingen umging, ein Schmeichler und ganz offenbarer Lügner.

[182] Schol. 90. Von der Zeit an enthielt er sich der Salzbäder, deren er sich fast täglich bedient hatte, und vieler anderen Dinge, die dem Volke, wie er merkte, lästig waren.

[184] Schol. 91. Ein Arzt, Namens Adamatus, von Abkunft ein Salernitaner, soll drei Tage vorher dem Erzbischof angekündigt haben, sein Todestag sei sehr nahe. Dies aber verhehlte er und hatte nur den Nothebald vor Augen, weil dieser ihm dafür gebürgt hatte, daß die Stunde der Besserung bald da sein werde.

[185] Schol. 92. Wie man lieset im Buche Esther[163], indem sie die Ohren der arglosen und nach ihrer eigenen Art andere beurtheilenden Fürsten durch listigen Trug täuschen. Dies wird sowohl durch die alte Geschichte erwiesen, als durch das was täglich vorfällt, wie nämlich durch die Einflüsterungen gewisser böser Menschen die Bestrebungen der Könige irre geleitet werden.

[186] Schol. 93. Nämlich noch in eben dem Jahre, in welchem er starb, bei seinem letzten Ausgange, nach welchem er nicht wieder zurückkehrte, hielt er zu Bremen ein Capitel mit den Brüdern, in welchem er den Decan Liudger wegen eines Todschlages, dessen er beschuldigt war, absetzte und den Umständen gemäß eine Rede über die Keuschheit haltend, am Schlusse derselben gewaltig drohete.

[196] Schol. 94. Adalward der Aeltere. Beide, der Aeltere wie der Jüngere, wurden über Gothien gesetzt, ber Jüngere ward nach Sictuna und Ubsala gesandt. Symon ward für die Scritefingen, Johannes für die Inseln des baltischen Meeres bestimmt. Der zwanzigste der von Erzbischof Adalbert ausgesandten Bischöfe war Ezzo[164], den er selbst für Sclavanien ordinirte.

