Lobrede auf Nero

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Textdaten
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Autor: Johann Gottfried Herder
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Titel: Lobrede auf Nero
Untertitel:
aus: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung) S. 131–134
Herausgeber:
Auflage: 1. Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1793
Verlag: Carl Wilhelm Ettinger
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Erscheinungsort: Gotha
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Originaltitel:
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Originalherkunft:
Quelle: Google und Commons
Kurzbeschreibung:
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Bearbeitungsstand
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Lobrede auf Nero.[1]


A. Endlich hat sich gar einer gefunden, der dem Nero eine Lobschrift schrieb. Abscheulich!

B. Der Autor hat bei mir große Gunst gefunden.

A. Wie? kanns Ihnen angenehm seyn, daß Ungeheuer der Erde, daß die Pest des menschlichen Geschlechts entschuldigt werde?

B. Wie die menschliche Natur ist, kann mir nichts so Ungereimtes und Ungeheures genannt werden, das nicht auf dem Gipfel von Macht und Ungebundenheit veranlaßt, befohlen, endlich auch entschuldigt werden könnte; wenn Gott nicht drein siehet.

A. Was werden wir also von denen sagen, die auf dem Gipfel von Macht und Ungebundenheit sich Schuldlos und löblich betrugen?

B. Wir wollen von ihnen sagen, daß sie etwas über Menschenkräfte durch eine besondere Wohlthat Gottes geleistet haben, der seine Barmherzigkeit der Welt erzeigen wollte, wenn unsre Erde wenigstens einen Athemzug der Erholung bedorfte. Denn da die Menschen mit so gar viel Irrthümern umfangen sind, daß dieserwegen ihnen immer unwohl seyn müßte: so träuft von Gottes Güte dann und wann ein milder Tropfe hinein, daß der Staub unsrer Erdendinge wenigstens zusammenhält.

A. Wer indessen wird einen Nero empfehlen?

B. Merken Sie: Nero ist in dieser Schrift nie entschuldigt; er ist nur mit denen zusammengestellt worden, die die Welt am unschuldigsten glaubt. Und es hat durch diese sinnreiche Vergleichung gezeigt werden sollen, daß nicht etwa der einzige Nero ein Tyrann gewesen, sondern daß vor und nach ihm, ja auch noch jetzt mehrere dergleichen Nero’s leben, wenn einmal die Sache recht erwogen und mit freier Zunge geurtheilt werden darf. Das Herz der Menschen ist aller Bosheit fähig, sobald Zeit und Umstände diese gestatten; kein Herz ist milde, als in dem Gott wohnet. Unser Christenthum schärft also einzig und vor allem Furcht und Ehrerbietung vor Gott, Gottes Anregung, Gottes Beistimmung ein, daß, wer andern vorgesetzt ist, auf keine Weise nach seinem Gefallen, nach seiner Willkühr befehlen zu dörfen glaube, sondern seine Gesetze nach den Gesetzen des Himmels ordne. Ist diese Grundregel einmal verlohren, oder verderbt; sogleich entstehen Ungeheuer der Menschheit, Thaten, die den Erdball drücken und plagen. Da unser edle Schriftsteller nun zu seiner Zeit deren mehrere kannte und selbst erfahren hatte; so wollte er nicht, daß die Nachwelt durch eine schändliche Schmeichelei hintergangen[WS 1] würde, als ob Die Götter, Heilande ihres Volks wären, die unter Menschen kaum den Namen wilder Thiere verdienten. Wen konnte er zu dem Ende schicklicher auf- und vorführen, als den Nero? ihn, aller Grausamkeit und Lüste Fürsten.

A. Wenn dem so ist, so bin ich dem Lobredner Nero’s schon geneigter.

B. Warum sollten Sie es nicht seyn? da er nur zeigen wollte, daß „jeder Nero etwas von Trajan und jeder Trajan etwas von Nero an sich trage.“


  1. Sie ist bekanntermaaßen von Cardanus.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: hinterganzen