Lindor und Mirtha

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Textdaten
Autor: Sophie Mereau
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Lindor und Mirtha
Untertitel:
aus: Friedrich Schiller:
Musen-Almanach für das Jahr 1798, S. 100
Herausgeber: Friedrich Schiller
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1798
Verlag: J. G. Cotta
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: Tübingen
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: HAAB Weimar, Kopie auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo-v2.svg Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
Indexseite



[100]
Lindor und Mirtha.


Mirtha.

Lindor, es sinket der Tag, verglimmend in heimlichem Schimmer,
     Und dem Verscheidenden tönt, nirgends ein freundliches Lied,
Sieh’ wie ein neblichtes Meer umwallet die fernen Gebirge,
     Sieh, wie im traurigen Duft dort die Ruine versinkt!

Lindor.

5
Welch’ ein liebliches Licht! Komm laß uns den Gipfel ersteigen,

     Wie um das graue Gestein spielet der rosige Duft!
Ha! wie erquickt mich die Luft! Geliebte, es wanken die Berge

[101]

     Leicht von Nebel umwallt, oben in Feuer getaucht!

Mirtha.

Wie ist die Reb’ entstellt, der goldnen Trauben entladen,
     Wie ihr welkendes Laub traurig den Fuß mir umrauscht!

10
Und das stille Gehölz, wie säuseln im Winde die Blätter

     Sterbend hernieder, wo oft Amor mit uns sich verbarg.

Lindor.

Weihte, du Liebe, sich nicht der Rebe reifende Kinder
     Bacchus der freundliche Gott, gab uns den himmlischen Saft?
Und der gefällige Busch – es küssen die schmeichelnden Lüftchen

15
     Wie mit dem Kreisel das Kind spielend, das Laub ihm hinweg.
[102]
Mirtha.

Sieh, wie weit sie hinweg den Schmuck des armen entführen,
     Scheidend noch schmeicheln und dann ewig den traurigen fliehn!
Ach! es wehet die Luft mit stiller tiefer Bedeutung,
     Wehet und locket ins Herz manches wehmüthige Bild.

Lindor.

20
Liebchen! es kehret der Lenz, es kehren die schmeichelnden Lüfte

     Einst mit süßerem Kuß, zu den Dryaden zurück,
Mich umwallet die Luft mit leichter, schmeichelnder Hofnung
     Wehet und lockt mir ins Herz manches erfreuliche Bild.

[103]
Mirtha.

Ach! daß Alles vergeht! die Blumen und Jugend und Liebe,

25
     Nur die Sehnsucht der Brust nach Unvergänglichem bleibt!

Geister auch trennet die Zeit, verwandte Seelen – sie finden,
     Waren sie einmal getrennt, leicht sich auf ewig nicht mehr!

Lindor.

Ist denn der Wechsel nicht schön? es finden auch Seelen sich wieder,
     Eint sie nicht oft ein Moment, welcher den Himmel umschließt?

30
Ha! wie strahlet die Welt voll heitrer, freundlicher Bilder,

     Ueberall winkt uns Genuß, überall Jugend und Glück!

[104]
Mirtha.

Laß mich, ich neide dich nicht! mit süßen, unendlichen Qualen
     Hält mein liebender Sinn ewig das Eine nur fest!
Hin auf die Bühne der Welt zerstreue die Seele voll Liebe,

35
     Während mein liebendes Herz innigst die Welt in sich zieht.
SOPHIE MEREAU.