Kolokotroni’s Tod

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Titel: Kolokotroni’s Tod
Untertitel:
aus: Illustrirte Zeitung, Nr. 4 vom 22. Juli 1843, S. 56
Herausgeber: Johann Jacob Weber
Auflage:
Entstehungsdatum: 1843
Erscheinungsdatum: 1843
Verlag: J. J. Weber
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Erscheinungsort: Leipzig
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Quelle: MDZ München, Commons
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Kolokotroni’s Tod.

Theodor Kolokotroni, der berühmteste und berüchtigste Heerführer der Griechen im Freiheitskriege, starb am 16. Februar 1843 zu Athen am Schlagfluß. Die Leiche ward am Begräbnißtage in seiner Paradeuniform mit allen Orden, die er getragen, nach Landessitte mit unbedecktem Gesicht in einen offenen Sarg gelegt. Fast alle Bewohner Athens, die Garnison, die Regierungsbeamten, das diplomatische Corps, mit Ausnahme des französischen Gesandten, begleiteten ihn zu Grabe.

Kolokotroni war um das Jahr 1765 zu Karitene im Peloponnes geboren, wo seine Vorfahren seit undenklichen Zeiten als Klephtenführer lebten und namentlich sein Vater sich auch durch Widerstand gegen Ali Pascha von Janina ausgezeichnet hatte. Schon früher machte sich Kolokotroni selbst durch Verschlagenheit und Verwegenheit bekannt. Von den Türken zur Flucht gezwungen, trat er am Anfang dieses Jahrhunderts auf den jonischen Inseln in russische und im Jahr 1814 in englische Militairdienste. Später ließ er sich auf Zante nieder, wo er die Lieferung des Fleischbedarfs übernahm und dadurch in vielfache Verbindungen mit dem Peloponnes kam, von wo das Schlachtvieh bezogen wird. Er gehörte zu den Hauptanstiftern der griechischen Revolution und kaum war im April 1821 der erste Schuß gefallen, so gab er sein Gewerbe auf, eilte nach Morea hinüber und stand bald an der Spitze einer beträchtlichen Kriegerschar. Mit vielem Glück nahm er an den Wechselfällen des vieljährigen Kampfes Theil, zeichnete sich aber bei jeder Gelegenheit durch Herrschsucht und Habgierde aus. Auch als England, Frankreich und Rußland einschritten, die türkische und ägyptische Flotte bei Navarin vernichteten, die türkischen und ägyptischen Truppen aus den festen Plätzen vertrieben und das Land den Griechen überlieferten, blieb Kolokotroni noch immer einer der einflußreichsten Männer in Griechenland. Wegen seines beständigen Kampfes gegen jede geregelte Regierungsform und in Folge vieler Gewaltthätigkeiten, die er sich zu Schulden kommen ließ, wurde er später vor Gericht gestellt und zum Tode verurtheilt. Die Regierung verwandelte die Todesstrafe in Gefängniß, begnadigte ihn bald vollständig, überhäufte ihn von Neuem mit Ehren und gab ihm selbst die großen Besitzungen zurück, die er sich früher gewaltsam angeeignet hatte. Man konnte nicht vergessen, daß sein unbeugsamer Muth, seine außerordentliche Umsicht und seine Kenntniß des Kriegs, an den die Griechen gewöhnt waren, sowie der Ruhm seines Namens und seine nahe Verwandtschaft mit den einflußreichsten Familien Moreas das Hauptmittel gebildet, wodurch die Türken verhindert worden, die Revolution gleich beim ersten Ausbruch zu ersticken.

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Theodor Kolokotroni auf dem Paradebette