Harzreisen von ehedem

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Textdaten
Autor: Julius Bernhard von Rohr
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Titel: Harzreisen von ehedem
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Herausgeber: Karl Reinecke-Altenau
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Quelle: Allgemeiner Harz-Berg-Kalender für das Schaltjahr 1920
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Harzreisen von ehedem.

     Die nachstehende Schilderung ist den „Merkwürdigkeiten des Ober-Hartzes“ von Julius Bernhard von Rohr entnommen, einer 1739 erschienenen außerordentlich wertvollen Harzchronik. Diese bildet mit den bereits 1736 herausgegebenen „Merkwürdigkeiten des Unter-Hartzes“ eine umfassende Abhandlung über das gesamte Harzgebiet in geschichtlicher, kultureller und landschaftlicher Beziehung. von Rohr war ein sächsischer Kammerrat, der den ganzen Harz bereist hat, was damals eine Leistung vorstellte, wie der hier wiedergegebene Bericht zeigt.

     Ihrer viele von denen, welche sonst gerne die Curiosität haben würden, den Ober-Hartz zu besuchen, lassen sich durch die sehr schlimmen und offtermahls gefährlichen Wege davon abschrecken, jedoch man findet dieselben nicht an allen Orten. Die Haupt- und Postwege durch den Hartz, als über Osterode, Clausthal, Zellerfelde und Goßlar sind größtentheils ausgebessert und nunmehr in guten Stand gesetzet, so daß man mit einem gewöhnlichen Wagen, wie die ordinairen Mieth-Kutschen in Ober-Sachsen eingerichtet, ganz gut fort kommen kan. Nicht weniger sind die Wege von Nordhausen über Lutterberg nach Andreasberg noch erträglich. An andern Orten hingegen zeigen sie sich sehr gefährlich und beschwerlich. Man geräth bisweilen in solche Felsen und Klüfte, die so enge sind, daß man so dann weder zurück noch vor sich kommen kan, wo man nicht Axen und Räder zerbrechen will. An andern Orten liegen solche grosse und hohe Steine im Wege, daß weder die gewöhnlichen Räder der Mieth-Kutschen noch die Kästen der Wägen sie übersteigen können. Wer einmahl das Unglück oder den Verdruß gehabt, in solche Wege zu verfallen, hat keinen andern Rath vor sich, wo er nicht den Wagen zerbrechen will, als daß er die Pferde hinter den Wagen spannet, und sich alsdann mit Mühe und Noth aus diesen engen Passagen wieder in das Weite begiebet.

     Bisweilen, wo die Wege nicht durch die Felsen gehen, sind doch die Strassen so tieff, daß die Axen in den Sumpf und Morast hinan fallen, oder solche Wurzeln und Stämme der Bäume sich den Rädern entgegen setzen, daß viele Stunden müssen zugebracht werden, biß entweder die Wurzeln größtentheils weggehauen, oder grosse Steine beygeschaffet und den Rädern untergeleget worden, damit der Wagen wiederum in Bewegung gebracht werde. Dergleichen unbequeme Strassen habe ich von Grunde bis Wildemann und Lautenthal, von Goßlar bis Altenau, von Altenau größtentheils bis Andreas-berg, und von Andreas-berg bis nach Herzberg angetroffen.

     Wann demnach ein Fremder mit seinem eigenen Geschirre diese Gegend besuchen will, der thut überaus wohl, daß er einen sichern, ehrlichen, der Wege kundigen und dabey gesunden und starken Bothen ausmacht, den er zum Weg-Weiser nimmt. Ein solcher weiß mehrentheils Bey-Wege, wie die schlimmsten Berge, gefährlichsten Felsen und engesten hohlen Wege zu umfahren. Wo es Noth thut, wissen diese Bothen alsobald durch Unterlegung Klötzer und Steine Rath zu schaffen, daß einer alsdenn noch so ziemlich gut weg kommen kann. Ist es ein bekannter Mann, so haben auch die Kohlen-Fuhrleute, welches grossen theils ziemlich unglimpfliche Bursche sind, vor einem solchen mehr Respect, als vor den vornehmsten Herr, der im Wagen sitzt. Ein freundliches Zureden eines Mannes, den sie kennen, würcket vielmehr, daß sie mit ihrem Kohlen-Karn, wenn sie einem Reisenden auf der Strasse begegnen, eher aus dem Wege fahren, als die stärcksten Vorstellungen vieler Passagiers.

     Man hat sich aber auch in Ansehung dieser Bothen selbst in Acht zu nehmen. Es finden sich manche liederliche und versoffene Männer, sie biethen sich den Reisenden um ein Trinckgeld in grosser Menge an, wissen aber gar öffters die Strassen selbsten nicht, weil sie mehrentheils nach denen Oertern, an welchen sie zu verrichten haben, den Fußsteig gehen, welcher öffters von der Land-Strasse gar weit ablenckt. Wann sie hernach sehen, daß Noth am Mann gehet, verlauffen sie sich, daß die Reisenden nicht wissen, wo ihr Bothen geblieben. Ein Reisender hat sich demnach, um eines sichern Bothen habhaft zu werden, entweder bei einem von denen Herren Berg-Officianten, oder einem gelehrten rechtschaffenen Mann geistlichen oder weltlichen Standes zu adressiren.

     Es ist wohl am sichersten, wenn man sich vorgesetzt, den ganzen Hartz zu passiren, daß man die gewöhnliche Staats-Carosse oder den Wagen, den man sonst zu seiner Bequemlichkeit auf seiner Reise bey sich führet, an einem den Hartz benachbarten Ort stehen läßt, und sich, wer vom Reiten kein Liebhaber, zu demjenigen Fuhrwerke entschliesset, welches in hiesigen Gegenden Mode und nach der Beschaffenheit der Hartz-Strassen eingerichtet. Es sind solches Carriole mit 2 Rädern, und oben mit einem halben Himmel bedeckt, vor welches nach Unterschied der Last, welche darauf gebracht wird, [15] und dem Unterschied der Wege und Berge, 1, 2, auch wohl 3 und mehr Pferde jedoch nicht neben, sondern hinter einander vorgespannet werden. Sie hängen in Riemen, und die Räder stehen auf hohen Axen, sind aber nach den engen Gleissen eingerichtet. Wenn man in manche Städte des Ober-Hartzes mit einem gewöhnlichen Ober-Sächsischen und mit einem gantzen Himmel bedeckten Wagen ankommt, so bleiben sehr viel Leute stehen, sehen dergleichen Wagen vor eine grosse Rarität und vor eine gantz außerordentliche Sache an, und wundern sich, wie es möglich gewesen, daß man mit dergleichen Fuhrwerk habe zu ihnen kommen können.