Kuno von Falkenstein

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Textdaten
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Autor: Heinrich Schreiber
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Titel: Kuno von Falkenstein
Untertitel:
aus: Die Volkssagen der Stadt Freiburg im Breisgau S. 96–99
Herausgeber: Heinrich Schreiber
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1867
Verlag: Franz Xaver Wrangler
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Erscheinungsort: Freiburg
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Quelle: UB Freiburg und Commons
Kurzbeschreibung:
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54. Kuno von Falkenstein.

Gegen Ende des Jahres 1146 hatte der hl. Bernhard von Clairvaux im Münster zu Freiburg mit solchem Erfolge das Kreuz gepredigt, daß sich viele Vornehmste der Stadt und Umgegend damit zur Fahrt in das gelobte Land bezeichnen ließen. Darunter befand sich auch Kuno von Falkenstein. Er hatte ohnehin schon jahrelang in kinderloser [97] Ehe dem Aussterben seines Hauses kummervoll entgegengesehen und hoffte, daß er dieses für ihn herbste Unglück durch brünstiges Gebet an den Stätten wenden werde, an welchen einst der Heiland gelebt und gelitten. So nahm er denn schweren Herzens von seiner Gemahlin Ida Abschied, brach zum Probezeichen gegenseitiger Treue den Ehering und überreichte ihr die eine Hälfte mit den Worten: „sie habe sieben Jahre lang seine Rückkehr zu erwarten, darüber hinaus möge sie es als zuverlässig annehmen, daß er gefallen und somit ihr Eheband ausgelös’t sei.“ Unter Thränen beschwor ihm Ida, was er verlangte und alsbald brach er mit seinen Knappen auf, um sich dem großen Heereszuge anzuschließen.

Hier wurden jedoch die Meisten in ihren Erwartungen getäuscht; Krankheiten, Mangel an Lebensmitteln und das Schwert der Saracenen richteten furchtbare Verheerungen unter den Pilgern an. Den Ritter Kuno selbst traf das traurigste Loos, über einem Haufen erschlagener Feinde niedergeworfen und in die Gefangenschaft abgeführt zu werden. Hier wurde er zu den niedrigsten Arbeiten entwürdigt, sogar wie ein Zugvieh vor den Pflug gespannt, und der Geißel des Sclaventreibers preisgegeben.

In solchem Elend vergingen volle sieben Jahre, als es endlich dem Ritter gelang zu entfliehen. Aber noch gingen seine und seiner Gemahlin Prüfungen nicht zu Ende. Während diese auf Alt-Falkenstein von habgierigen Freiern umlagert und ihres Lebens kaum sicher war, irrte Kuno, des Weges unkundig, in Wüsteneien rastlos umher. Erschöpft von solchen Anstrengungen und betäubt, fiel er endlich in einen langen und tiefen Schlaf, worin ihm aber wirre Träume weiter keine Ruhe ließen. Sie gaukelten ihm vor, wie seine Ehefrau, ihres Versprechens entbunden und ihn für todt haltend, nun von übermüthigen Nachbarn bestürmt und, nach vergeblichem Widerstande, gezwungen [98] werde, einem derselben ihre Hand zu reichen. Verzweiflungsvoll fuhr er auf und sieh! da stand der Böse in leibhafter Gestalt vor ihm und bestätigte grinsend, was Kuno im Traume gesehen hatte. So schien ihn nur noch der Bund mit dem Versucher selbst zu retten, und der Ritter verstand sich endlich dazu, diesem verfallen zu sein, wenn er, von ihm nach Hause getragen, auf der Fahrt einschliefe.

Augenblicklich öffnete sich im Boden ein tiefer Spalt, unter Flammen und Rauch stieg ein Löwe empor, den Kuno sofort bestieg und auf dem er hoch über Land und Meer dahinflog. Aber der Weg aus Palästina bis auf den Schwarzwald ist weit und unmerklich wurde, so sehr er sich dagegen sträubte, der erschöpfte Ritter neuerdings vom Schlafe beschlichen. Aber sieh! da fliegt aus den Wolken ein Falke herab, der sich auf seinen Kopf setzt und mit Schnabel und Flügeln den Ritter wach erhält. Schon wurde der Münsterthurm von Freiburg sichtbar. Dann ging es flugs das Kirchzartner Thal hinauf, durch das Himmelreich in die Höllenschlucht, wo der Löwe, ergrimmt überlistet zu sein, den Ritter am Fuße seiner Feste brüllend absetzte und verschwand.

So einsam es nun in der Tiefe war, so lärmend war es oben, wo sich bereits die Hochzeitgäste, unter Posaunen- und Pauken-Schall, dem rauschendsten Jubel hingaben, während Ida mit thränenden Augen das wilde Getümmel überblickte.

Da meldete der Thorwart einen Pilger, mit ellenlangem Barte und zerrissenen Kleidern, der angeblich aus dem gelobten Lande komme und eines erquicklichen Trunkes gewärtig sei. Obgleich die Gäste auf Abweisung des Landstreichers, wie sie ihn nannten, drangen, so füllte die Hausfrau doch einen Becher mit Wein, den der Pilger auf einen Zug leerte und darauf den halben Goldring zum Dank einlegte. Da nun der Thorwart den Becher wieder an die [99] Gräfin zurückstellte, erblickte sie, voll erschütternder Ahnung, des fremden Mannes Hochzeitgabe; warf auch ihrerseits den halben Ehering, von dem sie sich seither niemals getrennt hatte, zu demselben, und Wunder! die Hälften vereinigten sich zum Ganzen.

Da hob die Ueberglückliche den alten und neuen Ehering hoch empor, stürzte damit, Gott preisend, durch die Schaaren der Anwesenden und sank an der Pforte, um Verzeihung und Wiederaufnahme flehend, vor dem längst todtgeglaubten Gemahl nieder. Während dieser sie unter Freudenthränen emporhob und an sein Herz drückte, verloren sich nach und nach die verblüften Gäste, und nur der treue Falke, ehe er in die höheren Lüfte zurückkehrte, fuhr fort, die Wiedervermählten teilnehmend zu umkreisen.

Fortan wurde ihnen auch reicher Kindersegen zu Theil. Ein Bild des rettenden Falken, schnäbelnd und mit geschwungenen Flügeln, nahm aber Kuno, wie noch alte Pergamentbriefe ausweisen, in sein und seines Hauses Rittersiegel auf.

(H. Schr.)