Anmerkungen der Übersetzung von J. C. M. Laurent

  1. Wohl nur siebenundzwanzig.
  2. Der Kaiser war zu Aachen im Juli 1045.
  3. Ein Wortspiel mit benedicere.
  4. Virgils Aeneis 1. 436
  5. Vergl. Buch II, Kap. 78.
  6. Diese Basilika ließ Erzbischof Liemar völlig abtragen, nachdem sie durch Brand etwas gelitten hatte. S. Albert v. Stade zum Jahre 1089. Ueber den Dom von Benevent siehe Johannis de Vita Thesaurus Antiq. Benevent. und Schultze's Werk: Baudenkmale des Mittelalters in Unteritalien.
  7. D. i. 1051; siehe unten Kap. 89.
  8. D. i. 1068; vergl. unten Kap 53.
  9. Vergl. oben II, 9
  10. Hiermit stimmen fast wörtlich die Urkunden, durch welche Kaiser Otto II. die Freibriefe der hamburgischen Kirche bestätigt, wie sie zu lesen sind im Hamb. Urkundenbuch, Band I, Nr. XLIV, (vergl. besonders Seite 49 und 50) und Nr. XLV.
  11. Das heißt gegen die Liuticier 1045.
  12. Im Jahre 1051.
  13. Siehe Kap. 42.
  14. Nämlich in den Jahren 1043-45.
  15. Im Jahre 1046.
  16. So ward er vorher, als Papst aber Gregor VI. genannt.
  17. Balje, Pfarrdorf in der Grafschaft Hoya, Amt Nienburg und Vogtei Sebbenhausen. Vergl. Register der Einkünfte der Propstei zu Bremen, Seite 13 und 14.
  18. Nämlich Fivelgoe, siehe unten Kap. 45.
  19. Herzog Gottfried von Lothringen, welcher seines Amtes entsetzt war.
  20. Dem Bruder Herzog Bernhards von Sachsen.
  21. Am 3. October 1048. Arnold hatte ihn beschuldigt, nach Lambert z. J. 1048.
  22. Dieser Sohn des Grafen Thietmar scheint mit dem Vater gleichen Namens gewesen zu sein und nach Wedekinds treffender Vermuthung (siehe dessen Noten II, 87), derselbe, welcher der vogelfreie Thiemo im Gau Leri genannt wird.
  23. Anspielung auf Horaz Od. II, 10, 5.
  24. Der Süllberg beim Dorfe Blankenese an der Elbe. Vergl unten Kap. 25 und das Hamb. Urkundenbuch Bd. I, Nr. LXXX.
  25. Vielleicht Esbeck, ein Kirchdorf zwischen Salz-Hemmendorf und Gronau im Amte Lauenstein im Fürstenthum Calenberg.
  26. Das Kloster Goseck, liegend zwischen Naumburg und Weißenfels, ward laut des im Hamb. Urkundenbuch Band I, Nr. LXXVI, vorhandenen Documentes von den drei Brüdern Adalbert, Erzbischof von Bremen, und den Pfalzgrafen Dedo und Friedrich am 20. Sept. 1053 der Bremischen Kirche übergeben.
  27. Er starb wahrscheinlich am 25. October 1047. Uebrigens erzählen Andere, Suend habe erst nach Magnus Tode Dänemark wiedererlangt.
  28. II, 74.
  29. Sie hieß Gunhild oder Giuthe; siehe unten Kap. 14.
  30. Harald Hardradr; vergl. Snorri's „Saga af Haralldi Hardráda“.
  31. Buch II, Kap. 52. Vergl Lappenberg's Geschichte von Großbritannien, Theil I, Seiie 479.
  32. Er starb im hohen Alter in England in einem Kloster im Iahre 1070. Siehe unten Kap. 70, Buch IV, Kap. 33, Schol. 141.
  33. Der Gothen. Siehe Buch IV, Kap. 23.
  34. Wärmeland.
  35. Siehe oben Kap. 12.
  36. Anspielung auf Lucun's Pharsal., Band X, Vers 34 von Alexander:
    Der Lande Schicksalsgeißel, der Blitz, der entzündend
    Alle Völker erschüttert.
  37. Siehe oben Buch II, Kapitel 55.
  38. Ueber König Harald's Tod siehe unten Kapitel 51.
  39. Nämlich Heinrich III Diese Begebenheiten fallen in die Jahre 1048 oder 1049.
  40. Mediastinus, nach Horaz, Buch I, 14, 14.
  41. Lübeck, Oldenburg, Lenzen, Ratzeburg.
  42. Magnopolis
  43. Siehe Hamb. Urkundenbuch. Band I, Nr. 90. Vergl. unten Kap. 32 und 70.
  44. Hier ist ein Irrthum, denn dem Bremer Scholasticus wohnten die Chizzinen und Circipanen jenseits, die Tholosanten und Retherer diesseits der Peene.
  45. Nämlich von Ripen. Siehe oben Buch II, Kap. 70.
  46. Siehe unten Buch IV, Kap. 2.
  47. Hier Suigia.
  48. Siehe Kap. 70.
  49. S Hamb. Urk, Bd I, Nr. 220, Seite 205, und Nr. 233, Seite 213 f.
  50. S. Kap. 9.
  51. Daher der Name der Hamburger Straße Neueburg.
    Geschichtschreiber. Lfrg. 7. Adam v Bremen. Zweite Auflage.
  52. Es ist Heinrich III. gemeint, der Goslar besonders begünstigte, dessen Kaufleute jedoch bereits im eiften Jahrhundert sehr bekannt waren
