MKL1888:Schreibmaschine

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Meyers Konversations-Lexikon
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Originalseite(n)
627, 628

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Schreibmaschine. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 14, S. 627. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Schreibmaschine&oldid=- (Version vom 29.02.2020)

Schreibmaschine, Vorrichtung, welche mittels Typen, die nacheinander gegen ein entsprechend bewegtes Blatt Papier gedrückt werden, eine Schrift erzeugt. Nach dem Vorgang des Engländers Mill (1714), des Dänen Malling-Hansen (Schreibkugel) u. a. konstruierte Sholes eine S., welche in der Remingtonschen Gewehrfabrik ausgeführt wurde. Bei derselben arbeitet man mit den Händen auf einer Klaviatur, und die angeschlagenen Tasten setzen Hämmer in Bewegung, die an ihrem Ende die Typen tragen. Diese drücken ein fortrollendes abfärbendes Band gegen das ebenfalls sich fortbewegende Papier und erzeugen dadurch die Schrift. Durch ein Pedal wird die Bildung der Zeilen reguliert. Der Apparat liefert in einer Minute 30–40 (angeblich 70–80) Wörter, und durch Übereinanderschichten von weißem und abfärbendem Papier kann man 5 (angeblich 30) Kopien gleichzeitig herstellen. Ähnlich sind die Maschine von Hammond, der Typenschreiber und der Kalligraph. Bei der Hallschen S. fährt man mit einem Stift in 72 kleine Öffnungen, aus denen die verschiedenen Buchstaben und Zahlzeichen hervorsehen, und bewirkt dadurch deren Abdruck. Die Bostonschreibmaschine [628] erinnert an einen Zeigertelegraphen, die Zeichen stehen auf einem halbkreisförmigen Bügel, und man stellt einen drehbaren Hebel über das abzudruckende Zeichen. Die Maschinen dieser Art sind weniger leistungsfähig, aber klein, leicht und billig. Bei der S. Westphalia von Brackelsberg in Hagen bewirkt man den Abdruck, indem man mit einem hin- und herbeweglichen Stab in die Zacken einer Tastatur oder eines Typenstabes eingreift. Diese Maschine soll sich wesentlich nur für bestimmte Zwecke eignen, sie gestattet, die Alphabete leicht auszuwechseln und einzelne Buchstaben oder Wörter mit andrer Farbe zu drucken. – Die S. gewährt gegenüber der Handschrift mehrere wesentliche Vorteile: Schnelligkeit, Schönheit und Sauberkeit der Schrift und Benutzbarkeit bei Schreibkrampf und andern Leiden, welche das Schreiben verhindern; selbst Blinde lernen die S. benutzen. Dagegen wird von denen, die sich der S. bedienen, über mancherlei Übelstände geklagt, die aber zum Teil nicht allgemein empfunden werden. Namentlich soll die S. nicht an Orten zu brauchen sein, wo mehrere Personen ruhig arbeiten müssen, auch erweist sie sich wenig vorteilhaft für Tabellen und Rechenarbeiten; endlich sind wenigstens die leistungsfähigsten Maschinen unverhältnismäßig teuer.


