Marianne Brandt an Friedrich M. Voss

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Textdaten
Autor: Marianne Brandt
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Titel: Marianne Brandt an Friedrich M. Voss
Untertitel: Brief der Wagner-Altistin an den Pianisten Professor Friedrich M. Voss
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Entstehungsdatum: 1901
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Erscheinungsort: Wien
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Herrn Director
Friedrich M. Voss
Pianist
Mainz


Wien VI. Eszterhazygasse 39 30/11 1901

Sehr geehrter Herr Professor, zur Beantwortung[WS 1] der ersten Frage Ihres Geehrten, vom 27. die Mittheilung, daß ich für solche Schülerinnen, die professionel studiren 15 Kronen per Stunde nehme, gegen 20 Kr. für Dilettanten. Es ist nur das leben in Wien theurer als anderswo, das macht es für Ausländer schwer! Wenn das Ihre Schülerin nicht genirt, soll sie mir willkommen sein.

Die zweite Frage, des P.S. Ihres Briefes, ist schwerer zu beantworten! Miß Wright [WS 2] hatte, nachdem sie 2 Jahre bei mir studirt hatte, von Dir. Pollini[WS 3] einen Contrackt nach Hamburg[WS 4], wollte aber noch ein Jahr vorher studiren; wie sie sagte, des Deutschen wegen. Plötzlich erhielt ich im Sommer ich glaube 18923 einen Brief von ihr, daß sie nach Hause reisen müsse, da ihr Vater Bankerot gemacht habe, u. nichts mehr schicken könne. Ich trug ihr sofort an, den Unterricht, so weit es noch nöthig war, unentgeltlich zu geben, sie bestand aber darauf, reisen zu müssen da die kranke Mutter, sie zu Hause haben wolle! Alles war Lüge! Etwa Mitte Oktober, bekam ich eine gedruckte Anzeige:

Miß Glena Wright
S. Hallenback[WS 5]
married Brooklyn;

kein Wort mehr! Darnach[WS 6], endlich, nach sechs Jahren einen Brief aus: Minneapolis, wo sie schrieb, daß ihre Gesundheit schwankend sei, sie Unterricht gebe, u. in der Kirche singe, ihr Mann dt.[WS 7] u. zuweilen sängen sie zusammen Duette auch in Conzerten. Sie habe Lust nach Europa wieder zu kommen! Ich reagirte nicht auf diesen Wunsch, antwortete aber doch nach einigen Besinnen. Darnach kam noch ein ähnlicher Brief den ich nicht mehr beantwortete, denn sie war ja bei Pollini kontracktbrüchig geworden u. die ganze Geschichte war mir sehr unangenehm gewesen, denn sie hätte ein Stern 1. Grösse in der Oper werden können, ich hatte aber in der Zwischen Zeit gehört, daß sie in Amerika mit einer Operetten Truppe 6ten Ranges herumgereist war, also natürlich verdorben für immer! Seit dem 2. Briefe ließ sie nichts mehr von sich hören, ich weiß also nicht, ob sie noch in Minneapolis ist!

Will auch nichts mehr von ihr wissen!


Hochachtungsvoll

ergebenst Marianne Brandt

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Im Ansatz verschrieben als Beat…, dann durch dickeren Federstrich korrigiert zu Beantwortung.
  2. Es handelt sich um Brandts ehemalige Schülerin, die Sopranistin Glena C. Wright, seinerzeit verehelichte Wright-Hollenback (vgl. A Sacred Concert. In: Ariel. University of Minnesota, Minneapolis, Vol. 23, No. 21 vom 24. Februar 1900, S. 264 Digitalisat in der Google Buchsuche USA), später verehelichte Coffman (vgl. Kane County Marriages)
  3. Gemeint ist offenbar Bernhard Pollini (1838–1897), Theaterdirektor unter anderem in Hamburg.
  4. Im Ansatz verschrieben Hanb…, dann dann durch dickeren Federstrich korrigiert zu Hamburg.
  5. Hallenback steht fälschlich für Hollenback. Beim Ehemann dürfte es sich um den Sänger Glenn Wright Hollenback handeln, vgl. die Meldung: Impressive Services at the Church of the Redeemer. In: The St. Paul Globe vom 4. Dezember 1899 (Digitalisat der Library of Congress, National Endowment for the Humanities).
  6. Erster Buchstabe offenbar aus einem zunächst gesetzten Komma korrigiert.
  7. Abkürzung für dito.