Karl August von Weimar und seine Pikesche

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Titel: Karl August von Weimar und seine Pikesche
Untertitel:
aus: Die Gartenlaube, Heft 7, S. 112
Herausgeber: Ferdinand Stolle
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1860
Verlag: Verlag von Ernst Keil
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: Scans bei Commons
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[112] Karl August von Weimar und seine Pikesche. Es ist bekannt, daß Karl August ein prunkloses Auftreten liebte, und namentlich auch in seiner äußeren Erscheinung immer, wo es nur irgend anging, sich sehr schlicht und einfach zeigte. In seinen späteren Jahren kam hierzu noch eine große Neigung zur Bequemlichkeit. Es war ihm zuwider, ein neues Kleidungsstück anzuziehen; seine bekannten grünen (sogenannten polnischen) Pikeschen mußten, wenn sie schadhaft wurden, ausgebessert werden, solange es nur irgend anging. Es bedurfte oft förmlicher Ueberredung, um ihn zur Anlegung eines neuen Kleidungsstücken zu bewegen. Die abgelegten Kleider schenkte er seinem Kammerdiener, der sie dann in den Trödel verkaufte.

Einen Morgens beim Ankleiden hielt ihm sein alter treuer Kammerdiener Hecker den Rock hin, der Großherzog fuhr mit dem einen Arm in den Aermel hinein, hielt aber sogleich inne und sagte ärgerlich:

„Was Teufel, das ist ja eine neue Pikesche! Gleich bring mir die alte!“

„Ach, Königliche Hoheit,“ antwortete Hecker, „die habe ich fortgethan. Sie war ja so vielemal gestickt, und nun sind auch die Aermel beinahe durchgescheuert. Es schickt sich weiß Gott nicht mehr, daß Königliche Hoheit sie noch anziehen.“

„Wo hast Du sie hin?“

„Ich habe sie mit nach Hause genommen.“

„Du hast sie wohl gar schon verkauft?“

„Nein, noch nicht, Königliche Hoheit!“

„Was kriegst Du denn für so ein Ding?“

„Sehr wenig! Hoheit wissen ja, wie abgetragen Ihre Röcke immer sind Wenn’s hoch kömmt, einen Thaler“

„Na, daß Du nicht zu Schaden kommst, hier hast Du einen Thaler! Aber jetzt gehst Du sogleich und holst mir meine alte Pikesche!“