  53. Lorsch und Korvei, S. Kap. 44 und Hamb Urkundenbuch, Band I, Nr. 94 und 95; dazu die Lorscher Chronik und Lambert zum Jahre 1063.
  54. Nämlich die Grafengewalt über Emsgau, Westfalen und Engern Siehe unten Kap. 45 und Hamb. Urk. Band I, Nr. 89
  55. Siehe unten Kap. 45.
  56. Sinzig am Einfluß der Ahr in den Rhein im Kreis Ahrweiler, Reg. Bez. Coblenz
  57. Altenburg
  58. Siehe Hamb. Urk., Band I, Nr. 91.
  59. Duisburg. Siehe Hamb. Urk., Band I, Nr. 96
  60. Lesum. Siehe Hamb. Urk, Band I, Nr. 87
  61. Cicero in der Schrift vom höchsten Gut und Uebel II, 34 sagt: Gerade wie wenn Xerxes, nachdem er mit so großen Flotten und mit so großen Heeresmassen zu Roß und zu Fuß, da er über den Hellespont eine Brücke schlagen und den Berg Athos durchstechen ließ, über das Meer gewandelt und über das Land hin geschifft war u. s. f.
  62. Es sollte heißen im Jahre 1049, und im fünften des Erzbischofs.
  63. Vergl. oben Kap. 4.
  64. Markgraf von Tuscien, getödtet 1052
  65. Herzog von Lothringen.
  66. Wer das sein mag, ist zweifelhaft
  67. Der V, Graf von Flandern.
  68. Virgils Aeneide VI, 854
  69. Constantin X. Monomachos regierte von 1042 bis 1054.
  70. I, 1031-1060.
  71. Pahlen.
  72. Heiligenstedten.
  73. Wildeshausen
  74. Da Leo IX. am 19. April 1054, Heinrich III. aber am 5. October 1056 starb, so paßt nur aus Leo's Todesjahr die Zahl 12. Heinrich III. aber starb im vierzehnten Jahre des Erzbischofs.
  75. Erzbischof von Köln 1056-1075
  76. Der Ausdruck Consuln soll etwa Reichsverweser bedeuten. Andere altrömische Bezeichnungen für dies Verhältniß finden sich unten Kap. 44, 46, 47, 53 und 60.
  77. WS: Korrigiert: Erzbischischof
  78. Auch Werner genannt, 1063-1077.
  79. Im Jahre 1059; getödtet 1088.
  80. 1066.
  81. 1048-80.
  82. 1054-76.
  83. Zu Adalberts Zeiten wurden Patriarchen von Aquileja zuerst Godebald, 1049, dann Ravenger, gestorben 1069.
  84. Cadalus ward am 26. April 1046 Bischof von Parma, im Jahre 1061 Papst, genannt Honorius II; sein Nachfolger 1073 war der Kölner Kleriker Eberhard.
  85. Siehe unten Kap. 37
  86. Vergl. Buch III, Kap. 70.
  87. Vermuthlich der unter Buch III, Kap. 56 Erwähnte.
  88. Lucan's Pharsal VIII, 493.
  89. Juvenal I, 161.
  90. 1. Samuel. 2, 8.
  91. Virgils Aeneide VIII, 648.
  92. Diese Geschichte ist nachgebildet der Vision Childerichs in Greg. Turon. hist. epitomata, c. 12
  93. Bernhard I. war im Jahre 1011 gestorben, sein Sohn, Bernhard II. folgte also zur Zeit Libentius des Aelteren; unter diesem, bis 1019, war allerdings seine Verwaltung zu loben, von 1019 an aber, zur Zeit des Erzbischofs Unwan, war das nicht der Fall. Vergl. oben Buch II, Kap. 43 f. Herzog Bernhard II. starb am 20. Juni 1059.
  94. Im Jahre 1063; vgl. Lambert z. d. Jahr.
  95. Vergl. oben Kap. 27.
  96. Kaiserin Agnes, Gemahlin Heinrichs III., war eine Tochter Herzog Wilhelms V. von Aquitanien.
  97. Altenwalde in Hadeln.
  98. Hambergen, Pfarrdorf im Amte Osterholz.
  99. Siehe Hamb. Urk., Band I, Nr. 79.
  100. Siehe Hamb. Urk., Band I, Nr. 89.
  101. Siehe Hamb. Urk., Band I, Seite 88.
  102. 1066 im Januar.
  103. Nach Ps 137, 7 und Jerem. 11, 19.
  104. Er wurde erst 1072 Herzog nach dem Tode seines Vaters Ordulf.
  105. Lochten im Hildesheimischen Amte Vienenburg.
  106. Graf von Nellenburg, ein Bruder des königlichen Rathes Erzbischof Udo von Trier.
  107. Lenzen.
  108. Ordulf starb am 28. März 1071.
  109. Nämlich die oben Kap 46 erwähnte vom königlichen Hofe, die aber zu Tribur im Jahre 1066 stattfand, während Adalberts zweiundzwanzigstes Jahr bereits Mitte Aprils 1064 beginnt und 1065 endet.
  110. Nämlich Ende Aprils 1066.
  111. Eduard der Bekenner starb am 5 Januar 1066.
  112. Hardrada.
  113. In der Schlacht bei Stamfordbridge am 25. September 1060.
  114. Im Jahre 1070 wurde Lanfrank Erzbischof von Canterbury.
  115. Des Harald Hardrada Söhne hießen Magnus III., gest. 1062 und Olav Kyrre, gest. 1087.
