MKL1888:Bradford

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Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Bradford“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 3 (1886), Seite 301302
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Bradford. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 3, Seite 301–302. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Bradford (Version vom 14.04.2021)

[301] Bradford (spr. brädd-), 1) Fabrikstadt im West Riding von Yorkshire (England), 14 km westlich von Leeds, ist eine freundliche Stadt mit hübschen, meist aus hellfarbigen Quadersteinen erbauten Häusern und zahlreichen von Gärten umgebenen Villen, hat über 50 Kirchen, ein Seminar der Independenten (Airedale College bei Undercliffe), ein Baptistenseminar, eine lateinische Schule, ein Handwerkerinstitut, ein Institut der Oddfellows, ein Augenhospital und zählt (1881) 183,032 Einw. (gegen 106,218 im J. 1861). B. ist Sitz eines deutschen Konsuls. Unter den öffentlichen Gebäuden nehmen das 1873 vollendete Stadthaus (Townhall) und die benachbarte St. George’s Hall den vornehmsten Platz ein. Erstere ist eine vollendete Nachahmung des Palazzo Vecchio mit 61 m hohem Turm. Davor eine Bildsäule des Fabrikanten Titus Salt (s. Saltaire). Außerdem sind zu erwähnen: die Börse in venezianischem Stil, die Piece Hall (zum Verkauf von Tuch), die Markthalle, ein großes Krankenhaus u. a. Am Bahnhof steht seit 1869 die Statue Richard Oastlers (von Phipp), der die sogen. „Zehnstundenbill“ für die Fabrikarbeiter durchsetzte. B. ist Hauptsitz der Kammgarnspinnerei und -Weberei in England und verwendet außer Schafwolle auch Alpako- und Vicunnawolle. In seinen Kammgarn- (oder Worsted-) Fabriken waren 1881: 33,108 Arbeiter beschäftigt, während sämtliche andre Zweige der Textilindustrie nur 7711 beschäftigten. Wichtig ist die Baumwoll- und Seidenindustrie, auch die Färbereien und Bleichereien sind von Bedeutung. Außerdem hat B. Maschinenbaustätten (mit gegenwärtig ca. 2100 Arbeitern), Walzwerke, Gießereien, Gerbereien, Seifensiedereien und eine Brauerei. Vgl. Cudworth, Round about B. (Bradf. 1880). – 2) B. on Avon, alte Stadt in Wiltshire (England), 8 km südöstlich von Bath, im tiefen Thal des Avon und an den steilen Hängen desselben, besitzt in der sächsischen St. Lawrencekirche ein seltenes Baudenkmal aus dem 10. Jahrh. und hat (1881) 4935 Einw. Die Stadt ist seit alters ein Sitz der Tuchweberei. – 3) Stadt in Lancashire (England), Vorstadt von Manchester, mit (1881) 16,113 Einw. – 4) Erst in jüngster Zeit herangewachsene Stadt im NW. des amerikan. Staats Pennsylvanien, Grafschaft Mac Kean, nahe der Nordgrenze, mit Steinölquellen und (1880) 9197 Einw.

Bradford (spr. brädd-), 1) William, Buchdrucker, geb. 1658 zu Leicester in England, wanderte mit den ersten Quäkern 1682 nach Philadelphia aus und gründete daselbst die erste Buchdruckerei, als deren erstes Erzeugnis ein „Kalendarium Pennsilvaniense, or America’s Messenger“ für das Jahr 1686 bekannt [302] ist. B. wurde in die bald nach der Einwanderung in der Kolonie entstandenen Streitigkeiten verwickelt, von ihm veröffentlichte Schriften erklärten die Quäker für aufrührerisch, während die Kolonialregierung sie für unverfänglich ansah, was einen langwierigen Prozeß und Gefangenschaft für B. im Gefolge hatte. Hierdurch wurde ihm der Aufenthalt in Philadelphia so verleidet, daß er, wieder frei geworden, 1693 nach New York übersiedelte, wo er den Titel eines königlichen Buchdruckers und einen Jahrgehalt erhielt, auch 1725 die „New York Gazette“, ein Wochenblatt und die erste Zeitschrift daselbst, gründete. Er starb 23. Mai 1752 daselbst.

2) Andrew, Sohn des vorigen, geb. 1686, erlernte die Buchdruckerkunst im Geschäft seines Vaters, war eine Zeitlang dessen Geschäftsteilhaber, kehrte jedoch 1712 von New York nach Philadelphia zurück, errichtete daselbst eine Buchdruckerei und gab bereits 1719 den „American Weekly Mercury“, die erste Zeitung in der damals noch englischen Kolonialprovinz, heraus. Er starb 1742.