Jahres-Supplement 1891–1892
Band 19 (1892), Seite 817819
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[817] Schreibmaschine (hierzu Tafel „Schreibmaschinen“), Apparat, welcher dazu dient, die Schreibthätigkeit der Hand durch maschinelle Vorrichtungen ausführen zu lassen, um an Zeit zu sparen und eine gleichmäßige druckähnliche Schrift zu erzielen. Die S. wurde 1714 von Mill in England erfunden. Die nächste S., von dem Dänen Malling-Hansen konstruiert, hatte die Gestalt einer Halbkugel mit beweglichen Stiften, welche derart angeordnet waren, daß die an den untern Enden derselben angebrachten Metalltypen im Zentrum der Kugelfläche gegen eine vorüberbewegte Papierfläche anschlugen und daselbst mit Hilfe von Blaupapier einen Abdruck des gewünschten Buchstabens erzeugten. Diese S., welche unter dem Namen die „Schreibkugel“ bekannt geworden ist, war aber sehr schwerfällig und mit einer elektrischen Auslösevorrichtung verbunden, so daß auch noch eine elektrische Batterie zum Betriebe dieses Schreibapparates gebraucht wurde. Die erste wirklich brauchbare S. wurde von der bekannten Remingtonschen Gewehrfabrik nach einem Entwürfe des Amerikaners Shole ausgeführt, und mit dieser Maschine, welche dem Prinzip nach mit der noch gegenwärtig stark verbreiteten, neuern „Remingtonmaschine“ nahezu identisch ist, wurde der Grund zur Entwickelung einer Schreibmaschinenindustrie gelegt, welche nun, wenigstens in Amerika und England, zu einem blühenden Geschäftszweige geworden ist, der immer mehr an Ausdehnung gewinnt. So sind z. B. von den leistungsfähigern Schreibmaschinen im Laufe der letzten 14 Jahre in den Vereinigten Staaten Nordamerikas allein weit über 100,000 Stück abgesetzt worden, eine Ziffer, welche wenigstens teilweise dadurch erklärt wird, daß in der Stadt New York, statistischen Nachweisungen zufolge, 10,000 Stenographinnen, welche zugleich Maschinenschreiberinnen sind, in verschiedenen Büreaus der Stadt ihrem Berufe nachgehen, daß ferner jedes Hotel der Vereinigten Staaten sein eignes „Type-Write“-Büreau besitzt und endlich noch unzählige Geschäftsleute, Journalisten sowie auch Gelehrte und Privatpersonen ihre Schreibarbeiten und Korrespondenzen auf der Maschine besorgen. In den Ländern des europäischen Kontinents beginnen dagegen die Schreibmaschinen erst seit wenigen Jahren allgemeiner bekannt zu werden und insbesondere in Deutschland und in Österreich auch in Büreaus und staatlichen Ämtern Verwendung zu finden.

Die verschiedenen Schreibmaschinensysteme können entsprechend ihrer Konstruktion in zwei Hauptgruppen geschieden werden, nämlich in Tasten- oder Klaviaturmaschinen und in tastenlose Schreibmaschinen (Eintaster). Zu den erstern sind jene Schreibmaschinen zu zählen, bei welchen der Abdruck der einzelnen Typen sowie die Seitwärtsbewegung des zu beschreibenden Papiers, welches in einen beweglichen Schlitten eingeklemmt ist, durch Niederdrücken von Tasten veranlaßt wird. Bei diesen Schreibmaschinen, welche ein außerordentlich rasches Schreiben ermöglichen, wird mit beiden Händen auf der Klaviatur gespielt, sie sind die besten und praktischsten[1], aber auch die teuersten und kompliziertesten Maschinen. Wir können bei denselben, je nachdem die Drucktypen einzeln an Typenhebeln angebracht sind oder aber auf einem gemeinsamen Rade, einer gemeinsamen Walze oder an Typenflügeln sitzen, Typenhebel- und Typenwellen-Schreibmaschinen unterscheiden. Die zweite Hauptgruppe von Schreibapparaten umfaßt alle jene Systeme, bei welchen an Stelle der Tasten ein kreis-, halbkreis-, quadrat-, linealförmiger oder sonstwie gestalteter, sämtliche in dem Typenmechanismus enthaltenen Schriftzeichen aufweisender Index tritt, auf welchem mittels eines Zeigers, Hebels, Griffes oder einer sonstigen Einstellvorrichtung der jeweilig zum Abdruck gelangen [818] sollende Buchstabe angezeigt und durch Niederdruck des eben erwähnten Bestandteiles oder auch einer besondern Drucktaste ein Abklatsch des gewünschten Schriftzeichens erhalten wird. Diese Schreibmaschinen sind der Mehrzahl nach in ihrer Konstruktion bei weitem einfacher als die Tastenmaschinen und dem entsprechend auch billiger, sie haben aber den Nachteil, daß sie viel langsamer arbeiten, weil das Schreiben mit ihnen, zufolge der verschiedenartigen Thätigkeit der beiden Hände, ein weit schwerfälligeres ist, sowie auch, weil die Augen durch das rasche Ablesen der auf dem Index enthaltenen Zeichen etwas angestrengt werden. Bei diesen Schreibmaschinen sind je nach der Anordnung der Drucktypen folgende Arten zu unterscheiden: Typensegment-, Typenplatten-, Typenstangen- und Typenrad-Schreibmaschinen.

