Hyperion an Bellarmin XXXII

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Textdaten
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Autor: Friedrich Hölderlin
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Titel: Hyperion – Hyperion an Bellarmin XXXII
Untertitel: oder der Eremit in Griechenland – Zweiter Band
aus: Hyperion oder der Eremit in Griechenland von Friedrich Hölderlin. Erster Band. Tübingen 1799; S. 5–7
Herausgeber:
Auflage: 1
Entstehungsdatum: o. A.
Erscheinungsdatum: 1799
Verlag: J. G. Cotta'sche Buchhandlung
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Erscheinungsort: Tübingen
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Quelle: www.hoelderlin.de
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HYPERION AN BELLARMIN.


     Ich hatte mit dem holden Mädchen noch vor ihrem Hause gezögert, bis das Licht der Nacht in die ruhige Dämmerung schien, nun kam ich in Notaras Wohnung zurük, gedankenvoll, voll überwallenden heroischen Lebens, wie immer, wenn ich aus ihren Umarmungen gieng. Es war ein Brief von Alabanda gekommen.

     Es regt sich, Hyperion, schrieb er mir, Russland hat der Pforte den Krieg erklärt; man kommt mit einer Flotte in den Archipelagus[1]; [6-7] die Griechen sollen frei seyn, wenn sie mit aufstehn, den Sultan an den Euphrat zu treiben. Die Griechen werden das Ihre thun, die Griechen werden frei seyn und mir ist herzlich wohl, dass es einmal wieder etwas zu thun giebt. Ich mochte den Tag nicht sehn, so lang es noch so weit nicht war.

     Bist du noch der Alte, so komm! Du findst mich in dem Dorfe vor Koron, wenn du den Weg von Misistra kömmst. Ich wohne am Hügel, in dem weissen Landhause am Walde.

     Die Menschen, die du in Smirna bei mir kennen lerntest, hab’ ich verlassen. Du hattest recht mit deinem feinern Sinne, dass du in ihre Sphäre nicht tratest.

     Mich verlangt, uns Beede in dem neuen Leben wiederzusehn. Dir war bis izt die Welt zu schlecht, um ihr dich zu erkennen zu geben. Weil du nicht Knechtsdienste thun mochtest, thatest du nichts, und das Nichtsthun machte dich grämlich und träumerisch.

     Du mochtest im Sumpfe nicht schwimmen. Komm nun, komm, und lass uns baden in offener See!

     Das soll uns wohl thun, einzig Geliebter!

     So schrieb er. Ich war betroffen im ersten Moment. Mir brannte das Gesicht vor Schaam, mir kochte das Herz, wie heisse Quellen, und ich konnt’ auf keiner Stelle bleiben, so schmerzt’ es mich, überflogen zu seyn von Alabanda, überwunden auf immer. Doch nahm ich nun auch um so begieriger die künftige Arbeit an’s Herz. -

     Ich bin zu müssig geworden, rief ich, zu friedenslustig, zu himmlisch, zu träg! - Alabanda sieht in die Welt, wie ein edler Pilot, Alabanda ist fleissig und sucht in der Wooge nach Beute; und dir schlafen die Hände im Schoos’? und mit Worten möchtest du ausreichen, und mit Zauberformeln beschwörst du die Welt? Aber deine Worte sind, wie Schneefloken, unnüz, und machen die Luft nur trüber und deine Zaubersprüche sind für die Frommen, aber die Unglaubigen hören dich nicht. - Ja! sanft zu seyn, zu rechter Zeit, das ist wohl schön, doch sanft zu seyn, zur Unzeit, das ist hässlich, denn es ist feig! - Aber Harmodius! deiner Myrthe will ich gleichen, deiner Myrthe, worinn das Schwerd sich verbarg. Ich will umsonst nicht müssig gegangen seyn, und mein Schlaf soll werden, wie Öl, wenn die Flamme darein kömmt. Ich will nicht zusehn, wo es gilt, will nicht umhergehn und die Neuigkeit erfragen, wann Alabanda den Lorbeer nimmt.

Anmerkungen

  1. Im Jahr 1770.