MKL1888:Isidōrus

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Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Isidōrus“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 9 (1887), Seite 34
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Wikisource-Seite: Isidor von Sevilla

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Isidōrus. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 9, Seite 34. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Isid%C5%8Drus (Version vom 11.04.2021)

[34] Isidōrus, 1) I., der Heilige, von Pelusium (Pelusiota), geboren um 370 zu Alexandria, war Archimandrit in einem Kloster bei Pelusium in Unterägypten. Sein Todesjahr ist unsicher. Wir besitzen von ihm noch 2012 Briefe, welche für die Geschichte seiner Zeit von Wichtigkeit sind. Vgl. Niemeyer, De Isidori Pelusiotae vita, scriptis et doctrina (Halle 1825); Glück, Isidori Pelusiotae summa doctrinae moralis (Würzb. 1848).

2) Bischof von Hispalis (Sevilla) seit 594, daher I. Hispalensis, gebürtig aus Cartagena, teilt mit Boethius und Cassiodorus das Verdienst, zur Zeit des gänzlichen Verfalles der Litteratur und Wissenschaft die Kenntnis der alten Klassiker einigermaßen bewahrt und auf die Nachwelt verpflanzt zu haben, in welcher Hinsicht vornehmlich sein Werk „Originum s. etymologiarum libri XX“ (hrsg. von Vulcanius, Basel 1577; ferner in der Sammlung der lateinischen Grammatiker von Gothofredus, Genf 1622, und von Otto im „Corpus grammaticorum“ von Lindemann, Leipz. 1833) von Bedeutung ist, eine Art von Encyklopädie, welche eine Menge der wichtigsten Notizen über das Altertum, zunächst das römische, enthält. Minder wichtig ist eine kleinere, aus ältern Grammatiken geschöpfte Schrift: „De differentiis s. proprietate verborum libri III“, und noch unbedeutender die „Liber glossarum“ betitelte. Als theologischer Schriftsteller trat er auf in seinem liturgischen Werk „De officiis ecclesiasticis libri II“ und den „Sententiarum s. de summo bono libri III“, als Geschichtschreiber in seinem „Chronicon usque ad annum V. Heraclii“, worin eine kurze Geschichte der Goten, Vandalen und Sueven (hrsg. von Rösler, Tübing. 1803) enthalten ist. Er starb 636; sein Tag ist der 4. April. Über die ihm fälschlich beigelegten Dekretalen s. Dekretalen und Pseudo-Isidorus. I.’ Werke wurden am besten herausgegeben von Arevalo (Rom 1790–1803, 7 Bde.) und Migne (Par. 1850); Ergänzungen in „Isidori Hispalensis liber quaestionum“, gesammelt von Heine (Leipz. 1848). Vgl. H. Hertzberg, Die Historien des Isidorus von Sevilla (Götting. 1874).