Wir wollen im folgenden drei Maschinen als Repräsentanten der vorangeführten Kategorien besprechen. Die Yost-S. ist als das letzte Glied der aus der Vervollkommnung der Remingtonmaschine hervorgegangenen Maschinenreihe zu betrachten und vereinigt sehr viele Vorzüge in sich. Unsre Fig. 1 zeigt eine Gesamtansicht dieses Apparates, dessen Tasten, wie ersichtlich, in acht übereinander liegenden Reihen angeordnet sind. Durch Niederdrücken einer solchen Taste wird ein Hebelsystem, welches die Type trägt, in Bewegung gesetzt, so daß in einer bestimmten Lage dieser Hebel der Abdruck der Type erfolgt. Diese Typenhebel sind in einem hinter dem Tastenbrette befindlichen cylindrischen Schutzgehäuse untergebracht und zwar derart, daß jede Type im Zentrum des Kreises, in dem die Hebel verteilt sind, anschlägt. In der Ruhelage der Maschine liegen die Typen auf einem ringförmigen Farbpolster auf, von welchem sie stets die zum Drucke nötige Farbe erhalten. Das zu beschreibende Papier ist in einem durch Fig. 2 dargestellten, oberhalb des erwähnten Typenhebelgehäuses angebrachten Papierschlitten zwischen zwei Gummiwalzen eingeklemmt und wird automatisch nach Abdruck eines Buchstabens um eine Typenbreite verschoben. Die Erneuerung der Zeilen muß durch Drehen der einen Gummiwalze mit der Hand bewirkt werden.

Die Hammond-S. (Fig. 3) zählt ebenfalls zu den Klaviaturmaschinen, besitzt jedoch im Gegensatze zu der Yost-S. nicht für jedes zu schreibende Zeichen eine eigne Taste, sondern im ganzen nur 30 Schrifttasten, 2 Umschaltetasten und eine Wortzwischenraumtaste, mittels welcher sie ebenfalls sämtliche Schriftzeichen, Zahlen, Interpunktionen etc. zu schreiben vermag. Bei dieser Maschine sind die Typen auf zwei um eine vertikal stehende Achse schwingenden Typenflügeln in drei übereinander stehenden Reihen angebracht. Durch Niederdrücken der Buchstabentasten werden vermittelst eines sehr sinnreichen Mechanismus die Typenflügel von rechts oder von links gegen die Abdruckstelle hin bewegt und daselbst festgehalten, bis ein hinter der Papierfläche befindlicher Hammer ausgelöst, durch Federkraft gegen die abzudrückende Type geschnellt wird und durch Mitwirkung eines zwischen Type und Papierfläche vorbeiziehenden Farbbandes einen Abklatsch erzeugt. Die Typenflügel tragen in jeder Reihe je 30 Schriftzeichen, im ganzen somit deren 90; die Umschaltetasten dienen dazu, jene Typenreihe in Druckhöhe zu heben, welche die gewünschte Type enthält; dies geschieht in der Weise, daß durch Anspielen der Umschaltetasten die Typenflügel mitsamt der Achse, auf der sie drehbar sitzen, um ein bestimmtes Stückchen gehoben werden. Wie die beigegebene Abbildung erkennen läßt, sind diese Typenflügel in einem in der Mitte des halbellipsenförmigen Tastenbrettes stehenden cylindrischen Gehäuse untergebracht, hinter welchem der mit einer Skala zum leichtern Einstellen der Seitenränder der Schrift versehene Papierschlitten, auf Metallröllchen gleitend, eingeteilt ist. Die Verschiebung des Schlittens zum Zwecke der Herstellung der Zwischenräume zwischen den Buchstaben geschieht wie bei der Yost automatisch, die Wortzwischenräume werden durch Niederdrücken der mittelsten breiten Spatientaste erzeugt, die Erneuerung der Zeilen geschieht durch Seitwärtsdrücken des links am Papierschlitten sichtbaren kleinen Winkelhebels, womit gleichzeitig der ganze Schlitten an das rechte Ende der Maschine geschoben wird. Die Bewegung der Farbbänder ist ebenfalls eine automatische, von rechts nach links oder umgekehrt. Die Kosmopolit-S. (Fig. 4) ist eine tastenlose S., welche sich durch Einfachheit, leichte Handhabung, Wohlfeilheit sowie durch eine sehr nette Schrift auszeichnet. Die Buchstaben befinden sich in zwei Reihen vorn auf einer kreisbogenförmigen Tafel des beweglichen Oberteiles der Maschine, an welchem ein gezahntes Kreissegment angeschraubt ist. Über diesem ist ein mit Handgriff versehener Druckhebel hin und her zu bewegen, dessen Drehpunkt im Mittelpunkte des Kreissegmentes liegt und gleichzeitig den Drehpunkt der mit dem Druckhebel in Verbindung stehenden, ebenfalls bogenförmigen Typenplatte bildet. Beim Schreiben bewegt sich der erwähnte Oberteil mit dem Buchstabenbogen selbstthätig von links nach rechts, bis das Ertönen einer kleinen Signalglocke das Zeilenende avisiert. Der Abdruck der Typen erfolgt durch Niederdrücken des vorn auf der Abbildung ersichtlichen Tasterhebels, die Zeilenerneuerung durch Lüften und Verschieben des Maschinenoberteiles von rechts nach links, wobei gleichzeitig das Papier um einen Zeilenabstand vorwärts gedreht werden muß.

