MKL1888:Aali Pascha

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Vorheriger
Aalesund
Nächster
Aall
Wikisource-logo.svg

Wikisource-Seite: [[{{{Wikisource}}}]]

Tango style Wikipedia Icon.svg
Wikipedia-Artikel: Aali Pascha
Wiktionary small.svg
Wiktionary-Eintrag:
Seite mit dem Stichwort „Aali Pascha“ in Meyers Konversations-Lexikon

Originalseite(n)
7; 8

fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Empfohlene Zitierweise
Aali Pascha. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 1, S. 7. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Aali_Pascha&oldid=- (Version vom 06.09.2014)

Aali Pascha, Mehemed Emin, hervorragender türk. Staatsmann, geb. 1815 als Sohn eines Beamten zu Konstantinopel, ward auf Empfehlung Reschid Paschas bereits mit 15 Jahren im Übersetzungsbüreau des auswärtigen Amtes angestellt, wo er sich in kurzer Zeit eine umfassende Bildung aneignete. Im J. 1835 wurde er zweiter Gesandtschaftssekretär in Wien, 1838 Gesandtschaftsrat und nach einem kurzen Aufenthalt als Unterstaatssekretär in Konstantinopel 1840–44 Gesandter in London. In dieser Zeit gewann er, die europäischen Verhältnisse mit freiem Blick beurteilend, die Überzeugung von der Notwendigkeit durchgreifender innerer Reformen im türkischen Reich. Unter Reschid Pascha als Großwesir war A. Minister der auswärtigen Angelegenheiten in der vielbewegten Zeit von 1846 bis 1852. Dann eine kurze Zeit selbst Großwesir, fiel er schon im Oktober 1852 in Ungnade und ward Statthalter zu Smyrna, dann in Brussa. Während des orientalischen Kriegs im Oktober 1854 zurückberufen, erhielt er auch diesmal neben Reschid Pascha als Großwesir die Leitung der auswärtigen Politik und nahm an den im März 1855 zu Wien beginnenden Verhandlunggen über die vier Garantiepunkte Anteil. Seit Juli 1855 selbst Großwesir, präsidierte A. der Kommission, aus deren Verhandlungen der Hattihumajum vom 18. Febr. 1856 hervorging, ein gewaltiger Fortschritt in dem innern Leben der Türkei, insofern er die Gleichberechtigung aller Nationalitäten und Bekenntnisse im türkischen Reich verkündigte. Auch bei den Verhandlungen des Pariser Friedens vertrat A. mit großer Entschiedenheit und Gewandtheit die türkischen Interessen, vermochte indes nicht mit allen seinen Wünschen durchzudringen. Namentlich die Festsetzungen über die Donaufürstentümer bereiteten der Pforte Schwierigkeiten und veranlaßten schon 1. Nov. 1856 Aali Paschas Rücktritt vom Großwesiramt. Indes blieb er Mitglied des Großen Rats und Minister ohne Portefeuille; auch ward er (im Januar 1858) nach dem Tod Reschid Paschas wieder Großwesir. Allein da seinem Reformeifer das Drängen der Vertragsmächte lästig wurde und ihre Forderungen unzweckmäßig erschienen, trat A. nach kurzer Zeit wieder ab. Für kurze Zeit hatte er das Großwesiramt noch einmal interimistisch, vom Juni bis November 1861 auch definitiv inne, worauf er wieder das Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten übernahm. Mit dem Großwesir Fuad Pascha fuhr er entschlossen in den Reformen fort: sein schon im September 1865 gemachter Vorschlag, durch Einziehung des Wakuf, d. h. der Moscheegüter, der Finanznot des Staats abzuhelfen, wurde endlich 1868 wenigstens teilweise ausgeführt, nachdem A. im Februar 1867 wieder Großwesir, Fuad Pascha Minister des Auswärtigen geworden war. Während des Sultans Reise zur Pariser Ausstellung im Sommer 1867 führte A. die Regentschaft, unterdrückte im Winter 1867–68 den Aufstand in Kreta und war auch weiterhin die eigentliche Seele der nun von dem Sultan selbst betriebenen Reformen, welche die Türkei von Grund aus umgestalten sollten, trat dabei aber den erneuten Unabhängigkeitsgelüste Ägyptens 1869 mit ebensoviel Energie wie Erfolg entgegen. Mitten in seinen Entwürfen, deren Ausführung [8] durch innere und auswärtige Verwickelungen vielfach gehindert und gefährdet wurde, starb A. 6. Sept. 1871 auf dem Landsitz Erenkeni in Kleinasien.