Hirtenidylle

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Textdaten
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Titel: Hirtenidylle
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 10, S. 313, 323
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1890
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung:
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[313]
Die Gartenlaube (1890) b 313.jpg

Hirtenidylle.
Zeichnung von A. Zick.

[323] Hirtenidylle. (Zu dem Bilde S. 313.) Ein Leben voll Glück und Unschuld, voll Seelenfrieden und heiteren Lebensgenusses, voll stiller Naturfreude und bedürfnißloser Genügsamkeit – das ist es, was wir uns unter einer Idylle vorstellen, und darin sind die Dichter zu allen Zeiten einig gewesen. Wohl gingen die Zeitalter und die Verkündiger ihrer Stimmungen, die Dichter, verschiedene Wege, wenn es galt, die Stätte zu suchen, wo solch eine reine Glückseligkeit, die Verkörperung der Idylle, zu finden wäre. Goethe fand sie in der einfach bürgerlichen Häuslichkeit seines „Hermann“, Voß im deutschen Landpfarrhause und Jean Paul im Leben des „Schulmeisterleins Wutz“. Aber es giebt einen Stand, der bei allen Kulturvölkern des Alterthums und der Neuzeit vorzugsweise in der Verklärung idyllischen Glückes strahlt, der Hirtenstand. Bei den Hirten weilt die Phantasie des alten Griechen Theokrit, des Vorbildes aller Idyllendichter, zu ihnen flüchten sich aus überreizter und überbildeter Umgebung die ruhebedürftigen Seelen aller Jahrhunderte.

In ihre Damon und Phyllis, ihre Seladon und Chlorinden legen sie all das, was sie in dem Kreise vermissen, in dem sie selbst leben, reine Natürlichkeit und holde Unschuld, und wenn der Geschmack der Gegenwart das durchsichtige Gewand der antiken Namen abgestreift hat, so geschah es nur, um andere Hirtennamen an ihre Stelle zu setzen – die Seppl und Resei und wie die Burschen und Dirndeln der Alm alle heißen mögen.

Eine Hirtenidylle ursprünglichster Form ist es, was unser Bild darstellt. An murmelnder Quelle im Feisenthale sitzt der Hirt, an einen Baumstamm gelehnt, und bläst auf der Syrinx eine kunstlose Weise. Seine jugendliche Gespielin lauscht den fluthenden Tönen selig versunken, im langen Blondhaar den Kranz, den ihr der Freund aus den Blumen des Thalhangs gewunden; im Hintergrunde weidet die vereinigte Herde im Sonnenglanze eines südlichen Himmelsstrichs – ein Stück Leben, von keinem Hauch der Sorge gestreift, von keinem Schatten der Leidenschaft getrübt – eine Idylle aus einer andern Welt, als die ist, auf der wir leben! =