Alle Schreibmaschinen bestehen aus zwei Hauptteilen, einem, welcher den Abdruck der Typen zu vermitteln hat, und einem zweiten, der die Papierverschiebung besorgt. Bei den Tastenmaschinen ist die Druckvorrichtung feststehend und der Papierverschiebemechanismus beweglich, bei den tastenlosen Maschinen ist ausnahmslos das Gegenteil der Fall. Bekanntere Tastenschreibmaschinen außer der Yost und Hammond sind: Remington, Kalligraph, Crandall, National, Barlock und Maskelyne; von tastenlosen Schreibmaschinen wären zu erwähnen: World, Victor, People, Hall, Morris, Westphalia, Merritt, Sun, Odell, Columbia, Crown, Hitter und endlich die kleinste S., der Pocket-Type-Writer, welchen man, wie sein Name besagt, thatsächlich in der Tasche bei sich tragen kann. Im allgemeinen sind die Tastenschreibmaschinen, wenn viel gearbeitet werden soll und auf Schnelligkeit ein Hauptgewicht gelegt wird, den tastenlosen Schreibmaschinen vorzuziehen, ob von den erstern jene mit Umschalttasten den Maschinen mit vielen Tasten vorzuziehen sind, ist bis jetzt nicht entschieden, indem beide Gattungen gleichviele Anhänger haben und jeder dieser Maschinen gewisse Vorzüge zu eigen sind. Der Preis der Tastenschreibmaschinen ist aber ein sehr hoher. Die tastenlosen Schreibmaschinen sind billiger. Als ein Übelstand der Schreibmaschinen im allgemeinen, insbesondere aber der meisten Tastenmaschinen, welcher deren allgemeiner Einführung in Ämtern bisher vielfach im Wege stand, muß das starke Geklapper angeführt werden, welches das Schreiben auf denselben macht; [819] jedenfalls steht aber dieser Nachteil in keinem Verhältnis zu den Vorteilen, welche eine vernünftig behandelte S. bringt. Vgl. Geßmann, Katechismus des Schreibmaschinenwesens (Wien 1891).

Meyers b19 s0832a.jpg Schreibmaschinen.

Fig. 1. Gesamtansicht. Fig. 2. Papierwalze mit den Einstellvorrichtungen.
Fig. 1 u. 2. Yost-Schreibmaschine.

Fig. 3. Hammond-Schreibmaschine.

Fig. 4. „Kosmopolit“-Schreibmaschine.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: praktischten