Im Kreislauf des Jahres (1891)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Rudolf Lavant
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Im Kreislauf des Jahres.
Untertitel:
aus: Vorlage:none
Herausgeber: Illustrierter Neue Welt-Kalender
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1891
Verlag: Auer/Hamburg und J.H.W. Dietz/Stuttgart (in Kommission)
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Leipzig
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Scan
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
Im Kreislauf des Jahres (1891).jpg
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]

[25]

Im Kreislauf des Jahres.

     Ich ging um mitternächt’ge Zeit
Im schönen Mai durch stille Gründe:
Die Bäume blüthenüberschneit,
Als ob die Welt im Winter stünde,

5
doch rings der Nachtigall Gesang,

Und seiner Duft von jungem Laube
Und munt’rer Wasser rascher Gang
Und Traumgegirr der wilden Taube.
Und leise fragt‘ ich, wie erlöst von Pein:

10
„Du alte Welt, wann kannst du schöner sein?“


     Ich ging bei matter Blitze Sprüh’n
Mittsommernachts durch stille Lande:
Rings der Johanniswürmchen Glüh’n
Und Kühle nach dem Sonnenbrande.

15
Die Aehrenfelder wogten lind,

Die Bäume rauschten halb verstohlen
Und zu mir trug ein weicher Wind
Den Duft der blassen Nachtviolen.
Und leise, bei des Wetterleuchtens Schein,

20
Fragt‘ ich die Welt: „Wann kannst du schöner sein?“


     Ich ging in tiefer, dunkler Nacht
Im Herbst entlang die Rebenhügel:
Zu meinen Häupten rauschten sacht
Der raschen Wandervögel Flügel.

25
Sonst störte nichts der müden Welt

Andächt’ge und verklärte Stille,
Als aus gebräuntem Haferfeld
Das klingende Gezirp der Grille.
Die Dörfer dufteten nach Most und Wein;

30
Da fragt‘ ich leis: „Wann kann es schöner sein?“


     Ich ging in klarer Winternacht
Durch tiefverschneites Brachgefilde;
Hoch über mir die bunte Pracht
Der hellen, schönen Sterngebilde.

35
Der Füchse fernes Bellen drang

Gedämpft aus lautlos stillen Forsten
Und ab und zu ein heller Klang,
Wenn blankes, starkes Eis geborsten.
Die Luft so scharf und doch so köstlich rein!

40
Und leise fragt‘ ich: „Kann es schöner sein?“

                                                       R.L.