Bei der Parade auf dem Tempelhofer Feld

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Autor: unbekannt
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Titel: Bei der Parade auf dem Tempelhofer Feld
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 10, S. 296, 323–324
Herausgeber: Adolf Kröner
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1899
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger G. m. b. H. in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Originalherkunft:
Quelle: Scans bei Commons
Kurzbeschreibung: Militärparade auf dem Tempelhofer Feld
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[296]
Die Gartenlaube (1899) b 0296.jpg

Auffahren der Wagen bei der Parade [auf] dem Tempelhofer Feld bei Berlin.
Nach dem Leben gezei[chnet v]on M. Plinzner.

[323] Bei der Parade auf dem Tempelhofer Feld. (Zu dem Bilde S. 296 und 297.) Frühlingsparade – Herbstparade – das sind zwei festliche Tage für die Reichshauptstadt! Schon am frühen Morgen tönt klingendes Spiel, Trommelschlag und Pfeifenklang durch die Straßen. In langen Zügen ziehen die Truppen des Gardekorps zum Halleschen Thor hinaus, und Tausende von Zuschauern zu Fuß und zu Pferde, in [324] Equipagen und Droschken schließen sich ihnen an. Es ist immer so eine Art kleinen Volksfestes mit „fliegenden“ Budikern und Wursthändlern dort draußen auf dem Tempelhofer Feld. Dieses ist seit Jahren der Paradeplatz der Berliner Garnison. In weiter Fläche dehnt es sich zwischen Schöneberg und „Am Urban“, zwischen Berlin SW und Rixdorf und Tempelhof aus. Die Anfahrt zum Halteplatz der Equipagen, von dem man das glänzende Schauspiel der Parade bequem überblicken kann, ist nur für Inhaber von Passierscheinen gestattet, die das Polizeipräsidium ausgiebt und welche die Kutscher sichtbar am Hut zu tragen haben. So kommen sie denn heran, die Glücklichen, die eine solche Karte erlangt haben, in Gefährten aller Art, in hocheleganten und talmifeinen aus den Remisen der Wagenverleiher, in Landauern und Viktorias, in Dogcarts und Mailcoaches. Berittene Schutzleute sorgen dafür, daß jedes seinen Platz erhält und daß Unglücksfälle möglichst vermieden werden. Dem alten Herrn im Mittelpunkt unseres Bildes laufen die beiden Schimmel, welche seine liebliche Tochter lenkt, augenscheinlich nicht schnell genug. Die hinter ihm sitzende Dame macht ihn darauf aufmerksam, daß soeben der Kaiser an der großen Pappel zu Pferde gestiegen ist und die Front seiner Truppen entlang sprengt, ihnen seinen „Guten Morgen“ entbietend. Der Herr im Wagen hat den Feldstecher herausgenommen und beobachtet mit gespannter Aufmerksamkeit das farbenprächtige Schauspiel. Gewöhnlich fährt der Kaiser, von Potsdam kommend, bis zum Bahnhof Groß-Görschenstraße. Hier verläßt er mit der Kaiserin den Zug und die Majestäten besteigen die Pferde. Ist die Parade dann zu Ende und die Kritik vorbei, so setzt sich der Kaiser an die Spitze der Fahnenkompagnie und führt unter den schmetternden Klängen altpreußischer Märsche und Fanfaren die alten ruhmbedeckten Feldzeichen seiner Garden selbst ins Schloß zurück.