Magda (Tucholsky)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Wechseln zu: Navigation, Suche
Textdaten
Autor: Kurt Tucholsky
unter dem Pseudonym
Peter Panter
Illustrator: {{{ILLUSTRATOR}}}
Titel: Magda
Untertitel:
aus: Simplicissimus Jahrgang 37, Nummer 5, Seite 58
Herausgeber:
Auflage:
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1. Mai 1932
Verlag: Albert Langen
Drucker: {{{DRUCKER}}}
Erscheinungsort: München
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle: HAAB und Scan auf Commons
Kurzbeschreibung:
Wikipedia-logo.png Artikel in der Wikipedia
Eintrag in der GND: {{{GND}}}
Bild
[[Bild:|250px]]
Bearbeitungsstand
fertig
Fertig! Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle Korrektur gelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du hier: Hilfe
[[index:|Indexseite]]


[58]
Magda / Von Peter Panter

„Sie wolln sich an mein Tisch setzn? Bütte sehr. Ja, is recht voll hier. Na, is ja auch ein elejantes Lokal. Ja. Na, was solln denn die Leute auch zu Hause? Nich wah? Zu Hause komm bloß Rechnungen. Was darf ich mir denn bestellen? Fläschchen Wein? Na, danke schön.

Ich hab’ gleich gesehn, daß Sie kein Freier sind. Gibst du mir ein bißchen Tischgeld? Donnerwetter, bist du anständig – du bist wohl nicht von hier? Drum ooch. Sehn Sie mal die Dicke da – wenn der ihr Tänzer sie nicht hinten festhält, fällt sie vorneüber.

Wie lange? Ich mache das schon fünfundzwanzig Jahre. Gott sei Dank. Ich kenn jeden Trottoirstein auf dem Strich. Aber so schlecht wie jetzt sind die Geschäfte noch nie gegangen. Also ich sage ja immer zu meine Kolleginnen: Da gibt’s nur ein Mittel. Der Staat müßte uns sanieren.

Sie, lachen Sie nicht! Sehn Sie mal: wie machen es denn die Geschäftsleute? Sehn Sie mal, wenn’s denen gut geht, dann stecken sie das Geld ein. Da haben sie je auch ganz recht.

Aber wenn’s schief geht – sehn Sie mal – dann rufen sie den Staat zu Hilfe, und der muß dann einspringen. Gott, man liest ja auch seine Zeitungen. Was? Ja. Die Banken – sehn Sie mal – und was die großen Schiffahrtsgesellschaften sind – wenn die nicht mehr weiter können, denn kommt der Staat und saniert sie. Ja.

Na, und wir –?

Wir gehören doch schließlich auch zur Wirtschaft. Na, meinen Sie vielleicht, die Agrarier kämen so oft nach Berlin, wenn wir nicht wären? Na also. Wir sind sozusagen ein Bestandteil der Volksgesundheit, hab’ ich neulich gelesen. Und da müßten sie uns auch sanieren, finde ich.

Ich bleibe bei mein Wort. Der Staat hat ja so viel Geld, da könnte er was in uns reinstecken – ach, Sie Ferkel! – und saniert uns ehmt. Natürlich. Wir sind eine notleidende Industrie.

Was denn? Was denn? Zurückgeben? Sie sind aber wirklich nicht von hier. Seit wann gibt denn eine Industrie was zurück? Das ist unpatriotisch. Wer seine Schulden bezahlt, ist ein Landesverräter. Wo sie jeder Bank und jeden Großgrundbesitzer und jeden Bergwerk was geben – da können sie uns auch was geben. Na, Sache. Bestellst du mir noch ein Likörchen? Mensch, wenn ich schon Konjunktur höre – das sagen die Leute bloß immer, wenn sie nicht bezahlen wollen. Ober, noch einen Kürasso. Konjunktur … kein Mensch spricht von Konjunktur, wenn’s ihm gut geht. Das wirst du mir doch nicht erzählen! Ich meine, der Staat sollte eine Stützungsaktion bei uns machen – sollst mal sehn, wie gut das wäre. Na, für alle! Ihr würdet nicht so jeneppt, und wir könnten unsre Schulden bezahlen. Na, und was wir allein an Gewerbesteuer einbringen – durch die Wirtinnen! Also, ich zahle alleine … du glaubst nicht, was das heute für Unkosten sind –!

Schatz, was schenkst du mir denn –?“

Handelsnachrichten

Das Reich wird dem D-Konzern, der sich in andauernden Schwierigkeiten befindet, mit einer einmaligen Beihilfe in Höhe von 1,8 Millionen zu Hilfe kommen.