MKL1888:Melville

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Meyers Konversations-Lexikon
4. Auflage
Seite mit dem Stichwort „Melville“ in Meyers Konversations-Lexikon
Band 11 (1888), Seite 454455
Wikisource-logo.svg Wikisource-Seite: Herman Melville
Wiktionary small.svg Wiktionary-Eintrag:
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Indexseite
Empfohlene Zitierweise
Melville. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1885–1890, Band 11, Seite 454–455. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/wiki/MKL1888:Melville (Version vom 14.04.2021)

[454] Melville (spr. méllwill), 1) Insel an der Nordküste Australiens, zu dem der Kolonie Südaustralien einverleibten Nordterritorium gehörig, 370 km im Umfang, ist hügelig, mit schöner Vegetation bedeckt und besitzt auch einige Häfen. Ihre Nordspitze ist das Kap Vandiemen. Durch die Apsleystraße wird sie von der Bathurstinsel, durch die Clarencestraße vom Festland, durch die Dundasstraße von der Koburghalbinsel getrennt. 1824 wurde hier von Neusüdwales aus eine Militärkolonie errichtet, aber bald wieder aufgegeben. Die einzige Erinnerung daran sind einige Büffelherden. – 2) Wichtigste Insel des nordamerikanisch-arktischen Archipels, unter 75° nördl. Br. und 110° westl. L. v. Gr., im N. des Melvillesunds und von der im NW. gelegenen Prinz Patrick-Insel durch die Fitzwilliamstraße getrennt, 61,900 qkm (1125 QM.) groß. Sie ist begünstigt in Bezug auf Fauna und Flora, gehört geologisch der subkarbonischen Formation an und wurde 1819 von Parry entdeckt, der im Winterhafen (an der Südküste) überwinterte.

Melville (spr. méllwill), 1) Henry Dundas, Viscount, brit. Staatsmann, geb. 28. April 1742 zu Edinburg, widmete sich daselbst dem Studium der Rechtswissenschaft, wirkte nacheinander als Assessor des Edinburger Magistrats, Generaladvokat in Edinburg, Lordadvokat in Schottland (1775–83) und ward von seiner Vaterstadt wiederholt ins Unterhaus gewählt. Hier gehörte er anfangs zur Opposition, näherte sich aber bald dem Ministerium North, dessen Maßregeln in betreff der Kolonien er gegen Burke und Fox geschickt verteidigte, ward nach Norths Rücktritt 1782 in den Geheimen Rat berufen und bald darauf unter der Verwaltung Shelburnes zum Schatzmeister der Marine ernannt. Als Fox ins Ministerium trat, mußte er letztere Stelle aufgeben; dagegen erhielt er, als William Pitt an die Spitze der Verwaltung trat, das Schatzmeisteramt zurück und wurde zugleich Präsident des indischen Kontrollamtes. Beim Ausbruch der Geisteskrankheit Georgs III. suchte er die Erhebung des Prinzen von Wales zum Regenten zu verhindern und ward hierfür 1791 zum Staatssekretär des Innern ernannt, welches Amt er 1794 mit dem Staatssekretariat des Kriegs vertauschte. Als Gouverneur der schottischen Bank und Geheimsiegelbewahrer von Schottland übte er auch in seinem Geburtsland einen großen Einfluß aus. Als vertrauter Freund Pitts legte er 1801 bei dessen Entlassung seine Ämter nieder, ward 1802 zum Baron Dunira und Viscount M. erhoben und 1803 beim Wiederausbruch des Kriegs als erster Lord der Admiralität wieder ins Ministerium berufen. Schon früher mehrmals ungerechter Begünstigungen seines Geburtslandes und der Bestechung bei den Parlamentswahlen beschuldigt, ward er 1806 im Unterhaus der unrechtmäßigen Verwendung öffentlicher Gelder förmlich angeklagt und mußte infolgedessen wieder zurücktreten. Sein Prozeß kam vor dem Oberhaus zur Verhandlung, aber 12. Juni 1806 erfolgte durch Pitts Einfluß seine Freisprechung. M. zog sich bald darauf ganz vom politischen Schauplatz zurück und starb 29. Mai 1811.

[455] 2) Robert Dundas, Viscount, Sohn des vorigen, geb. 14. März 1771, studierte zu Edinburg, trat 1802 für die Grafschaft Edinburg ins Unterhaus, ward 1808 Präsident des indischen Amtes, 1809 Obersekretär für Irland, 1810 aber aufs neue ins indische Amt berufen. Nach dem Tod seines Vaters trat er ins Oberhaus ein, ward unter dem Ministerium Liverpool 1812 erster Lord der Admiralität, Konservator der britischen Museen, Geheimsiegelbewahrer von Schottland und Kanzler der Universität Edinburg, legte aber, als im April 1827 Canning an die Spitze der Verwaltung trat, seine Ämter nieder. Im Januar 1828 betraute ihn Wellington abermals mit der Leitung des Seewesens, bis der Eintritt des Whigministeriums im November 1830 seiner politischen Thätigkeit ein Ziel setzte. In Schottland genoß er indessen bis zu seinem Tod 10. Juni 1851 einen bedeutenden Einfluß. – Sein ältester Sohn, Henry Dundas, dritter Viscount M., geb. 25. Febr. 1801, zeichnete sich als Oberst in den indischen Feldzügen aus, ward 1860 General und starb im Januar 1876 kinderlos. Ihm folgte als vierter Viscount von M. sein Bruder Robert Dundas, geb. 24. Sept. 1803.

3) Hermann, amerikan. Reisender und Romanschriftsteller, geb. 1. Aug. 1819 zu New York, widmete sich dem Seedienst, ging 1842 auf einem Walfischfahrer nach dem Stillen Ozean, desertierte aber 1842 im Hafen von Nukahiwa und ward vier Monate lang von den Eingebornen gefangen gehalten. Durch einen Südseefahrer aus Sydney befreit, besuchte er noch Tahiti und Hawai und kehrte 1844 nach Boston zurück. Diese abenteuerlichen Fahrten schilderte er in „Typee, or Marquesas island“ (Lond. 1846, neue Ausg. 1861; deutsch, Leipz. 1847, 3 Bde.) und in „Omoo“ (Lond. 1847, neue Ausg. 1855; deutsch, Leipz. 1847, 2 Bde.). Schilderungen ähnlicher Art enthalten „Mardi“ (Lond. 1849, 3 Bde.), „Redburn“ (das. 1849, 2 Bde.) und „White jacket“ (das. 1850, 2 Bde.). Seit 1847 wohnte M. in New York, dann bei Pittsfield in Massachusetts, machte 1860 eine Reise um die Welt und starb 1874. Von seinen Romanen sind nennenswert: „The whale, or Moby Dick“ (New York 1851); „Israel Potter“ (1855); „The piazza tales“ (1856); „The confidenceman“ (1857); „Battle pieces“ (1866) u. a.