Hymnen aus dem Griechischen

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Textdaten
Autor: Friedrich August Eschen
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Titel: Hymnen aus dem Griechischen
Untertitel:
aus: Friedrich Schiller:
Musen-Almanach für das Jahr 1799, S. 136 – 143
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1799
Verlag: J. G. Cotta
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Erscheinungsort: Tübingen
Übersetzer:
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Quelle: HAAB Weimar, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung:
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Hymnen, aus dem Griechischen.


An die Musen und Apollon.

Musen, euch sing’ ich zuerft, und Apollon dich, und Kronion:
Denn, von den Musen gesandt und dem Fernhintreffer Apollon,
Kommen zu uns des Gesangs und der Leier kundige Männer;
Aber die Herrscher vom Zeus. O selig, welcher der Musen

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Liebe gewann! süß strömet ihm stets von den Lippen die Stimme!

Heil euch, Kinder des Zeus! seyd hold auch meinem Gesange!
Doch ich werde noch eurer und anderes Liedes gedenken.

An Aphrodite.

Kypris, die herrliche Göttin, die goldbekränzte, schöne,
Sing’ ich anjezt, die rings der meerumflossenen Kypros

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Höhen besizt; denn es trug dorthin sie mit feuchtendem Hauche
Zephyros Macht auf der Woge des lauthinbrausenden Meeres,

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In weichhüllendem Schaum. Doch die goldenspangigen Horen,

Freundlich empfangend, bekleideten sie mit köstlichen Kleidern,
Schmückten das heilige Haupt ihr dann mit künstlichgeschaffnem
Schönem und goldenem Kranz, und der Ohren durchbohrete Läppchen
Mit messingenen Blumen und hochgepriesenem Golde.

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Doch um den zartgebildeten Hals und den glänzenden Busen

Legten sie goldene Ketten zum Schmuck, mit welchen die Horen
Selber sich stets ausschmücken, die goldenspangigen, wann sie
Gehn in den lieblichen Tanz der Unsterblichen, und zu dem Vater.
Als nun mit jeglichem Schmuck Kytherea prangete, ward sie

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Hin zu den Göttern geführt, und umarmend empfingen sie jene,

Reichten die Händ’ ihr zum Gruß, und es wünschte jeder im Herzen
Dieser als blühenden Braut sich gesellt, und heim sie zu führen,
Froh die Gestalt anstaunend der Veilchenbekränzeten Kypris.
Heil, schwarzbrauige, dir, sanftlächelnde! Sey mir, o Göttin,

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Hülfreich immer und hold, und schmücke du meinen Gesang aus!

Doch ich werde noch deiner und anderes Liedes gedenken.

An Dionysos.

Vom Dionysos sing ich, dem Brausenden, Epheubekränzten,
Semelens herrlichem Sohn, der gepriesenen, und des Kroniden;
Welchen die lockigten Nymphen ernähreten, da sie vom Vater
Ihn aufnahmen im Schoos; und sie pflegeten seiner mit Sorgfalt

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Im Nyssäischen Thal: doch er wuchs nach dem Willen des Vaters

In schönduftender Grott’, und ward der Unsterblichen einer.
Aber nachdem ihn die Nymphen, den vielbesungnen, ernährten,
Siehe, da wandelt’ er hin zu den waldbewachsenen Berghöhn,
Herrlich mit Lorber geschmückt und mit Epheu: aber die Nymphen

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Folgten, geführet von ihm, und es braußte die mächtige Waldung.

Heil dir, o Dyonysos, du Bringer reichlicher Trauben!
Gieb uns, daß wir mit Freude die kehrenden Stunden begrüßend,
Auch von den Stunden wieder zu vielen Jahren gelangen.

An Artemis.

Artemis sing’ ich, die hohe, die Jungfrau goldener Spindel,
Sie, die Freundin der Pfeile, die jagende Schüzin der Hirsche,

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Die, mit Apollon, dem Führer des goldenen Schwerdtes, gebohren,
Auf den beschatteten Bergen umher und den windigen Höhen

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Fröhlich der Jagd aufspannt den golderglänzenden Bogen

Und hinsendet den schwirrenden Pfeil: es erbeben die Häupter
Hoher Gebirge sodann, und es schallt die dunkele Waldung
Schrecklich umher von den Tönen des Wilds, es schauert die Erde
Rings, und die Fluten des Meers. Doch sie selbst, kraftvoller Gesinnung

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Jegliche Strecke durchwandelnd, vertilgt die Geschlechte des Wildes.

Aber nachdem sich belustigt die spähende Freundin der Pfeile,
Und ihr Herz sich gefreut, dann lösend den krümmenden Bogen
Wandelt zur herrlichen Wohnung sie hin, wo ihr liebender Bruder
Phöbos Apollon wohnt, zum gesegneten Lande von Delphos,

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Dort zu bereiten den Musen und Chariten liebliche Tänze.

Hier aufhängend die Pfeil’ und den abgespanneten Bogen,
Geht sie voran, die Gestalt mit lieblichem Schmucke bekleidet,
Führend den Tanz: doch jene, mit göttlicher Stimme beginnend,
Singen, o Leto, dein Lob, schönfüßige, weil du gebahrest,


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Welche durch That und Klugheit die treflichsten sind von den Göttern.

Seyd mir gegrüßt, ihr Kinder des Zeus und der lockigten Leto!
Doch ich werde noch eurer und anderes Liedes gedenken:

An die Mutter Aller.

Gäa, die Mutter von Allen, die schönbegründete, sing’ ich
Jezo, die hochgepriesne, die jegliches nährt auf der Erde.
Was auf der Erde nur wohnet, der heiligen, was in dem Meere,

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Was durch die Luft hinfliegt, dies segnest du, alles ernährend.

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Du giebst unseren Kindern und Früchten schönes Gedeihen,

Herrliche: dein ist die Macht, zu verleihn den sterblichen Menschen
Und zu entführen das Leben. O selig, welchen du ehrend
Gütiges Herzens bedenkst! dem wird in allem ein Reichthum.
Voll steht solchen das Feld, das ernährende, und auf den Aeckern

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Haben sie Menge des Vieh’s, und im Haus’ ist Fülle der Güter.

Aber nach weisem Gesez in der Stadt schönblühender Weiber
Herrschen sie, und es begleitet sie vieler Segen und Reichthum.
Stolz auch wandeln die Söhn’ in der Freude der blühenden Jugend,
Und in den festlichen Tänzen erfreuet sich, heiteres Herzens,

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Spielend der Jungfraun Schaar auf dem sanfterblühenden Grase;
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Wenn du, Göttin sie ehrst, du heilige, Segenerfüllte.
Heil dir, Mutter der Götter, du Gattin des herrlichgestirnten
Uranos! lohne mein Lied mit erfreuendem Leben mir gütig!
Doch ich werde noch deiner und anderes Liedes gedenken.

ESCHEN.