  116. Besonders im Jahre 1069. Vergl. Lappenberg’s Geschichte von Großbritannien, Band II, S. 75 und 87 ff.
  117. Heißt im Hamb. Urkundenb., Band I, Nr. 76 und 78 Dedo
  118. Am 5. Mai 1056. Siehe die Anmerkung 1 zu Nr. 78 des Hamb. Urkundenb, Band I.
  119. Siehe Hamb. Urkundenbuch, Band I, Nr. 76, wo unter den Zeugen ein Bremer Domherr Suidger ist. (Dieser Suidger scheint aber doch kein Domherr gewesen zu sein. W.)
  120. Nach seiner Verweisung vom Hofe (siehe Kap. 46) im Jahre 1066.
  121. Nach Sallusts Jugurtha, Kap. 91.
  122. Das ist wieder ungenau, denn die nach Adam selbst in diesem Jahre eingetretene Unterwerfung Otto’s von Nordheim gehört in’s Jahr 1071.
  123. D. h. das Amt eines Stellvertreters des Königs, gewissermaßen eines Reichsvicars.
  124. Nämlich von 1058-1065.
  125. Vergl. oben Kap. 27.
  126. Von Baiern, um Weihnachten 1070, schon vor der Unterwerfung Otto’s.
  127. WS: Die eckigen Klammer sind im Druck handschriftlich ergänzt
  128. Persius Sat. III, letzter Vers.
  129. Horaz, Briefe I, 1, 100.
  130. Siehe Buch III, Kap 37.
  131. WS: Die eckigen Klammern sind im Druck handschriftlich ergänzt
  132. D. h. des Apollo, einen Wahrsagergeist. Siehe Apostelgeschichte 16, 16, wo im Griechischen Pythonsgeist steht.
  133. Vergil’s Aeneide XI, Vers 831 und XII, Vers 952.
  134. Dies geschah im Jahre 1046. Siehe oben Kap. 7. Dieser Bichof war, wie es scheint Vitalis Utstolo, Bischof von Torcelli.
  135. Bramstedt in Holstein
  136. Siehe Hamb. Urkundenbuch, Band I, Nr. 102.
  137. Das dritte Buch unseres Werkes ist hiermit beendigt. Der nachfolgende Anhang ist entweder von Adam selbst bei einer zweiten Ueberarbeitung des Werkes, oder von einem beinahe gleichzeitigen Bremer Geistlichen hinzugefügt.
  138. Das ist Wilhelm. Siehe unten, Buch IV, Kap. 3 und Hamb. Urk., Band I, Nr 82 und 86.
  139. S. unten. B. IV, Kap. 8.
  140. S. über ihn Hamb. Urk., Band I, Seite 76, wo er unter den Bremer Domherren vorzukommen scheint, und daselbst Anm. 2.
  141. Alberich kommt im Jahre 1059 unter den Bremer Pröpsten vor. S. Hamb Urk., Band I, Nr. 80.
  142. Im Jahre 1060 erscheint er als Propst in einer Urkunde des Erzbischofs Adalbert. S. Hamb. Urk., Buch I, Nr. 82.
  143. Dies ist der Presbyter Tadico im Jahre 1059 im Hamb. Urk , Buch I Nr. 80, Seite 80. Vergl. unten Buch IV, Kap. 29.
  144. Siehe B. IV. Kap. 24.
  145. Bischof von Birca, Metropolis von Schweden, hieß insgemein Hiltuin. Er war von 1049-1060 Abt des Klosters Goseck gewesen. Siehe unten B. IV, Kap. 20.
  146. Unten B. IV, Kap. 33 heißt er Sigvard.
  147. Vielleicht der Presbyter Meinhard, der im Hamb. Urk, B. I, Nr. 101 im Jahre 1069 vorkommt. Vergl Schol 142.
  148. Siehe oben B. III, Kap. 14.
  149. Siehe unten B. IV, Kap 33.
  150. Siehe Schol. 69 und B. IV, Kap. 33
  151. Siehe B. IV, Kap. 34.
  152. Vielleicht Bischof zu Holum, siehe Are Frodi, Kap 9.
  153. Vielleicht der Albert im Schol 142.
  154. Siehe B. IV, Kap 35.
  155. Siehe Matth. 20, 3 f.
  156. Vergl. B. III, Kap. 35.
  157. Er kommt vor in einem Erlasse Heinrichs III. an das Bisthum Brandenburg vom 10. März 1051.
  158. Von Johannes Scotus, d. h. dem Irländer, Bischof von Meklenburg, siehe oben B. III, Kap. 20.
  159. Siehe den Gnadenbrief Leo's IX. vom Jahre 1053 im Hamburger Urkundenbuch, Band I, Nr. 75.
  160. D. h. Jaroslaw, der von 1019-54 regierte und dessen Tochter Elisabeth dem Harold zu Theil wurde.
  161. Richtiger Griffith. Dieser, ein König von Wales, wurde von König Harold mit seinen irischen Bundesgenossen überwunden. Des Enthaupteten Kopf brachten die Waliser dem König Harold im Jahre 1061. Siehe Lappenberg a. a. O. Theil I, Seite 519 u. 523.
  162. Nach Snorre Sturleson (Magnus Barfot c. 13) wird Stenkills Nachfolger Haco genannt. Vergl. überhaupt Reuterdahl, Swenska Kyrkans Historia, Band I, Seite 207 ff.
  163. Kap. 16, 6 der lateinischen Vulgata.
  164. Ueber den Eizo siehe oben Bd III. Kap. 20. Er lebte noch 1074.