Kälte von -110°C. ein - Heilmittel

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Titel: Kälte von −110° C. ein – Heilmittel
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 8, S. 132
Herausgeber: Adolf Kröner
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Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1895
Verlag: Ernst Keil’s Nachfolger in Leipzig
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[132] Kälte von – 110° C. ein – Heilmittel. Wiederholt haben wir über die Versuche berichtet, die von dem berühmten Physiker Raoul Pietet mit künstlich erzeugten äußerst niedrigen Temperaturen angestellt werden. In unserem Artikel „Brennender Frost“ in Nr. 52 des Jahrgangs 1893 haben wir von der verderblichen Wirkung ungemein niedriger Temperaturen auf den Menschen berichtet, heute möchten wir kurz erwähnen, daß dieser Frost, wie er unter natürlichen Umständen auf der Erde noch niemals beobachtet wurde, auch wohlthätig den Menschen zu beeinflussen vermag.

Pietet machte die Entdeckung, daß eine Kälte, die unter– 65° C. liegt, sich ganz eigenartig verhält. Gegen einen solchen Frost schützen keine schlechten Wärmeleiter; diese Kältestrahlen dringen durch den dichtesten Pelz und das schönste Federbett mit derselben Leichtigkeit wie der Sonnenstrahl durch die Glasscheibe. Pietet wollte nun sehen, wie sich Tiere in einer solchen Kälte verhalten würden. Er hüllte sie darum in Pelze ein und versenkte sie in einen Gefrierschacht von – 110° C. Temperatur, wo sie kurze Zeit verblieben. Nach der Ansicht des berühmten Physikers waren sie hier von der Kälte von 0° bis – 65° durch die Pelze geschützt und nur der Einwirkung der alles durchdringenden Kälte von –65° bis –110° C. ausgesetzt. Die Tiere ertrugen diese ungemein niedrige Temperatur und verließen den Gefrierschacht mit einem wahren Heißhunger behaftet. – Nun stieg der Forscher selbst, wohl in Pelze eingehüllt, in den Gefrierschacht bei einer Temperatur von -110° C. Nach vier Minuten stellte sich bei ihm das Gefühl eines wahren Heißhungers ein und er verließ den Schacht mit dem größten Appetit. Das war höchst überraschend, denn Herr Pietet litt seit zehn Jahren an einer schmerzhaften Magenkrankheit und wußte seit lange nicht mehr, was Appetit heißt. – Er war darum über diese Wirkung des Gefrierschachts aufs höchste erstaunt und er begab sich nun wiederholt in denselben. Nach acht Sitzungen hatte sich auch seine Verdauung gebessert und die Schmerzen waren verschwunden. Der Kälteforscher hatte sich selbst geheilt. – Der Vorfall ist höchst eigenartig und interessant: aber vereinzelte Versuche haben noch keine Beweiskraft; weitere Versuche werden ergeben, ob der künstliche Frost von -110° C. sich wirklich zu Heilzwecken wird verwenden lassen; dann würden wir ein neues „Frostheilverfahren“, eine Frigotherapie, besitzen!

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