Johanna Bayerin von Sendau

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Carl W. F. L. Stocker
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Johanna Bayerin von Sendau
Untertitel:
aus: Alemannia, XX. Band, S. 296–297
Herausgeber: Fridrich Pfaff
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1892
Verlag: P. Hanstein
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Bonn
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: Commons, Google-USA*
Kurzbeschreibung:
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite
[296]
JOHANNA BAYERIN V. SENDAU.

In seiner Schrift „die Burg Hachburg“ schreibt Herbst S. 153: Um 1680 war eine Frau in ziemlich enger Haft auf Hachberg, was einige Jahre dauerte. Markgraf Friedrich VI. lebte nach dem 1662 erfolgten Tode seiner Gemahlin in einem engen Verhältnis mit jener und erzeugte mit ihr zwei Söhne, welche mit dem Dorfe Münzesheim zu einem rechten Mannlehen beliehen wurden und den Titel Barone v. Münzesheim erhalten hatten. Ihre Mutter war allem Anschein nach eine Obristentochter. Nach dem Tode des Markgrafen hielt sie sich noch in Durlach auf, hatte sich aber unvorsichtig und anmaßend benommen, bedeutenden Aufwand getrieben und Schulden gemacht, so dass Markgraf Friedrich Magnus es für nöthig hielt, sie dem öffentlichen Leben mehr zu entziehen und in Hinsicht der Ausgaben zu beschränken.

Auf Hachburg ward ihr nur eine Dienerin gelassen. Da sie sich bei Verlust ihres Leibgedings (200 fl. Geld, 10 Mltr. Roggen, 20 Mltr. Dinkel, 2 Fuder Wein, 20 Klftr. Holz) nicht von der Burg entfernen durfte, so führte sie hier ein eingezogenes Leben, worüber sie sich öfters beklagte, besonders dass man ihr nicht gestatte, auswärts dem Gottesdienst beizuwohnen. Es wurde ihr durchaus nicht gestattet, sich Baronesse v. Münzesheim zu nennen, sondern es war ihr strenge befohlen, nur ihres eigenen Namens sich zu bedienen; wie er aber gelautet, ist dem Verfasser aus den Akten nicht bekannt; sie unterzeichnete sich nur mit dem Buchstaben J. Sie musste einen Revers unterschreiben, worin sie sich verpflichtete, „fromm, still und eingezogen sich zu verhalten, alle verdächtigen Conversationen und Correspondenzen zu unterlassen und unter anderm auch, dass sie da, wohin man sie weise, bleiben werde.“ Sie beschwerte sich öfters, dass sie schon 5 Jahre viel ausgestanden und dass man sie beim jetzigen Fürsten verleumdet haben müsse. Sie wurde dann später, gegen Ende 1681 von Hachburg wieder entfernt und nach Remchingen bei Pforzheim transportiert, wo für sie (wahrscheinlich im dortigen Schloss) ein besonders zugerichtetes Gemach angewiesen wurde. Die Abfahrt musste in möglichster Stille geschehen und der Magd und dem Kutscher wurde eingeprägt, unterwegs Niemanden mit ihr reden zu lassen. Von dem weiteren Schicksal dieser Person ist nichts bekannt.

[297] Sachs, Einl. in d. Gesch. d. M Grafsch. Baden IV, S. 699 teilt nur mit, dass Friedrich VI. mit einer Offizierstochter 2 Söhne gezeugt habe, die mit Münzesheim belehnt wurden und gibt in einer Anmerkung die Nachricht, dass sie im 3. Teil von Puffendorffs Einleitung die Tochter eines Colonels oder Obristen genannt werde.

Nach einem Eintrag im Totenbuch in Münzesheim starb daselbst am 24. Juni 1699, 63 Jahre alt, Johanna Bayerin von Sendau aus Welsch-Neuburg. Sie ist offenbar von Remchingen hierher zu ihrem Sohne Bernhard gekommen, nachdem er vom Gute Besitz ergriffen hatte; sie konnte notdürftig in der alten Burg wohnen, während ihr Sohn wol das sog. waldhofische Haus bewohnte. Mit Remchingen scheint man in guten Beziehungen gestanden zu sein, da die zweite Gemahlin Bernhards v. M. Juliana Sabina v. Remchingen war. (Vgl. m. Chron. v. Münzesheim, S. 71.)

MINGOLSHEIM. STOCKER.