MKL1888:Antigŏne

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Meyers Konversations-Lexikon
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Seite mit dem Stichwort „Antigŏne“ in Meyers Konversations-Lexikon

Originalseite(n)
635

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Antigŏne. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 1, S. 635. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Antig%C5%8Fne&oldid=- (Version vom 25.10.2015)

Antigŏne, die edle Tochter des Ödipus und seiner Mutter Iokaste, begleitete ihren Vater, als er seine Blutschande entdeckt und sich geblendet hatte, auf seinen Fahrten und kehrte, nachdem er zu Kolonos in Attika bei Theseus Zuflucht und seiner Leiden Ziel gefunden, nach Theben zurück und gewann die Liebe Hämons, des Sohns des Königs Kreon. Als ihre Brüder Eteokles und Polyneikes (s. d.) im Zweikampf gegeneinander gefallen waren und Kreon die Beerdigung des letztern bei Todesstrafe verboten hatte, bedeckte sie trotzdem den geliebten Leichnam mit Erde. Kreon ließ sie in einer Felsengruft lebendig begraben; sein Sohn gab sich an ihrer Leiche den Tod. Nach Hygins Erzählung verbrannte sie mit Argeia, der Gattin des Polyneikes, dessen Leichnam auf dem Scheiterhaufen des Eteokles; von den Wächtern ergriffen, ward sie von Kreon seinem Sohn Hämon übergeben, sie zu töten. Hämon aber verbarg sie bei einem Hirten und zeugte mit ihr einen Sohn, der später an dem Abzeichen seines Geschlechts erkannt wurde. Kreon geriet darüber in Wut, und um seinem Zorn zu entgehen, tötete Hämon die Gattin und sich selbst. Sophokles’ herrliche Tragödie „A.“, welche der ältern Fassung der Sage folgt, besitzen wir noch, eine von Äschylos gedichtete ist verloren. Sonst kommt A. auch in andern Tragödien vor, z. B. in Sophokles’ „Ödipus auf Kolonos“, in Äschylos’ „Sieben gegen Theben“ und in Euripides’ „Phönissen“.