MKL1888:Kopisch

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Kopisch“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 10 (1888), Seite 70
Wikisource-logo.svg Wikisource-Seite: August Kopisch
Wikipedia-logo-v2.svg Wikipedia-Artikel: August Kopisch
Wiktionary small.svg Wiktionary-Eintrag:
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Indexseite
Empfohlene Zitierweise
Kopisch. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 10, Seite 70. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Kopisch (Version vom 12.08.2021)

[70] Kopisch, August, Dichter und Maler, geb. 26. Mai 1799 zu Breslau, machte seine Kunststudien seit 1815 auf der Akademie in Prag, sodann zu Wien, wo er sich, von Wuk Stephanowitsch, dem Sammler der serbischen Volkslieder, angeregt, auch poetisch versuchte; doch ist nur ein Fragment aus jener Zeit: „Bonse, der Samnite“, von ihm aufgeschrieben. Von 1819 bis 1822 lebte K. in Dresden der Kunst, bis ihm ein Übel an der Hand die fernere Ausübung derselben unmöglich machte, und ging sodann nach Italien, wo er sich in Rom und Neapel teils der Poesie, teils archäologischen Studien widmete. Durch seine Virtuosität im Schwimmen entdeckte er die berühmt gewordene Blaue Grotte (grotta azurra) bei Capri. 1828 nach Deutschland zurückgekehrt, begab er sich nach Berlin, wo er 1838 das Prädikat Professor erhielt. Seit 1847 lebte er in Potsdam, mit einer Beschreibung der königlichen Schlösser in und bei Potsdam im Auftrag des Königs beschäftigt („Die Schlösser und Gärten zu Potsdam“, Berl. 1854). Er starb 3. Febr. 1853 in Berlin, wohin er zu einem kurzen Besuch gekommen war. Seine Gemälde sind meist Skizzen. Als Dichter schrieb er eine vortreffliche Novelle: „Ein Karnevalsfest auf Ischia“ (in Heyse-Kurz’ „Deutschem Novellenschatz“), und höchst originelle „Gedichte“ (Berl. 1836), in denen der Dichter besonders im ergötzlichen Vortrag populärer Schwänke und Streiche, in der Wiedergabe von „allerlei Geistern“ naiven Humor und außerordentliche sprachliche Gewandtheit an den Tag legte. Verdient machte er sich durch die Herausgabe von italienischen Volksliedern unter dem Titel: „Agrumi“ (Berl. 1838); auch eine Übertragung von Dantes „Göttlicher Komödie“ in reimlosen Versen (das. 1840, 3. Ausg. 1882) erschien von ihm. Seine „Gesammelten Werke“ (Berl. 1856, 5 Bde.) gab Bötticher heraus. K. war auch der patentierte Erfinder der Berliner Schnellöfen; ebenso ist das Pleorama des Golfs von Neapel sein Werk.