In den Maremmen

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Textdaten
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Autor: Woldemar Kaden
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Titel: In den Maremmen
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 10, S. 293, 323
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[293]
Die Gartenlaube (1899) b 0293.jpg

Kohlenbrenner in den Maremmen.
Nach dem Gemälde von Cl. Origo.

[323] In den Maremmen. (Zu dem Bilde S. 293.) Maremma ist ein italienisches Wort, es bedeutet einen Landstrich nahe dem Meere von sumpfigem flachen Charakter. Mit dem Wort verbindet sich für den Italiener eine Vorstellung des Schreckens: die Maremmen sind die Heimat der Malaria. Wie sie entstanden? Mit dem Römerreiche hatte auch die alte Volksenergie geendet, niemand kämpfte mehr gegen die feindlichen Naturgewalten an. Die Wasserläufe wurden durch Schlamm und Geröll verstopft, so versumpften denn die Thäler und Küstengebiete.

Heute nennt man nun Maremmen im besondern die westlichen Küstenebenen von Toskana. Sie beginnen bei der Mündung der Magra und erstrecken sich bis ins Neapolitanische hinein. Ihr Anblick ist im höchsten Grade unerfreulich und trübselig, und der Reisende, der auf der Maremmenbahn, mit den Stationen Grosseto, Orbetello, Civitavecchia, dahinfährt, lehnt sich in seine Ecke und schließt die Augen, um diese „italienische Landschaft“ nicht zu sehen. Und doch hat auch sie ihre Reize, für den Maler und Poeten, noch mehr für den Historiker, denn dieser meilenweite Sumpfboden ist der Kirchhof vieler etruskischer Städte, deren Trümmer höchst interessant sind.

An Stelle der Städte sind die Macchie, die Buschwälder, getreten, und eine Bevölkerung von Büschen und Bäumen macht sich den Boden dienstbar. Da giebt es alle Arten von Eichen: Korkeiche, Zirn-, Stiel- und Steineichen, immergrüne Eichen, ferner Eschen, Hornbuchen, Erlen, Erdbeerbänme, baumartige Heiden und Ginster, und Baum und Gebüsch dient ausnahmslos zur Feuerung und zur Kohlenbereitung.

Es kommen die Männer, die Axt im Arm, bauen sich Reisighütten, schlagen die Büsche, die Bäume nieder und brennen sie in niedrigen Meilern zu Kohlen. Wie Eroberer kommen sie, doch ihr Leben hier ist elend und viele erliegen gar bald der Fieberluft. Kehren die Ueberlebenden im Herbst mit ihrer Ausbeute, den Holzkohlen, in Säcken auf elende Maultiere und Esel verladen, in die Dörfer zurück, so sehen sie mit ihren erdfarbenen Gesichtern wie auferstandene Tote aus und gleichen in ihrer sonstigen Verwilderung den Räubern …

Die Aufgabe der Regierung ist es, diese Maremmen auszutrocknen. Vieles ist bereits geschehen, und die Zeit wird kommen, wo dieses Land der Kultur zurückerobert sein wird.
Woldemar Kaden.