MKL1888:Wernigerode

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Wiktionary-Eintrag: Wernigerode
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Wernigerode. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Bibliographisches Institut, Leipzig 1888–1889, Bd. 16, S. 541. Digitale Ausgabe in Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=MKL1888:Wernigerode&oldid=- (Version vom 13.09.2014)

Wernigerode, standesherrliche Grafschaft am Harz, den Grafen von Stolberg-W. gehörig, ehemals zum obersächsischen Kreis gerechnet, zwischen Halberstadt, Grubenhagen und Wolfenbüttel, bildet seit 1825 einen Kreis des preußischen Regierungsbezirks Magdeburg, umfaßt 278 qkm (5,05 QM.) und hat (1885) 26,481 Einw. Der nördliche Teil der Grafschaft bildet eine nur von einigen Anhöhen unterbrochene Ebene, der südliche umfaßt den höchsten Teil des Harzes mit dem Brocken, dem Ilsethal und großen Waldungen. Der Hauptort der Grafschaft und des Kreises, die Stadt W., an der Holzemme, am nördlichen Fuß des Harzes und an der Linie Heudeber-Ilsenburg der Preußischen Staatsbahn, 232 m ü. M., hat 4 evang. Kirchen und eine Kapelle, eine altluther. Kirche, ein altertümliches Rathaus, ein Gymnasium, ein Waisenhaus des Pestalozzivereins der Provinz Sachsen (Plemnitzstiftung), ein großes Hospital, 3 Kuranstalten für Nervenleidende, ein Amtsgericht, eine Oberförsterei, Branntweinbrennerei, Eisen- und Kunstgießerei, Papier-, Wagen-, Schokolade-, Marmor- und Farbwaren-, Zigarren-, Kutschgeschirr-, Mineralwasser-, Konserven-, Lampen- und Käsefabrikation, Wollweberei, eine Fabrik für landwirtschaftliche Maschinen, Steinbrüche, Bierbrauerei, Sägemühlen, eine Anstalt für Landschaftsphotographie, Kunstschlosserei, Holzhandel etc. und (1885) 9085 meist evang. Einwohner. Neben der Stadt liegt auf einem 260 m hohen Berg das schöne, neurestaurierte gräfliche Residenzschloß mit Bibliothek von 95,000 Bänden, Gemäldegalerie, Naturalienkabinett und Tiergarten. Dicht bei W. die Dörfer Hasserode (s. d.) und Nöschenrode. – Die Grafschaft hatte schon seit dem Anfang des 12. Jahrh. eigne Grafen, unter denen Konrad II. 1268 die Grafschaft den brandenburgischen [542] Markgrafen aus dem askanischen Haus zu Lehen auftrug. Nach deren Erlöschen folgte das Erzstift Magdeburg in der Lehnshoheit. Als aber die Grafen von W. 1429 ausstarben, fiel die Grafschaft an den Grafen Bodo II. von Stolberg, welcher mit der Erbtochter des letzten Grafen, Heinrich IV., vermählt war. Seit 1538 ist W. Sitz einer Linie der Grafen von Stolberg. 1807 kam es an Westfalen und ward Standesherrschaft; 1813 fiel es wieder an Preußen, wo es seit 1826 als Standesherrschaft einen Kreis des Regierungsbezirks Magdeburg bildet. Die Grafen von W. besitzen außerdem einen Forst des Amtes. Hohenstein, den Sophienhof und den Forsthof Rothehütte, unter großherzoglich hessischer Landeshoheit das Amt Gedern im Kreis Nidda (69 qkm mit 3700 Einw.), ferner den Marktflecken Schwarza im Kreise Schleusingen des Regierungsbezirks Erfurt, die Herrschalten Peterswaldau und Jarnowitz im Kreise Schönau des Regierungsbezirks Liegnitz und andre Güter in Schlesien. Vgl. Lancher, Geschichte der gräflichen Häuser und der Grafschaften W. und Stolberg (Eisleb. 1844); Varges, W. (2. Aufl., Wernig. 1877); Sommer, Beschreibende Darstellung der Bau- und Kunstdenkmäler der Grafschaft W. (Halle 1883).